Weg mit der Erbschaftssteuer

Heinz Fischer verteidigt sich gegen die Vorwürfe, er habe ungerechtfertigterweise Partei ergriffen, als er sich dieser Tage zur aktuellen Diskussion über die Erbschaftssteuer äußerte, indem er sich für eine Beibehaltung aussprach und damit der Parteiposition seiner politischen Heimat – der Sozialdemokratie – den Rücken stärkte. „Es gibt viele Fragen, bei denen man Partei ergreifen muss, im besten Sinne des Wortes“, meint Fischer. Das mag stimmen; zum Thema Erbschaftssteuer hätte sich Herr Fischer eine Stellungnahme aber besser verkneifen sollen.

Ich kann ja verstehen, dass Fischers rote Ader nie versiegen wird. Das ist auch durchaus in Ordnung; vollkommene Überparteilichkeit ist auch für einen Bundespräsidenten illusorisch. Dass Fischer jedoch zu einer tagespolitischen Auseinandersetzung Stellung bezieht, bei der es offensichtlich vordergründig ohnehin weniger um die inhaltliche Position als um die symbolische Bedeutung des Standpunkts geht, ist ungeschickt. Die ÖVP nützt die günstige Gelegenheit, um auf einer ihrer Wahlkampfforderungen zu beharren; die SPÖ stellt sich aus prinzipiellen und ideologischen Gründen gegen die schwarze Forderung der Abschaffung der Erbschaftssteuer und will diese novellieren. Das Einmischen des Bundespräsidenten ist ob dieses großteils banalen Hintergrunds reichlich unnötig, zumal die Frist für das automatische Auslaufen der Erbschaftssteuer erst für Mitte 2008 festgelegt ist.

Abgesehen davon, dass die beiden Regierungsparteien die Steuerthematik zum täglichen innerkoalitionären Hick-Hack missbrauchen, erscheint mir die ganze Diskussion ohnehin recht abstrus. Inwiefern es sinnvoll sein soll, über eine Steuer gesondert und ohne erkennbaren Zusammenhang zum gesamten Steuerpaket zu diskutieren, entzieht sich einfach meinem Verständnis. Natürlich muss bis zur Frist in etwas mehr als 500 Tagen wohl eine Übergangslösung her; mein wirtschaftspolitisches Verständnis sagt mir jedoch, dass eine Debatte über die Novellierung bzw. gänzliche Abschaffung der Erbschaftssteuer nur im Bezug auf das gesamte Steuersystem sinnvoll geführt werden kann und die derzeitige Diskussion dementsprechend nicht zielführend ist. Ich habe von der ÖVP zum Beispiel noch keine konkreten und umsetzungswürdig erscheinenden Vorschläge zur steuerlichen Umschichtung für das propagierte Szenario, die Abschaffung der Erbschaftssteuer, wahrgenommen.

Schlussendlich möchte ich zur Thematik inhaltlich Stellung beziehen: Es ist ein Faktum, dass der Fiskus mit Einnahmen über die Erbschaftssteuer vor allem die Mittelschicht belastet. Darum stimme ich mit der Meinung liberaler Wirtschaftswissenschafter überein, die angesichts des ohnehin geringen Beitrags der Erbschaftssteuer bei den staatlichen Steuereinnahmen, der in Österreich zusammen mit der Schenkungssteuer gerade einmal 0,3% beträgt, für eine Abschaffung eintreten. Zusammen mit einer gut durchdachten steuerlichen Umschichtung könnte das Streichen der Erbschaftssteuer im Zuge der nächsten Steuerreform dazu beitragen, dass der Mittelstand entlastet wird.

Und ist das nicht eigentlich auch genau das, was die SPÖ sich auf die Fahnen schreibt?

Philipp Heimberger | 13. March 2007
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7 Kommentare bisher

Tom Schaffer sagt:

eine reform der erbschaftssteuer könnte den mittelstand genauso entlasten. so wenig is das nicht, immerhin gleich viel wie die studiengebühren einbringen – ohne die es angeblich gar nicht mehr geht. ich würde viel eher die steuer für hohe beträge verstärken und unumgehbar machen und sie für geringe beträge (mit einer dann langsam steigenden steuerquote) aussetzen.

österreich hat ungefähr 60.000 millionäre die zum größten teil in den nächsten 20-30 jahren sterben. ich will nicht wissen, welche summen man da leichtsinnig verschenken würde – bzw. wie viel dem staat da bei den aktuellen schlupflöchern verloren ginge.

ansonsten wird das (natürlich notwendige) geld eben nicht bei denen eingehoben, die gerade ohnehin ein hohes erbe erhalten, sondern wird wieder von der gesamtgesellschaft getragen. damit wird effektiv die mittel- und unterschicht höher belastet.

13. March 2007 | 23:56
Philipp Heimberger sagt:

Punkto Be- und Entlastung zitiere ich mich einfach mal selbst: “Zusammen mit einer gut durchdachten steuerlichen Umschichtung könnte das Streichen der Erbschaftssteuer im Zuge der nächsten Steuerreform dazu beitragen, dass der Mittelstand entlastet wird.”

Für die Abschaffung der Erbschaftssteuer sprechen jedoch auch noch andere Argumente. Folgender Artikel vertritt äußerst interessante Thesen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,465227,00.html

Die in Österreich existente Dreifach-Besteuerung (Einkommens-, Mehrwert- und Erbschaftssteuer) müsste in meinen Augen ganz einfach anders – sprich einfacher und fairer – geregelt werden.

14. March 2007 | 14:42
Tom Schaffer sagt:

ein offensichtlich konservativer ökonom sieht die erbschaftssteuer als faniliengefährdente marxistenidee – sehr interessant ;)

15. March 2007 | 01:56
Philipp Heimberger sagt:

Jetzt sei nicht unfair, Tom. Nur weil du anderer Meinung bist, musst du nicht Gegenargumente gleich mit Todschlag-Phrasen weggeredet werden. ;)

Ich gehe ja auch nicht mit allen Argumenten des Artikels konform, aber interessant sind die Ansätze allemal.

15. March 2007 | 09:21
Tom Schaffer sagt:

ich bin nicht unfair, es sollte einfach gesagt werden, welche gedanken hinter einer solchen argumentation stecken. und die sind eindeutig konservativ.

das ist ja keine wertung, sondern eine feststellung. das mit marx und das mit der familie hat der gute mann ja selbst gesagt.

15. March 2007 | 13:05

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gimli999 sagt:

Bis ich den Artikel gelesen. Darüber nachgedacht und drüber was auf offensiv geschrieben habe, hat der Tom hier schon wieder genau in meinem Sinne geantwortet.

Richtig gemein ist das.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich den Philipp mit meinem Artikel auch mal auf meinen Blog locken könnte.

!!! | 16. March 2007 | 17:00

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