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Die Grünen wollen den Rückzug aus dem Tschad
“Die verantwortungslose Vorgangsweise des Verteidigungsministers hat ungenügend vorbereitete österreichische Soldaten bereits bei ihrer Ankunft in höchste Gefahr gebracht. Es wäre verantwortungslos jetzt noch weitere Angehörige des Heeres in das Abenteuer im Tschad zu schicken”, sagte Peter Pilz gegenüber der APA. Er will die österreichischen Soldaten zurückholen, die diese Woche nach Afrika gestartet sind, und zeigt damit ein sicherheitspolitisches Dilemma der Grünen auf, auf das die Partei im Fall einer Regierungsbeteiligung eine befriedigende Antwort braucht.
Im Grundsatzprogramm der Grünen stehen folgende Zeilen:
Entwicklungspolitische Kritierien wie z.B. Armuts-bekämpfung, Entschuldung und Konfliktprävention sollten für die Außenpolitik generell bestimmend sein.
…
Die Grünen bekennen sich zu einer aktiven Politik des Schutzes der Menschenrechte und der Grundfreiheiten.
…
Eine völkerrechtskonforme Außenpolitik und die Anerkennung des Gewaltmonopols der UNO zur Krisen- und Konfliktbewältigung ist hingegen ein zentrales Anliegen der Europapolitik der Grünen.
Gleichzeitig sollen die Prinzipien des politischen Handelns aber “gewaltfrei” sein und zur Einstellung gegenüber humanitären Rettungen findet man nichts.
Die Grünen betonen in Österreich (in Deutschland haben sie ihre Feuertaufe mit dem Kosovo- und Afghanistan-Einsatz fürs Erste hinter sich), dass mehr dafür getan werden muss, Konflikte zu verhindern und geben dafür auch befriedigende Vorschläge. Wenn ein Konflikt allerdings ausbricht, herrscht Ratlosigkeit, was wohl damit zusammenhängt, dass man sich ab diesem Punkt keinem strikten Pazifismus mehr erlauben kann und auch die “aktive Neutralität” neu interpretieren muss.
Denn in einer neuen Sicherheitspolitik, die global begriffen werden sollte, ist dieses Konzept der kollektiven Sicherheit, aus der auch eine Verantwortung zum Schutz von Menschen (“Responsibility to Protect“) hervorgeht, eng mit militärischen Eingriffen verbunden. Wenn, wie im Tschad, Menschen leiden, ist die Prävention gescheitert. Dann müssen Einsätze wie jener der EU im Tschad her (der im Übrigen voll und ganz dem Gewaltmonopol der UNO entspricht). Kaum ist dieser Fall eingetreten, kommt aus den Reihen der Grünen die Forderung, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Das ist ein leicht zu erklärender, allerdings unbefriedigender Reflex. Insbesondere von den Grünen, die ansonsten als Oppositionspartei auf Populismus verzichten.
Das Heer sei nicht gut genug vorbereitet, meint Pilz in diesem Zusammenhang. Wirkt auf mich wie ein vorgeschobener Grund.
Wenn das Heer nicht mehr abgeschafft werden soll (das hat Alecander Van der Bellen vor nicht allzu langer Zeit ja mit den Worten “Meine naiv-pazifistische Vergangenheit liegt schon lange zurück” einmal mehr ausgeschlossen), dann muss es eingesetzt werden. Dann muss es diese Verantwortung übernehmen. Dann gibt es kein “ist nicht vorbereitet”. Dann muss das Risiko das ein Soldat mit seinem Beruf auf sich nimmt auch eingegangen werden. Dann gibt es kein Schwanz einziehen, weil irgendwo geschossen wird. Es gibt dann dort nämlich Leute, die sehr viel weniger vorbereitet und sehr viel schutzloser sind, als das österreichische Bundesheer. Und die sehr viel weniger dafür gezahlt bekommen und die sehr viel weniger freiwillig mittendrin sind.
