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Newspeak

Wie nennt man jemanden, der sich nicht an die Verkehrsregeln hält? Richtig, Verkehrskritiker.

Wie nennt man jemanden, der in Villen einbricht? Richtig, Villenkritiker.

Also nennt man jemanden, der den G-8-Gipfel mit kriminellen Methoden zu stören versucht, natürlich einen Globalisierungskritiker.

So zum Beispiel der Sender Phoenix fast durchweg in seiner heutigen Berichterstattung; so viele andere Medien.

Newspeak nannte George Orwell eine solche Sprache, die in die Irre führt, die verhüllt und verharmlost, statt den Sachverhalt zu bezeichnen.

Hier wären richtige Bezeichnungen “Randalierer” oder “Gewalttäter”; von mir aus auch “Störer”, das ist wohl der von der Polizei meist verwendete Ausdruck.

Quelle: Zettels Raum

Unberechtigt kommt dieser Beitrag nicht daher. Es ist schon auffallend, dass sich viele westliche Medienvertreter im Zuge der G8-Proteste nicht so recht getrauen, die Dinge beim Namen zu nennen, sprich: die gewalttätigen Störenfriede als das zu bezeichnen, was sie nun einmal sind.

Derartige rhetorische Verharmlosung sticht gar nicht mehr sofort ins Auge, weil Newspeak an der Tagesordnung steht. Bestes Beispiel darfür: die “Berichterstattung” über den Nahostkonflikt. Da wird die Terroristenbande der Hamas mit chronischer Selbstverständlichkeit euphemistisch als “radikal-islamisch” bezeichnet – eine Selbstverständlichkeit, die die westliche Realitätsverleugnung im Bezug auf den palästinensischen Terror gegen Israel exemplarisch veranschaulicht.

Aber es hat freilich seine triftigen Gründe, dass die Dinge nicht beim Namen genannt werden – sowohl im Bezug auf die G8-Randalierer, als auch in Sachen palästinensischer Terroristen. In ersterem Fall will man durch eine verzerrte Benennung der Gewalttätigen in vorauseilender Solidarität verhindern, den friedlichen Demonstranten Unrecht zu tun, die den Kapuzenmännern in naivem Gutglauben eine Plattform boten; in Sachen Nahostkonflikt muss mit allen Mitteln das “Feindbild Israel” bedient werden.

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| 7. June 2007

33 Reaktionen bisher

    Tom Schaffer sagt:

    also ich hätte nirgendwo gesehen, dass die krawallmacher in den medien gut weggekommen wären. mich würde ja interessieren, wen zettel mit “jemanden, der den G-8-Gipfel mit kriminellen Methoden zu stören versucht” eigentlich meint. sind das schon die, die seit gestern friedlich am zaun hocken? und seine idee orwell gegen die protestseite (also die gute wie schlechte parteie) zu verwenden ist angesichts der staatsmethoden im vorfeld schon sehr zynisch. ;)

    das problem der falschen sprache im allgemeinen ist natürlich immer präsent.

    PS: radikal-islamisch ist imo eine korrekte bezeichnung für die hamas. ist mit dem begriff rechtsradikal zu vergleichen. man muss auch nicht jedes mal “rechtsradikaler gewalttäter” schreiben, das wort rechtsradikal drückt bereits die gewaltsame ablehnung des demokratisch-liberalen staates aus. darum ja “radikal” ;)

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    7. June 2007 | 12:21
    Philipp Heimberger sagt:

    Verzeihung, aber die Bezeichnung “radikal-islamisch” kann mitnichten als auf die Hamas zutreffend gelten. Die Hamas ist eine Terrororganisation, in deren Charta unverhohlen die Tilgung des Staates Israels als oberstes Ziel angepriesen wird.

    Hast du in den westlichen Medien schon jemals einen Bericht gesehen/gelesen, der die palästinensischen Terroristen in direkten Bezug zu den Parteien Hamas und Fatah stellt? Vielmehr wird immer so getan, als seien die Terroristen ein paar autarke Verrückte, die sich gegen den bösen Besatzerstaat Israel auflehnen.

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    7. June 2007 | 12:32
    Tom Schaffer sagt:

    weiß ich jetzt ehrlich gesagt nicht, werd ich mal beobachten.

    die bezeichnung radikal is halt nicht definiert, drückt aber imo schon eben diese gewaltbereitschaft aus.

    PS: Mein ICQ hat gesponnen und ich weiß deinen ursprünglichen nickname nicht mehr – kannst dich mal melden?

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    7. June 2007 | 12:41
    liberalinaustria sagt:

    Der schlimmste Euphemismus ist aber in heutigen Zeiten folgender: Aufständische für Terroristen. Aufständische für Menschen, die sich zB Mitten unter einheimischen Zivilisten in die Luft sprengen.

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    !!! | 7. June 2007 | 14:09
    Tom Schaffer sagt:

    wobeis auch umgekehrt funktioniert: krawallmacher und aktioniesten die als terroristen diffamiert werden. (ist zum beispiel im vorfeld des g8-gipfels ein paar mal aufgetaucht)

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    7. June 2007 | 16:28
    ntropie sagt:

    Dass sich in der täglichen Berichterstattung viele völlig verharmlosende Begriffe eingeschlichen haben, sehe ich auch so. Aber zumindest in der deutschen Boulevard-Berichterstattung ist es derzeit doch häufiger so, dass Demonstranten eher als “Störer” oder “Randalierer” bezeichnet werden denn umgekehrt.

    Die angesprochenen Verharmlosungen kann man nicht mit Orwells Newspeak gleichsetzen – ich halte das für etwas naiv. (In Newspeak geht es weniger um Euphemismen als vielmehr um die fundamentale Änderung der Grammatik, die radikale Reduzierung der Wortvielfalt und die Sapir-Whorf-Hypothese, aber das nur am Rande.)

    Was die “kriminellen” Methoden angeht: mir ist nicht bekannt, dass Steinewerfer, Schläger und Randalierer von irgendwem als “Kritiker” verharmlost wurden, schon gar nicht von den Demonstranten selbst. Falls doch, möchte ich Quellenangaben sehen.

    Dass der Aufenthalt direkt am Zaun derzeit illegal ist, stimmt. Dass die meisten Sitzblockaden illegal sind, stimmt auch. Aber vielleicht könnte das in diesem Fall an den Gesetzen liegen. Die sind nicht immer zu 100% sinnvoll, weil sie weder vom Himmel fallen noch von Gott in Steintafeln gemeißelt wurden, sondern von Menschen gemacht werden. Und das Versammlungsverbot direkt am Zaun ist immer noch unter Rechtsexperten umstritten. Es ist nicht immer alles automatisch richtig, was in Gesetzestexten steht.

