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Kein Anti-Amerikaner der Guantanamo trotzdem verabscheut
Über Liberal in Austria bin ich auf diesen Beitrag in Zettels Raum gestoßen. Er sieht auf den ersten Blick lang aus, seine Essenz wird aber schon bald nach den eindeutigen Zitaten klar, weshalb ich ihn jedem ans Herz legen möchte.
Es ist ein gelungener Blog-Eintrag. Bis zu dem Zeitpunkt, wo er die eigentliche Identität des beschriebenen Lagers enthüllt. Dannach tut er genau das nicht, was eigentlich sein Anspruch sein dürfte: Menschenrechtsverletzungen anzuprangern, egal wer sie verübt. Im Gegenteil. Vom Kämpfer für die Menschenrechte wird der Autor mit einem Schlag zum Verteidiger ebensolcher, denn er versucht die Ungeheuerlichkeiten im kubanischen Guantanamo zu benutzen, um kirminelle amerikanische Aktivitäten zu relativeren. Ja gar froh könnten Gefangene sein, wenn sie ins US-Lager verfrachten werden würden. “Schimpft’s mir nicht so auf die Amis, weil vier Kilometer weiter ist’s noch schlimmer.”, scheint Zettel zu sagen. Das ist nicht nur der falsche Ansatz, das ist Idiotie.
Natürlich wird niemand bei klarem Verstand behaupten, dass die menschenrechtlichen Zustände auf Kuba besser als in den USA sind. (Ja, der Umkehrschluss ist meine Meinung: wer das behauptet ist ein unwissender Trottel.) Aber genau mit solchen Relativierungen erweist man den Menschenrechten keinen Dienst. Im Sinn dieser Errungenschaften der Welt gibt es nur eines: die gnadenlose Attacke aller Verstöße gegen sie. Wer versucht das eine zu verteidigen, indem er auf das andere hinweist, ist im Allgemeinen auf der falschen Spur. (Extremsituationen die ein “entweder/oder”-Szenario ergeben mal ausgenommen)
Dass gerade die USA in solchen Fragen dermaßen polarisieren, halte ich für ein leicht erklärbares Phänomen, das sich auch gerade an dieser Wortmeldung von Zettel illustrieren lässt. Die Menschen, oder zumindest ich, haben im Kopf ein enorm hohes Idealbild des Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und damit einhergehend hohe Ansprüche. Wenn in einem US-Gefängnis ein Häftling geschlagen wird, dann ist das ein Skandal. Der wird auch nicht kleiner, wenn man ihn mit den Zuständen in iranischen, kubanischen, chinesischen oder burmesischen Lagern vergleicht. Angesichts des Anspruchs, den man außerhalb wie innerhalb der USA von dieser Nation hat, und der Rolle die sie weltpolitisch, nein, weltgesellschaftlich spielt, darf so etwas kein Maßstab sein. Jeder geschlagene Gefangene ist in den USA ein Skandal, weil sie eine rechtsstaatliche Demokratie und dies propagierende Weltmacht sind.
Man tut den USA keinen Gefallen, wenn man sie mörderischen Regimen gegenüberstellt – wessen sich die Relativierer wohl nicht bewusst sind. Plumper Antiamerikanismus treibt sie zu einer Verteidigung, wo es aber eigentlich nichts zu verteidigen gibt. Jeder der die Menschenrechte mit Füßen tritt, ist ausnahmslos zu kritisieren und attackieren. Und Anti-Amerikaner sind nicht nur jene, die das Land undifferenziert durch den Dreck ziehen, es sind auch jede, die die hohen Ideale die dahinterstehen verraten, indem sie dessen Verbrechen gegen kubanische oder chinesische Verbrechen aufwiegen. Ein Freund erkennt und reagiert, wenn sich ein anderer das eigene Rückgrat anschnitzt.
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6 Reaktionen bisher
Ich denke Sie missverstehen Zettel Beitrag hier ein wenig. Ich habe schon andere Text von ihm gelesen und weiß, dass er auch gegen von den USA begangene Menschenrechtsverletzungen eintritt.
In dem Beitrag geht es keinesfalls darum Menschenrechtsverletzungen zu relativieren, sondern im Gegenteil sie anzuprangern wo auch immer sie passieren. Leider ist es so, dass die Berichte über Menschenrechtsverletzungen zurzeit hauptsächlich auf die USA konzentrieren und dabei der Blick auf andere, in der Regel viel schwer wiegendere Verbrechen erschwert wird. Es ist ja sogar so, dass manche dieser Unterdrückerländer idealisiert werden, weil sie sich dem “US-System” in den Weg stellen. Hier sind Kuba und sein immer Kuba-ähnlicher-werdendes Partnerland Venezuela die besten Beispiele.
