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Rom/Prag – Eine Geschichte aus zwei Städten
Rom
Rom ist unheimlich spektakulär anzusehen – und dreckig wie italienischer Fußball. Wenn man die Metro das erste Mal betritt – vielleicht bin ich auch aus Wien nur so verwöhnt – möchte man sich zuallererst die Hände waschen. Diffuse Lichter und stinkende Ecken, schmutzige Mauern und Böden. Kein wirklich reizvoller Anblick. Besonders umfangreich ist das öffentliche Angebot nicht. Zwei U-Bahnlinien tun ihren Dienst, oberhalb fahren Busse und Regionalbahnen in Intervallen, die einem Wiener die Tränen in die Augen treiben würden. Sonntags wartet man schon mal eine dreiviertel Stunde auf sein Gefährt. Genug Zeit um die großzügig beschmierten Wände zu bestaunen. Es scheint die Stadt der Graffitis zu sein – der schlechten Graffitis allerdings. Abgesehen von den historischen Städten ist einfach alles mit hässlichen, farblosen Tags beschmiert. Warum sich noch keiner ans Kolosseum gewagt hat, ist nur schwer zu vermuten – vielleicht steht darauf die Todesstrafe?
Römer müssen unheimlich intelligent sein und sich alle Informationen über ihre Stadt merken. Für sie dürfte alles Wissen so selbstverständlich sein, dass ihnen die Unwissenheit auswärtiger Menschen nicht einmal in den Sinn kommt. Von Beschriftungen hält man hier nämlich rein gar nichts. Ob es Eintrittspreise sind oder Busintervalle, Straßenmarkierungen oder Verkehrsläne – was in jeder Touristenstadt der Welt selbstverständlich ist, ist hier unnötig. Dafür spricht man einen Touristen auch grundsätzlich auf Italienisch an – man bequatscht ihn, auch wenn er es offensichtlich nicht versteht. Ist schließlich eine Weltsprache, dieses Italienisch.
Egozentriert. Das trifft die Menschen gut, die ich kennen lernte. Zwei Tage lang rannte auf einem Balkon in einer Wohnanlage (alle Häuser sind von hohen Zäunen und Mauern umgeben) der Wasserschlauch. Jedes Mal wenn wir dort vorbei rannten, schienen die Wände noch ein wenig durchnässter zu sein. Wir klingelten die Nachbarschaft an und ernteten noch Drohungen. Man würde die Carabinieri rufen, wenn wir nicht verschwänden. Weder die tagelange Wasserverschwendung in einer Gegend, in der dieser Tage alle Wiesen braun sind, noch der Schaden für den Nachbarn schienen auch nur einen der vielen Anwohner beunruhigt zu haben. “Ist normal hier”, versicherte uns der Concierge im Hotel. Wenn man sich hier um andere kümmert, sei man der Blöde.
Hat man sich erstmal vom herumliegenden Müll und den holprigen Gehsteigen erholt, die es abseihts der protzigen Sights gibt, übersieht gekonnt die offensiv agierenden Bettler an allen Ecken und Enden, verdaut die hässlichen 6€, die ein großes Bier in dieser Höllenstadt schon mal kosten kann und ignoriert man die zur Grauenhaftigkeit gestylten Typen, die in dieser Stadt allerorts rumlaufen (gibt es einen umgekehrt proportionalen Zusammenhang zwischen grausigen Männern und hübschen Frauen in Gesellschaften?), findet man eine beeindruckende Geschichte und mancherorts erstaunlich wenige Touristen (Schönstes Sight: Allein am Palatin?). Rom, das ist einen Besuch wert. Aber hier leben? Nein danke. Wären die Vorfahren dieser Stadt nicht so emsig gewesen, eine beeindruckende Geschichte zu spinnen, die Stadt gäbe nicht viel her – zumindest nicht für mich.
Prag
Tschechen waren mir aus irgendeinem Grund schon immer sympathisch. Auf mich wirken die Leute zurückhaltend und ehrlich respektvoll im zwischenmenschlichen Umgang. Höflich halt – nicht übertrieben und nicht weil man es sein muss, sondern weil das eben gut ist. Klar, ist auch nur eine Art Vorurteil. Aber man hat mich eigentlich nie wirklich widerlegt. In Prag, das trotz der Unterschiede doch eindeutig an Wien erinnert, auch nicht. Darum kann ich jedem empfehlen dorthin zu fahren.
