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Helmut Elsner, das Unschuldslamm

Ich bin der erste, der die (mediale) Vorverurteilung Helmut Elsners aufs Schärfste ablehnt. Dem im Zusammenhang mit der Bawag-Pleite wegen Untreue, schweren Betrugs und Bilanzfälschung angeklagten Elsner sollte genau wie allen anderen Beschuldigten ein fairer Prozess zugestanden werden. Dass Elsners Anwalt Wolfgang Schubert seinen Mandanten im „Presse“-Interview als Unschuldslamm darstellt, trägt jedoch sicherlich nicht dazu bei, das öffentliche Bild Elsners zu verbessern.

Schuberts Darstellung, dass Investmentbanker Wolfgang Flöttl mehr oder weniger die gesamte Verantwortung für den tiefen Fall der ehemaligen Gewerkschaftsbank und die daraus resultierende Krise des ÖGB alleine zu tragen habe, kann nicht ernst genommen werden. Natürlich hat Flöttl sehr viel Geld in den Sand gesetzt und dementsprechend verheerende Fehler begangen; ermöglicht hat ihm das aber der Bawag-Vorstand, der ihm über Jahre hinweg den Rücken freigehalten hat, indem Bilanzen gefälscht und bei Verlusten wieder Geld zugeschossen wurde.

Dass Elsner als damaliger Bawag-Chef keine Verantwortung zu tragen habe, und, wie Schubert trocken feststellt, „unschuldig“ sei, kann getrost ins Land der Märchen verwiesen werden. Man wird Elsner wohl nicht für die hohen Verluste dran kriegen, für die er wie all die anderen Beteiligten natürlich mitverantwortlich ist. Bankgeschäfte bergen immer ein gewisses Risiko: Anhand dieser Argumentationslinie werden sich die Beschuldigten bezüglich der verlustreichen „Karibik-Geschäfte“ voraussichtlich zumindest großteils aus der Affäre ziehen können.

Sollte Elsner nicht Haftunfähigkeit attestiert oder ein Verfahrensfehler zugestanden werden, müssten sich jedoch noch immer genügend Anklagepunkte finden, um den ehemaligen Bawag-Chef hinter Gitter zu bringen. Abgesehen davon sollte man das Augenmerk aber nicht nur auf den wegen seines umstrittenen Aufenthalts in Frankreich und seiner Herzprobleme, die lange Zeit als „Vorspiegelung falscher Tatsachen“ dargestellt wurden, im medialen Rampenlicht stehenden Elsner richten. Auch andere haben gehörig Dreck am Stecken und sollten ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Die Bawag-Affäre wurde durch ein apokalyptisches Zusammenspiel von dreisten Vorstandsmitgliedern, ÖGB-Zampanos und einigen anderen verurteilenswürdigen Möchtegern-Granden verursacht. Dementsprechend lächerlich mutet es an, wenn der Versuch getätigt wird, die Gesamtverantwortung an einer oder zwei Personen festzumachen.

Abschließend möchte ich noch Anwalt Schubert zitieren, um ein Exempel politischer Scheinheiligkeit zu statuieren:

In welcher Verfassung ist Herr Elsner derzeit?

Schubert: Ich möchte zurückgehen. Herr Elsner wird immer wieder als sehr unangenehmer Mensch dargestellt. Es hat am 25. April 2003 für ihn ein Abschiedsfest des ÖGB in der Oesterreichischen Nationalbank gegeben. Zahlreiche Spitzen der Wirtschaft und Politik, unter anderem der jetzige Bundeskanzler, waren anwesend und haben Herrn Elsner und auch seine menschlichen Qualitäten, seinen Einsatz für Mitarbeiter und Menschen in Not, in höchsten Tönen gelobt. Nun wenden sich die Leute, bis auf wenige, von ihm ab.

Warum?

Schubert: Weil sie wohl Sorge haben, dass das negative Image des Herrn Elsner auf sie abfärbt.

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| 3. March 2007

Eine Reaktion bisher

    kritikus sagt:

    Sicherlich hat der Anwalt in einigen Punkten recht – zB wenn er davon spricht, dass es bei der Aussage vor dem Banken-Ausschuss nur auf eine Demütigung bzw Vorführung hinausläuft (sagen wird Elsner sowieso nichts). Das ist aber bei allen “Zeugen” dort so und sicherlich nicht elsnerspezifisch ;)

    Der Rechtsanwalt braucht sich aber nicht ausweinen. Hätte Elsner mit der Staatsanwaltschaft kooperiert (Ladungen befolgt und Aussagen gemacht), dann wäre er, wie die anderen Beschuldigten auch, wohl nie in U-Haft gekommen. Sogar jetzt noch könnte er die U-Haft sehr kurz halten. Er müsste nur wahrheitsgemäß aussagen und alle Fragen beantworten (da würden sich dann noch einige ducken müssen :) ) – und in Strafhaft wird ein kranker Mann sowieso nicht müssen…

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    !!! | 3. March 2007 | 14:03

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