Uncategorized

Lesezeit:

1.4

Minuten

Erlebter Status Quo #2: Universitäten und Bildung

Nun ich bin Student, mein Vater ist Lehrer – es gibt also viele worüber ich berichten könnte.

Ich fange vielleicht damit an, dass ich bei Anmeldevorgängen in der Publizistik regelmäßig dem Herztod nahe bin. Man hat für Online.Kursanmeldungen im Regelfall zwischen 10 und 20 Sekunden Zeit – dannach sind alle voll. Besonders schön ist das, wenn man in 2 von 3 Fällen vom Server fliegt, weil der einer solchen Belastung nicht standhält. Stellt euch da bitte einmal einen ordentlichen Stundenplan zusammen.

Ich setze vielleicht damit fort, dass in meinen Kursen regelmäßig irgendwelche Sessel aus Vorräumen geholt werden müssen und die Luft in den Zimmer stickig ist – überfüllte Hörsääle sind ja wahrlich nichts mehr, was ich irgendjemandem erzählen müsste. Vor allem im Sommersemester hat so etwas natürlich keinen Einfluss auf die Konztentrationsfähigkeit.

Es geht weiter damit, dass in viel zu vielen Fällen einfach das Equipment nicht funktioniert. Ich bin jetzt im dritten Semester, hätte aber noch nie eine reibungslos ablaufende Vorlesung im Audi Max erlebt. Besonders lustig sind Materialausfälle, wenn man ein Referat zu halten hat, und der Beamer nicht funktioniert. Das hingegen musste ich schon erleben. In einem kleinen Raum mit 70 Kollegen, der zu einer verkehrsreichen Straße führt, in dem die Fenster mit Klebestreifen zugeklebt waren, weil der Schließmechanismus offensichtlich nicht mehr funktionierte.

Dafür ist die Aula der Uni Wien wunderbar renoviert. Ist es das, was mit meinen Studiengebühren passiert?

Kommen wir zur Schule. Ich glaube, in meiner ganzen Schullaufbahn nie in einer Klasse mit weniger als 24 Schülern gesessen zu sein. Ich kann mich daran erinnern, dass im Chemieunterricht Reagenzgläser gespart werden mussten, und dass die Materialen in Physik so alt waren, dass die Hälte aller Experimente nicht funktionierte. Ich kann heute zwar Matrizen auflösen, dafür stand in keinem Lehrplan etwas über ausreichende sexuelle Aufklärung, politische Bildung oder Medienkompetenz. Das ist, wie meine Schulzeit abgelaufen ist: zu große Klassen, veraltete Lehrpläne, miese Materialien. Und das Schlimme ist: ich glaube keineswegs, dass meine AHS eine schlechte wäre.

Mein Vater ist Lehrer an dieser Schule. Er hat früher den Stundenplan gemacht, darum weiß ich, dass seit Jahren immer nur Lehrer und Stunden gestrichen, nie aber neue dazu gekommen wären. An dieser Schule sind heuer 830 Schüler – 30 mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug gibt es 4 Lehrer weniger – ein fortgesetzter Trend aus den Vorjahren. In keiner ersten Klasse sitzen weniger als 26 Schüler. Mein Vater ist heuer 44 geworden – laut eigenen Aussagen gehört er mittlerweile schon wieder fast zu den jüngeren Lehrern an dieser Schule.

Ich fordere, die Verantwortlichen abzuwählen.

Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!
 
| 30. September 2006

Eine Reaktion bisher

    Anonymous sagt:

    danke für die Status Quo posts!

    Gehe selber (in Innsbruck) auf eine AHS (7. Klasse) und hier geht es genau wie im Bildungs-Post geschrieben zu. Dieses Jahr sind erstmals seit dem schon mehr als 50-jährigen bestehen der Schule mehr als 1000 Schüler an unserer Schule, neue Lehrer – Utopie, derzeit gibt es 38 Klassen, aber nur 36 Klassenräume – Wanderklassen (habe ich in der 5. selber erlebt, wir mussten im Seminarraum 2 Tage in der Woche verbringen die restlichen im Biologie Saal) sind die Folge und das obwohl bereits sogennante “Container” im Hof aufgestellt wurden (akkustisch unmöglich da keine Vorhänge! Der Lärm-Pegel ist in diesen unglaublich hoch. Hatte selber ein Jahr darin in der 6.). Die Klassenzahl von 21 Schüler ist vergleichsweise gering, resultiert aber einfach nur durch die zahlreichen Abgänge nach der Unterstufe. In den 1. Klassen siehts da schon viel schlimmer aus. In der 2. Klasse haben wir unseren Klassenraum SELBST mit Wandfarbe ausgemalt, da die Schule nicht ausmalen wollte. Der Klassenraum war mit hässlichem türkis-grün ausgemalt und war wirklich reif für ne neue Farbe. Das Bsp. mit den Reagenzgläsern kenn ich, mein Chemie-Lehrer hat auch schon paar mal gesagt, die Schule könne sich kaum neue Gläser leisten. Die Geräte (Physik) funktionieren bei uns zwar sind aber z.t. mehr als VERALTET.

    Ein paar Impressionen aus meinem Schul-Leben. Das einzig traurige daran ist, dass in ganz Innsbruck (unter einer schwarzen Stadt Führung bzw. schwarzer Bundespolitik) Schüler aus der Volksschule selbst mit nur einem einzigen 2er abgelehnt werden müssen – nur 100% 1er werden noch angenommen! Als ich damals an die Schule kam hatte ich ca. drei 2er und einen 3er in Mathematik .. den 3er konnte ich zum Glück in der Volksschule selbst noch auf einen 2er ausbessern hätte ich es nicht geschafft hätte ich immer noch eine Aufnahmeprüfung absolvieren können. Jetzt hätte man mit diesem Zeugnis gar nicht mal eine Chance auf eine AHS in Innsbruck zu kommen!

    Lg Johannes Hofinger

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. September 2006 | 22:29

Jetzt sag doch was!

Registrierte UserInnen surfen hier ohne Werbung!