    Übrigens wurde einer der militanten Störer als Agent Provocateur der Polizei enttarnt. Ist der auf der moralisch sicheren Seite, bloß weil er (wahrscheinlich, so genau weiß man das noch nicht) legal gehandelt hat?

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    !!! | 8. June 2007 | 02:32
    Philipp Heimberger sagt:

    “Was die “kriminellen” Methoden angeht: mir ist nicht bekannt, dass Steinewerfer, Schläger und Randalierer von irgendwem als “Kritiker” verharmlost wurden, schon gar nicht von den Demonstranten selbst. Falls doch, möchte ich Quellenangaben sehen.”

    Erstens brauchst du “kriminell” gar nicht erst unter Anführungszeichen zu setzen; was diese gewaltprovozierenden Ablehner da in Rostock veranstalten und veranstaltet haben, ist kriminill und gehört angeprangert. Punkt.

    Zweitens sind die Ausschreitungen insbesondere dadurch verharmlost worden, als dass es seitens der friedlichen Demonstranten zwar eine Pseudo-Distanzierung von den gewaltheischenden Kapuzenmännern gab, die Berichterstattung im nächsten Augenblick aber auch sogleich jene Noglobal-Sprecher zu Wort kommen ließ, die zuvörderst das polizeiliche Vorgehen zu geißeln versuchten – ganz nach dem Motto: Wir haben zwar in naivem Gutglauben die Rowdys mitspazieren lassen, obwohl absehbar war, dass es zu Gewaltaktionen kommen würde; aber dass die böse, böse Polizei dann auch noch mit aller gebotenen Härte Paroli bietet, um dem Wahnsinn entgegenzuwirken, das ist dann wohl noch viel schlimmer. Eine Täter-Opfer-Vertauschung par excellence. Und die westlichen Medien bringen das großteils unkommentiert. Da kann man sich einfach nur noch an den Kopf greifen.

    Und damit ich nicht wieder missverstanden werde: Die Polizei hat sicher auch nicht alles richtig gemacht. Dass sie zu härteren Maßnahmen greifen muss, um die Gewalttätigen zu bändigen, wird man ihnen dann aber doch zugestehen müssen. Wahnsinnige, die mit Pflastersteinen, Zementsäcken und anderen Geschossen um sich werfen, ist nicht mit gutem Zureden beizukommen. Dabei darf man nicht vergessen: Die große Masse der in Rostock eingesetzten Polizisten sind für die Abwicklung derartiger Massenaufläufe nicht geschult, geschweige denn hatten die meisten es schon mal mit ein paar Tausend Irren zu tun, die es gezielt auf eine Konfrontation anlegen.

    Zu deiner Äußerung bezüglich des Agent Provocateur der Polizei kann ich nichts sagen; davon habe ich bislang nichts gehört. Aber noch einmal: Auch die Polizei hat sicherlich nicht alles richtig gemacht – das ist menschlich. Dass die westlichen Medien nicht dazu in der Lage sind, ein Bild zu zeichnen, das klar darstellt, wer die Täter sind, ist jedoch offensichtlich und sympomatisch.

    Dass nicht jedes Gesetz sinnvoll ist, ist natürlich klar. Das ändert nichts daran, dass die Polizei für Recht und Ordnung zu sorgen hat. Und das ändert auch grundsätzlich nichts daran, dass man sich an Gesetze zu halten hat – eine gesetzliche Änderung sollte man im Sinne der eigenen Glaubwürdigkeit vielleicht nicht bei rechtlich nicht gedeckten Tätigkeiten fordern.

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    8. June 2007 | 11:23
    Tom Schaffer sagt:

    das ist nunmal das prinzip des zivilen ungehorsams – also gesetze im rahmen einer verhältnismäßigkeit und gewaltlosigkeit zu brechen.

    ich habs die tage in diskussionen schon oft sagen müssen: mit der logik mit der die polizei derzeit schlagstöcke, tränengas und wasserwerfer gegen friedliche straßenblockaden einsetzt (wo ich das “kriminell” tatsächlich unter gigantische anführungszeichen setzen möchte), hätte man auch mahatma ghandi verprügeln und wegschwemmen müssen. und das würde heutzutage niemand gutheissen, der halbwegs bei verstand ist.

    die steinewerfer sind eine minderheit über die es sich nicht zu diskutieren lohnt und die ich mit keinem kommentar würdige. jeder muss auch so wissen, dass ich keine sekunde mit ihnen sympathisiere. genau auf diese schwachköpfe hat sich aber in den ersten tagen die mediale berichterstattung massiv konzentriert (was erst durch die gestrigen sympathischen protestaktionen abgenommen hat) und mit dieser konzentrationkam es zu einem schwer diffamierenden effekt für die friedlichen demonstranten und blockierer – mir ist in all den tagen also genau der gegenteilige effekt negativ aufgestoßen, als der von dem du zu berichten scheinst. den anderen hätte ich in keinem mainstreammedium wahrgenommen.

    und weil du die polizei hier als reine “müssen für recht und ordnung sorgen, egal was recht und ordnung auch sind”-truppe bezeichnest. auch für die polizei gilt es immer die verhältmismäßig angebrachten mittel einzusetzen. das bedeutet, dass ein blockierer damit rechnen muss, abgeführt zu werden. das ist eine verhältnismäßige per gesetz gedeckte reaktion der polizei. aber ich habe nicht das geringste verständnis, wenn auf sitzende friedliche menschen eingedroschen wird oder mit gewalttätigen maschinen wie wasserwerfern auf stinknormale demonstranten losgespritzt wird. die bilder wo mitten in einer großen, weitflächigen wiese ein wasserwerfer auf friedfertige leute losgeht, sind an absurdität nicht mehr zu überbieten.

    die polizei hat keinen freibrief dafür, auf ungefährliche gesetzesbrecher mit gewalt zu reagieren. auch ein falschparker darf nicht vermöbelt werden, wenn er sich weigert sein auto woanders hin zu stellen.

