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Fundamentalisten

 

Christliche Fundamentalisten sind heute kein Problem? Nun, mag sein, dass sie zahlenmäßig nicht gerade eine Volksmehrheit stellen, aber sie haben seit einiger Zeit wieder eine Partei, die sich nun offiziell präsentiert hat. Wo? Nicht im erzkonservativen US-Bible Belt (obwohl dort wahrscheinlich auch), sondern in Österreich. “Die Christen” scheinens mit der Religion als Privatsache nicht so ganz genau zu nehmen und machen das Christentum wieder ganz offen zu einer politischen Bewegung. Ob die Jesus-Eiferer in der Bevölkerung Rückhalt genießen, wird sich bei der Landtagswahl 2008 zeigen – da werden sie antreten.

“Die Christen” sind von Alfons Adam gegründet worden, ein Rechtsanwalt der bereits mit der Anti-Abtreibungs-Bewegung Pro Vita einschlägig in Erscheinung getreten ist. Ihre erste Aktion ist ein Familienvolksbegehren, dass Muttergehalt (was soviel wie alles über die Rolle der Frau im Hardcore-Christentum aussagt…), mehr Familienbeihilfe und weniger Familienbesteuerung will. Das Urproblem der gesamten heutigen Gesellschaft sei nämlich, dass die Famillien so arg zerrüttet sind. Das liegt nicht etwa daran, dass das schon immer so gewesen wäre, wenn man nur früher existentiell nicht so verdammt abhängig gewesen wäre, sondern natürlich an den gemeinen unsittlichen Kräften. Auf der Suche nach der sittlichen Wahrheit müssen deshalb die “gesetzlichen Privilegien [sic!] Homosexueller rückgängig” gemacht, die Herabwürdigung von Ehe und Familie strafrechtlich verankert, die Fristenlösung abgeschafft und die künstliche Befruchtung verboten werden. Der Aufklärungsunterricht solle aus der Schule überhaupt verschwinden, der Staat habe eine religiöse Schulerziehung zu gewährleisten, bla bla bla… und so weiter: Fundis halt.

Den Aufschrei bei einer Gründung von einer ähnlich radikal eingestellten Partei namens “Die Moslems” würde ich ja ganz gerne hören. Wehe es kommt mir in der nächsten Debatte über religiösen Fundamentalismus einer damit, dass es solche Fundis nur im Islam, im “liberalen Christentum” aber nicht mehr gebe. Dieser Irrtum ist (nun für jeden unübersehbar) widerlegt: Das erzreaktionäre, politische Christentum ist zurück im österreichischen Wahlkampf. Und wenn mans hart formuliert: Jeder einzelne der nur damit liebäugelt es zu unterstützen, ist mit unserer säkular-freiheitlich-liberalen Grundordnung eigentlich nicht vereinbar. Sollte man ihn deshalb als Extremisten bezeichnen?

Wie steht eigentlich die Kirche dazu?

 
Tom Schaffer | 28. September 2007

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10 Reaktionen bisher

    Sebastian H. sagt:

    Also, ich finde diese Partei garnicht mal so schlecht, sofern sie sich etablieren kann. Die einzige Wählerklientel, von der sie “wildern” kann, sind sowie lediglich die christlichen Fundis, die jetzt schon im ÖVP-Umfeld angesiedelt sind.

    !!! | 28. September 2007 | 08:40
    Georg sagt:

    nicht schlecht sofern sie sich etablieren kann? Du bist also für die Entrechtung Homosexueller, Aufklärungstabu, religiösen Zwang an Schulen, “Frauen an den Herd” usw.? Oder wie darf ich deine Aussage verstehen?

    !!! | 28. September 2007 | 16:08
    Sebastian H. sagt:

    Ähm, Georg, hast du auch den zweiten Satz gelesen, den ich geschrieben hab? Die Konsequenz der “Etablierung” (also dass sie nicht sofort wieder im Boden versinken aufgrund von massiver Erfolgslosigkeit) ist, dass das konservative Lager gespalten werden wird, was einen Machtverlust der ÖVP zur Folge haben würde. Eine Positionierung von “Die Christen” in der heimischen Parteienlandschaft würde ähnliche Auswirkungen haben wie die BZÖ-Abspaltung von der FPÖ. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass ideologische Kleinkämpfe innerhalb eines Lagers nur schlecht sein können. Und nur weil es eine Partei gibt, die eventuell auch laut schreien kann, heisst es noch lange nicht, dass auch nur eine ihrer rückwärtsgewandten und völlig absurden Ideen verwirklicht werden wird, oder?

