Blog
Lesezeit:
2.1
Minuten
Besser ein Tag am Strand als im Büro…
Besser ein Tag am Strand als im Büro: Plädoyer für ein wenig Unvernunft im studentischen Sommer-Alltag.
Die vermeintliche Elite von morgen müht sich Jahr für Jahr wieder in prekären Arbeitsverhältnissen und verdient dabei so gut wie nichts. Jaja, natürlich geht es vorrangig darum, erste Erfahrungen in der für so manchen Studenten noch mysteriösen Arbeitswelt zu sammeln sowie bereits einige Kontakte für die berufliche Zukunft zu erschließen. Das war schon immer so. Hinzu kommt bei der modernen Version der befristeten Berufs-Praxis für den Nachwuchs nun die zunehmend populäre Strategie der Unternehmen, sich auf diese (ökonomisch natürlich sehr effiziente) Weise billige und somit minderbezahlte Arbeitskräfte zu beschaffen. Praktika dienen demnach heutzutage vielmehr der betrieblichen Kostenreduktion als der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Und kaum jemand wagt es, diesem Missstand etwas entgegen zu setzen – nicht die Politik, nicht die verantwortlichen Institutionen und auch nicht die Betroffenen selbst. Die heimische Studentenschaft reagiert vielmehr mit fragwürdigen Methoden auf die zugegeben nicht immer ganz einfache Situation – man will seinen Mitstreitern ja schließlich einen Schritt voraus und somit gerüstet sein im zukünftigen Konkurrenzkampf am Arbeitsmarkt. Und so schuftet und sammelt man Lebenslaufpunkte, in der Hoffnung, diese eines Tages sinnvoll einsetzen zu können.
Natürlich lässt sich diese Behauptung nicht pauschalisieren – die junge Talente-Schar spaltet sich eher in zwei ausgeprägte ‚Grenzgänger-Mentalitäten’: Auf der einen Seite finden sich altbekannte ‚Freizeit-Junkies’ ohne allzu ausgeprägten Lern- und Tätigkeits-Willen und einem Fokus auf den maximalen Unterhaltungswert des eigenen Daseins. Auch bekannt als vermeintlich nutzlose Langschläfer, Faulenzer und Feierfanatiker – um die klischeehafte Darstellung an seinen Rand zu treiben. Zwar zeigt sich jene Art der Existenz in akuter Form ebenso auf eine gewisse Weise bedenklich, zumindest aber weisen diese jungen Leute keinen ausgeprägten Zwang zur Selbstausbeutung vor. Am anderen Extrem begegnen uns nämlich überfleissige Arbeits-Freaks, stets auf der Jagd nach dem perfekten Lebenslauf. Alles wird diesem kryptischen Ziel untergeordnet und der Druck nimmt zu. Die Gruppe der zwanghaften Lebenslauf-Optimierer präsentiert sich dabei alles andere als eine kleine studentische Minderheit. Nicht zuletzt aufgrund der vielbeschwörten tristen Jobaussichten heutiger Generationen und der unkritisch-affirmativen Übernahme dieser Behauptung von den betroffenen Hochschülern. Es wundert dies kaum, glaubt man den immer wieder als gering prognostizierten Arbeitsmarktchancen. Tatsächlich zeichnet die Realität ein völlig anderes Bild. Experten bescheinigen, dass die Ampeln für junge Akademiker in den nächsten Jahren wieder auf ‚Grün’ stehen werden. Laut AMS stünden im letzten Jahr in Österreich gar ‚nur’ knapp 8.000 Jung-Akademiker ohne Job dar, das sind knapp drei Prozent der Gesamtzahl an Absolventen. Kein Grund also, in kollektive Panik zu verfallen.