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    8. June 2007 | 12:15
    ritro sagt:

    möchte Philipp Heimberger schon recht geben (bzgl.G8 Proteste).Im Grunde genommen, können einem die Berufs-od..Gewaltdemonstranten schon leid tun. Im richtigen Leben sind die meisten doch Arbeitslose und ein Soziologe würde sagen : leider entfremdete Menschen zu sich selbst und zur Gesellschaft (mit der Prognose der Anomie ,d.h.Orientierungsstörungen u.Distanzverlust zum Rollenverhalten) und desweiteren.. (linke) Studenten (wahrscheinlich marxistisch irritiert) wobei Nachsichtigkeit angebracht wäre (ob ihrer Lebensphase, sind ja temporär “Nichtskönner”,”Nichtsleister” aber immerhin “Blödquassler”/siehe manche Prachtexemplare wie T.Schaffer/ sozusagen auch Lehrlinge).Im Universitätsbetrieb ist dies natürl.möglich (war selbst 4 Sem. auf d. WU i.d. 80 er J.).Der sogen. Newspeak verharmlost leider viele Dinge i.d. Gesellschaft (inkl.Political-Correctness).
    mfg
    rtmarketing
    wien

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    !!! | 9. June 2007 | 18:22
    Tom Schaffer sagt:

    ach ein rechter ex-wuler der über die verkommene studentenschaft schwadroniert – wie wertvoll. philipp das ist der ultimative beweis, dass du deine haltung überdenken solltest ;)

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    9. June 2007 | 19:29
    ntropie sagt:

    Philipp, wir sind uns beide einig, dass Steinewerfer kriminell sind. Die Anführungszeichen beziehen sich auf die Aktivitäten der Demonstranten (Steinewerfer sind keine Demonstranten), von denen die meisten für mich nicht als kriminell zu erkennen sind.

    Und ich muss gestehen, dass ich ziemlich ratlos bin, wenn du sagst, die Ausschreitungen seien verharmlost worden. Von wem denn? Wer hat hat denn Täter und Opfer vertauscht? Hast du Quellen? Genau das Gegenteil ist in den Medien doch passiert. Grotesk übertriebene Opferzahlen, inzwischen als Lügen aufgedeckte Pressemeldungen, aus Versehen oder mit Absicht falsch übersetzte Reden von Globalisierungskritikern, verdeckte Ermittler der Polizei, die wahrscheinlich zu Straftaten aufgefordert haben. Dabei fasse ich mir an den Kopf.

    Hier ausführliche Quellen, damit du nicht denkst, ich würde mir das ausdenken:
    Chronologie einer Falschmeldung.
    Opferzahlen der Randale in Rostock weit übertrieben?.
    Deutlich weniger Schwerverletzte nach Rostocker Krawallen.
    Verwirrung um Verletztenzahlen.
    Wie aus Seifenblasen “Säuregift” wird.
    Polizei gibt Einsatz vermummter Fahnder zu.
    Alle kritisieren die Chaoten. Doch wer spricht von der staatlichen Gewalt? (dies ist ein äußerst subjektiver Bericht, zugegeben)

    Woher kommen deine “paar Tausend Irre”? Warum denkst du, die Polizisten seien für derartige Einsätze nicht geschult? Es gehört zu deren Beruf, für solche Demos geschult zu sein. Solche Einsätze kann die deutsche Polizei jedes Jahr z.b. am 1. Mai in Berlin trainieren. Welche seriösen westlichen Medien haben die Täter nicht als solche dargestellt?

    Wie Tom schon erwähnt hat, gilt gerade bei polizeilichen Aktionen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Nur so kann letztlich gewährleistet sein, dass der Staat sein Gewaltmonopol nicht zu Ungunsten seiner eigenen Bürger ausnutzt. In dem Zusammenhang übrigens bemerkenswert ist ein Satz aus der offiziellen Pressemitteilung der Polizei, in der sie zugibt, einen Ermittler eingeschleust zu haben:

    “Nur dem beherzten Eingreifen friedlicher Globalisierungskritiker ist es zu verdanken, dass es nicht zu schwereren Verletzungen kam.”

    Die von dir als kriminell bezeichneten Demonstranten haben also einen Polizisten vor einigen gewaltbereiten Idioten geschützt.

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    !!! | 10. June 2007 | 18:55
    Philipp Heimberger sagt:

    Ich halte nichts davon, Gewaltaktionen schön zu reden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass in den Medien übertriebene Zahlen publiziert wurden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es unter den tausenden Polizeibeamte ein paar gab, die auf inakzeptable Weise agierten. Und ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass einigen friedlichen Demonstranten in dieser oder jener Weise Unrecht getan wurde.

    Es ist ja löblich und richtig, dass ihr euch beide auf “Verhältnismäßigkeit” beider Seiten – Polizisten und Demonstranten – beruft. Faktum ist jedoch, dass es die gewalttätige Minderheit der Protest-Bewegung war. die die Ausschreitung – dass es die gegeben hat, wird ja dann hoffentlich doch niemand abstreiten wollen – evozierten. Diese waren es, die vorsätzlich auf Konfrontationskurs gingen und mit ihrer gewaltheischenden Uneinsichtigkeit ein regelrechtes Chaos auslösten. Insofern werde ich ja wohl noch kritisieren dürfen, dass die Medien unkommentiert selbsternannte Noglobal-Befrieder wie diesen Monty Schädel zu Wort kommen ließen, die sofort mit Vorwürfen an die Polizei aufzuwarten wussten, die unmissverständlich suggerierten, dass die Polizei auch zu den gewalttätigen Bösewichten gehören.

    In meinen Augen ist es einfach naiv, davon auszugehen, dass mehrere Tausend Polizisten allzeit Herr einer unübersichtlichen und durch rabiate Störenfrriede aufgeheizten Situation sein können. Ich kann dir versichern, dass nicht jeder der Beamten für derartige Einsätze geschult war. Abgesehen davon sind auch Polizisten nur Menschen, die Fehler machen. Insofern kann ich nicht nachvollziehen, wie man den Versuch anstellen kann, die Meldung über einen angeblichen agent provocateur ins Blickfeld zu rücken, dazu noch Bilder von polizeilichem Vorgehen gegen friedliche Demonstranten hinzuzuziehen und so den Einsatz der Sicherheitskräfte in seiner Gesamtheit in Frage zu stellen. Wenn hunderte, wenn nicht sogar mehr als tausend Demonstranten (will mich nicht über Zahlen streiten; ist letztendlich auch relativ unerheblich) auf Polizisten los gehen, dann darf man die gesamte Protestbewegung nicht in Frage stellen (was ich btw. nie getan habe), aber wenn die eine oder andere Meldung über Fehlverhalten einzelner Polizisten eintrudelt, dann wird gleich wieder gegen polizeiliche Unverhältnismäßigkeit gewettert? So kommt mir das zumindest zumeist vor, wenn über die Gewaltakte gesprochen wird.

