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Politik bloggen in Österreich

In Österreich über Politik zu bloggen ist undankbar. Die großen Persönlichkeiten fehlen. Buchinger, Grasser, Haider – das sind die interessantesten Namen der letzen Jahre. Die Personalisierung der Politik ist in Wahlkämpfen zugespitzt auf den Spitzenkandidat, dannach sind Minister bessere Beamte, die in ihren Fächern auch nicht sonderlich kompetent sein müssen. So kommen dann auch Bildungsministerinnen ohne Universitätserfahrung im Lebenslauf zustande, dürfen Chemiker Wirtschafts- und Arbeitsminister werden und können Zivildiener die Landesverteidigung übernehmen. Und gegen komplexe Amtsgebilde bloggt es sich halt dann nicht so gut.

Zudem ist Österreich ein Land, in dem man jedem Vierten erklären muss, was das Internet ist. Vom Rest muss man vier von fünf Leuten erstmal klar machen, was überhaupt ein Blog ist. Und die übrigbleibende Elite glaubt zu 90%, dass bloggen eine exibitionistische Form des Tagebuchführens ist. Dass hier spezielle Themen aufgegriffen werden, ist Wissen, das einem Kleinstkreis bekannt ist, von dem wiederum ein Großteil der Leute die Bloggerei aus Spaß an der Freud und ohne große Hintergrundkompetenz ausübt.

Es steht schlecht um die Breitenwirksamkeit des Politikbloggens im Lande. Ein kleines Häufchen an guten Leuten findet sich zwar doch, aber die kommt auch nicht über Leserzahlen von 50 – vielleicht 100 – Besuchern hinaus. Was man dagegen machen kann, ist eine gute Frage. Ein paar Mutige versuchen sich gerade an einer gemeinsamen Plattform. Eine gute Idee, der ich mich gerne anschließen würde, der ich aber wenig Erfolgschancen zur substantiellen Verbreiterung der Leserschaft zurechne.

Dass im deutschsprachigen Raum generell was mit der Blog-Kultur im Argen liegt, merkt man schon an den geringen Kommentarzahlen. 10 Rückmeldungen auf einen Beitrag sind auch bei den größten Vertretern aus populäreren Themengebieten als der Politik keine Seltenheit. Es scheint als wäre die Überwindungshürde zum Kommentieren bei uns eine besonders große. Ist das Web 2.0 zuviel Zivilgesellschaft für die staatshörigen Völker deutschsprachiger Länder?

Während in den USA Weblogs mittlerweile zu anerkannten Medien heranreifen, dürfen sich die besten hiesigen Vertreter darüber freuen, in einer Qualitätszeitung auf einer Viertelseite zitiert zu werden – ohne Bezahlung versteht sich. Für die Ehr. Das ist schön, kann aber doch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Bloggen Österreicher vielleicht einfach falsch?

Oder ist es ganz anders, und in Wahrheit fehlt uns Politikbloggern im Alpenland nur der große Durchbruch? Der eine große Skandal, der von dieser kleinen Elite aufgedeckt wird? Werden Leute die hochklassige politische Kommentare schreiben und interessante Themen aufgreifen hier auch irgendwann zu einem wichtigen medialen Subsystem?

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| 2. February 2007

9 Reaktionen bisher

    kritikus sagt:

    Ein Grund ist vielleicht, dass beim Bloggen ja allgemein das Hauptgewicht auf der persönlichen Meinung und nicht auf der objektiven Information (wie etwa in Zeitungen) liegt. Wer sich informieren will liest in erster Linie Zeitungen und sucht erst später, wenn er überhaupt die Zeit hat und ihn ein Thema besonders interessiert, nach Blogs (so er überhaupt weiß was das ist bzw dass es sowas gibt).
    Zudem ist es für Interessierte mühsam, immer die in Frage kommenden Blogs durchzuklicken. Deshalb ist eine themenrelvante Plattform jedenfalls eine gute Idee. Allerdings sollte diese automatisiert laufen und nur dazu dienen, dem Besucher einen immer aktuellen Überblick über das Bloggeschehen zu diesem Themenbereich bieten.

    Ansonsten kann man da imho nicht viel machen – außer gute Beiträge schreiben und Geduld aufbrinen.

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    !!! | 2. February 2007 | 08:57
    Thomas sagt:

    Wenn man in Ö seine politische Meinung irgendwo kundtun will, dann ist die Krone Leserseite noch immer der Beste Ort, und Reimform noch immer das sinnvollste. Wenn man bei seiner politischen Meinung 3 statt nur einer Gehirnzellen verwendet, ist man ein Gutmensch. Und Bloggen ist sowieso ein Phänomen der linksextremen Internetgeneration. Dass Bloggen “nur Meinungen” und nix objektives sind, mag richtig sein. Nur ist mir die “Meinung” hier näher als die “Meinung”, die in der Krone verbreitet wird.

    Ansonsten halt ichs wie der Kritikus: Man kann sonst nix machen ausser gute Beiträge schreiben und auf die Zeit hoffen.

