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Tom, der Sexist?
Ich schäme mich – wirklich! Gerade komme ich aus meinem Grundkurs zum Thema Politische Theorie und Ideengeschichte, und da hab ich einen Bock abgeschossen, den ich selbst schon kaum glauben kann. Es war die Einheit über feministische Theorie und eine rege Debatte drehte sich um den Androzentrismus.
Nach einiger Zeit, weil mich so manche Ansage doch irritiert hat, habe ich mich in der Diskussion zu Wort gemeldet. Irgendwie ist es mir nicht gelungen auch nur einen klaren Satz herauszubringen. Lag unter anderem daran, dass ich mir für gewöhnlich vor Stellungnahmen Notizen mache, heute hatte ich allerdings meinen Block vergessen und nach einem schlechten Einstieg sehr schnell den Faden verloren. Lange Rede kurzer Sinn: Hätte ich diesen Nonsens von jemand anderen gehört, wär ich wohl der Erste gewesen, der diese Person zerissen hätte. Es klang sexistisch. Ich habe mich dann auch gleich dafür entschuldigt, aber die seltsamen Blicke blieben an mir haften.
Dabei war meine Absicht keine schlechte. Und hier werd ich mir sicher leichter tun, sie zu formulieren. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die vehement diskutierenden Vertreter der “extremen” feministischen Seite (also innerhalb der anwesenden Gruppe, nicht wirklich ganz extrem) darauf hinausdiskutierten, dass es zwischen Mann und Frau rein gar keinen biologischen Unterschied gebe. Gerade beim Begriff Androzentrismus halte ich das für eine Fehlinterpretation.
Soweit ich diese Theorie verstanden habe, geht es darum, dass das Männliche in unserer Gesellschaft als etwas Besseres gesehen wird – als die Norm an der sich alles zu messen hat. Und damit, dass die weiblichen Eigenschaften bei Menschen schlechter sind. Was ich in der heutigen Einheit sagen wollte ist (und ich will gar nicht lange ausführen, welchen Blödsinn ich wirklich gesagt habe), dass eine Leugnung der biologischen Unterschiede niemanden weiterbringt, weil es sie ja soweit ich weiß tatsächlich gibt. Es muss lediglich erreicht werden, dass diese Differenzen für keine Seite als Schwäche ausgelegt werden.
Ein Beispiel: Die freie Wahl, ob jemand Kinder will oder nicht, und ob man sie in den ersten Jahren selbst begleiten will, oder nicht, muss freilich gesichert werden (für Mann und Frau). Egal wie die Entscheidung darüber ausfällt, darf sie aber nicht negativ beurteilt werden. Eigentlich wollte ich anprangern, dass dies heute aber geschieht. Frauen, die sich für das Kind und seine Erziehung entscheiden, werden nicht genug gewürdigt und rutschen in beruflich und finanziell prekäre Situationen. Frauen die sich für das Kind und gegen die hauptsächliche Erziehung entscheiden, werden schief angesehen.
Ich bin der Letzte, der eine Benachteiligung von Frauen fordern oder gutheissen würde. Mich irritert aber immer wieder die Ablehnung der Tatsache, dass nur Frauen nunmal Kinder bekommen – und das auch tun müssen (ohne daraus eine Pflicht für das einzelne Individuum konstruieren zu wollen), sonst stirbt die Gesellschaft aus.
Frauen sind nunmal diejenigen die 9 Monate schwanger, und auch nach der Geburt sehr stark gefordert sind. Ganz unabhängig davon, ob sich auch Männder in diesem Punkt ändern müssen, wird das so bleiben. Was also gebraucht wird, sind Konzepte, die Nachteile für Frauen aus dieser Tatsache unterbinden, anstand die Leugnung derselben.
Abseits davon: Mein grundsätzliches Problem mit Feminismus-Debatten ist wahrescheinlich mein Desinteresse. Ich bin als jemand erzogen worden, für den alle Menschen grundsätzlich gleich sind, und der dementsprechend jegliche Diskriminierung strikt ablehnt. Deshalb finde ich zwar ab und an die Debatten über die Umstände dieser (faktisch sicher immer noch vorhandenen) Mann-Frau-Diskriminierung interessant, die moraltriefenden Belehrungen, die damit immer einhergehen, sind mir aber zutiefst zuwider. Mir wird da meist etwas erzählt, was man mir nicht mehr sagen muss.
Es mag sein, dass sich für einen Aussenstehenden der Sinn dieses Eintrags nicht richtig ergibt. Ich bitte um Entschuldigung.
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2 Reaktionen bisher
Na, sind sie nach dem Sager wenigstens alle flachgelegen?
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!!! | 24. October 2006 | 20:42
Und was ist jetzt dein Problem mit Feminismus bzw. mit dem Unterschied zwischen Mann und Frau?
Dass sich Männer und Frauen vom biologischen her unterscheiden, wird ja wohl niemand abstreiten, das weiß schon der Kindergarten-Cop (Männer haben einen P…, Frauen eine V…).
Und dass es die Natur vorgibt, dass die Frauen schwanger werden und daher eine gewisse Zeit mit dem Kind beschäftigt sind bzw. sein sollten, ist wohl auch unleugbar.
Die Grundannahme des Feminismus lehne ich ab. Denn diese besagt, dass es in unserer Welt einen allerhöchsten Wert gibt, nämlich die Arbeit.
Wer arbeitet, ist ein guter Mensch. Wer nicht arbeitet, ist ein Schmarotzer, o.ä..
Und diese Grundannahme wird durch den Feminismus nicht bloß auf den Haushalt sondern auf den einzelnen Menschen heruntergebrochen, rücksichtslos darauf, dass die Natur die Menschen in zwei Geschlechter scheidet.
Dies Hochhalten der Arbeit stammt (das wird die Feministinnen gar nicht freuen) vom preußischen Protestantismus und der Max-Weber’schen Ethik.
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!!! | 14. November 2006 | 11:41
Jetzt sag doch was!