Man sollte nicht fordern nur amerikanische oder nur kubanische Foltergefängnisse sollen geschlossen werden sondern alle Foltergefängnisse egal von wem sie betrieben werden.
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!!! | 18. February 2007 | 05:17
Ich glaub ja schon, dass es Zettel darum geht, Menschenrechtsverletzungen überall anzuprangern. Sieht man aber diesen Beitrag, dann tut er es eben auf eine falsche Art und Weise, weil er eben Vergleiche bemüht und amerikanische Verbrechen sogar verharmlost.
“Jeder der Gefangenen im Combinado de Guantánamo würde es als das Große Los empfinden, wenn er ins amerikanische Lager Guantánamo Bay verlegt werden würde und unter den dortigen Haftbedingungen leben dürfte.” – sowas ist einfach großer, gefährlicher Mist.
PS: Von mir aus reicht das “du”
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18. February 2007 | 11:31
“Jeder der Gefangenen im Combinado de Guantánamo würde es als das Große Los empfinden, wenn er ins amerikanische Lager Guantánamo Bay verlegt werden würde und unter den dortigen Haftbedingungen leben dürfte.” – sowas ist einfach großer, gefährlicher Mist.
Lieber Tom Schaffer, über Gefährlichkeit will ich nicht urteilen.
Es ist ja oft gefährlich, die Wahrheit zu sagen. Und die Wahrheit ist nun mal das, was ich geschrieben habe: Die Zustände in Guantánamo Bay sind nach allem, was ich darüber weiß, ungleich erträglicher als im Combinado Guantánamo.
Was die Lebensbedingungen in den Zellen angeht, was die Verpflegung angeht, was die Behandlung durch das Wachpersonal angeht. Was die Freiheit der Insassen angeht, ihre Religion auszuüben.
Selbst was die Rechtsstaatlichkeit angeht. Jeder einzelne Fall wird aufwendig untersucht; wir konnten das ja am Beispiel Murat Kurnaz erfahren. Das Ziel ist es, Menschen festzuhalten, weil sie gegen die USA gekämpft haben, nicht wegen ihrer Gesinnung.
Nichts davon gilt für die politischen Gefangenen in Castros Gefängnissen (nach dem, was ich darüber in Erfahrung bringen konnte). Sie sitzen, weil sie als Journalisten unliebsame Artikel geschrieben, weil sie Cuba zu verlassen versucht haben. Sie büßen Willkürurteile ab.
Und sie sind die Vergessenen. Während die Gefangenen der Amis im Zentrum weltweiten Interesses stehen.
Das, lieber Tom Schaffer, ist nun mal so.
Daran, daß auch die Menschenrechtsverletzungen in Guant´namo Bay inakzeptabel sind, ändert das nichts.Folter ist nicht zu akzeotieren,
Nur können Sie das ja täglich in den diversesten Medien lesen. Und in Zettels Raum versuche ich, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten, das zu schreiben, was nicht die Spatzen von sämtlichen Dächern pfeifen.
Herzlich, Zettel
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!!! | 18. February 2007 | 13:47
wie gesagt, ich halte das für einen falschen und unbrauchbaren weg um menschenrechtsverletzungen zu attackieren, auch diese antwort schlägt ja wieder in dieselbe kerbe
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18. February 2007 | 14:21
Was meinen Sie mit einem “falschen Weg”?
Mir geht es um die Fakten. Zettels Raum weist keine Wege irgendwohin, sondern liefert allenfalls – um im Bild zu bleiben – so etwas wie Kartenmaterial.
Das Ziel muß jeder selbst festlegen; den Weg dorthin ebenso.
Herzlich, Zettel
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!!! | 18. February 2007 | 15:05
auch kritik beschreitet einen weg. vergleiche bzw relativierungen sind dabei unangebracht, denn menschenrechte gelten absolut. gerade weil du das wohl eigentlich auch so siehst, wäre es mein ratschlag, die methode zu überdenken.
wie gesagt: der blogbeitrag ist in meinen augen fantastisch, bis zu dem zeitpunkt an dem du mit dem vergleich beginnst.
das ist halt meine sicht der dinge – du kannst sie in deinen zukünftigen ausführungen berücksichtigen, oder nicht. der weg ist das ziel
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18. February 2007 | 19:36
Jetzt sag doch was!