    PS: BITTE nicht mehr Web 2.0 verwenden, mir drehen sich bei diesem Begriff jedesmal die Zehennägel auf… ;)

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    !!! | 2. February 2007 | 09:08
    weltbeobachterin sagt:

    Ich glaube, es wird noch kommen, mit den großen Namen. Die sich durch große Taten und vielmehr sich durch große Worte etablieren wollen im Bewusstsein der Bevölkerung.
    Aber ich stimme dir zu, jede Menge Leute haben keine Ahnung was ein Blog ist? Ich habe mir schon angewöhnt, es gleich mitzuerklären. Ich blogge aúch aus Spass und Interesse. Vor allem an der Politik und wie meine Vorgänger schon geschrieben hat. Einfach gute Beiträge schreiben und abwarten.
    Ich glaube, viele Leute trauen sich nicht kommentieren, weil man dann später ev. einen Strick drehen kann.
    Aber dann stell ich mir wie Thomas die Frage, wieso dann soviele Leute sich antun und Leserbriefe schreiben. Gerade die Krone ist übervoll damit. Wie ich letzthin bemerkt habe!

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    !!! | 2. February 2007 | 09:58
    rotweissrot sagt:

    Ja bloggen ist nicht einfachen, zumindest nicht erfolgreiches bloggen, d.h. auch eine größere Reichweite zu erreichen. Aber die Entwicklung der letzten Wochen der österreichischen Polit-Blogger-Szene ist ja äußerst positiv. Ich überlege gerade ob ich eine kleine Politikblog-Übersicht online stelle (mit eigner URL). D.h. ähnlich dem wahlblog-System, aber nicht so umfangreich programmiert. Nix großes, aber einen Überblick der laufenden Artikel von Austro-Polit-Blogs.

    Auch in Deutschland sind ja Blogs noch als Onlinetagebücher von exhibitionistischen Persönlichen ohne Substanz verschrien, aber dass es viele aktuelle und seriöse Themenblogs gibt (vor allem natürlich über Programmierung/Internet/SEO/Onlinemarketing, etc) wird von den Medien gerne verschwiegen. Wobei ich mich auch oft über die Bloggerszene selbst wundere, denn bei oft vollkommen langweiligen und m.E. sinnlosen Blogeinträgen zu den banalsten Themen finden sich 10, 15 sinnentleerte Kommentare. Aber wahrscheinlich werden Artikel die den Lesern eine Regung der Gehirnzellen erfordern nur von einer „gebildeten“ Bloggerszene als interessant erachtet und deshalb gelesen und kommentiert.

    Und ja, Österreich ist in puncto Internet ein Entwicklungsland. Aber nicht unterkriegen lassen, obwohl es oft frustrierend ist, durchhalten. Ein Weisheit des Internet heiß ja: „Man muss durchhalten um gewinnen zu können“.

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    !!! | 2. February 2007 | 11:05
    liberalinösterreich sagt:

    Es ist natürlich ein großes Problem, das wir österr. Blogger noch nicht so anerkannt sind. Also fleißig weitermachen.

    Was ich aber erstaunlich finde ist, dass ich seit meinem Umstieg auf WordPress unglaubliche Benutzerzahlen zu vermelden haben.

    Heute kamen bis jetzt 213 versch. User auf mein Blog.

    Für ein österr. Blog nicht schlecht! Das wär bei blogger.de nie möglich gewesen …

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    !!! | 6. February 2007 | 23:23
    Tom Schaffer sagt:

    ich überlege auch, umzusteigen. dazu muss ich aber irgendwie die posts ins neue system rüberretten.

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    !!! | 7. February 2007 | 00:08
    liberalinösterreich sagt:

    Hallo,

    wenn du noch nicht aufs neue Blogkonto bei bloger.com umgestiegen bist, dann kannst du die Beiträge übernehmen.

    Mit dem neuen System gehts leider nicht.

    Deshalb habe ich mein altes Blog einfach als Archiv gelassen.

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    !!! | 7. February 2007 | 09:24
    Alexander sagt:

    Wozu braucht es in der Bloggerszene grosse Namen berühmter Politiker? Das Internet ist eine evolutionäre soziale Revolution, die Demokratisierung der Welt findet über das Internet statt. Dank dem Internet hat jeder auf dieser Welt, der einen Internetanschluss hat die Möglichkeit seine Meinungen und Ansichten zu veröffentlichen. Man kann für jedes Thema bzw. Anliegen Netzwerke und Communities gründen und sich auf diese Art und Weise Gehör verschaffen. Hört auf darauf zu warten bis Politiker von gestern die Vorteile des Internets erkannt haben. Nutzt es um die Politiker von morgen zu werden.

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    !!! | 7. July 2008 | 22:10
    Tom Schaffer sagt:

    dazu muss man das aber auch wollen. zudem geht es hier ja auch weniger darum, dass die politiker “von gestern” bloggen müssten um bloggen einfacher zu machen ;)

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    8. July 2008 | 00:00

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