Blog

Die Irak-Invasion feiert Geburtstag, oder: Höchste Zeit für Anti-Ami-Bashing

Vier Jahre ist es her, dass amerikanische Streifkräfte unter der militärischen und politischen Unterstützung der “coalition of the willing“ in den Irak einmarschierten. Dass die Amerikaner ihre Mission noch immer nicht (erfolgreich) beenden konnten, sondern aufgrund fortwährenden Terrors militanter Sunniten und Schiiten und dem daraus resultierenden Leid und Elend der irakischen Bevölkerung auf unabsehbare Zeit ihr Irak-Engagement verlängern mussten, ruft die schadenfrohen Anti-Amerikanisten auf den Plan: Zum vierten Geburtstag der viel kritisierten Invasion ist wieder ausgedehntes Ami-Bashing angesagt!

Gleich vorweg: Die Amerikaner sind nicht unfehlbar; auch sie begingen und begehen Fehler – wie jedes andere Land. Sie sind eine Weltmacht: Politische Misstritte haben ein dementsprechendes Gewicht, was freilich nicht entschuldigend ausgelegt werden darf. Denn angesichts der nach wie vor katastrophalen Sicherheitslage im Irak stellt es sich als gerechtfertigt und verständlich dar, dass Bushs militärisches Eingreifen gegen Saddam Hussein kritisiert wird. Vor allem, da sich die von den Amerikanern angegebene Kriegsursache mittlerweile als Lüge herausstellte: Saddam Hussein hortete entgegen amerikanischer Behauptungen keine Massenvernichtungswaffen. Ergebnislose Waffeninspektionen bestätigen das.

Trotz allem sollte am Jahrestag des Startschusses zum Irakkrieg nicht nur der Opfer gedacht werden. Auch darf man sich nicht darauf beschränken, mit dem erhobenen Zeigefinger darauf aufmerksam zu machen, dass die Erwartungshaltung von riskanten Militäroperationen bei einer Fehleinschätzung verheerende Folgen haben kann. Wir sollten die Gelegenheit vielmehr auch dazu nutzen, um selbstkritisch Revue passieren zu lassen, welche Auswirkungen die aufsehenerregenden amerikanischen Aktivitäten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus nach „9/11“ auf den Rest der Welt ausübten.

Es muss klar und deutlich angeprangert werden, dass (auch schon davor, aber) vor allem seit März 2003 eine Entwicklung festzustellen ist, die aufzeigt, dass laufend Menschen dem mehr und mehr an Popularität gewinnenden Trend zu undifferenziertem Antiamerikanismus verfallen. Und da spreche ich nicht nur von durch radikal-islamistische Hassprediger indoktrinierten Menschen oder von jenen, die antiamerikanischen Plädoyers von sozialistischen Diktatoren wie Hugo Chavez auf den Leim gingen. Auch in Europa ist pauschaler Hass auf alles, was von und aus Amerika kommt, im Vormarsch.

Antiamerikanismus ist nicht zeitgemäß: Er muss als antiglobal, stumpfsinnig national und pauschalisierend charakterisiert werden. Als moderne Ausprägung ewiggestrigen Denkens schürt Antiamerikanismus Hass und verleugnet, dass Probleme von globaler Bedeutung nicht ohne ein Einbeziehen der Weltmacht USA gelöst werden können. Wer die Amerikaner für alles verantwortlich macht, das auf der Welt falsch läuft, outet sich nicht nur als unkritischer Heuchler, sondern zeigt auch, dass er die Umstände und Herausforderungen der heutigen Zeit nicht begriffen hat. Natürlich ist es praktisch, in den USA einen Sündenbock für all das Böse und Ungerechte gefunden zu haben. Wer Antiamerikanismus vertritt, muss sich allerdings auch im Klaren sein, dass er sich dem apokalyptischen Amerikahass vertrottelter religiöser Fundis anschließt.

Niemand soll dazu gezwungen werden, die USA zu lieben oder gar zu vergöttern. Es ist gerechtfertigt, die amerikanische Außenpolitik kritisch zu hinterfragen: Dass George Bush weiterhin leere Phrasen a la „Wir können im Irak noch immer den Sieg davontragen“ zum Besten gibt, muss angeprangert werden; die Forderung nach einem Kurswechsel im Irak ist berechtigt; und auch in anderen amerikanischen Einflussbereichen darf, nein: muss durchaus seriöse und konstruktive Kritik geübt werden. Die Amerikaner aufgrund ihrer Anti-Terror-Politik oder anderer Vorwände zu verteufeln, sie als das größte aller Übel darzustellen und im gleichen Atemzug vielleicht auch noch die Bedrohung durch brandgefährliche Hasser der westlichen Welt wie Ahmadinejad, Kim Jong-il oder Chavez zu verleugnen, schießt jedoch weit übers Ziel hinaus.

Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen: Antiamerikanismus ist eine äußerst problematische gesellschaftliche Entwicklung, gegen die im Sinne eines gesunden Internationalismus angekämpft werden muss.

Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!
 
| 20. March 2007

2 Reaktionen bisher

    Thomas sagt:

    Ich bin der letzte, der pauschal Anti-Amerikanisch eingestellt ist. Aber an der Politik des GWBs fällt mir auf Anhieb ehrlichgesagt nix positives ein…

    Like! Thumb up 0

    !!! | 21. March 2007 | 08:26
    gimli999 sagt:

    “Auch in Europa ist pauschaler Hass auf alles, was von und aus Amerika kommt, im Vormarsch.”
    Hmmm, McDonalds, Burger King, Pizza Hut, Starbucks
    Die schreiben alle Gewinnrekorde und die Protest gegen die USA haben nichts mit dem Konsumverhalten zu tun.

    Oder in einer anderen Richtung:
    Britney Spears, Black Eyed Peas, 50 Cents
    Wo die Musikindustrie hier vor 20 Jahren noch durch und durch britisch geprägt war, kommt heute alles (ausser den local acts) aus den USA. Inklusiver internationaler Hits wie Shakira oder Santana. Besonders luistig fand ich, daß genau während des ersten hochflammens des Antiamerikanismus die Shania Twain (also eine Countrysängerin) hier in den Popcharts vertreten war.

    Welche Filme und Fernsehserien werden mit mehr als 90% Marktanteil “konsumiert?”. Woher werden Modetrends wie iPods völlig unreflektiert übernommen?

    Und zuletzt GWB. Bei ihm haben die US-Demokraten konsequent an der Strategie, daß er dumm sei gearbeitet. In den USA reicht das für diverse Witze aus. Aber im Rest der Welt wurde das als Wahrheit übernommen! Das ursprüngliche Argument gegen GWB war, daß er nicht der Klassenbeste seines Jahrganges bei der besuchten Eliteuniversität war. Inzwischen hat sich das ganz tief in uns fortgepflanzt, so daß die Leute tatsächlich glauben, der Typ kann nicht lesen.

    Und genau die Leute, die das unreflektiert nachplappern, nennen dann die Amis blöd. Bruhahaha!

    Like! Thumb up 0

    !!! | 21. March 2007 | 16:08

Jetzt sag doch was!

Registrierte UserInnen surfen hier ohne Werbung!