    @Tom:
    Ich kann übrigens nicht nachvollziehen, warum du in deine Ausführungen immer wieder einen Seitenhieb ala “die polizei hat keinen freibrief dafür, auf ungefährliche gesetzesbrecher mit gewalt zu reagieren. auch ein falschparker darf nicht vermöbelt werden, wenn er sich weigert sein auto woanders hin zu stellen.” einbauen musst, die in meinem Empfinden insofern einen vorwurfsvollen Unterton haben, als dass sie so klingen, als hätte ich dahingehend Forderungen erhoben oder auch nur Andeutungen gemacht. Das war nie der Fall; nur weil ich nicht einsehe, kommentarlos zu akzeptieren, dass die Exekutive in unseren Breitengraden immer und für grundsätzlich alles kritisiert wird, wobei das in einigen Fällen einfach nicht gerechtfertigt ist, verlange ich noch lange nicht nach einem “Gewalt-Freibrief” für Polizisten. Das liegt mir fern.

    Indem nicht wenige Medienvertreter mit automatischer Zielgerichtetheit, vielleicht aber auch unbewusst, die Verursacher von derlei Gewaltaktionen in den Hintergrund zu rücken, indem der Polizeieinsatz per se in Frage gestellt wird, tragen sie ihres dazu bei, dass es auch beim nächsten derartigen Maßenprotest wieder zu exzessiven Störungen kommen wird. Exemplarische Links gibt es zur Genüge, beispielsweise diesen: http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2007-06-08T132141Z_01_KOE848092_RTRDEOC_0_G-8-DEMONSTRATIONEN-BILANZ-ZF.xml

    Und damit man mir nicht wieder das Wort im Mund umdreht: Kritik ist natürlich immer berechtigt; sie sollte nur nicht pauschalisieren und extremisieren. Du, ntropie, bringst Links auf Beiträge, die auf die Verbreitung übertriebener Zahlen und Schlagzeilen und aufmerksam machen.

    Ich vertrete mit meiner Meinung schlicht eine Position, die sich gegen die Selbstverständlichkeit der Verurteilung polizeilicher Aktionen und deren extremisierte Darstellung anhand herausgegriffener Exempel stark macht. Dass ich damit gegen den Mainstream anschwimme, ist mir bewusst.

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    10. June 2007 | 21:39
    ntropie sagt:

    Hu? Gegen den Mainstream? Ich hab doch jetzt wiederholt versucht darzulegen, dass du genau mitten im sogenannten Mainstream mitschwimmst.

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    !!! | 10. June 2007 | 22:39
    Tom Schaffer sagt:

    und ich sag es nochmal: das bild das du von unseren mainstream-medien zeichnest ist einfach unzutreffend. nicht die polizei wurde verteufelt sonderen deren (mittlerweile viel zu oft als falsch erkannte) zahlen und informationen unhinterfragt übernommen.ich habe nirgendwo gelesen, dass die polizei schuld an den ausschreitungen gewesen wäre – das steht bei einigen spinnern in blogs aber definitiv nicht in den mainstream-medien. ich weiß nicht, woher du diesen vorwurf nimmst. bis heute vermisse ich die thematisierung des gewaltsamen vorgehens gegen die friedlichen straßenblockierer und wiesenstürmer.

    es sind hingegen die protestgruppen, die völlig undiferenziert über einen kamm geschoren wurden. die grenze zwischen steinewerfern, zivilen ungehorsamen und friedlicher demonstration ist mehr als nur einmal völlig zu unrecht verschwommen und die methoden der beiden letzten gruppen standen eigentlich in teilweise unverständlicher manier unter dauerhafter kritik.

    ich stelle mit keinem wort den polizeieinsatz an sich in frage – aber ich kritisiere, was da in den letzten tagen leider tatsächlich passiert ist.ich habe bilder von wasserwerfern auf wiesenfeldern und prügelnden polizisten bei friedlichen sitzblockaden gesehen. und diese vorfälle haben nicht 3 tage lang anprangernd auf den titelseiten gestanden (im gegensatz zu den steinewerfern bei den demonstranten die dadurch ja kein bisschen gerechtfertigt werden würden).

    ich weiß nicht von welchen medienberichten du sprichst, die so hetzerisch gegen die polizei gerichtet gewesen sein sollen?

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    10. June 2007 | 22:48
    Philipp Heimberger sagt:

    @Tom:
    Und ich sage nochmal: Ich habe keine Lust, über Zahlen zu streiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass übertriebene Zahlen verbreitet wurden. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass in Rostock gewaltsame Proteste stattfanden, evoziert von hirnverbrannten Widerständlern, die es Dümbewusst darauf angelegt hatten, eine Eskalation herbeizuführen.

    Die Medien haben sehr wohl ihres dazu beigetragen, der Masse ein Bild zu suggerieren, das die Polizei als unverhältnismäßig gewalttätig darstellt. Das geschah freilich nicht mit expliziten Formulierungen. Dazu reichte es schon, dass man einige dieser kreischenden Noglobal-Sprecher über mangelnde Deeskalationsstrategien herziehen ließ, ohne dies entsprechend zu kommentieren. Zunächst rasch von jeglicher Verantwortung im Bezug auf die Ausschreitungen abgeputzt, weil man ja angeblich nicht vorausahnen konnte, dass diese vermummten Irren ordentlich auf den Putz hauen würden, und im nächsten Moment auch schon über die fies durchgreifende Polizei hergezogen – sorry, aber mit dieser Methodik, die Rechtfertigung und Anklage zu den eigenen Gunsten verbindet, indem die eigentlichen Täter sogleich aus dem Bild gezerrt werden, kann ich einfach nichts anfangen.

    Es mag sein, dass das eine oder andere Mal die von dir abgesteckten Grenzen verschwommen dargestellt wurden. Das kann man zwar nicht gutheißen. In letzter Konsequenz können sich aber die friedlichen Demonstranten dafür auch bei den Gewalttätigen bedanken, die das Gros der Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Und die Demonstrationsorganisation sollte sich vielleicht auch mal die Frage stellen, ob es sonderlich weitsichtig war, den als brutal bekannten Autonomen Redezeit auf der Bühne gegen das Versprechen von Gewaltlosigkeit anzubieten – im naivem Gutglauben, es werde schon nicht zu Provokationen kommen.