Folgt man so manchen Eindrücken des Studien-Alltags und dessen großteils völlig veralteten Strukturen an den heimischen Hochschulen erstaunt es zwar kaum, dass beim Studenten-Volk das Gefühl der geringen Praxis-Relevanz ihres Fachbereiches Unbehagen bezüglich ihrer Zukunft am Arbeitsmarkt auslöst und sich somit ein Großteil dieser von einem Arbeitsverhältnis ins nächste stürzt um nach Abschluss des Studiums zumindest zahlreiche Praktika bei renommierten Unternehmen, dazu mehrere Auslands-Aufenthalte und natürlich auch die dazugehörigen Sprachkenntnisse vorweisen zu können…
Und natürlich gilt es während der theoretischen Ausbildung an der Universität Anschluss an die Arbeitswelt zu finden beziehungsweise erste Kontakte und Erfahrungen zu sammeln. Womöglich bringt ein ausführlicher Sommer-Trip ins ferne Ausland aber doch zumindest ebenso viele wertvolle Erfahrungswerte wie x-fache Ferialjobs in den wenigen Uni-freien Wochen des Jahres. Immunisieren wir uns also gegen diese Panikmache! Ein Appell für ein wenig Aufbegehren und Leidenschaft, statt permanentem Anpassen! Woher soll denn sonst die Kreativität kommen, die sich später einmal auszahlen kann? Wohl eher durch so manchen Museums-, Kneipen- oder Kinobesuch als durch das stundenlange Verweilen in abgedunkelten Büroräumen… Zum Erfolg führen auch andere Wege! Wie wär’s mit ein wenig ‚Balu-Style’ um nicht schon in frühen Jahren Opfer überforderungs-bedingter Krankheitssymptome zu werden. Demnach: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit….“. Vielleicht ja gleich heute Abend – mit einem wohlverdienten Bier in der Kneipe deines Vertrauens.
Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!Tweet





8 Reaktionen bisher
Super Beitrag, Respekt!
Bildung ist nicht für die Wirtschaft da, sondern für die ganzeinheitliche Entwicklung des Individuums und somit auch für das Wohl der Gesellschaft. Ich kann nur allen Studenten meine Situation wünschen, wo mir Eltern wirklich ein Studium ermöglichen, dass MIR liegt und das MIR eine Herzensangelegenheit darstellt. Sie bestehen übrigen darauf, dass ich Vollzeit studiere, also nicht nebenbei arbeite, und in den Sommerferien bzw. Winterferien gezielte Pratikta absolviere, die mir auch nutzen, statt mich ausnutzen zu lassen. Unter diesen Vorraussetzung ist es möglich, wirklich so zu studieren, um von einem Studium sprechen zu können. Viele haben nicht so eine glückliche Lage, und studieren, ohne eigentlich richtig zu studeren, denn zum lernen kommen sie vor lauter Stress nicht so richtig, außer zum Auswendigpauken der Vorlesungsmitschrift …
Noch dazu habe ich das Glück, schon 3 Jahre Arbeitserfahrung vorweisen zu können. Also habe ich mir zumindest diese Sommerferien völlig frei genommen.
Like!
0
!!! | 26. September 2007 | 14:26
danke – auch fürs zeitnehmen, is doch ein recht langer beitrag
hab auch das glück einen sicheren finanziellen background zu haben, dennoch fühlt ma sich oft ja wirklich schon dazu gedrängt mit knapp 20 jahren einen rundum perfekter arbeitnehmer darzustellen… war mir einfach mal ein anliegen klarzustellen, dass man sich dem nicht immer kritiklos hingeben muss – es gibt ja bekanntermaßen auch andre wichtige dinge im leben
Like!
0
27. September 2007 | 19:44
Toller Artikel – habs erst beim zweiten Mal durchlesen gemerkt, dass er nicht vom Tom ist.
Der Lebenslauf wird überbewertet. Natürlich kann man die gesamte Freizeit mit Praktika vollstopfen. Gewisse Praktika machen auch Sinn, bei vielen ist man aber nichts anderes als ein unterbezahlter (wenn man Glück hat) Kaffeekocher. Im Endeffekt ist aber ein überzeugendes Vorstellungsgespräch besser geeignet, als es hier drei Wochen und dort ein Monat bei Firma XYZ sind.
Würden Praktika halbwegs anständig entlohnt, dann wäre diese gängige Praxis noch eher zu verstehen. Aber hierbei dumpen sich die StudentInnen auch gegenseitig nieder. Jene, die ohnehin einen potenten Sponser haben, arbeiten eben gratis – weil sie es sich leisten können. Im Endeffekt aber selbst schuld – durch Gratis-Arbeit bekommt man auch nicht leichter einen Job und verkauft sich einfach unter dem Wert. Was sagt dies wohl über die Intelligenz aus?
