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Lasst uns die Wahrheit als Idee behalten
Der Blumenau hat vom Fischbacher einen Indymedia-Artikel empfohlen bekommen. Ich hab mich dazu berufen gefühlt, den kurz zu reflektieren. Und weil ich interessant finde, was dabei rausgekommen ist, teile ich es ganz selbstlos und wie immer kostenfrei mit euch.
Meine Frage zum Artikel: Werden da nicht ein wenig sehr wild die Phrasen “Wahrheit”, “Geschichte”, “Glaube” und “allgemeiner Konsens” oder “kollektives Gedächtnis” durcheinandergebracht? Das wirkt auf mich ein bisserl wie eine wenig sinnbringende Sprachverdrehung.
Wahrheit ist doch schlussendlich genau das, was wirklich passiert ist. Alles was davon abweicht ist eine subjektivitätsbedingte oder durch Fehler verursachte Version davon (nennen wir es “andere Realität”) bzw. vielleicht sogar eine bewusst erzählte Verzerrung oder Lüge. Jetzt ists zwar schwierig oder eher sogar unmöglich, die Wahrheit ganz zu erfassen und daüber zu berichten, aber ich denke doch, dass man sie zumindest als normativen Wert, etwas an das man sich bestmöglich annähert, behalten sollte. Man sollte wissen, dass es diesen Sozialkonstruktivismus immer gibt, ihn aber nicht als unverhinderbar akzeptieren. Der Versuch oder die Absicht die Wahrheit zu erzählen (auch wenn man schlussendlich daran scheitert) unterscheidet doch schlussendlich den Journalismus von der Propaganda.
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5 Reaktionen bisher
Man kann Wahrheit nicht wirklich erfassen, alles was man berichtet wird nur verzerrt dargestellt, es gibt ja auch keine Objektivität. Selbst wenn man versucht sich der Wahrheit anzunähern, wie kann man sich da sicher sein, an welche Wahrheit man sich da annähert, wenn es keine richtige Wahrheit gibt?
Daher würde ich den zynischen Schluß ziehen und sagen, jede Art von Journalismus ist zunächst Propaganda.
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!!! | 8. January 2008 | 23:39
sehr zynisch und auch falsch, da propaganda imo bewusst ausgestrahlt wird.
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8. January 2008 | 23:40
Da hast du recht, man könnte Propaganda als “bewußt gefärbte” Information definieren. Damit könnte niemand unbewußt Propaganda machen, so einseitig er auch schreibt/Handelt?
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!!! | 8. January 2008 | 23:46
würde ich nicht sagen. er würde sie nur reproduzieren.
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9. January 2008 | 00:29
Wenn man sich für Wahrheit und die Möglichkeit der Annäherung an sie interessiert, dann sollte man ja vor allem Popper lesen. Sein ursprünglich für die Wissenschaft entworfenes Kriterium der Falsifizierbarkeit von Aussagen und Hypothesen liefert eine überzeugende Philosophie hinsichtlich genau dieser Fragen: Gibt es Wahrheit? Wenn ja, wie können wir uns ihr annähern? (“Logik der Forschung”).
In gewisser Weise hat er dieses Denken dann später auch auf seine “Offene Gesellschaft” übertragen, weil auch hier die Unterscheidung zwischen dem (letztlich immer totalitären) Anspruch auf Besitz der Wahrheit auf der einen Seite und dem stetigen Bemühen um Annäherung an Wahrheit auf der anderen Seite eine wesentliche Rolle spielt. Auch hier war es ihm aber auch besonders wichtig, dass einem Wahrheitsrelativismus (“Es gibt keine objektive Wahrheit”) eben nicht durch Absolutheitsansprüche begegnet werden sollte (so heute zB durch Papst Benedikt, wenn er wider den “Relativismus” wettert), sondern durch eine Haltung der Annäherung an eine nie vollständig erkennbare Wahrheit – ein Gedanke, der die grundsätzliche Existenz dieser Wahrheit freilich voraussetzt!
Das Abrücken vom bis Einstein vorhandenen starken Glauben an wissenschaftlich vollkommen objektivierter Wahrheit – ohne die Existenz von Wahrheit an sich aufgeben zu müssen – das ist Poppers wesentlichstes Verdienst. Auch heute noch findet man ja oft das Argument, die Wissenschaft sei eben auch nur ein weiteres “Glaubensgebäude” – auch wer dem fundiert begegnen können will: Popper lesen.
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!!! | 11. January 2008 | 17:19
Jetzt sag doch was!