Wenn das Heer nicht die Mittel und Fähigkeiten dafür hat, um 160 Soldaten im Rahmen eines EU-Einsatzes mit UNO-Mandat in den Tschad zu schicken, dann werden sich Peter Pilz und seine Partei auch für eine Aufstockung des Budgets einsetzen müssen (jaja, der Eurofighter ist jetzt gegessen – abseits davon müssen Gelder lukriert werden). Ich denke ja nicht, dass das wirklich nötig ist.
Wenn die Grünen sich zu Auslandseinsätzen für humanitäre Rettungen bekennen, wie ich als jemand der sie zuletzt gewählt hat hoffe, dann sollten sie auf diesen Hickhack um politisches Kleingeld verzichten. Im Tschad sterben Menschen.
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6 Reaktionen bisher
Naja, ein Disaster in meiner Ansicht nach der Einsatz im Tschad, weil sich einerseits die Warnungen von Peter Pilz, Österreich solle sich nicht in Gebiete wagen, wo die nachrichtendienstliche Lage schlecht ist, bestätigt haben, andererseits der Herr Verteidigungsminister in einer alternativen Realität lebt, wo “Es gibt keine Probleme in N’Djamena” Pressemeldungen rausgegeben wurden, während gleichzeitig auf CNN Infos zu den von Frankreich organisierten Evakuierungen aus N’Djamena gebracht werden, und eine österreichische C-130 im Anflug auf N’Djamena umdrehen musste, weil der Flughafen zu der Zeit nicht sicher war. Unter diesen Voraussetzungen ist es einfach nicht möglich, eine UN-Friedensmission zum Schutz der Flüchtlinge im Tschad zu starten, wenn nicht einmal der Selbstschutz gewährleistet werden kann.
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!!! | 3. February 2008 | 18:16
ja, es ist ein dilemma.
ich bin, ganz ehrlich, nicht sicher, was ich vom tschad-einsatz halten soll. die vorbereitung (und auf die kommt es schon an, immerhin muss die komplette infrastruktur und versorgung mitgebracht werden) dürfte (nicht nur in ö, auch eu-weit) nicht so rosig gelaufen sein. immerhin hat die geschichte mit einigen wochen verzögerung begonnen (fehlende transportmaschinen ..).
von den pilzschen argumenten halte ich manche für besser, manche für weniger gut. was für mich das bedenklichste an der ganzen sache ist, ist die französische rolle im tschad. immerhin stützten die franzosen bis vor kurzem noch den regierungschef. wie neutral aber kann die eufor-truppe sein, wenn die hälfte der truppe von frankreich gestellt wird? besonders in anbetracht der österreichischen neutralität (die, man halte von ihr was man will, jedenfalls noch gilt) nicht unproblematisch ist.
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!!! | 3. February 2008 | 21:53
es is eine humanitäre eu mission mit uno-backing. ich mach mir da um die prinzipielle neutralität keine sorgen. man wird kaum einen konflikt auf der welt finden, bei dem nicht irgendwer interessen haben könnte. humanitäre interventionen nur noch auf den oster-inseln durchzuführen kann aber nicht sie richtig eine praktikable antwort sein
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3. February 2008 | 23:40
naja, die frage ist schon, inwieweit nicht die franzosen die eufor, die sie stark dominieren für ihre eigene afrikapolitik zweckentfremden …
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!!! | 4. February 2008 | 10:14
wär das ganze also ohne franzosen kein problem? blöd nur, dass dann der einsatz nicht stattfinden würde, weil die franzosen nunmal 50% der truppen stellen. es ist ein eu-einsatz. dafür dass die franzosen das nicht ausnutzen sollte es einerseits vertrauen geben, andererseits politisch gesorgt werden. deswegen den einsatz abzublasen ist kopf in den sand stecken.
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4. February 2008 | 10:23
Ach, das mit den Franzosen… gerade das Verhalten der französischen Truppen, nämlich dass in die jüngsten Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen bisher nicht eingegriffen haben, zeigt doch klar und deutlich, dass die sich neutral verhalten, wie es eben der Missionsauftrag gebietet. Von Missbrauch des UN-Mandats also bisher keine Spur.
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!!! | 4. February 2008 | 13:50
Jetzt sag doch was!