Aus meiner persönlichen Erfahrung: Ich finanzierte mir mein Studium zum überwiegenden Großteil selbst und machte nur Praktika, die auch finanziell honoriert wurden. Ich hatte aber trotzdem das Glück, dass ich damit nicht über Gebühr belastet war und das Studium an klarer Nummer Eins in der Prioritätenskala stehen konnte. Und zu guter Letzt: Bei einer universitären Ausbildung geht es nicht darum, für einen Beruf ausgebildet zu werden, sondern man erhält eine wissenschaftliche Ausbildung. Dadurch erlangt man zwar auch wichtige Qualifiktionen für das Berufsleben, aber eben keine spezialisierte Berufsausbildung. Und das ist auch gut so. Spezialisieren kann man sich, dann in der Praxis, noch immer – sofern man einen soliden theoretischen Background in petto hat.
Like!
0
!!! | 27. September 2007 | 21:46
Bin erst heute zum Lesen des Artikels gekommen, kann mich dem Lob der Vorposter nur anschließen. Im Prinzip ein sehr interessantes Thema, das man noch in viele andere Richtungen weiter ausführen könnte. Das gegenseitige Niederdumpen geht ja gleich nach dem Studium weiter, wenn man in bestimmten Branchen bestimmte Arbeitszeiten in Kauf nehmen muss, um dort einen Job zu bekommen, da sich leider genug Jobeinsteiger finden, die für einen durchschnittlichen Lohn eine All-in-Stelle mit gehörigem Arbeitspensum in Kauf nehmen, dies oftmals auch wieder mit Hintergedanken des Lebenslauf-Upgradings.
Auch während des Studiums sehe ich das ähnlich, wenngleich man zugeben muss, dass die Praktika meistens einen wesentlichen Teil des Erfolgs oder Misserfolgs einer Bewerbung ausmachen (denke ich zumindest aus eigener Erfahrung). In Bezug auf die Feriengestaltung sollte man aber bedenken, dass es auch noch andere wichtige Dinge gibt, die für die persönliche Gesundheit essentiell sind (Freizeit etc.) oder die einem Lebenslauf mindestens genausoviel Pep geben können wie diverse fachspezifische Praktika (bspw. das Bloggen oder andere freizeitliche und ehrenamtliche Tätigkeiten oder Interessen etc.). Solche individuellen Tätigkeiten und Interessen formen Persönlichkeiten, die sich oftmals von den aalglatten, nur auf die “hard facts” bedachten Mitbewerbern unterscheiden…
Und zu guter Letzt möchte ich noch an das Argument Bildung vs. Ausbildung von Relator anknüpfen. Vielleicht sollte man sich einmal überlegen, warum man von Studenten von bildungsorientierten Institutionen in ihrer Freizeit einen Horizonterweiterung in praktischer Hinsicht erwartet, jedoch von Studenten von ausbildungsorientierten Institutionen keine Horizonterweiterung in theoretischer Hinsicht. Im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung wäre dies sicher zielführender als das x-te Praktikum…
Like!
0
!!! | 28. September 2007 | 18:26
Extrem guter Artikel. Just for Protokoll: Meine Gedanken zu dem Thema: Lebensplanung ist was für Loser – http://www.arminsoyka.at/blog/lebensplanung-ist-was-fur-loser/
Als Schüler musste ich bei diesem Satz allerdings schmunzeln: “in den wenigen Uni-freien Wochen des Jahres.” – habts doch eh dauernd frei!?
Like!
0
!!! | 5. February 2010 | 08:15
hehe stimmt, das war vielleicht etwas überspitzt formuliert
wobei, bei zwei studien (die nicht die selben semesterstrukturen haben), wirds schon etwas schwieriger jetzt
Like!
0
!!! | 5. February 2010 | 09:55
Wobei Uni-frei heißt ja nicht Studiums-frei. Die Ferien sind auf der Uni nur vorlesungsfreie Zeit. Da bereitet man sich für gewöhnlich auf die nächsten Prüfungen bzw Semester vor, liest Bücher und schreibt Arbeiten. Und arbeitet (was die meisten von uns aber eh sowieso immer tun).
Like!
0
5. February 2010 | 11:02
stimmt, aber kommt halt drauf an, was die studierenden draus machen – für einige heißt uni-frei durchaus studiums-frei (zB mit dem minimum an kursen, die es im semester zu absolvieren gilt), für einige natürlich nicht
Like!
0
!!! | 5. February 2010 | 11:06
Jetzt sag doch was!