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G8-Gipfel: Eine Welt voll Wahnsinn
Die (ehemals) Mächtigsten der Welt sind in Heiligendamm. Das sollte jetzt für niemanden mehr eine Überraschung sein. Der G8-Gipfel in Deutschland sorgt seit Wochen für Schlagzeilen – selten für gute. Gipfel-Zeiten sind Extremsituationen, und in solchen zeigen sich alle Schwachstellen einer Gesellschaft gnadenlos selbst. Auf allen Seiten werden Fehler gemacht, die einen von außerhalb nur schwer verständlich erscheinen.
Beginnen wir dort, wo auch die Medienberichterstattung begonnen hat: Beim Staat. Razzien in Hamburg im Zusammenhang mit befürchteten Krawallen sollten wohl ein Zeichen sein, waren aber vor allem Anlass zum Protest. Besonders befremdlich: Da wurde der Begriff der Terrorismus-Prävention gebraucht. Krawalle und Terror dasselbe? Nicht gerade eine kluge Kommunikationspolitik um die gewaltbereits Szene zu beruhigen. Auch die Ergebnisse lesen sich dann etwas seltsam:
Der “Focus” berichtet heute vorab, dass im Zuge der Razzia in Berlin Zubehör für Brandsätze und Zeitzünder sichergestellt worden sein. Das Blatt beruft sich auf erste Analysen der Durchsuchungen. Von Weckern, Drähten, Uhren und größeren Feuerwerkskörpern ist in dem Beitrag die Rede. In Brandenburg hätten Beamte Anleitungen zum Bau von Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt. In Hamburg habe die Polizei bei einem Verdächtigen “ge- und verfälschte Personaldokumente” beschlagnahmt. (Quelle)
Wecker, Drähte, Uhren, gefälschte Personalausweis: Das Werkzeug der Krawallmacher von heute?
Wirklich für Aufsehen sorgte dann das deutsche Bundespresseamt. Das verwehrte 20 Journalisten den Zutritt zum Gipfel, pikanterweise genau solche, die im Vorfeld kritisch über Polizeiaktionen berichtet hatten. Der taz-Redakteur Felix Lee wurde nach tagelangem öffentlichen Druck dann doch noch zugelassen, andere wählten den Weg über die Gerichte – und bekamen recht. Eine Begründung für das Aussperren ist man bislang schuldig geblieben. Für die Pressefreiheit dramatische Tage, die man in einer westlichen Demokratie wohl so nicht vermutet hätte.
Weitere pikante Details: Ein 12 Millionen Euro teurer Zaun schirmt einen ganzen Ort von der Welt ab, das Briefgeheimnis wird mit Füßen getreten.
Nächste Station: Die Gipfelgegner und -kritiker. Die Veranstalter der Demonstrationen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, zu blauäugig mit Partnern gearbeitet zu haben, die hintennach für Rummel im negativen Sinn sorgen würden. Die Distanzierungen im Nachhinein sind sicher ehrlich gemeint, kommen aber einfach zu spät. Und man schadet sich damit. Im Schatten der Gewalt gehen legitime Anliegen der Kritiker einfach unter. Man darf aber nicht den Fehler machen, die friedliche Bewegung mit den vergleichsweise wenigen Spinnern gleichzusetzen. Wenn eine Demo von 25.000 (oder 80.000, je nach Quelle) Personen ebenso friedlich wie spätere Konzerte stattfindet, dann ist das die gute Art von Protest. Keiner dieser Menschen kann etwas dafür, dass sich ein paar geistig umnachtete Wesen später mit der Polizei prügeln wollen. Und zu denen braucht man wohl nicht viel zu sagen: keine weiß was die Trotteln mit ihren Steinen erreichen wollen.
Aja, und die Polizei? Die hat einen schwierigen Job. Die Leute machen Fehler, manche von ihnen werden vielleicht auch fehl am Platze sein. Man fragt sich, warum auf einem freien Wiesenfeld mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken gearbeitet werden muss. Aber bis man wirklich glaubwürdige Beweise hört, sollte man von den Verschwörungstheorien nicht allzu viel halten, die das seit Tagen im Netz kursieren.
In diesem Zusammenhang sind vor allem die Medien gefragt, die in meinen Augen keinen besonders guten Job machen. Zuallererst wären sie dafür verantwortlich, den Krawallmachern nicht die Dominanz über die Öffentlichkeit der Protestbewegung zu überlassen. Genau das passiert aber. Das Gute wird ausgeklammert oder zumindest kaum erwähnt. Noch dazu gibts wirklich peinliche Falschmeldungen. Das sind die unverzeihlichen Fehler, die Glaubwürdgkeit zerstören.
Es sind außerdem die zahlreichen Kommentare, die mich in den letzten Tagen gestört haben. Fast allen Autoren ist gemeinsam, dass sie nicht begreifen, dass es “die Globalisierungskritiker” nicht gibt. Das ist ein breites Bündnis aus religiösen, sozialen und politischen Bewegungen. Wenn die FAZ da Widersprüche bei den Forderungen ortet, ist das nur die logische Konsequenz. Glücklich bin ich über die gesamte Berichterstattung nicht, zu wenig Information, zu wenig Konkretes. Das ist wohl das Ergebnis davon, wenn alle Medien versuchen überall gleichzeitig zu sein, und dadurch nirgendwo wirklich sind. Dem könnten die Blogger entgegenwirken, aber dass das passiert, wäre mir bislang auch kaum aufgefallen. Der Citizen Journalism-Ansatz von Spreeblick, wo man per Handy berichten kann, in allen Ehren, aber Spree8 funktioniert nicht und bietet entgegen anderslautender Selbstironie keinen echten Mehrwert.
Der Gipfel selbst beginnt ja eigentlich gerade erst und keiner weiß, ob die Teilnehmer dem ganzen Drumherum überhaupt gerecht werden. Im Klimaschutz weiß man scheinbar schon vor dem passenden Treffen, dass es kein Ergebnis geben wird. Die große Frage bleibt: Warum muss es ein deutscher Badeort sein? Warum muss man dorthin gehen wo Menschen sind, wenn man mit denen aber nicht in Kontakt treten will?
Wie man zu den ganzen hier nur oberflächlich angeschnittenen Themen auch stehen mag, eines können nur intellektuelle Nackerbatzl leugnen: Zukünftig muss das alles anders werden.
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7 Reaktionen bisher
inwiefern funktioniert spree8 nicht?
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!!! | 6. June 2007 | 13:47
zum einen sind bei spree8 bei mir sauviele beiträge wo nichts drinsteht, zum anderen meinte ich, dass die schaffung von mehrwert nicht funktioniert. die leute nutzen es nicht so, wie es genutzt werden müsste.
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6. June 2007 | 17:34
korrigiere, ich war zu blöd die leeren beiträge als audiodateien zu identifizieren – es geht also nur noch um den mehrwert
die idee find ich grundsätzlich übrigens gut, nicht dass das falsch verstanden wird.
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6. June 2007 | 18:13
danke für die erklärung. denke aber, dass es noch zu früh ist für ein abschließendes urteil.
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!!! | 7. June 2007 | 11:26
ich revidiere es gern, wenns doch noch besser klappt
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7. June 2007 | 11:27
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