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Russlands “Visionen” stinken zum Himmel
Das autoritäre Russland will die Methode der Volksverhetzung durch Vorspiegelung falscher Tatsachen perfektionieren: Der russischen Bevölkerung soll über die gleichgeschalteten Medien nicht nur die jeglicher Grundlage entbehrende Wahnvorstellung einer orangen Revolution in Russland, angestachelt durch „Das andere Russland“, den verhassten Oppositionsfeind, ganz nach dem Vorbild jener in der Ukraine, implantiert werden – wobei eine solche nur durch hartes polizeiliches Durchgreifen gegen die Störenfriede verhindert werden könne. Putin und dessen willfährige Marionetten setzen auch alles daran, das Volk glauben zu machen, die Amerikaner würden mit der Stationierung eines Raketenschilds in Europa die atomare Machtstellung Russlands und damit letztendlich den Weltfrieden gefährden.
Das Schlimme ist, dass nicht nur jener überwältigende Teil des russischen Volks, der der staatlichen Propaganda Putins auf den Leim geht, davon überzeugt ist, die USA wolle durch besagten Raketenschild das globale Rüstungsgleichgewicht aus der Balance bringen. Nein, selbst in Europa finden sich reihenweise (prominente politische) Unterstützer dieses russischen Schwachsinns. Die starke Abhängigkeit im Energiebereich macht Europa gegenüber Russland devot. Niemand will es auf sich nehmen, dem kalkulierend eiskalten Putin klipp und klar zu sagen, welch störrischen Unfug er mit seiner apokalyptischen Vision von der militärischen Hegemonie der Amerikaner verzapft. Dem russischen Erdgas sei Dank: Europa kann den blöden Amis wieder einmal eins auswischen. Dazu muss es lediglich Russland das Wort reden, ansonsten braucht man keinen Finger zu rühren.
Dass sich die Begeisterung der Bevölkerung Tschechiens und Polens über den amerikanischen Plan in Grenzen hält, ist nachvollziehbar. Besonders der Widerstand jener, die befürchten müssen, bald in der Nähe eines Radars oder einer Anti-Raketen-Abschussrampe zu wohnen, muss auf Verständnis treffen. Und auch die Kritik am eigenmächtigen Vorgehen der Amerikaner, die auf bilaterale Verhandlungen mit den für die Stationierung auserkorenen Ländern pochen, da sie durch eine Einbindung der NATO eine langatmige Verzögerung der Durchführung des Projekts befürchten, ist natürlich verständlich.
All das ändert jedoch nichts daran, dass Putins angekündigte Aufkündigung der russischen Abrüstungskontrolle, die im KSE-Vertrag geregelt wird, unverhältnismäßig und ungerechtfertigt ist. Und es darf nicht verhindern, dass man sich ernsthaft der wesentlichen Frage stellt, wie man dem bedrohlichen Gebären von problematischen Regimes wie jenem des Iran mit präventiven Sicherheitsmaßnahmen entgegenwirken sollte.
Russland trägt wieder einmal auf äußerst fragwürdige Weise öffentlichkeitswirksam seine Weltmachtstellung zur Schau und bedient sich mit seiner Wortwahl der Rhetorik aus den Zeiten des Kalten Krieges. Der alte amerikanische Feind wird in ein schiefes Licht gerückt – zur Freude der antiamerikanischen Idioten. Aber schon klar: Eine Handvoll Anti-Raketen, stationiert in Europa, würde das gigantische Atomwaffen-Arsenal Russlands obsolet machen. US-Außenministerin Rice hat Recht, wenn sie das – ganz undiplomatisch – als lächerlich bezeichnet.
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