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Unterrichtsreform jetzt!
Im Rahmen der Forderung deutscher Medienpädagogen, Handykunde in den Schulunterricht zu integrieren, weil Mobiltelefone die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen maßgeblich beeinflussen, möchte ich etwas weiter gehen. Ich fordere eine völlige Reform des Unterrichts in Österreich.
1. Neue Fächer
Längst überfällig: Politische Bildung, Medienkompetenz. Diese beiden Bereiche umfassen zentrale Herausforderungen der heutigen Gesellschaft und werden im heutigen Unterricht sträflich vernachlässigt. Mit 15 im Gymnasium das erste Mal in einen Informatikkurs zu kommen ist zu wenig. Junge Menschen müssen schon früher lernen, wie man mit Medien aller Art umgeht, die dortigen Informationen verarbeitet und die dahinterstehen Mechanismen verstehen. Natürlich gilt nichts anderes für die politische Bildung. Jugendliches Desinteresse kommt nicht von lächerlichen Alt-Politikern allein. Wenn man etwas nicht versteht (und die meisten Menschen in Österreich verstehen das eigene politische System nicht – ganz zu schweigen von EU-Mechanismen oder Weltpolitik), ist es völlig logisch, dass man sich auch nicht damit beschäftigen will. Eine gesunde Demokratie braucht politisch geschulte Menschen. Nicht indoktrinierte, sondern verstehende.
2. Alte Fächer entlüften, umgewichten & modernisieren
Tagtäglich werden wir Menschen mit hochkomplexen psychologischen Herausforderungen konfrontiert, ohne dass die meisten auch nur einen Hauch einer Ahnung davon haben. Das ist nicht nur schädlich für einen selbst, sondern auch für andere. Wir übersehen heranwachsende Amokläufer und Selbstmörder (und lassen uns dann blöde Antworten auftischen), scheitern ratlos an aggressiven Persönlichkeiten und können mit psychologischen Störungen unserer Mitmenschen schon gar nichts anfangen – verhalten uns falsch und kontraproduktiv. Psychologie muss mehr als eine Stunde in der Gymnasiumsoberstufe werden.
Ein schlappes Jahr habe ich in Biologie mit Gesteinskunde zu tun gehabt, in flotten drei Stunden wurden mir und meinen Mitschülern die mechanischen Abläufe des Geschlechtsverkehrs hineingepresst. Das Verhältnis muss sich genau umkehren. Sexualkunde ist keine ungewichtige Sache im Leben eines Jugendlichen. Keine Sau wartet bis zur Hochzeit mit 25 um das Küssen und Vögeln zu erforschen und schon lange vorher ist das alles viel komplizierter. Der Verzicht auf eine umfassende Aufklärung ist gefährlich.
Der Religionsunterricht darf nicht länger verpflichtend sein. Ein modernisierter Ethikunterricht soll an seine Stelle treten. Wer sich für die Religion interressiert, soll ein freies Wahlfach in der Oberstufe wählen können. Alle anderen brauchen die Märchengeschichten von über Wasser spazierenden Menschen nicht.
Mathematik ist super – wenn man sich dafür interessiert. Nach der 10 Schulstufe lernt man dort aber nichts mehr, was man später einmal unbedingt braucht. Raus mit Extremwertrechnungen und Funktionsableitungen aus dem verpflichtenden Mathematikunterricht, die gewonnene Zeit investieren wir in ein besseres Verständnis der anderen Bereiche oder gar in vermehrte Unterrichtsstunden in anderen Fächern – etwa Informatik und Psychologie.
So könnte man Stunden weiterschreiben und immer weiter aufzeigen, wie veraltet die Lehrpläne unserer Schulen sind. Es braucht eine groß angelegte Reform der Schule. Mit Klassenschüler-Höchstzahlen von 20 Personen, modernisierter Lehre und einem sehr viel flexibleren Angebot vor allem für Oberstufen. Es ist nicht zielführend wenn heranwachsende Informatikgenies in Latein durchfallen. Es ist nicht nötig das angehende Dolmetscher mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung ums Überleben kämpfen. Mehr Modularität ist der Schlüssel zu einer interessens- und begabungsfördernden Schule, die auf die Anforderungen des Lebens vorbereitet. Dass es eine allgemeine Grundlage geben muss, wird niemand bestreiten, aber eine individuellere Entfaltung macht durchaus Sinn.
