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Wahlalter 16 ist richtig aber Jugendpolitik wäre schön

Ein Drittel der Bevölkerung ist heute über 60 Jahre alt, die Tendenz steigt. Was auf uns zukommt ist überspitzt gesagt eine Diktatur der Pensionisten. Es ist schon allein deshalb vernünftig, das Wahlalter endlich auf 16 Jahre herabzusetzen, um zumindest kurzfristig dieser problematischen Entwicklung entgegenzuwirken. Nach den statistischen Daten von 2001 kämen da nicht ganz 200.000 Wahlberechtigte hinzu. Ja, ich hab es auch gelesen: Massen an Jugendlichen sind einfach nicht an Politik interessiert, warum sollten sie also wählen dürfen?

Zum Einen: 17 Prozent dieser neuen Gruppe haben sich laut kolportierten Umfragewerten einer IMAS Studie als eher oder sehr Politikinteressierte geoutet (betreffend der eigentlich mehr als abstoßenden Innenpolitik des Landes). Diese Leute vom Wahlrecht auszuschließen ist schon einmal nicht rechtfertigbar (ich habe außerdem den Verdacht, dass der Politikbegriff der Umfrage ein äußerst enger sein dürfte). Viel wird von ihnen erwartet, viel wird geleistet (nein, ich meine nicht nur den Schlieri). Aber wenn es darum geht, das politische Schicksal ihres Landes zu bestimmen, halten viele Hüter der Macht plötzlich ein Stoppschild hoch? Nein, so geht’s ja wohl nicht. Von einem 16-jährigen kann man heute bereits annehmen, dass er Abseits von jugendlichen Fehlern (die man ihm oder ihr zugestehen muss, was der Grund ist, warum man die Volljährigkeit entgegen BZÖ-Meinung nicht senken sollte), bereits gefestigte Werte besitzt und durchaus auf Informationen beruhende Entscheidungen treffen kann.

Vielmehr sollte man die angesprochenen Umfragewerte in dieser Sache aber auch gar nicht ernst nehen. Wenn ein Wahlberechtigter nicht wählen geht, dann tut er es eben nicht. Na und? Dann ist auch nichts verloren. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass sich ein Interesse für Innenpolitik erst dann verstärkt aufbauen wird, wenn die betroffenen Gruppen überhaupt an Wahlen teilnehmen dürfen. Sieht man von den Wenigen ab, die wie etwa einst ich ein politisches Interesse schon früh als Hobby entwickeln, gibt es für Leute, die nicht wählen dürfen ja auch keinen Grund, sich für die Lächerlichkeiten des politischen Alltags in Österreich zu begeistern. Wer kleingeistige, streitende Idioten unsachlichen Müll reden hören will, muss nicht die Parlamentsübertragung oder ZiB 2 sehen, qualitativ fragwürdige Zeitungsberichte lesen oder auf Saufkopf-lastige Parteiveranstaltungen gehen, sondern kann sich ja auch einfach in einen Kindergarten setzen.

Manche führen die Frage der Qualität der Wahl ins Feld, die ein jugendlicher Wähler treffen kann. Aber bei genauerer Betrachtung muss man die von der Wahlberechtigung ohnehin entkoppeln. Wie viele Pensionisten, Midlife-Pfeifen oder 20-jährige werden ihr Leben lang keine Ahnung von Politik haben? Die Wahlberechtigung darf dann nicht gerade für junge Wähler an ein Informationsniveau gekoppelt werden. Einem Mitblogger kann man diese Meinung ja gerade noch zugestehen. Wenn aber Politiker von SPÖ, BZÖ, FPÖ und ÖVP (also den bisherigen Regierungsparteien de Zweiten Republik) den zweifellos alarmierenden Zustand der politischen Bildung in diesem Land schon beklagt, sollte er sich vielleicht für eine seit Jahrzehnten geforderte und beständig abgelehnte Forderung stark machen. Nämlich jener nach einem entsprechenden Schulfach. Aber wir wissen, das ist auch in dieser Legislaturperiode nur Wunschdenken. Genauso wie es illusorisch wäre, an eine sinnvolle und engagierte Jugendpolitik von den genannten und insbesondere den amtierenden Parteien zu erwarten.

Ich habe ja nichts dagegen, dass diese jungen Menschen sich ihr Leben lang für die Pension der heutigen Diktatoren den Arsch aufreissen werden, ohne später selbst eine zu bekommen. Das ist eine soziale Verantwortung, die wir Jungen für unsere älteren Menschen großteils gerne wahrnehmen. Nicht nur die bleibenden Studiengebühren, die dafür ausbleibende Schulreform oder die Lockerung der Lehrlingsverträge sind aber Beweis genug dafür, dass in der immer konkreter werdenden Diktatur der Pensionisten von Dankbarkeit keine Spur zu sehen ist.

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| 17. January 2007

2 Reaktionen bisher

    Georg sagt:

    Ähem, ich weiss nicht wie genau du meinen Beitrag gelesen hast, weil du mir meine Meinung “gerade noch zugestehst”. Ich will hiermit gerne anführen, dass ich – wie ich im Beitrag erläutere – durchaus nichts gegen eine Senkung des Wahlalters habe, WENN man mehr politische Bildung betreibt bzw. Partizipation (Interesse) fördert. Da ist Jugendpolitik selbstverständlich auch eine der nötigen Maßnahmen. Tut man das nicht, weitet man eigentlich nur den Bereich der “Uninformierten” aus, die oft nach den Eltern wählen. Mit 18 ist man zumindest mit mehr politischen Realitäten, rein aus Sicht der Gesetze und auf verwaltungstechnischer Ebene konfrontiert. Ändert man das, und betreibt wie gesagt mehr politische Bildung etc. sehe ich auch kein Hindernis, aber den Zeitpunkt halte ich angesichts des Status Quo in puncto Interesse, Informiertheitsgrad und letztendlich auch der kaum geförderten Mitbestimmung einfach für zu früh.

    Man sollte zuerst die “Grundlagen” schaffen und dann das Wahlalter senken, nicht das Wahlalter senken und dann darauf spekulieren dass sich deswegen zwangsläufig was bewegen muss. Natürlich werden die Parteien mehr tun, aber die informieren nicht zwangsläufig neutral und sachlich kompetent, sondern werfen eher mit schlagwortgespickten Broschüren und Wahlgoodies um sich.

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    !!! | 17. January 2007 | 14:16
    kritikus sagt:

    Das beste Argument gegen ein Wahlalter von 16 Jahren hast Du selber genannt. Es passt nicht schlüssig zusammen, jemenden per Gesetzt zu schützen, gefährdet oder übertölpelt zu werden, und im Gegenzug ihn die (Mit)Verantwortung für den Staat zu geben.

    Und das – “Das ist eine soziale Verantwortung, die wir Jungen für unsere älteren Menschen großteils gerne wahrnehmen.” – ist ein großer, nein sehr großer, Denkfehler. Niemand zahlt freiwillig für andere. Das Problem hier ist das Umlageverfahren – aber das ist eine andere Geschichte…

    Like! Thumb up 0

    !!! | 17. January 2007 | 15:58

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