    @ntropie: Natürlich schwimme ich mit meiner Ansicht gegen den Mainstream. Schon alleine deshalb, weil man in unseren Breitengraden bereits in Deckung gehen muss, wenn man Aspekte der politischen Haltung der Befriedungs-Demonstranten in Frage stellt. Gnade jenen, die darauf aufmerksam machen, dass die Mainstream-Anschauung der meisten Linken vor Antiamerikanismus und Antizionismus nur so strotzt; Gnade jenen, die darauf aufmerksam machen, dass Forderungen wie jene nach einer totalen Entmilitarisierung von heute auf morgen keinen Bezug zur Realität haben, sondern schlicht idiotisch, weil selbstmörderisch sind; Gnade jenen, die laut und deutlich die Frage stellen, ob das, was die Anti-G8-Bewegung da so völlig ungeniert und überzeugt fordert, auch wirklich sinnvoll und umsetzbar oder in einigen Aspekten nicht doch idealistischer Dummquatsch ist; Gnade jenen, die …

    Übrigens, Tom: Nur weil es auch ein paar Idioten gibt, die in gewissen Punkten meine Meinung vertreten, werde ich nicht gleich wankelmütig werden. Du wirst ja hoffentlich auch nicht gleich deiner Weltanschauung entsagen, sobald irgendein verblendeter Dahergelaufener sich in einer Diskussion an deine Seite stellt, oder? ;)

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    11. June 2007 | 14:03
    Tom Schaffer sagt:

    letzteres war ja nur ein scherz ;)

    Dazu reichte es schon, dass man einige dieser kreischenden Noglobal-Sprecher über mangelnde Deeskalationsstrategien herziehen ließ, ohne dies entsprechend zu kommentieren.” – würde man das nicht tun, dann wäre man einseitig und würde seinen objektivitätsanspruch verletzen. man kann nicht auf der einen seite schäuble oder die informationen der polizei unkommentiert abdrucken und auf der anderen die andere seite gar nicht oder nur beschwichtigend zu wort kommen lassen.und kommentare des autors haben in einem faktenbericht nichts verloren. die meinung der redaktion muss als solche erkenntlich sein und du findest sie in kolumnen und entsprechenden anderen artikelformen. und ich garantiere dir, dass du in keinem mainstreammedium der letzten tage eine tendentielle berichterstattung gegen die polizei finden wirst.

    es ist keinesfalls eine polizeifeindliche berichterstattung, wenn man einen attac-sprecher zu wort kommen lässt, solange das in einem rechtfertigbaren maß geschieht. (genauso wie es nicht ausländerfeindlich ist, wenn man in einem passenden bericht strache zu wort kommen lässt) im gegenteil, das gebietet die journalistische pflicht. der journalist kann für die dummheit der menschen nichts, er muss nur darüber berichten. und würde man allen blödsinn ausblenden, würden zeitungen heutzutage fürchterlich dünn sein.

    PS: ich hab deinen kommentar editiert, du hattest den “gnade jenen”-absatz teilweise irgendwie am anfang des zweiten absatzes nochmal drinnen

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    11. June 2007 | 16:54
    Philipp Heimberger sagt:

    Das ist es ja gerade: Wie viele Medien haben den “Blödsinn”, den die Noglobal-Sprecher da verzapft haben, denn bitte auch als solchen in der entsprechenden journalistischen Form kommentiert?

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    11. June 2007 | 18:31
    ntropie sagt:

    Tut mir leid, Philipp. Dann sprechen wir eine andere Muttersprache. Der “Mainstream” hat sich so gut wie vollständig auf die Seite der Polizei und der Politik geschlagen. Nicht die Polizei wurde als unverhältnismäßig gewalttätig dargestellt, sondern die Randalierer. Bis du mir Quellen zeigst, die deinen Standpunkt untermauern, bleibe ich dabei. Und nicht nur ich.

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    !!! | 11. June 2007 | 19:14
    Tom Schaffer sagt:

    Wie viele Medien haben den “Blödsinn”, den die Noglobal-Sprecher da verzapft haben, denn bitte auch als solchen in der entsprechenden journalistischen Form kommentiert?” – jeder kommentar den ich gelesen habe lief darauf hinaus, dass die organisatoren sich von den gewalttätigen blödärschen weiter abgrenzen müssen und die ausgestreckten-zeigefinger richtung polizei wurden mehr als einmal als lächerlich entlarvt. ich hab wie gesagt keinen gelesen, der die polizei als schuldige kraft bezeichnet hätte – nicht einen.

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    11. June 2007 | 20:09
    Philipp Heimberger sagt:

    Keine Angst, ich erhebe keineswegs den Anspruch, dir deine Meinung zu nehmen. Du solltest nur der Gerechtigkeit halber auch endlich mal die Gesamtheit dessen sehen, was ich so schreibe, und nicht irgend etwas zwischen die Zeilen interpretieren, das da nicht steht. Ich habe nie die Fehler der Polizei, die sicherlich auch passiert sind, verteidigt. Das fordere ich nicht im Geringsten. Auch liegt es mir, wie oben zu lesen ist, fern, zu verleugnen, dass die Medien wohl übertriebene Verletztenzahlen in Umlauf gebracht haben. Der “Mainstream” sieht das übrigens sicher anders, weil der hat keinen Plan davon, dass im Zuge der Berichterstattung da und dort dramatisiert worden sein mag.

    Ich hätte nämlich gar nicht die Notwendigkeit gesehen, mich grundsätzlich hinter den Einsatz der Polizei zu stellen; diesen Aspekt hast du mit deiner Meldung über den agent provocateur auf den Schild gehoben. Mir geht es lediglich darum, dass ich bislang in keinem Beitrag, der die “Unverhältnismäßigkeit” (um bei deiner Formulierung zu bleiben) des polizeilichen Vorgehens geißelte, eine vorausgehende Meldung darüber gelesen oder gehört hätte, dass all das nicht passieren hätte müssen, wenn entweder die Friedens-Naivlinge ihre Autonomen Weggefährten von dem Protestzug ausgeschlossen hätten. Vielleicht hast du da ein paar Links auf Lager?

    Die Demonstranten haben den Bilderkrieg in den Medien gewonnen. Diese bösen, fiesen, unverhältnismäßig gewalttätigen Polizisten gingen – und das mag in manchen Fällen tatsächlich unberechtigt gewesen sein – mit Wasserwerfern gegen (friedliche) Demonstranten vor; außerdem kam es wegen der tumultartigen Zustände zu dem ein oder anderen Übergriff durch einen Polizeibeamten, der nicht hätte sein müssen. Die gutmütigen Green Peacler in ihrem Schlauchboot wurden von einem rücksichtslosen gelenkten Polizei-Schnellboot gekentert.