    !!! | 29. September 2007 | 13:14
    Tom Schaffer sagt:

    politwissenschaftliche theorien würden dir da widersprechen. sobald eine partei fuß fasst, werden ihre inhalte in die anderen parteien aufgenommen um sie wieder zu marginalisieren. zu sehen etwa bei le pen in frankreich, der zwar massiv stimmen verlor zuletzt, dafür hat allerdings sarkozy einige seiner programmatischen punkte übernommen. ein anderes beispiel wird die linkspartei sein in deutschland, der sich die spd früher oder später stellen und anpassen wird müssen, wenn sie ihren status als großpartei nicht verlieren will. in österreich merkt man mit dem wachstum der fpö, dass auch die anderen parteien über die jahre hinweg nach rechts gerutscht sind. stimmenmäßig relevante kleinparteien sind durchaus ein korrektiv für große, weshalb es keineswegs zu wünschen ist, dass diese fundis fuß fassen können. die övp geht mir mit der religion in der politik weit genug…

    29. September 2007 | 18:07
    Georg sagt:

    so gesehen habe ich Sebastian’s Kommentar wohl misinterpretiert, weil ich das Wort “etablieren” falsch verstanden bzw. im Kontext ausgelegt hab – sry ;)

    Ich weiss nicht, ob sie wirklich irgendwas spalten würden, wie du schon geschrieben hast sprechen sie in der Hauptsache rechte Altkatholiken der FPÖ und extremkonservative in der ÖVP an (die man mit der eingetragenen Homopartnerschaft vll. verschreckt hat). Und wenn die über die 4% kommen – was ich nach dem Einzug eines Konglomerats wie dem BZÖ. auch wenn nur aufgrund des Kärtner Ergebnisses, nicht für ganz absurd halte – und die ÖVP davon nicht sehr viel beisteuert, blüht uns vielleicht irgendwann Schwarz-Orange-Christen oder ähnliches.

    !!! | 11. October 2007 | 08:38
    fundi sagt:

    Klingt ja richtig objektiv, euer Artikel… Aber wahrscheinlich habt ihr recht, eine Gesellschaft in der wir alle so große Freiheiten besitzen, dass wir immer mehr Überwachung, Kontrolle und weniger Privatsphäre brauchen sind Werte wie eine “Familie” wahrscheinlich überflüssig. Bei unserem ohnehin zu großem Bevölkerungswachstum ist die Homosexualität sicher die beste Lösung… ich finde es nur etwas unfair, dass Pensionisten, die keine Kinder haben dann von den Steuern der Kinder leben, die in Familien aufgewachsen sind und für die deren Eltern ganz anständig zurückstecken mussten… Kinder sind teuer!!
    Aber die Zukunft wird es ja zeigen… es gibt zwei Lösungen:
    Entweder wird Europa christlich sein, oder es wird nicht sein.

    !!! | 21. May 2008 | 14:16
    Tom Schaffer sagt:

    der untertitel meines blogs ist: “Der subjektiven Wahrheit und Vernunft verpflichtet.”

    Homesexualität ist keine Lösung, sie ist menschlich.
    Gegen Überwachung, Kontrolle und Privatssphärenrückbau braucht man keine christlichen Fundis.
    Familie ist ein hohes Gut, für Leute die es haben wollen. (Ich will es übrigens eines tages haben, ich dränge es aber niemandem auf und benachteilige niemanden, der es nicht will.) Man kann Kinder auch gerne mehr fördern. Auch dazu brauch ich keine Fundis, sondern sozial denkende Menschen.
    Pensionisten die keine Kinder haben, haben schon allein deshalb das Recht auf eine Pension, weil sie früher selbst Pensionisten mit ihrem Gehalt versorgt haben.

    Mein Europa ist humanistisch, nicht christlich. Das akzeptable Christentum ist privat, nicht politisch.

    21. May 2008 | 14:37

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