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Aufwachen, bitte!
Es kann kein Ende in Aussicht gestellt werden: Die prekäre Situation, die durch die Festnahme fünfzehn britischer Soldaten durch den Iran entstand, spitzt sich aufgrund des konfrontativen Gehabes Teherans vielmehr weiter zu. Denn Iran gibt sich trotz der entschlossen die unverzügliche Freilassung fordernden Haltung der internationalen Gemeinschaft, die, abgesehen von den üblichen Querulanten, erfreulicherweise eine starke außenpolitische Einheit präsentiert, unnachgiebig. Nunmehr wurde sogar das Gerücht kolportiert, den gefangenen Briten könnte wegen des angeblichen Eindringens in iranische Hoheitsgewässer der Prozess gemacht werden.
Die Inszenierung der globalen Präsentation der britischen Soldaten im staatlichen iranischen Fernsehen hat groteske Züge; die unterwürfigen Geständnisse der Briten resultieren in einem zweifelnden Nachgeschmack; dass der Iran bereits mehrfach die GPS-Koordinaten für den Ort der angeblichen Festnahme der britischen Soldaten änderte, zieht ebenfalls kritische Fragen nach sich; und dass die iranische Selbstsicherheit trotz undurchsichtiger und zweifelhafter Darstellung der Gründe für die Festnahme uneingeschränkt zu sein scheint, widerspiegelt ebenfalls eine verzerrte Optik.
Das iranische Vorgehen ist eine fortwährende Farce, ein gefährliches Spiel, das bei jedem um das Gemeinwohl besorgten Bürger berechtigerweise Empörung hervorruft. Angesichts der Tatsache, dass Irans Kidnapp-Taktik bereits seit der brenzligen Krise im Zuge der iranischen Revolution im Jahre 1979, als Teheran in der amerikanischen Botschaft 66 Geiseln nahm und diese für 444 Tage lang festhielt, für das Gefangennehmen ausländischer Belegschaften bekannt sein sollte, darf die berechtigte Mutmaßung in den Raum gestellt werden, dass auch die Festnahme der britischen Soldaten geplant war.
Ahmadinejad, Ayatollah Chamenei und Co. suchen nicht nur die Konfrontation mit dem amerikanisch-britischen Bündnis, das sich einst dem Krieg gegen den Terror verschrieb, und dem verhassten Feind Israel; das vermittelte Feindbild des Iran ist die westliche Weltanschauung, der Hass projiziert sich auf all jene, die den Lehren des Koran nichts abgewinnen können, die für Säkularisierung, individuelle Freiheit und Demokratie einstehen.
Dass viele die drohenden Zeichen noch immer nicht wahrhaben wollen, ist bedenklich. Ich werde mich an dieser Stelle hüten, einen historischen Vergleich zu bemühen, da dies sicherlich trotz dem Ernst der Lage unangebracht wäre. Es ist mir aber ein absolutes Anliegen, meiner Ansicht Ausdruck zu verleihen, dass jene Menschen, die aus Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit oder einfach nur aus Dummheit immer noch dem Relativieren iranischer Drohgebärden anhängen, endlich aus ihrem Tiefschlaf gerissen werden müssen. Übertriebene Dämonisierung ist zwar ebenso fehl am Platze wie Ignoranz; die Ernsthaftigkeit der Lage und die Gefährlichkeit der politisch-religiösen Macht im Iran darf aber ebenso wenig unterschätzt werden. Ein kritischer und besonnener Mittelweg ist gefordert.
Wir alle müssen geschlossen gegen das inakzeptable Gebaren Irans einstehen. Dass die EU Härte, Stärke und Einheit demonstriert, ist ein wichtiger Schritt auf einem langen Weg der bedingungslosen Sanktionspolitik gegen den iranischen Wahnsinn. Sowohl auf diplomatischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene müssen alle Register gezogen werden, um Iran in die Schranken zu weisen. Denn ein Staat, der einem anderen regelmäßig und unverhohlen mit dessen Zerstörung droht, muss nicht nur ernst genommen, sondern in prekären Fragen wie der Nutzung von Atomenergie zweifelsohne einem transparenten internationalen Kontrollmechanismus zugeführt werden.
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3 Reaktionen bisher
Guter Artikel! Bin ganz deiner Meinung: Gegen eine Bedrohung wie Iran muss der Westen vereint auftreten und dem Iran seine Grenzen aufzeigen.
Allerdings dauerte die Geiselnahme 444 (!) Tage und Khomenei ist auch schon lange tot.
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!!! | 1. April 2007 | 16:01
Bei der Dauer der Geiselnahme hab’ ich mich schlichtwegs verschrieben; der Khomenei-Fehler war wohl ein Freud’scher Verschreiber, weil der derzeitige Ayatollah Ali Chamenei heißt.
Danke für die Anmerkungen
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1. April 2007 | 17:07
Das Problem mit der Beurteilung der inneriranischen Verhältnisse besteht einfach darin, dass aus der europäisch bürgerlich liberal geprägten Perspektive das Regime in Teheran ultrareaktionär wirkt. Es objektiv wahrscheinlich auch ist.
Vergessen wird hierbei jedoch sehr oft, dass der Mittlere Osten keinerlei demokratische Tradition hat und dass der Iran vor der islamischen Revolution ein Klientelstaat der westlichen Petroindustrie war.
Die Agressionen gegen Israel sind überzeichnet, beruhen jedoch auf der Fortsetzung der europäischen Kolonialpolitik durch den jüdischen Staat.
Noch heute hat das iranische Regime Rückhalt in der Bevölkerung, was nicht zuletzt auf der Tatsache beruht, dass der Gottesstaat sowohl nationale Eitelkeiten befriedigt, als auch (zumindest in seiner Frühphase) die Lage der sozial Schwächeren verbessert hat.
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!!! | 1. April 2007 | 23:39
Jetzt sag doch was!