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Österreich noch nicht Euro-reif

Gut, dass das heimische Fußball-Team bei einer EM-Endrunde im Moment nichts zu suchen hätte, ist nicht mehr neu. Abgesehen von einer Hand voll Spieler (allen voran Martin Harnik) sollten die heimischen Kicker nicht einmal in die Nähe eines bezahlten Fußballjobs kommen. Und Josef Hickersberger hat mich leider auch nie eines Besseren belehrt und wird das wohl zumindest aus eigenem Antrieb heraus auch nicht mehr tun – mag sein, dass die äußeren Umstände irgendwann noch dazu zwingen, das Richtige zu tun (wie jetzt die Einberufung von Prödl und Harnik). Was aber so richtig traurig ist, ist die Tatsache, dass dieses Land auch organisatorisch mit einer Europameisterschaft nichts zu tun haben dürfte.

Schauplatz: Wien.
Anlass: Ländermatch gegen Tschechien.
Spielminute: 33.
Vorfall 1: Jan Koller schießt das 0:1.
Vorfall 2: Euer Lieblingsblogger Tom betritt das Stadion.

“Moment!”, könnte jetzt mancher denken, “Warum kommt der erst so spät?”. Stimmt schon, ich war relativ knapp dran und erst fünf Minuten vor dem Anpfiff dort. Das war aber nicht der alleinige Grund für den verspäteten Eintritt, denn mit mir standen ungefähr 15 Minuten nach Spielbeginn noch geschätzte weitere 15.000 Leute vor den Eingängen. Wahr ist, dass die Veranstalter offensichtlich nicht fähig waren, die Zuschauer zeitgerecht in ein halbleeres Stadion (denn nur die Hälfte der Karten wurde verkauft) zu leiten. Die Stimmung vor dem Stadion war dementsprechend schlecht. Anti-ÖFB-Sprechchöre waren da noch harmlos, bedenklicher schon die brennenden Zeitungsstapel die irgendwelche asozialen Halbvollen verursacht haben. Ein beruhigendes Gefühl neben einem unkontrollierten Lagerfeuer in einer Menschenmenge zu stehen, wenn die Verursacher ihre Schals und Fahnen dort verbrennen und so die giftigen Dämpfe über die Warteschlange hinwegfegen. Die geschätzte Exekutive stand daneben und tat… genau! Nichts.

Die Stimmung war also schlecht und aufgeheizt. Kann man verkraften. Nichts passiert. Die Karten waren ja wenigstens auch nicht allzu teuer. Wenn ein derartiger Fauxpas allerdings bei der EM passiert, wo doppelt so viele Leute mit einer zehn Mal so großen Vorfreude und zehn Mal so teuren Karten auf nocht strengere Sicherheitsvorkehrungen treffen werden, prophezeihe ich allerdings, dass es wohl nicht ganz so friedlich ablaufen wird. Nach 33 Minuten bin nämlich zwar ich im Stadion gewesen, tausende andere aber immer noch nicht.

PS: Ach ja. Und wie ein sturzbesoffenes Arschloch mit einem T-Shirt “No one likes us – We don’t care – Hools” in ein Fußballstadion gelangt, weiß wohl nur der ÖFB.

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| 22. August 2007

10 Reaktionen bisher

    tyndra sagt:

    das ist eine spannende frage, ob der öfb das logistische problem zu lösen imstande sein wird. bis zur em. vielleicht heuern dann auch leute an, die des lesens mächtig sind, für die we-don´t-care-hools und deren kollegen. die hoffnung stirbt zuletzt ;)

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    !!! | 23. August 2007 | 08:04
    Lukas sagt:

    ich glaub nicht, dass du die regel erlebt hast. ich war wirklich schon oft im stadion und da gings in 95% der fälle sehr ordentlich zu. wir sollten unser österreichisches organisationstalent nicht unterschätzen.

    apropos live: mach doch auch mit, politik scheint dich ja zu interessieren: http://sommergespraeche.blogspot.com. probieren wir einen ernsthaften versuch, eine politische sendung sachlich zu kommentieren.

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    !!! | 23. August 2007 | 18:47
    Thomas sagt:

    Das ist doch bitte fast bei jedem Ländermatch so, dass hunderte vorm Stadion stehn. Bisher wars meistens so, dass sie kurz vorm Spielbeginn einfach die Kontrollen lasch werden haben lassen, dass die Leute doch noch zum Spielbeginn reinkommen. Jetzt vor der EM hat man den Ernstfall geprüft. Österr. Organisationstalent in allen Ehren, aber das wird bei der EM ein peinliches Spektakel. Das Praterstadion ist definitiv nicht dafür gebaut möglichst viele Leute möglichst schnell ins Stadion zu bekommen.

    Uum Spiel: Ich will jetzt mal nicht der allgemeinen Harnik Begeisterung nachplappern wies die meisten tun. Ja. Der Junge hat Talent. Ja. Der Junge hat vielleicht eine große Zukunft vor sich. Aber ganz ehrlich: Die Einberufung zum jetzigen Zeitpunkt ihm ist eine Watsche ins Gesicht von vielen anderen Spielern, die Woche für Woche Leistung bringen. Harnik hat es bisher auf 15 Minuten Einsatz in D in Pflichtspielen gebracht, sonst nur bei den Amateuren gespielt. Also, weit ists gekommen, wenn Spieler mit dieser Visitenkarte einberufen werden.

