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Die Sache mit dem bewussten Einkaufen
Biologische Landwirtschaft, faire Güter, gerechte Arbeitsbedingungen in der Produktion, kurze Transportwege. Ich versuche beim Einkaufen auf vieles zu achten. Klar, manchmal werde ich schwach, aber im Großen und Ganzen tue ich mein Bestes. Kurz: Ich bin ein Guter Konsument™. Aber unsere Welt ist für Gute Konsumenten™ ein echter Scheissplatz. Schon mal versucht einen Hallenfußballschuh zu kaufen, der nicht aus den unmenschlichen Produktionsanlagen von Adidas oder Nike kommt? Es ist ja schon schwer genug, überhaupt zu wissen, was von denen kommt. Wer etwa kann sich denken, dass Converse-Schuhe – paradoxerweise das große Symbol für jugendliches Konsum-Rebellentum – auch dem Nike-Konzern entschlüpfen? Bei jedem Ding das man sich kauft, müsste man zuerst ewig lange Recherchen anstellen. Die mangelnde Transparenz ist eigentlich ein Skandal im heutigen Informationszeitalter. Mein letzter Hallenschuh kam zum Beispiel von AVIC, ich konnte bis heute nichtmal eine Internetseite zu dieser Marke finden, geschweige denn Produktions- und Besitzverhältnisse abklären.
Aber das Problem beschränkt sich nicht nur auf Kleidung, Autos oder sonstige größere Anschaffungen, bei denen man sich vielleicht wirklich die Zeit nehmen kann, weil man sie ja nicht allzu oft kauft. Es geht schon bei viel alltäglicheren Dingen los. So ist es zum Beispiel bei Interspar großteils völlig unmöglich festzustellen, wie das Putenfleisch hergestellt wurde. Ich kaufe bei Spar-Märkten kein Fleisch mehr, weil mir die Verpackungen zu sehr wie die Dinger aus “We feed the World” aussehen, und ich einfach nicht bei rechtfertigbarem Aufwand das Gegenteil herausfinden kann. Selbst schuld, muss man sagen.
Besonders vertrauenserweckend ist es auch nicht, wenn man hört, dass etwa das AMA-Gütesiegel nichtssagend ist, weil das Fleisch mit dieser Markierung zu Lebzeiten durchaus Gen-Futter bekommen konnte. Böswillig könnte man hier von Verschleierung und Täuschung seitens der Hersteller sprechen. Die in der Werbung als vertrauenswürdig kommunizierten Siegel sind einen feuchten Dreck wert. Sobald der Konsument das erfährt, geht der Schuss natürlich nach hinten los, weil er dann gar nicht mehr weiß, wem er noch trauen soll.
Der nächste Bio-Supermarkt ist sogar hier in Wien zu weit entfernt, als dass ich da jeden Tag hingehen könnte – vom Leben am Land ganz zu schweigen. Und über die Leistbarkeit dieser Lebensmittel als Student reden wir auch nicht… Es ist doch mehr als irritierend, dass man in den großen Märkten schon schwer Salate findet, die wenigstens so tun, als wären sie biologisch produziert worden. Muss ich tatsächlich erst drei unterschiedliche Filialen abklappern, um Knoblauch zu finden, der nicht aus China kommt? Schlussendlich hab ich dann heute einen aus Argentinien gekauft. Das ist zwar im Rahmen des Naturschutzgedankens ein Problem, weil die Transportwege enorm sind, aber wenigstens vertraue ich dem “biologisch”-Aufdruck bei Ja Natürlich! noch. Und für die Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern springt bei biologischem Anbau wenigstens ein guter Preis ab – zumindest wenn ich einem kürzlich gesendeten Beitrag über Bio-Schokolade im ORF Glauben schenken darf.
Ich weiß nicht, ob ich überhaupt möchte, dass mich jemand darauf hinweißt, dass das Vertrauen in Ja Natürlich! naiv ist. Würde ich ich dann auf mein Guter Konsument™-Siegel einfach aus Frust scheissen?. Die Ansage, dass die Konsumenten allein dafür verantwortlich sind, was in den Ladenregalen steht, darf zumindest ich vehement zurückweisen. Manchmal bin ich zwar wie eingangs erwähnt auch zu bequem, aber dass es eine Tortur ist, bewusst einzukaufen, ist wahrlich nicht meine Schuld.
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13 Reaktionen bisher
Hey Tom! Interessanter Beitrag. Der “mündige Konsument” ist, meiner Meinung nach, sowieso blosse Utopie. Wie du richtig angermekt hast, gibt es Güter, bei der sich eine Recherche lohnt. Aber bei Gütern des täglichen Lebens wäre der Aufwand einfach zu groß. Wer hat schon die Zeit, alles und jedes im Internet nachzuspüren?
Beim Konsum hält es sich, meiner Ansicht nach, ähnlich wie bei Medienprodukten. Und ich halte es hier wie Adorno und frage: “Kann das Publikum (in diesem Fall der Konsument) wollen?”
Saludos
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!!! | 16. May 2007 | 12:19
Hi!
Habe ein interessantes Buch über dieses Thema gelesen: “Die Einkaufsrevolution” von Tanja Busse. Sehr empfehlenswert.
