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US Wahlen 2008 – Obama nimmt Iowa
Der absurde Caucus in Iowa hat eine psychologisch extrem wichtige Wirkung auf die restlichen US-Vorwahlen. Wer hier gewinnt – bei den Erdäpfelbauern, wie viele Medien jüngst etwas abfällig-polemisch schreiben – steht dann ganz hoch im Kurs und erfährt einen Boost. Diesmal war das Barack Obama. Ich kann nicht leugnen, dass mir das gefällt. Nicht, dass mit Hillary Clinton oder John Edwards als US-Präsident die Welt unter gehen würde (ich bleibe vorerst einfach bei der “Die Republikaner können diesmal eh nix reissen”-Tendenz, zudem Huckabee einfach kein Name ist, mit dem man mächtigster Mann der Welt wird), aber ein Sieg Obama würde das Bild des unter konservativer Fuchtel stehenden Amerikas doch noch deutlicher korrigieren. Ein schwarzer, (relativ) junger Soft-Power-Multilateralist und Weltbürger der auf die Kraft der politischen Erneuerung und Vision setzt – das perfekte Gegenstück zur wandelnden Katastrophe Bush und seinen gemeingefährlichen Neocons.
Das Ergebnis überrascht mich. Weniger, weil es so nicht zuverlässig vorhergesagt werden konnte, und mehr, weil ich ein anderes Bauchgefühl hatte. Obama hat viele Erstwähler und junge Menschen hinter sich. Das sind Leute, von denen man tendentiell eher erwartet, dass sie sich in lokalpolitisch anmutenden Hickhacks (aus denen der Caucus nunmal besteht) gegenüber den alteingesessenen Platzhirschen tendentiell nicht behaupten können. Konnten sie aber. Das zeigt vielleicht, dass man in einem jugendfeindlichen Land wie Österreich auch als Skeptiker dieser blöden “Tradition” so sozialisiert wird, dass man junge Menschen unterschätzt. Und das ist noch so ein Aspekt, weswegen ich mich über diesen Ausgang besonders freue.
Es wird nun abzuwarten sein, wie stark die Auswirkungen auf die nächsten Vorwahlen wirklich sein werden. Hillary Clinton (glückliche Dritte?) hat insbesondere in den wichtigen, weil Wahlmänner-reichen Staaten wie New York, Florida und Kalifornien ja einen ziemlich gewaltigen Umfragen-Vorsprung. Gewinnt Obama nächste Woche auch in New Hampshire, wo es dann übrigens deutlich demokratischer zugeht, könnte das aber wohl endgültig kippen. Zumal Edwards und Obama die bevorzugte zweite Wahl für Unterstützer der kleineren Kandidaten sind und die ersten Ausstiege sicher bald kommen werden.
Aber auch wenn mir die aktuellen Entwicklungen zusagen, klar ist, dass der Iowa-Caucus ein Problem ist. Kleine, nicht-bevölkerungsrepräsentative Staaten machen ihre Lieblinge mehr oder weniger zu Präsidenten – zu den mächtigsten Menschen der Welt. Das ist ein Phänomen, das zwei Absurditäten zum Vorschein bringt.
Erstens ist das föderale Bundesstaats-System Mist. Kandidaten, die nach den vielen Vorwahlen und der seltsamen Delegierten-Entsenderei vielleicht gar nicht die Basis-Mehrheit der Partei hinter sich haben, gehen später in Wahlen, in denen sie erwiesenermaßen nicht die Mehrheit der Amerikaner hinter sich haben müssen, um am Ende US-Präsident zu sein. Eine Mischung aus undemokratischem Mehrheitswahlrecht und provinzialistischen Eitelkeiten. Eigentlich ist sowas nicht rechtfertigbar, andererseits aber auch bei den populistischen Nationalstaats-Juhuu-Brabbler innerhalb der EU sehr beliebt.
Zweitens wirft es eine Frage auf. Warum überbewerten Medien ein Ereignis so stark, von dem sie wissen, dass es absurd und eigentlich eher nichtssagend ist, und verleihen ihm damit gewaltige Bedeutung? Und warum springen die Menschen da so stark darauf an? Iowa zeigt, welche manipulativen Möglichkeiten in einer Medien-Demokratie stecken würden, aber zum Teil auch schon (großteils ungewollt) wirklen. Auch das ist in Wahrheit ein weltweites Problem, das hier nur exemplarisch aufgezeigt wird.
