Blog

Lesezeit:

2.4

Minuten

Soll die EU Opium aus Afghanistan kaufen?

Die UNO wird in heimischen Medien dafür kritisiert, die falsche Politik bei der Zurückdrängung des Drogenanbaus zu verfolgen. Dabei verweißt ORF.at auf eine Rede des Senlis Council in der es unter anderem heißt:

Finally, a central part of this economic stabilisation is the way in which we deal with the opium poppy. The US-led UK administered counter narcotic policy in Afghanistan is no longer based on any rational evaluation of results and of its consequences on the broader security conditions. There is no positive correlation between eradication operations and the level of poppy cultivation: last year saw a 210% increase in eradicated land yet the total poppy production rose by more than 60%. If there is a correlation, it is between eradication and the upsurge of support for the insurgency This year’s eradication campaign is going to inflame the insurgency as it did last year with the consequences we know. The eradication teams arrived in Helmand about ten days ago and have already come under attack in their own compound. Crop eradication leaves poor farming communities without any other way to feed their families. There is no other alternative livelihood available to them. So their children starve or they join the Taliban and fight for pay.

Soweit so gut, so richtig. Nur irgendetwas fehlt? Richtig. Die UNO hat mit der Zerstörung von Drogenfeldern nichts zu tun. Im Gegenteil, das in Wien ansässige UNODC (United Nation Office on Drugs and Crime) verfolgt eigentlich die Strategie des Alternative Developments. Das sieht vor, Bauern dazu zu bringen andere Dinge anzubauen als das gewinnträchtige Opium. Dabei stoßt man natürlich auf zahlreiche Hürden (fehlende Infrastruktur, fehlender Weltmarkt für Waren die in Afghanistan wachsen, fehlende Stabilität und Sicherheit im Land). Aber die Frage dannach, wie der ORF hier die UNO ins Spiel bringt, soll den Beitrag nicht überschatten. Wichtig ist herauszuheben, dass der bisher von den Besatzern verfolgte Ansatz, die Opiumfelder zu zerstören und die Bauern vor den Trümmern ihrer Existenz zurückzulassen, nicht zielführend ist. (Wie er es übrigens nirdendwo auf der Welt ist und trotzdem vielerorts verfolgt wird. Zum Beispiel von den USA in Südamerika, wo sich die Bauern eben auf Gebiete zurückziehen, wo die zerstörerischen Sprühflugzeuge nicht hinkommen.)

In Afghanistan findet mittlerweile fast die gesamte Opiumproduktion der Welt statt. Ein Großteil des in Afghanistan produzierten Opiums endet als Heroin auf den Straßen Europas. Die italienische Regierung überlegt nun, Opium aus Afghanistan zu kaufen. Nicht um selbst am lukrativen Drogengeschäft teilzuhaben, sondern um daraus Medizin zu gewinnen. Das schlägt auch das Senlis Council vor:

As we have said before, we should take advantage of the fact that opium poppy is the main commodity to rural life in Afghanistan, and is actually also the raw materials for essential medicines like morphine and codeine

Dementsprechend ist die Empörung der italienischen Rechts-Opposition natürlich erstmal schwer zu verstehen. Hier geht es ja nicht darum, wie populistisch behauptet wird, Drogen zu kaufen, sondern die afghanischen Wirtschaft zu stärken und damit das Land zu stabilisieren. Einige Probleme gibt es dabei aber schon. Einerseits wird der Anbau des Opiums über weite Strecken des Landes von den Taliban oder ihnen nahestehenden Warlords kontrolliert, wodurch das Geld wohl mehr oder weniger indirekt in deren Taschen fließen würde. Man müsste also zuerst Voraussetzungen schaffen und die Teile des Landes befrieden und kontrollieren, aus denen das angekaufte Opium stammen soll – auch um den Bauern Schutz zu bieten. Ob das, vor allem angesichts der angekündigten Gegenoffensive der Taliban, möglich sein wird, ist die große Frage um die sich alles dreht. Andererseits kann das, selbst wenn die afghanische Regierung den Opiumanbau legalisiert (was im Moment nicht der Fall ist), wohl keine langfristige Strategie für das Land sein. Afghanistan baut mehr Opium an, als die weltweite Medizin brauchen kann. Auch hier würde also wieder über kurz oder lang der Zwang gegeben sein, auf die Strategie der UNO zurückzugreifen. Offensichtlich hat der Bericht des Senlis Council das aber bedacht. Man will das eingenommene Geld direkt in den Umstieg auf andere Produkte investieren:

The cash generated by the important mark-up between poppy and codeine will provide new funds for economic diversification in the village.

Auch wenn die abgewählte Bande rund um Berlusconi schreit und der Erfolg sich nicht automatisch einstellt. Eine überdenkenswerte Idee ist, was die Regierung Prodi da vorschlägt. Eine EU-weite Debatte wäre angebracht.

Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!
 
| 7. March 2007

Keine Reaktion bisher

Jetzt sag doch was!

Registrierte UserInnen surfen hier ohne Werbung!