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Wo sind die guten Rechten?

Jüngst, es muss Donnerstag gewesen sein, habe ich in der NZZ einen Artikel über China (“Verletzlicher Riese”) gelesen. Online ist er leider nicht mehr kostenfrei abrufbar (was für eine saublöde Praxis ist es eigentlich, die News der Vergangenheit kostenpflichtig im Internet aufzubewahren?) und die Zeitung hab ich schon entsorgt, darum muss ich das hier aus dem Gedächtnis schreiben. In dem Artikel beschäftigt sich der Autor mit dem Mythos Wirtschaftschinas. Im Zuge dessen konnte es sich das eidgenössische Qualitätsblatt nicht verkneifen, der europäischen Linken in einem Nebensatz mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber den Verbrechen des wachsenden Riesens vorzuwerfen.

Aus zwei Gründen habe ich das als falsch empfunden. Zum Einen kenne ich keinen linksgerichteten Menschen der die Menschenrechts-, Umwelts- und sonstigen Verbrechen des Reichs der Mitte auch nur ansatzweise ignoriert. Man muss da nicht groß darüber debattieren – selbstverständlich werden die Methoden und Auswirkungen der Diktatur abgelehnt. Das bringt mich zum zweiten Punkt: In derartigen Feullietons und politischen Kommentaren werden Linke immer noch als eine homogene Gruppe gesehen. Egal ob eine SPÖ-Bonze die BAWAG in den Sand setzt oder pseudoanarchistische Kundgebungen aus dem Ruder laufen, schuld sind “die Linken”.

Aber ich will weder über den strittigen Linksbegriff noch über China schreiben. Was mir anhand dieses Seitenhiebs sofort in den Sinn gekommen ist, war eine simple Frage: Warum wird eigentlich erwartet, dass immer nur die Linken in Menschenrechtsfragen agieren? Ist das nicht schon eine Alarmglocke für die politische Rechte? Wo sind eigentlich die liberalen Rechten, wenn es um China geht? Wo, wenn Datenschutz und Privatsphäre untergraben werden? Wo ist der Aufschrei der Christlichsozialen, wenn Teile der ÖVP rechtsextremer Rhetorik verfallen? Wo ist die breite Unterstützung der menschlichen Konservativen, wenn es um ein Bleiberecht geht? Wo ist “die gute Rechte”, mit der man sich in einzelnen Sachfragen zum Menschenrechtsthema auch einmal wirklich verbünden könnte? Wo sind die vernünftigen Katholiken, die sich einmal nicht völlig dämlich aufführen, wenn Homosexuelle mehr Rechte (und dabei ja noch lange nicht dieselben) bekommen? Ich wäre ja bereit zu glauben, dass es sie gibt, die gute Rechte – wenn sie sich dann doch nur einmal zeigen würde. Wenn “links” angeblich schon zum Schimpfwort wird, was ist dann “rechts”?

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| 12. May 2007

6 Reaktionen bisher

    weltbeobachterin sagt:

    hm, nicht kennen heißt noch lange nicht das es sie nicht gibt. Ich kenne schließlich auch keine BZÖ-Wähler, obwohl es die gibt. ;)
    Ich habe allerdings mit eigenen Ohren gehört dass, eine Bekannte von mir (übrigens eine überzeugte ÖVPlerin) FPÖler als Schimpfwort benutzt.
    Naja, ich bin generell dagegen, dass man irgendeine menschengruppe, die einem nicht zu Gesicht steht als Schimpfname verwendet.
    http://weltbeobachterin.blog.de/2007/05/08/diskriminierung_durch_sprachgebrauch~2231603

    lg Weltbeobachterin

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    !!! | 12. May 2007 | 21:53
    Tom Schaffer sagt:

    hm, nicht kennen heißt noch lange nicht das es sie nicht gibt.” – ja, aber das sind dann eben splittergruppen deren aktionen sich wohl kaum die ganze linke vorhalten lassen muss.

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    13. May 2007 | 01:10
    weltbeobachterin sagt:

    ja, eben. Das ganze soll für beide Reichshälften gelten! (mag dieses Wort nicht) Man soll halt nicht nur von paar auf eine ganze Gruppe schließen.
    Sei mir nicht böse, aber ein bisschen macht du es auch so. z.B. kenne ich genug Kirchengeher, die nicht so ablehnend gegenüber Homosexuelle sind wie du das darstellst. Die sind genauso wenig eine Homogene Gruppe wie die “Linke”. die meisten sind normal und nicht so geistig rückwärts gerichtet wie ein Ewald Stadler.

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    !!! | 13. May 2007 | 09:13
    Georg sagt:

    In diesem Land (Kärnten und Österreich) wird es einem wirklich schwer gemacht, ein “Schwarzer” (im Sinne von ÖVP-Wähler) zu sein. Dass Jörg Haider in Kärnten so stark ist, hat ja nicht damit zu tun, dass er so ein Wunderwuzzi ist. Eine der vielen Begrüdungen liegt auch daran, dass alle anderen so schwach sind. Eigentlich sind alle (Grüne inklusive) hier unwählbar. Echt!

    Am schwächsten von allen ist aber die ÖVP. Die hat nicht einmal mehr Themen, obwohl die auf der Hand liegen: Ein Pro zu den Ortstafeln oder all die anderen von dir angesprochenen Punkte wären aufgelegt.

    Aber es gibt auch Ausnahmen, über die man sich fast schon wundert – Mitterlehners Aussagen beispielsweise.

    Ja, es gibt noch vernünftige Schwarze – genauso, wie es auch dumme Rote gibt. Wo bleibt denn etwa der linke Aufschrei, wenn ein SPÖ-Infrastrukturminister die Datenbevorratung im Parlament einbringt? Stimmt: In dessen Ressort (Telekommunikation) fällt das Ganze …

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    !!! | 18. May 2007 | 08:41
    Tom Schaffer sagt:

    oh, den aufschrei gibts (LINK) – ich bin ja (insbesondere im moment) kein roter ;) wobei die datenvorratsspeicherung ja per EU-Richtlinie kommt und da wieder ureigenstes thema der europäischen volksparteien ist. der österr. infrastrukturminister ist verpflichtet das einzubringen, hatte aber mit der ausarbeitung nichts zu tun (seine vorgänger in diesem und im innenministerium natürlich aber schon ;) ). was jetzt nicht heisst, dass man da nicht genauso kritisch dagegenstehen muss. aber während die SPÖ etwa in wien dinge wie “fremdenfeindlichkeit muss ein fremdwort sein” plakatiert, finde ich beispielsweise bei der övp seit ewigkeiten so gut wie keine vorstöße mit denen ich mich identifizieren könnte…

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    18. May 2007 | 16:13

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