Die Frage an euch: Was könnte man (realistischerweise) gegen diese Phänomene tun? Sollte man überhaupt etwas tun? Nachdem Obama gewählt ist, versteht sich..
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6 Reaktionen bisher
Zunächst einmal ist es mir herzlich wurscht, wer in den USA Präsident oder -in wird. Die Kanditaten hätten die Anti-Rauch-Schweinerei sicherlich auch nicht unterbunden und den Irakkrieg sowieso nicht…
Zum “etwas tun” frage ich mich, warum wir überhaupt etwas tun sollten, obwohl es mir auch nicht passt, dass die Medien die Wähler so stark beeinflussen. Wenn wir jetzt aber hergehen und “etwas tun” würden, machten wir ja genau das Gleiche (Blogger sind ja auch in irgend einer Form Medien). Natürlich würden wir ja dann für eine “gute Sache” kämpfen. Aber machen das nicht wowieso alle…?
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!!! | 4. January 2008 | 14:54
Lieber Tom Schaffer,
was Sie am Caucus in Iowa “absurd” finden, habe ich nicht verstanden.
Jeder kann teilnehmen – jeder, der zum Wahltermin 18 ist. Er muß kein Parteimitglied sein; sich nur beim Caucus registrieren lassen. Die Registrierung kann er jederzeit ändern, so oft er will. Es wird zweimal eine halbe Stunde diskutiert und offen abgestimmt. Wie in der Landgemeinde des Kantons Aargau, diesem Muster an Basisdemokratie.
“Erdäpfelbauern”? Ja, wäre es denn nach Ihrer Meinung weniger “absurd”, wenn die Rentner von Florida, die Stadtneurotiker von New York oder die Bewohner von Silicon Valley die ersten wären, die eine Vorwahl veranstalten?
Der Caucus ist ein Muster an Basisdemokratie. Aber ich habe manchmal, nehmen Sie es mir nicht übel, schon den Eindruck, daß für viele Europäer etwas automatisch “absurd” ist, sobald es das bei dem Amis gibt.
Herzlich, Zettel
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!!! | 7. January 2008 | 17:15
warum es absurd ist, steht im verlinkten artikel von laurenz. dass das nichts damit zu tun hat, dass es in amerika ist, ist auch ganz leicht aus meinem beitrag herauszulesen. immerhin kritisiere ich explizit, dass ein ähnlich absurder provinzialismus auch in europa vorherrscht.
und deshalb nein, prinzipiell wärs nicht besser, wenn new york, florida oder kalifornien diese entscheidende bedeutung hätte.
mir scheint eher, dass alles was ein europäer an treiben in den usa absurd findet mittlerweile pauschal verdächtigt wird, antiamerikanismus zu sein. ich würd aber wohl kaum ein auslandssemester in den usa machen (wollen!
), wenn ich das land so abgrundtief verabscheuen würde.. ^^
und dieses “musterbeispiel an basisdemokratie” ist eben nicht ganz so musterbeispielhaft. dazu gehören nämlich geheime, freie wahlen und kein wählerlocken mit keksen und milch bei einer veranstaltung wo sich die leute erst aus ihren sozialen zwängen lösen müssen, um ihren bevorzugten kandidaten wählen zu können.
natürlich kann man es aber sehr romantisierend betrachten, diese vorgänge aus den stammeskulturen der urvölker
PS: mir wärs lieber, wir würden uns duzen
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8. January 2008 | 12:23
@Zettel: also, der Caucus in Iowa ist durchaus absurd und skurril: mir ist kein anderes Wahlsystem bekannt, bei dem die Teilnehmer sich zu “ihrer” Gruppe stellen, und Teilnehmer von Gruppen, die weniger als 15 % erhalten haben, innerhalb von 30 Minuten noch die Gruppe wechseln dürfen. Das erinnert noch am ehesten an “1, 2 oder 3″.
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!!! | 8. January 2008 | 17:51
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