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Stammtisch live – auf ORF

Ich mag den ORF, wirklich. Trotz allen Mängeln und Lächerlichkeiten – ich seh am deutlich Häufigsten ORF, wenn ich die Glotze einschalte. Die ZiB 3 ist (früher vor dem genialen Chaos City, jetzt vor dem auch irgendwie guten “Irgendwie L.A.“) mein Tagesausklang und mich freuen oft die brauchbaren Studiogäste. Gestern hat’s mich aber dann doch wieder aus der Schlafstimmung gerissen. Was war da los?

Im Zuge der öffentlichen Rauchdebatte, in der sich unsere Politik, wie nun festzustehen scheint, einmal mehr durch fahrlässige Feigheit hervortut, war ein Wirt aus Wien eingeladen. Ich habe seinen Namen leider vergessen. Er war der typische, selbsternannt tolerante Raucher. Einer, der es ja eh akzeptieren will, wenn die Nichtraucher der Rauch stört (das sind die ganz Gütigen). Einer, der ja eh für die Lösung zur (freiwilligen) Einrichtung von Nichtraucherzonen ist (die in der Regel dann natürlich purer Hohn sind – entweder nicht abgetrennt und unwirksam, nicht vorhanden oder in einem kleinen Hinterzimmer versteckt). Einer, der die Einrichtung von guten Lüftungsanlagen befürwortet (was den Gestank zwar vermindert, die gesundheitsschädigenden Substanzen aber nicht entfernt).

Als er sich über den empörenden Versuch beschwerte, “eine Wand durch die Lokale zu ziehen” und so eine “Klassengesellschaft” aufzubauen, wurde der Kerl so laut, dass der klassische Prolet am Fußballplatz ein Vaserl dagegen wäre. In seinem Schreianfall schien er dann sogar noch die Gefährlichkeit von Zigarretten zu leugnen (“Wenn die Zigarretten so gefährlich sind, dann soll man sie ganz verbieten!”) und darüber zu fantasieren, nur noch Rauchern Schweinsbraten servieren zu können. Scheinbar ein echter Soziologie-Versteher und waschechter Liberaler, der sich aufrecht Sorgen über die Spaltung der Gesellschaft macht (ganz egal, ob Nichtraucher heute schon durch die Rahmenbedingungen ausgeschlossen sind, und damit nur für beide Gruppen akzeptable Umstände für eine gesellschaftliche Gleichheit sorgen können – und die setzt unverpestete Luft voraus). Man fragt sich, warum er bei all der Ungerechtigkeit die Trennung als freiwillige Einrichtung der Gastwirte überhaupt unterstützt.

Aber es ist müßig hier wieder die ganzen Argumente der Rauch-Debatte auszubreiten (wer meine nicht nachvollziehen kann, kann ja in den Kommentaren nachfragen). Worum es mir eigentlich geht: Was hat so ein schreiender Supertyp als Gast in einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung verloren? Zwar zweifle ich in dieser Debatte am Verstand von so manchem Raucher, aber bei dem Thema wären doch sicher andere Diskussionspartner zu finden (etwa ein Klaus Stimeder, wie in einer passenden Talk of Town-Ausgabe auf PulsTV), die mit weniger Ignoranz und mehr Klasse ihr (immer noch falsch verstandenes) Verständnis für Liberalismus zur Schau stellen.

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| 26. January 2007

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