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Was ein Qualitätsblog ausmacht
Andi hat mich großen “Medienexperten” in den Kommentaren zu diesem Beitrag darum gebeten, zu definieren was ein Qualitätsblog ausmacht. Das nicht besonders umfangreiche Ergebnis meiner Überlegungen will ich hier mit der Welt teilen. Vorab muss natürlich gesagt werden, dass es hier nicht darum geht zu bestimmen, wie man richtig blogt. Das soll jeder tun wie er denkt. Für journalistische Blogs, wie es etwa Zur Politik sein möchte, würde ich aber sechs mehr oder weniger publizistische Kriterien vorschlagen (was wiederum nicht heißt, dass ich behaupte, dass Zur Politik sie perfekt erfüllt).
[ad#ad-1]Journalistische Eigenleistungen
Qualitätsblogs brauchen originären Content. Es reicht nicht aus permanenter Zweitverwerter zu sein. Es braucht Reportagen, Interviews, Berichte und Kommentare, die auf eigenen Recherchen und Leistungen fußen. Je mehr davon, desto besser. Auch wenn sie auf in anderen Medien diskutierte Ereignisse beziehen, sollten sie mehr bieten, als Zusammenfassungen anderer Meinungen und Berichte.
Agendasetting
Qualitätsblogs brauchen auch ihre eigene Agenda. Sie sollten sich selbst Themen suchen. Das ist außerdem nicht nur ein idealistisches Kriterium, sondern schafft auch einen Mehrwert, der die Existenz eines Blogs für die Welt außerhalb des Autorenkopfes sinnvoll macht.
Quellentransparenz
Woher stammen Informationen? Das muss man bei einem Qualitätsmedium egal welcher Art immer wissen. Qualitätsblogger setzen Links, zitieren nachvollziehbar und verkaufen nicht die Leistung anderer Autoren als ihre eigene
Quellenkritik
Ein nicht ganz transparentes Kriterium, das sich im Ermessen des Bloggers befindet. Es ist etwa nicht wünschenswert sich für einen qualitativ hochwertigen Beitrag über sozialdemokratische Bewegungen ausdrücklich auf der Homepage der SPÖ zu informieren. Der Qualitätsblogger sollte für eine Vielfalt an Quellen sorgen, die nicht alle ideologisch derselben Richtung entstammen.
Ausgewogenheit
Eng damit verbunden ist das Prinzip der Ausgewogenheit das sich zum einen auf die Themenwahl an sich bezieht (was zugegebenermaßen zum Beispiel bei Watchblogs etwas schwierig ist), aber auch auf den Inhalt einzelner Beiträge. Ja Blogs sind subjektive Medien (oder können es zumindest sein). Subjektivität ist aber kein Freifahrtschein für Polemik und Propaganda. Ein Qualitätsblogger wägt Argumente zumindest für sich selbst ab. Er erklärt seine Gedankengänge, wenn sie für den Leser nicht offensichtlich sind. Er ignoriert nicht bewusst Fakten und unwiederlegbare Argumente, nur weil sie für seine Meinung nicht genehm sind. Schlussendlich glaube ich, dass das Schreiben eines Blogs ein Mittel zur Meinungsbildung für den Autor selbst ist. Ein Blog-Autor muss seine Meinung natürlich nicht verstecken. Eine moralische Meinung ist aber erst dann angebracht, wenn ein dahinterliegendes Problem nicht durch eine allgemeine Vernunft aufgelöst werden kann.
Kritikfähigkeit
Durch die Transparenz der Quellen und das Bemühen alle Gedankengänge zu erklären oder offenzulegen öffnet sich ein Blogger natürlich der Kritik. Diese muss er zulassen und respektvoll annehmen – auch wenn er schlussendlich anderer Meinung ist. Das ist natürlich schwierig und deshalb wie all diese Punkte im Endeffekt nur ein unerreichbarer, anzustrebender Idealzustand. Das Forum dieser Kritik ist idealerweise eine freie Kommentarplattform, die zwar ohne Zensur aber selbstverständlich nicht ohne Regeln auskommen sollte. Kein Blogger muss sich beleidigen lassen, jeder Qualitätsblogger sollte aber auch mitunter harte Kritik zulassen.
Nun, was haltet die Welt von den Vorschlägen? Fragen, Anregungen, Gegenworte, Verbesserungen und Diskussion sind wie immer in den Kommentaren gern gesehen.
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7 Reaktionen bisher
Das passt schon sehr gut.
“Eine moralische Meinung ist aber erst dann angebracht, wenn ein dahinterliegendes Problem nicht durch eine allgemeine Vernunft aufgelöst werden kann.”