    Du und all jene, die du hier per Links zu Worten kommen hast lassen, kritisieren auf der einen Seite sicherlich zurecht, dass die Bilder über die rabiaten Idioten-Chaoten die Berichterstattung in einem Ausmaß dominierten, das zur Ausuferung tendierte. Inwiefern man auf der anderen Seite aber strikt ablehnen kann, dass die Demonstrations-Inhalte, die Blockade-Aktion oder die Green Peace-Petitionsfahrt (die vor Scheinheiligkeit übrigens nicht zu überbieten ist, wie Zettel abermals richtig feststellt / http://zettelsraum.blogspot.com/2007/06/randbemerkung-kann-man-greenpeace.html#links) auch mal kritisch hinterfragt werden, ist mir ein Rätsel, weil es in meinen Augen von Inkonsequenz zeugt.

    Du und Tom, ihr steht auf dem Standpunkt, es sei gerechtfertigt, dass sich Demonstranten teilweise mehr als ein Jahr darauf vorbereiteten, um am besten den ganzen Gipfel lahm zu legen; wegen des Rechtes auf zivilen Ungehorsams, wie ihr meint. Ich denke, dass diese Leute die Vorbereitungszeit auch durchaus hätten nutzen können, um sich auf konstruktivere und sachlichere Art und Weise darzustellen. Ja, ich stehe dazu, dass ich der Auffassung bin, dass sich derlei Blockierer a priori jeder Glaubwürdigkeit berauben. Hier Vergleiche zur Freiheitsbewegung Indiens unter Gandhi zu ziehen, halte ich ehrlich gesagt für hanebüchern. Eine Antiglobalisierung-Bewegung, deren Untergruppen durch die Auffassung geeint sind, die Welt werde von “G8-Gangstern”, von “Imperialisten-Schweinen”, von “bösen Kapitalisten” regiert – die Anliegen einer solchen Bewegung können einfach nicht mit einem struggle for independence verglichen werden.

    Insofern kann ich auch nicht nachvollziehen, dass in meine Beiträge gleich einiges hinein interpretiert wurde, das ich nie von mir gegeben habe. Als ich zum Beispiel auf einen Kommentar in der Faz hinwies (http://www.zurpolitik.com/?p=331), in dem zurecht fesgestellt wurde, dass die härtesten Kritisierer ja auch gerne um demokratische Mehrheiten kämpfen können, wenn sie schon alles als schlecht empfinden, was “die da oben” so machen, drehte man mir gleich einen Strick, wonach ich das Demonstrationsrecht in Frage stellte – was ich freilich nicht einmal im Traum täte.

    Der Mainstream steht steht mit seiner grundlegenden Auffassung auf der Seite der Anti-Kapitalisten. Der ehrenwerte Europäer sieht, dass es uns gut und den armen Afrikanern schlecht geht. Daraus schließt er, weil ihm natürlich auch weiteres Hintergrund wissen besteht, dass da ja irgendwie in erster Linie eigentlich “wir” – also der Westen – Schuld haben müssen, was naturgemäß ein fataler Irrglaube ist. Die Hauptschuld wird dann, weil es die Medien einem ja auch so schön auf dem Silbertablett präsentieren “den neoliberalen Kapitalistenstaaten” zu geschoben, am liebsten natürlich den pösen Amis und den hundsgemeinen Israelis, beides laut landläufiger Meinung dämonische Imperialistenstaaten, die für all die Übel auf der Welt zur Verantwortung zu ziehen sind.

    Antiamerikanismus und Antizionismus grassieren nicht umsonst. Auch unter den Noglobals, Anti-G8, oder wie man sie auch immer nennen mag. Aber wehe, man getraut sich, das auszusprechen und überhaupt die Schwachsinnigkeiten so mancher Protest-Forderung und die weit verbreitete Unrichtigkeit von deren Aussagen aufzuzeigen. Wehe…

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    11. June 2007 | 20:47
    Tom Schaffer sagt:

    drehte man mir gleich einen Strick, wonach ich das Demonstrationsrecht in Frage stellte” – nein, dem faz-autor. und damit du das auch richtig verstehst: diese position das demonstrationssrechts einzuschränken hab ich in den letzten tagen öfters vernommen, das ist schon wirklich in den köpfen der leuten drin.

    und mit antiisraelischen und antiamerikanischen tendenzen will ich mich da jetzt echt nicht befassen – das hat mit der debatte der öffentlichen wahrnehmung der g8-proteste nicht wirklich was zu tun. vermischen wir hier nicht die öffentliche wahrnehmung bzw. mediale darstellung dieses ereignisses mit dem nahost-konflikt…

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    11. June 2007 | 20:57
    Philipp Heimberger sagt:

    Keine Angst, ich erhebe keineswegs den Anspruch, dir deine Meinung zu nehmen. Du solltest nur der Gerechtigkeit halber auch endlich mal die Gesamtheit dessen sehen, was ich so schreibe, und nicht irgend etwas zwischen die Zeilen interpretieren, das da nicht steht. Ich habe nie die Fehler der Polizei, die sicherlich auch passiert sind, verteidigt. Das fordere ich nicht im Geringsten. Auch liegt es mir, wie oben zu lesen ist, fern, zu verleugnen, dass die Medien wohl übertriebene Verletztenzahlen in Umlauf gebracht haben. Der “Mainstream” sieht das übrigens sicher anders, weil der hat keinen Plan davon, dass im Zuge der Berichterstattung da und dort dramatisiert worden sein mag.

    Ich hätte nämlich gar nicht die Notwendigkeit gesehen, mich grundsätzlich hinter den Einsatz der Polizei zu stellen; diesen Aspekt hast du mit deiner Meldung über den agent provocateur auf den Schild gehoben. Mir geht es lediglich darum, dass ich bislang in keinem Beitrag, der die “Unverhältnismäßigkeit” (um bei deiner Formulierung zu bleiben) des polizeilichen Vorgehens geißelte, eine vorausgehende Meldung darüber gelesen oder gehört hätte, dass all das nicht passieren hätte müssen, wenn entweder die Friedens-Naivlinge ihre Autonomen Weggefährten von dem Protestzug ausgeschlossen hätten. Vielleicht hast du da ein paar Links auf Lager?

