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Terror in London und die Irakisierungs-Hysterie

Zu den fehlgechlagenen Terrorangriffen in London konnte ich ja eigentlich nicht viel schreiben. Was für eine Meinung soll man schon dazu haben, die sich nicht eh aus dem gesunden Menschenverstand heraus ergibt? In den letzten Stunden ist dann aber doch eine neue Theorie durch die Medien gegeistert. Kollege Philip Steiner hat sie aufgegriffen, dadurch wurde ich auf eine Weise damit konfrontiert, wo ich auch Feedback geben kann und damit automatisch stärker reflektiere. Es geht um die angebliche “Irakisierung” des Terrorismus in der westlichen Welt.

In einem Gastkommentar für die Zeitung “News of the World” sieht Stevens ebenfalls die Taktik von El Kaida aus dem Irak in Großbritannien angekommen.

Ich kann dieser Schnellschuss-These nichts abgewinnen und halte sie für das Ergebnis einer hysterischen und überzogenen Panik. Warum? Wenn wir uns die großen Terroranschläge der letzten Jahre im Westen ansehen (New York, Washington, Madrid, London), dann wurden Züge, U-Bahnen, Flugzeuge und Busse Ziele von Terroranschlägen. Auch jetzt waren wieder öffentliche Bereiche im Visir der Verbrecher. Diesmal halt mit dem kleineren Transportmittel – mit dem Auto. Soweit also schon einmal nicht wirklich etwas Neues.

Denn das grundlegende Prinzip des Terrors ändert sich nicht. Immer noch lassen sich die Kreise, aus denen sich die Täter rekrutieren wohl deutlich einschränken und damit nicht nur beobachten sondern auch in den meisten Fällen vor der Tat fassen. Anders als im Irak haben wir es mit keinem unkontrollierbaren Flächenbrand zu tun, sondern mit einem tragischen Phänomen, das aus einer radikalen Gruppe heraus wächst. In London kann man realistisch betrachtet immer noch unbesorgt auf die Straße treten, auch wenn es dieser Tage wohl wieder einen Tick unschöner ist. In Tikrit und Bagdad sieht die Lage da völlig anders aus. Von einer Irakisierung zu sprechen oder hiesige Zustände mit denen in einem (Bürger-)Kriegs-Krisengebiet zu vergleichen, ist eine haarsträubende Unsinnigkeit – ja nahezu eine Relativierung des nicht vorstellbar bedrückenden Klimas im Irak, wo tagtäglich mittlerweile dutzende oder gar hunderte Menschen sterben. Auch wenn die einzelnen Anschläge noch so weh tun und nicht verharmlost werden sollen.

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| 1. July 2007

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