–> Verstehe ich nicht wirklich, vielleicht kannst Du mir das noch erklären…
Weiters: Vielleicht könnte man das authentisch-individuelle noch unterstreichen, das natürlich in einem Spannungsverhältnis zu Deiner “Ausgewogenheit” steht. Du sagst es eh, ich formuliere es etwas pointierter: Blogs unterliegen keinem öffentlich-rechtlichen Objektivitätsgebot, im Gegenteil, sie sollen und dürfen subjektiv sein. Das mindert für mich auch nicht einen Qualitätsanspruch, solange sie einerseits zunächst authentisch sind (= der Autor steht dahinter) und andererseits der Punkt “Kritikfähigkeit” entsprechend gut gewahrt bleibt (= ich setze mich mit Kommentaren und der Diskussion auseinander und bin potentiell auch bereit, meine Gedanken und meine Haltung zu adaptieren).
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!!! | 13. February 2008 | 23:19
moral vs vernunft. Bsp. rauchverbot: das ist im endeffekt kein durch argumente lösbares problem. es stehen sich zwei freiheiten gegenüber. am schluss muss man sich nach dem abwägen aller argumente moralisch entscheiden, welche man bevorzugt.
ausgewogenheit ist ein schwieriger punkt über den ich mir selbst nicht ganz klar bin.
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14. February 2008 | 00:46
wenn du das nun erwähnst: du hast aber meinen vorschlag zu rauchlizenz statt rauchverbot schon gelesen…? zumindest der versuch einer ausgewogenen abwägung zweier freiheiten gegeneinander, ohne dass man sich am schluss unbedingt entscheiden muss, welche man bevorzugt. i think, we could have it better than “black or white”…
aber: ich halte dieses argument “moral vs vernunft” überhaupt für problematisch, weil ich tendentiell (möchte nicht apodiktisch klingen, dazu sind diese gedanken zu wenig fertig) glaube, dass alle moral in vernünftig begründbaren nutzenabwägungen wurzelt. “nutzen” ist hier vor allem der nutzen der gruppe gegenüber dem individuum – moral ist ja ein regelsystem, und regelsysteme dienen dazu, den egoismus des individuums zugunsten des gemeinsamen besten etwas im zaum zu halten, aber auch wieder “vernünftig begründbar”: eben weil es für uns alle insgesamt “das beste” ist. problematisch wird moral dann, wenn die rahmenbedingungen, die umwelt sich ändert, die gesellschaftliche entwicklung voranschreitet, die moral aber gleichbleibt und nicht ausreichend vernünftig hinterfragt wird. dann ist die “moral” die vernunftabwägung der vergangenheit…
philosophisch. so jetzt muss ich arbeiten. weltlich.
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!!! | 14. February 2008 | 08:35
deinen rauch-vorschlag diskutieren gerne ein andermal – ich find ich ehrlich gesagt mies. bürokratie ohne ende und schlussendlich wird der konfilkt, ob öffentliches luftvergiften nun erlaubt sein darf, auch nicht aufgelöst. nur weil sich der wirt die rauchfläche erkauft, ist der rauch nicht weniger schädlich.
bezügl. moral: ich denke nicht, dass moral zwangsläufig das individuum gegenüber der allgemeinheit bremst. es gibt auch die gegensätzliche.
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14. February 2008 | 14:09
deine moral-debatten-ergänzung: stimmt!
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!!! | 14. February 2008 | 14:29
danke für das aufgreifen des themas, ist ein sehr interessanter und guter beitrag daraus geworden. falls ich noch einen wunsch für eine fortsetzung frei habe: jetzt würde mich noch eine anwendung in der praxis interessieren, also an blog-beispielen warum welche blogs qualitätsblogs sind oder nicht, bzw teilweise sind und teilweise auch wieder nicht sind.
und wenn du das dann noch in einem ranking verewigst und regelmäßig machst, wirst du endgültig eine bloginstitution!
p.s.: ist kick08 (oder ballverliebt) nun ein qualitätssportblog? der anteil an eigenleistungen ist ja höher als bei vergleichbaren blogs wie em-blogger.at. klare agenda haben wir ja mit dem thema EM und den regelmäßigen rubriken sowie dem fokus auf eine differenzierte, breite sichtweise auch. quellentransparenz/-kritik ist sicher noch ausbaufähig, wobei hier die anzahl der zur verfügung stehenden qualitativ hochwertigen quellen bei einem politikblog sicherlich höher ist als bei einem sportblog, oder? ausgewogenheit sehe ich gegeben, kritikfähig sind wir hingegen bewusst nicht…
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!!! | 15. February 2008 | 00:51
das wäre eher schon aufgabe für eine kommunikationswissenschaftliche diplomarbeit – da ich publizistik aber aufgegeben habe…
ich mag auch niemanden beleidigen. wenn jemand eine echte blogkritik wünscht, kann er das ja sagen, dann schau ich, ob ich in nächster zeit mal dazu komme.
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15. February 2008 | 01:20
Jetzt sag doch was!