Das Rauchverbot und die österreichische Politik

Auch wenn Kollege Kritikus traditionell sinnlos vor sich hinschäumt, mich freut, was Gesundheitskommisar Markus Kyprianpou da mit seinem Grünbuch vorgeschlagen hat. Die Europäische Union geht was das Passivrauchen anbelangt endlich in die Offensive. Freilich ist es noch ein langer Weg bis zu einem tatsächlichen Rauchverbot im öffentlichen Raum (=Gastronomie, Arbeitsplatz, öffentliche Gebäude, öffentlich zugängliche geschlossene Räume). Vor Mai 2008 soll sich die Komission diesen Vorschlag einmal ansehen, dann kommt ein Weißbuch, dann irgendwann eine Richtlinie. Und das auch nur dann, wenn die gewichtigen Deutschen nicht der Mut verlässt. Vielleicht kommt die österreichische Politik bis dahin auch selbst zur Vernunft, aber die vergangenen Wochen stimmen mich da eher skeptisch. Es ist doch immerhin bequemer, eine bei vielen Menschen unbeliebte Entscheidung mal wieder auf “die da oben in Brüssel” abzuschieben. Mutlos.

Es gibt einige Punkte, die ich in diesem Zusammenhang interessant finde. Etwa die gute Arbeit der Raucherlobby, wenn es darum geht, sich (übertragen auf ihre Kunden, von denen sich scheinbar viele allzu gern mit ihr identifizieren) als Opfer zu stigmatisieren. Da spricht unter anderem der Standard völlig unbeholfen von “Anti-Raucher-Gesetzen”. Das ist interessant, weil ein absoluter Kampfbegriff. Er suggeriert, dass nicht allen geholfen (oder die Unschuldigen beschützt), sondern den Rauchern geschadet werden soll.

Womit wir es zu tun haben, wenn man den Begriff andersrum betrachtet, wäre ein “Anti-Mörder-Gesetz” (immerhin sterben 80.000 Menschen in Europa jährlich am Passivkonsum) oder ein “Anti-Suizid-Gesetz” (immerhin sterben in Europa Hunderttausende jährlich am aktiven Konsum). Es würde aber vernünftigerweise niemand so nennen. Ein Gesetz, dass sich gegen das wissentliche Töten und Schädigen von Mitmenschen richtet, könnte auf so viele Arten neutral oder positiv betitelt werden. Aber nein, natürlich sind die Nichtraucher böse, und die Raucher nur die armen Opfer dieser miesen Faschistenschweine! Ich glaube gar nicht, dass diese Formulierung in den meisten Fällen absichtlich gewählt wird. Vielmehr hat sich dieser Mumpitz bereits in die Köpfe gebrannt, und man muss selbst als Nichtraucherschutz-Befürworter vorsichtig sein, ihn nicht zu verwenden.

Das ist übrigens kein Liberalismus, den viele da zu leben glauben, es ist Egoismus. Liberalismus will Freiheit. Freiheit darf andere Freiheiten nicht einschränken. Rauchen tut das. Das konservative Österreich, seine stets Jahre hinterherhechelnde Politik und sein selbstzentriertes Volk als Vorrteier und Bewahrer eines Sozialliberalismus? Ein Gedanke, den selbst der größte Nixblicker als absurd entlarven kann.

Tom Schaffer | 31. January 2007
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7 Kommentare bisher

kritikus sagt:

Na ja, schäumen tue ich nicht, ich bin eh ausgeglichen… :)

Das mit den 80.000 Passivrauchtoten ist so eine Sache. Angeblich findet sich dazu ja keine namhafte wissenschaftliche Quelle. Der Autor hätte auch 500.000 nehmen können – das wäre genauso von Hinz und Kunz ungeprüft übernommen worden…

!!! | 31. January 2007 | 13:23
liberalinösterreich sagt:

Liberalismus will Freiheit. Freiheit darf andere Freiheiten nicht einschränken. Rauchen tut das.

Eben deshalb muss endlich eine liberale politische Bewegung in Österreich her, genau das, was ich in meinem Blog heute näher ausgeführt habe.

Gru0

!!! | 31. January 2007 | 13:48
Tom Schaffer sagt:

@kritikus, musst dich auch nicht schämen. dass ich dich verlinke ist doch sinn und zweck des bloggens. mir geht diese debattierkultur noch etwas ab in der heimischen szene.

trotzdem muss ich dir sagen, dass deine beiträge für mich oft zum haareraufen sind. aber wenn ich seh, was ein michael moravec heute für einen himmelschreienden unsinn auf der standard-kommentarseite verzapft hat, relativiert sich das fast schon.

!!! | 31. January 2007 | 16:06
liberalinösterreich sagt:

Bitte komm einmal schnell auf meine Seite. Es geht um ein Projekt für die österreichische Bloggemeinschaft.

!!! | 31. January 2007 | 19:08
Ludwig P. sagt:

@Tom

Ein Rauchverbot löst keine Probleme, nicht zu vergessen, dass ein Verbot eine Diskriminierung der raucher bedeutet!

Warum versucht man nicht den Lokal-Besitzern die Entscheidung zu überlassen, ob sie Raucher- oder Nichtraucherlokal führen wollen?? Es würde eine Tafel beim Eingang ausreichen “Hier ist ein Raucherlokal” oder umgekehrt “Hier ist ein Nichtraucherlokal” – so könnte sich der Nichtraucher sein Lokal aussuchen.
Es wäre demokratischer und würde jede Diskriminierung verhindern! Ich bin ein Gelegenheitsraucher, aber ich habe nicht vor, einen Rauchverbot einzuhalten, ich werde meine Zigarre wo ich will und wann ich will rauchen. Wenn statt eines Verbotes eine freiwillige Wahlfreiheit der Lokalbesitzer (Stichwort Nichtraucher- bzw. Raucherlokal) kommt, dann werde ich natürlich kein Raucherklokal besuchen, wenn ich rauchen möchte.

Ludwig

!!! | 4. March 2007 | 19:11
Tom Schaffer sagt:

ein rauchverbot bedeutet keine diskriminierung – bitte lern wenigstens die bedeutung der worte kennen bevor du sie benutzt. ein öffentliches rauchverbot löst die probleme, die zu lösen sind.

alle antworten auf deine sonstigen fragen findest du in der hiesigen rauch-kategorie.
http://www.zurpolitik.com/?cat=5

4. March 2007 | 19:33

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