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Wir müssen alle mit Somalia zittern

Somalia ist ein Paradebeispiel für alles, was die westliche Welt je verbrochen hat und falsch macht. In der Kolonialzeit ausgebeutet und unsinnig zerteilt, im Kalten Krieg als Spielball der Großmächte misshandelt, nach dem Sturz des sozialistischen Diktators in einen undurchsichtigen Bürgerkrieg geschlittert, der von einer verhauten UNO-Mission nicht beendet werden konnte, herrscht in dem Land bis heute das Chaos und keine Staatsmacht. Jahrelang schrie das Land förmlich um internationale Hilfe, als es in den Händen von verbrecherischen Warlords zerrüttet wurde. Nichts ist geschehen. Islamistische Kriegsherren fassten schlussendlich Fuß. Die Fanatiker konnten den Menschen ein Mindestmaß dessen bieten, was sie nie kennengelernt hatten: Stabilität.

Islamisten? Das gefällt natürlich niemandem. Die Al Quaida hat schon im nordwestlichen Nachbarland Eritrea Camps, in Somalia soll es nicht so weit kommen. Der Nachbarstaat Äthiopien griff vor einigen Wochen offiziell militärisch ein und eroberte das Land im Rekordtempo. Was tut die internationale Gemeinschaft? Setzt sie einen großen Plan für Entwicklung und Befriedung des bitterarmen Somalias auf und anschließend entschlossen um? Nein. Die USA bombardieren punktuell und Äthiopien will schnell wieder aus dem Land raus – wohlwissend, dass ein Guerillakrieg unmittelbar bevorsteht und die Islamisten sich schon wieder sammeln. Europäische Initiativen? Fehlanzeige! Wieder einmal verpennt der alte Kontinent eine Chance, sich als tatsächlicher Friedensakteur ins Spiel zu bringen. Nein, die Erben des äthiopischen Feldzugs sind Warlords, die mit so abstrusen Ideen wie Menschenrechten oder wenigstens Stabilität auch Nichts am Hut haben. Einigkeit kann man dort nämlich nicht ausmachen. In Wahrheit bekämpfen sich die Gruppen schon wieder in offenen Gefechten. Aber wie viele Despoten vor ihnen, stehen sie an der Seite der USA und haben Narrenfreiheit.

Die westliche Welt beweist einmal mehr, dass sie den Konflikten der heutigen Welt planlos gegenübersteht. Anstatt kooperativ mit dem somalischen Volk und willigen Clanführern Schritt für Schritt das Land zu entwickeln (und dadurch einen wichtigen Verbündeten in einer Krisenregion und der islamischen Welt zu gewinnen), werden unzuverlässige und unberechenbare Gewalttäter geduldet und gefördert. Wird gewartet bis die nächsten Bombardments notwendig sind? Wird man dann wie in Afghanistan und dem Irak auch militärisch alles in den Sand zu setzen? Wer wird auf diesem Weg die Toten zählen? Wen werden die Überlebenden wohl hassen? Wer trägt die Verantwortung, wenn beim nächsten 9/11 ein paar hoffnungslose Somalis beteiligt sind? Und sind es dann auch wieder Terrorkarteien, Bürgerrechtsbeschneidungen und Überwachungskameras, die als bestes Mittel verkauft werden, um zukünftigen Anschlägen vorzubeugen?

Somalia geht uns alle an – wenn schon nicht wegen unserer Menschlichkeit, dann wenigstens aufgrund unserer Frei- und Sicherheit.

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| 14. January 2007

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