Gut dass du dieses Thema anschneidest.
werde noch einen extra Beitrag in meinem Blog dazu verfassen.
Vorerst eines:
zum Schweinefutter. Im oben genannten Buch steht, dass gentechnikfreies Soja in Südamerika angebaut werden. Dafür werden Regenwälder gerodet! auch kein schönes Szenario. Wenn man die Schweine, wie früher nur mit Erdäpfel füttern (daheim, ich komme von einer Landwirtschaft, füttern wir unsere Mastschweine teils mit Erdäpfel teils Soja). würde das Fleisch erheblich teuer werden. Weil auch die Bauern von etwas leben wollen.
Es ist ein Teufelskreis.
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!!! | 16. May 2007 | 14:44
test 2 3
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!!! | 16. May 2007 | 15:37
“Im oben genannten Buch steht, dass gentechnikfreies Soja in Südamerika angebaut werden.” – ja, kommt auch in we feed the world vor. allerdings könnte man ja das gentechnikfreie soja dort anbauen, wo jetzt das genveränderte angebaut wird
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16. May 2007 | 16:34
ja, jetzt ist die Situation leider so.
deine Lösung würde mir auch besser gefallen, wie allen Konsumenten und auch den Bauern (kein schlechtes Gewissen)
Noch verträglicher wäre es für die Umwelt, dass man wieder Futtermittel (Erdäpfel, Körnermais) für Schweine in Ö anbaut, anstatt sie irgendwo durch die Weltgegend fliegen lassen. Allerdings, müsste die Preisgestaltung so sein, dass es sowohl die Körndlbauer, die Schweinezüchter und auch der Konsument etwas haben. D. h. kein Verlust für die Landwirte und leistbar für den Verbraucher.
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!!! | 16. May 2007 | 17:12
..und dann rennt man kilometerweit für seine bio-bananen um dann festzustellen, dass schon alle ausverkauft sind =)
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16. May 2007 | 19:04
ich darf nochmals versuchen, meinen eintrag zu posten. wiewohl, nun ist mein “3 2 test” auch weg. hmm. was mach ich da falsch. vielen dank (das wieder löschen, diesen anfang mein ich. danke.)
da die ÖVP ausnahmsweise einmal – zumindest explizit – nicht schuld hat, darf ich einen – nach meinem dafürhalten hervorragenden – buchtipp abgeben:
Hans Putzer: “ESSEN MACHT POLITIK – Tägliche Entscheidungen mit großen Folgen”, Verlag Leykam, Graz, April 2007
der autor noch dazu ein mitarbeiter des steirischen bauernbundes (oh gott, ein övp-teilorganisation); zur ehrenrettung sei angemerkt, der verlag ist eher rot angehaucht.
im übrigen sei mir noch die allgemeine anmerkung erlaubt, wie sehr es meinen respekt verdient, wie einfach hier (bei »zur politik«) dinge gesehen werden. grundsätzlich sind die nichtlinken “schuld”. alles, was gerade nicht passt, ist ein “skandal” (Die mangelnde Transparenz ist eigentlich ein Skandal im heutigen Informationszeitalter. – ja, genau. nix da. sofort ein gesetz. und viel mehr kontrollstaffeln. das brauch ich für meinen faulen a*sch. was soll ich schauen, dass ich gemüse ess, das grad wachst vor der tür. was muss ich denken, dass chilenische äpfel nicht ganz so ideal für die energiebilanz sind. draufstehen muss! draufstehen! gesetz! und wenns dann wer »bricht«, das gesetz (die frist etwa, einen antrag auf arbeitserlaubnis rechtzeitig zu stellen), dann ist wurscht, dann ist der der unerhörte, der da noch nachfragt. lächerlich. wahrscheinlich eh einer von der ÖVP, also ist eigentlich wurscht …
***
ok. sorry, da sind mir die rösser ein bisschen »durchgegangen«; mit verlaub. nicht bös sein. vielleicht eine kleine – definitiv konstruktiv gedachte – kritikkarikatur. mehr nicht, weitermachen, danke schön. und nochmals: das buch (siehe weiter oben) – SEHR empfehlenswert.
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!!! | 17. May 2007 | 20:03
jetzt hab ich keine mail gefunden; daher muss ich es so probieren: ist mein posting zu lange? oder zu schlecht? oder bin ich bloss zu dumm, hier zu posten? vielen lieben dank, christian
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!!! | 18. May 2007 | 13:09
hallo christian, ich habe zuletzt ein spamposting gelöscht, das deinen namen trug (da waren glaub ich zwei pharma-links drin, vielleicht hab ichs auch nur falsch eingeschätzt weil dein seitenname relativ spamverdächtig ist
), deshalb hat das system all deine beiträge als spam erkannt. ich habs nun händisch freigeschaltet, sorry für die umstände.
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18. May 2007 | 16:00
aja, ich hab hier eigentlich nichts über rechts oder links gesagt.
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18. May 2007 | 16:22
zum Thema:
es hat bissl gedauert, wollte aber alles belegen.
http://weltbeobachterin.blog.de/2007/05/21/bewusst_einkaufen_was_gutesiegel_so_bede~2309674
es wird noch was folgen…
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!!! | 21. May 2007 | 18:51
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