    Die Demonstranten haben den Bilderkrieg in den Medien gewonnen. Diese bösen, fiesen, unverhältnismäßig gewalttätigen Polizisten gingen – und das mag in manchen Fällen tatsächlich unberechtigt gewesen sein – mit Wasserwerfern gegen (friedliche) Demonstranten vor; außerdem kam es wegen der tumultartigen Zustände zu dem ein oder anderen Übergriff durch einen Polizeibeamten, der nicht hätte sein müssen. Die gutmütigen Green Peacler in ihrem Schlauchboot wurden von einem rücksichtslosen gelenkten Polizei-Schnellboot gekentert.

    Du und all jene, die du hier per Links zu Worten kommen hast lassen, kritisieren auf der einen Seite sicherlich zurecht, dass die Bilder über die rabiaten Idioten-Chaoten die Berichterstattung in einem Ausmaß dominierten, das zur Ausuferung tendierte. Inwiefern man auf der anderen Seite aber strikt ablehnen kann, dass die Demonstrations-Inhalte, die Blockade-Aktion oder die Green Peace-Petitionsfahrt (die vor Scheinheiligkeit übrigens nicht zu überbieten ist, wie Zettel abermals richtig feststellt / http://zettelsraum.blogspot.com/2007/06/randbemerkung-kann-man-greenpeace.html#links) auch mal kritisch hinterfragt werden, ist mir ein Rätsel, weil es in meinen Augen von Inkonsequenz zeugt.

    Du und Tom, ihr steht auf dem Standpunkt, es sei gerechtfertigt, dass sich Demonstranten teilweise mehr als ein Jahr darauf vorbereiteten, um am besten den ganzen Gipfel lahm zu legen; wegen des Rechtes auf zivilen Ungehorsams, wie ihr meint. Ich denke, dass diese Leute die Vorbereitungszeit auch durchaus hätten nutzen können, um sich auf konstruktivere und sachlichere Art und Weise darzustellen. Ja, ich stehe dazu, dass ich der Auffassung bin, dass sich derlei Blockierer a priori jeder Glaubwürdigkeit berauben. Hier Vergleiche zur Freiheitsbewegung Indiens unter Gandhi zu ziehen, halte ich ehrlich gesagt für hanebüchern. Eine Antiglobalisierung-Bewegung, deren Untergruppen durch die Auffassung geeint sind, die Welt werde von “G8-Gangstern”, von “Imperialisten-Schweinen”, von “bösen Kapitalisten” regiert – die Anliegen einer solchen Bewegung können einfach nicht mit einem struggle for independence verglichen werden.

    Zweiter Teil=erster Teil; Worpress spinnt gerade

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    11. June 2007 | 21:02
    Philipp Heimberger sagt:

    Natürlich haben antizionistische und antiamerikanische Tendenzen sehr wohl etwas mit der öffentlichen Wahrnehmung zu tun. Und wie. Nicht zuletzt deshalb ist die Solidarität für die “Anti-Imperialismus”-Kundgebungen dermaßen weitreichend. Die Verteufelung Amerikas und Israelis ist einer der Hauptgründe dafür, dass Protestbewegungen überhaupt ein derart exorbitantes Ausmaß annehmen.

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    11. June 2007 | 21:12
    Philipp Heimberger sagt:

    Denn der gemeinsame Feind eint; sogar Ultralinke und Neonazis, wie am Exempel der Anti-G8-Demos veranschaulicht werden kann, .

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    11. June 2007 | 21:14
    Tom Schaffer sagt:

    bleib beim thema, sonst lassen wirs. ich hab nicht einen seitenhieb auf israel gesehen während der ganzen sache (warum auch?). und auch die usa-kritik stand nicht außergewöhnlich im vordergrund.

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    11. June 2007 | 22:00
    Philipp Heimberger sagt:

    Wo hab ich euch vorgeworfen, in die antiamerikanische und antizionistische Kerbe geschlagen zu haben? Richtig, nirgends.

    Ich wollte lediglich festhalten, dass man es sich nicht so einfach machen sollte, die Dinge immer getrennt von einander zu betrachten. Das Motiv der Demonstranten, die da gegen den G8-Gipfel skandierten, war, wie sie ja selbst mit unzähligen Slogans zeigten, gegen “den Kapitalismus”, “den Neoliberalismus”, “die G8-Weltherrschaft” zu protestieren. Dass Amerika und Israel in der Wahrnehmung sehr vieler Europäer all das verkörpern, wogegen die Noglobals sind, ist nichts Neues. Dementsprechend sollte es auch nicht verwundern, dass die Anti-G8-Bewegung, zusammengesetzt aus unterschiedlichen Gruppen – wie du ja selbst auch betont hast – für das gemeinsame Ziel sogar die Tiefen der ideologischen Gräben überwunden haben, die sich beispielsweise zwischen Nazis und Linken auftun.

    All das hat auch sehr viel mit der öffentlichen Wahrnehmung der Proteste zu tun. Schließlich war nur unschwer zu erkennen, dass die Noglobal-Proteste durch plumpen Antiamerikanismus, durch radikales Schwarz-Weiß- und Gut-Böse-Denken geprägt waren; und es ist ja auch kein Geheimnis, dass die Ablehnung gegenüber Amerika und Israel generell fest im europäischen Denken verankert ist. Dementsprechend ist es nur konsequent, dass auch viele der Zuschauer vor dem Bildschirm, die die Berichterstattung im Zuge des Gipfeltreffens mitverfolgten, entweder offen, vielfach aber auch nur klammheimlich Sympathie für die großteils durchaus hetzerischen Plakate und Schlachtrufe der Protestierer empfanden.

    “jeder kommentar den ich gelesen habe lief darauf hinaus, dass die organisatoren sich von den gewalttätigen blödärschen weiter abgrenzen müssen und die ausgestreckten-zeigefinger richtung polizei wurden mehr als einmal als lächerlich entlarvt. ich hab wie gesagt keinen gelesen, der die polizei als schuldige kraft bezeichnet hätte – nicht einen.”

    Die Rolle der Polizei wird insofern in einem falschen Licht dargestellt, als ja unschwer zu beobachten ist, dass nach dem Gipfel am intensivsten darüber diskutiert wird, ob der Einsatz von Wasserwerfern gerechtfertigt war, ob man denn wirklich das Green Peace-Boot rammen musste und ob die Polizei nicht generell eine rigorosere Deeskalationsstrategie praktizieren hätte müssen. Ich habe jedenfalls bislang nirgendwo über ernsthafte und auführliche Gedanken zu einer zukünftigen Verhinderung von Gewalt durch autonome Protest-Gruppen gelesen. Vielleicht kannst du mich ja aber auch dahingehend belehren, indem du ein paar entsprechende Links vorweist.