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    !!! | 23. August 2007 | 21:16
    Andreas Lindinger (LAN) sagt:

    @Thomas: ad “Also, weit ists gekommen, wenn Spieler mit dieser Visitenkarte einberufen werden.”: harnik hat mit einer sehr guten U20-wm und einer starken vorbereitung bei werder (beides immerhin nach einer langen verletzungspause) noch eines der besseren profile für eine einberufung. worin liegt bitte eine plausible begründung für die einberufung zweier innenverteidiger hiden und patocka, bei rapid teilweise auf der bank sitzen und in letzter zeit gerade international absolut keine ansprechenden leistungen gebracht haben. ebenso markus katzer.

    p.s.: meine favorisierte nationalteam-startaufstellung:

    macho
    garics, stranzl (k), prödl, pogatetz
    scharner
    harnik, prager, leitgeb
    kuljic, janko

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    !!! | 23. August 2007 | 22:31
    Tom Schaffer sagt:

    “Die Einberufung zum jetzigen Zeitpunkt ihm ist eine Watsche ins Gesicht von vielen anderen Spielern, die Woche für Woche Leistung bringen”

    nein, eine solche watsche ist die einberufung von leuten wie standfest und hiden. harniks einberufung ist angesichts seiner hochform (der mögliche sprung ins bremer team und eine hammer u20-wm als beleg) eine absolute notwendigkeit. ganz abgesehen davon, dass es auch ihm hilft, wenn er einberufen wird und das nationalteam jedes interesse daran haben sollte, die wenigen großen talente zu unterstützen.

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    25. August 2007 | 09:47
    Tom Schaffer sagt:

    PS: meine aktuelle aufstellung

    T: macho (manninger)
    A: scharner, prödl, stranzl (k), pogatetz (ersatz is schwierig)
    M: aufhauser (def), leitgeb, harnik, (salmutter, ivanschitz,säumel)
    hängende S: junusovic
    S: kuljic, linz (okotie)

    ein schönes 4-1-2-1-2 oder vereinfachend 4-3-3

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    25. August 2007 | 10:42
    Petra Köstinger sagt:

    “Bisher wars meistens so, dass sie kurz vorm Spielbeginn einfach die Kontrollen lasch werden haben lassen, dass die Leute doch noch zum Spielbeginn reinkommen. Jetzt vor der EM hat man den Ernstfall geprüft.”

    …naja, die kontrollen sind dann kurz vor der spielpause eben doch wieder lasch geworden. und dazu hab ich noch nicht gezählt und doch hab ich nach dem spiel eine schere in meinem rucksack entdeckt. ein mann in der schnellbahn, der dem vernehmen nach ebenso beim spiel zugegen war, zog ein taschenmesser aus seiner hose ;)

    aber ja, es waren ‘nur’ 5 euronen und wir haben offensichtlich nicht wirklich was versäumt – das gilt übrigens für die gesamte spielzeit :)

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    25. August 2007 | 18:25
    Tom Schaffer sagt:

    pps: harnik schoss heute bremen zum sieg. ;)

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    25. August 2007 | 19:01
    Thomas sagt:

    Nochmal: Was ich geschrieben hab soll NICHT gegen die potentielle Qualität vom Harnik sprechen. Und was ein Katzer oder ein Hiden im Team macht, versteh ich auch nicht. Darum gehts nicht. (Standfest hat im übrigen z.B. hat ein sehr starkes Länderspiel gemacht.)

    Aber eine tolle U20 WM haben Okotie, Madl oder Hoffer auch gemacht (Die waren in meinen Augen – und ich hab fast alle Spiele gesehn – zumindest gleich gut) aber die U20 WM ist immerhin eine Nachwuchsveranstaltung. “Tolle Vorbereitung” als Grund für eine Teameinberufung ist ziemlich originell.

    Ehrlich: Normalerweise müsste ein Spieler zumindest ein halbes Jahr gute Leistungen in seinem Verein bringen, bevor es zu einer Teameinberufung kommt.

    Ich freu mich wirklich, sollte Harnik vom ersten Moment an so einschlagen, wie es jetzt aussieht, nicht falsch verstehn. Und ich wünsch ihm sofort einen Stammplatz in Deutschland, wenn er am Boden bleibt wird er ein wirklich großer.
    Aber diese Einberufung ist eigentlich nur durch Panik nichtmal ein Jahr vor der EM (Strohhalm) oder durch Druck aus der Öffentlichkeit (Lasst gleich die U20 statt den jetzigen spielen) erklärbar. Einen Spieler OHNE je ein Pflichtspiel in einer hohen Spielklasse in IRGENDEINEM Land gespielt zu haben einzuberufen, ist normalerweise Wahnsinn.

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    !!! | 26. August 2007 | 14:16
    Tom Schaffer sagt:

    es ist eben kein wahnsinn, wie harnik in kanada, deutschland und beim länderspiel eindrucksvoll bewiesen hat. die besten spieler sollen spielen – harnik gehört völlig unzweifelhaft dazu.

    gerade in freundschaftsspielen spricht außerdem überhaupt nichts gegen die einberufung eines solchen hoffnungsträgers ins team.

    die vorsichtige mentalität führt schon dazu, dass in österreich erst 20- bis 25-jährige als “junge talente” gelten, während anderorts 17/18-jährige als superstars zu Kontinental- der Weltmeisterschaften fahren (rooney, owen, ronaldo, ronaldinho, c. ronaldo, vonlanthen als beispiele, die mir spontan einfallen). nichts besseres als ein aufbrechen dieses altherrendenkens wäre wünschenswert. wahr ist natürlich, dass es optimal wäre, wenn diese spieler vorher mehr ligaerfahrung hätten, eine zwingende voraussetzung ist es bei spielern, die derartig in form sind, aber nicht. optimal ist in österreich nämlich überhaupt nichts.

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    26. August 2007 | 14:29

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