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7 Reaktionen bisher
das find ich ein gelungenes statement: nicht nur inhaltlich, sondern auch in seiner schmissigen art besonders überzeugend.
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!!! | 4. February 2007 | 21:39
Volle Zustimmung! Hier sieht man, dass man auch ohne jahrelange “Experten”-Arbeitsgruppen klare Ziele formulieren kann.
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!!! | 4. February 2007 | 22:14
100% d’accord!!
mehr wahlfreiheit für die schülerInnen (z.B. Modulsystem) wäre noch zu ergänzen, was dann wirklich eine innere differenzierung brächte und das unnötige sitzenbleiben verhindern würde.
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!!! | 5. February 2007 | 01:33
100% Zustimmung. Fantastisch Vorschläge.
Zusätzlich würde ich mir noch verpflichtende Rhetorik (Argumentieren lernen!), und mehr Geschichtsunterricht als nur eine durchschnittliche Stunde in der Woche wünschen.
Philosophie wäre auch ganz wichtig. Zurück zu einer humanistischen Bildung!
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!!! | 5. February 2007 | 10:37
Was ich noch vergessen habe: Latein.
Und zwar verpflichtend.
Mehr dazu werde ich in meinem Blog schreiben. Verdammt, muss ich dich wieder verlinken, bei deinen guten Ideen.
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!!! | 5. February 2007 | 10:40
harr harr, erfolg durch qualität
wobei ich deiner latein-forderung nur bedingt zustimmen kann. (ich hatte das fach übrigens nie
). vielleicht wäre ein grundstock sicher, aber gerade später ist die latein-verpflichtung eher ein übel und die stunden sollten eher in das erlernen einer wirklich lebendigen sprache fließen. aber das wäre ein detail, da müssten sprachwissenschafter und pädagogen zu einer sinnvollen lösung kommen.
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!!! | 5. February 2007 | 13:23
Zu 1000% meine Meinung
Auch das mit dem Ethikunterricht – obwohl ich sehr gläubig bin.
Sicher ist es gut und notwendig, einen guten Grundstock in Latein zu haben. Aber nach 2 Jahren kann sich Otto Normalschüler entscheiden, ob er weiter – für die meisten unnötige – Lernzeit in dieses Fach investieren möchte/ kann.
Genau so mit Musik und Zeichnen. Wenn es jemand will und sagt ‘ich möchte darin maturieren’ sollte es als FREIER WAHLGEGENSTAND bestehen. Und nicht verpflichtend. Wisst ihr wieviel Zeit dafür verschwendet wird, in der man für andere Fächer büffeln könnte.
Nach 3 bis 4 Jahren hat man das dann auch wider vergessen wenn man es nicht braucht.
Wieviel die heutigen Schüler umsonst lernen müssen – am Tag kann ich mich 2-3 Stunden (nach der Schule) wirklich gut konzentrieren. Wenn ich da für Musik lernen muss anstatt meine Muttersprache zu lernen (mit derzeit nur 2-3 Wochenstunden), kann da was doch nicht stimmen.
Ausserdem wäre es auch gut – aber optional- wenn Lehrer mehr auf Aktivitäten der Schüler Rücksicht nehmen müssten…
Z.B.:Sportliche Aktivitäten. Wie laufen. Das hält gesund und auch geistig fit – Mens sana in corpore sanum!!!
Bei uns gibt es Schüler, die bis 10 Abends büffeln müssen – keine Zeit für Sport. Zu wenig Schlaf. Noch weniger Konzentration. Schlechtere Noten. Mehr Druck zum Lernen. Ein Teufelskreis…
Als ich als Schulsprecher kandidierte wurde ich nicht zugelassen, da ich mit ebendiesen Punkten ‘die Demokratie der Schule gefährden würde’ usw…
Wieso keine Maschinenschreibkurse – obwohl es in der Zukunft immer wichtiger wird, schnell auf Tastatur zu Schreiben – das 10Fingersystem zu können.
Stattdessen beharren sie auf Fächern, die unnötigen Leistungsdruck aufbauen.
Spricht mir aus der Seele der obige Artikel
MFG
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!!! | 16. March 2008 | 22:04
Jetzt sag doch was!