    Dass die meisten Kommentatoren der Geschehnisse verlangten, die Organisationen müssten sich in Zukunft klarer von der Hau-auf-den-Putz-Fraktion abgrenzen, stimmt schon, zeugt aber in erster Linie erst recht von jener Scheinheiligkeit, die ich die ganze Zeit anzusprechen versuche: Wo bleibt die wirklich harsche Kritik an der Blauäugigkeit der Organisatoren, den Wahnsinnigen mit dem Recht zu einer Protest-Partizipation eine Bühne zur Provokation geboten haben? Ein paar lasche mediale Worte über die Pseudo-Distanzierung der Noglobal-Sprecher werden sicher nicht ausreichen, um die autonomen Deppen in Zukunft auszugrenzen.

    Wo bleibt das Versprechen der friedliebenden Noglobals, in Zukunft alles daran zu setzen, als gewalttätig bekannte Gruppen restriktiv von Kundgebungen auszuschließen? Gab’s die schon? Hab’ ich was verpasst? Oder werden auch bei den Ausschreitungen der nächsten Großdemo wieder die gleichen Entschuldigungs-Floskeln zur Rechtfertigung herhalten müssen?

    Was von der Berichterstattung in Erinnerung bleiben wird, sind in erster Linie Bilder von Polizisten, die Wasserwerfer gegen friedlich protestierende Demonstranten einsetzen; dann wäre da noch die Verfolgung der Green Peace-Aktivisten; und eben die Gewaltexzesse, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Autonomen und Polizei. Alles in allem können die Demonstranten zufrieden sein: Heiligendamm war für sie ein Erfolg, nicht zuletzt, weil die Weltpolitik genau das umgesetzt oder zumindest thematisiert hat, was sie mit aller Vehemenz gefordert haben: mehr “Hilfe” für Afrika, Bewusstseinsbildung in Sachen Klimapolitik, Diskussion über mehr wirtschaftliche Transparenz.

    Die Blockade-Aktivitäten haben sich also gelohnt. Und die Gewaltprovokation durch die Autonomen war der Sache im Sinne von mehr Aufmerksamkeit auch nicht gerade unzuträglich.

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    12. June 2007 | 11:12
    Tom Schaffer sagt:

    ok, lassen wirs. ich bin ja sehr stark für ein sensibles wahrnehmungsbild bei der israelproblematik aber du bist da einfach nur paranoid. du unterstellst dinge als fakt, die bestenfalls hochumstritten sind – und die mit dem g8 protest einfach nichts zu tun hatten. es haut nicht hin die g8-gegner einfach mal mit irgendwelchen nazis gleichzusetzen. und nichts anderes tust du hier.

    und nein, ich werd dir keine weiteren links liefern – das hat ntropie schon ausführlich getan – ich hätte jetzt gerne endlich mal einen beleg für deine meinung, wonach die polzei angeblich medial so schwer attackiert wurde.

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    12. June 2007 | 11:46
    Philipp Heimberger sagt:

    Ah, ich bin also paranoid. Alles klar. Damit erübrigt sich die Sache allerdings. Und zwar gänzlich. Totschlagargument ist Totschlagargument und bleibt Totschlagargument.

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    12. June 2007 | 11:52
    Tom Schaffer sagt:

    du hast dein argument selbst totgeschlagen als du die g8 gegner als einen verbund von antiisraelischen linken und nazis bezeichnet hast. die nazis waren nämlich von den organisatoren nicht mal eingebunden.

    der g8 gipfel hat nichts mit israel zu tun. auch wenn du jetzt noch 10 mal versuchst einen zusammenhang um 4 ecken zu konstruieren.

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    12. June 2007 | 11:55
    Philipp Heimberger sagt:

    Du solltest lesen lernen, lieber Tom. Und endlich damit aufhören, mir Dinge zu unterstellen, die ich nie behauptet habe.

    Ich schrieb: “Dementsprechend sollte es auch nicht verwundern, dass die Anti-G8-Bewegung, zusammengesetzt aus unterschiedlichen Gruppen – wie du ja selbst auch betont hast – für das gemeinsame Ziel sogar die Tiefen der ideologischen Gräben überwunden haben, die sich beispielsweise zwischen Nazis und Linken auftun.”

    Wenn du aus einem beispielsweise unbedingt ein alle herauslesen und in ein viele der Demonstranten unbedingt ein die Gesamtheit der Demonstranten hinein interpretieren willst, dann sei dir das vergönnt. Mir ist das aber ehrlich gesagt zu blöd.

    Ich habe genug von dieser Sache hier. Mir sind schon zu viele Sachen vorgehalten worden, die ich in dieser Form gar nicht von mir gegeben habe. Unsere Standpunkte sind im Bezug auf solche Massenproteste wohl einfach so grundverschieden, dass es erst gar keinen Sinn macht, darüber zu disputieren, weil die Herangehensweise schon eine inkompatible ist und zwangsläufig zu groben Missverständnissen führt.

    Ich räume hiermit das Feld.

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    12. June 2007 | 12:14
    Tom Schaffer sagt:

    wenn du nicht alle meinst, ist der vorwurf umso sinnloser- über eine handvoll spinner diskutiere ich nämlich nicht, wenn denen zehntausende andere gegenüberstehen.

    und dass du das feld räumst gestehe ich dir ja zu, aber dass du es in alle den posts nicht zu einem einzigen link geschafft hast, der deine hypothese von der verunglimpften polizei gestärkt hätte, irritiert mich dann doch etwas…

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    12. June 2007 | 12:26
    Philipp Heimberger sagt:

    Wenn’s nur eine Handvoll Spinner wären…

    Links erübrigen sich. Was soll man auch der beinharten Aufdeckung von übertriebenen Verletztenzahlen entgegenhalten?

    Das war’s, bin raus.

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    12. June 2007 | 14:46
    Tom Schaffer sagt:

    Links erübrigen sich. Was soll man auch der beinharten Aufdeckung von übertriebenen Verletztenzahlen entgegenhalten?

    darum gehts nicht. du behauptest, dass in den mainstreammedien auf die polizei ungerecht eingehackt wird. ein, zwei artikel die das in irgendeiner forum untermauern würden reichen.

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    12. June 2007 | 15:11

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