Darum und aus einigen anderen Gründen. Erstens ist es mit seiner verkehrsberuhigten, enggassigen, historisch aufgeladenen und zu Fuß leicht durchquerbaren Altstadt einfach lieblich und schön. Zweitens ist es wahnsinnig preiswert. Wer am Fuße der Karlsbrücke einmal eine volle Mahlzeit (Großer Hühnersalat, Gebratene Kartoffeln, ein großes Bier) in einem Vier-Sterne-Hotel-Restaurant um etwa acht Euro gegessen hat, wird wissen, was ich meine. Wer kurz davor in Rom war, umso mehr. Drittens hat es einen eigenen, unhektischen, beruhigenden Flair, der sich einem auch Abseits der tourstischen, meist so gar nicht überlaufenen Wege erschließt.
Meine Highlights:
Der Blick von einem Glockenturm, der vorher mit seinen geschätzten zwei Millionen Stufen wirklich erklommen werden musste.
Das kalte Mineralwasser, das beim Aufstieg zur Burg die Kehle runterrann wie ein Gebirgsbach.
Ein Spaziergang entlang der Moldau in sonst schwer ertragbaren Morgenstunden.
Die in vier Sprachen geführte Konversation mit den ZimmerkollegInnen in der Jugendherberge.
Und das erhebende Gefühl ein Klo zu betreten, nachdem ich in meinem Übermut, die Altstadt zu verlassen, eine halbe Stunde dringend nach einem gesucht hatte.
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5 Reaktionen bisher
ich war vor 20 jahren in rom und hatte damals exakt denselben eindruck. rom war früher schon dreckig und ist es offenbar heute noch (btw: gibt´s die pissoirs am tiber-ufer noch, diese betonschnecken, die unten offen sind?). auf der anderen seite ist rom beeindruckend – wegen der bauwerke, aber auch wegen unvermutet sich auftuender plätze mit schanigärten oder kleinen märkten. ich würde aber nicht mehr hinfahren wollen – es reicht, wenn man rom einmal gesehen hat
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!!! | 26. August 2007 | 08:22
Komisch … ich war in Prag und in Rom, und ich muss sagen, dass mir Prag noch grausliger vorgekommen ist als in Rom. Vielleicht lags ja daran, dass es in Prag durchgehend regnete. Für mich ist Prag eigentlich die depressivste Stadt, die ich jemals besucht habe …
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!!! | 26. August 2007 | 09:39
prag ist fein. nur haben in den letzten jahren v. a. in der altstadt die stumpfsinnigen touristen-souvenirshops eine fast schon unaushaltbare anzahl erreicht … ansonsten fein.
von rom weiß ich nur noch, dass es dort viele, viele kirchen gibt. wirklich viele. und dass es laut und wild war, irgendwie.
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!!! | 26. August 2007 | 10:19
laut hab ich auch noch in erinnerung. aber wild?! da hab ich wohl IRGENDWAS verpasst
))))
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!!! | 26. August 2007 | 19:27
“Für mich ist Prag eigentlich die depressivste Stadt, die ich jemals besucht habe …” – kann ich so gar nicht nachvollziehen. prag vermittelte für mich eine irrsinnig entspannte und auf sehr positive art atmosphärische grundstimmung. im mix mit den großartigen häuserbauten (überwiegend erstaunlich gut erhalten) eine der schönsten städte die ich je gesehen hab. aber wir hatten auch zwei tage perfektes wetter
und die touristenshops sind mir so gar nicht negativ in erinnerung, ich find eher dass diese wunderbar ins alte stadtbild integriert wurden – in gegensatz zu manch anderen hauptstädten, wo einem die 4×4 m großen leuchtreklame-banner so gar nicht unscheinbar entgegenspringen.
neben den schon im tom’schen beitrag erwähnten highlight außerem noch ein zusätzliches meinerseits: ein haufen vogelgackse mitten am kopf
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27. August 2007 | 08:21
Jetzt sag doch was!