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Zwei Ikonen der “Islamkritik” ganz kurz

 

Der deutsche Publizist Henry M. Broder ist ja bekanntermaßen eine Ikone der sogenannten “Islamkritiker”. (Was ich von seiner Art der “Kritik” halte, habe ich ja unlängst hier ausgeführt.) Gerade eben habe ich ihn bei Polylux, einem aus mir unverständlichen Gründen gehypten Fernsehmagazin, auftreten sehen, wie er über einen Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan herzieht, der für eine Trauerveranstaltung für neun bei einem Brand getötete Türken nach Deutschland kam. Broder schimpft, das wäre eine Wahlkampfrede, eine Kampfansage. Pietät kennt der Mann anscheinend nicht. Dabei setzt sich dieser blind überschätzte Polemiker (und ich meine in diesem Fall Broder, nicht Erdogan) vor eine rote Kebab-Bude, wachelt mit einer türkischen Fahne herum, setzt sich einen roten Fes (eine dieser Julius Meinl-Kappen) auf und schimpft munter drauf los. Ein tolles Vorbild nicht wahr? Ein Mann der Völkerverständigung würde ich sogar sagen. Und ein Mann, der in allen erdenklichen deutschsprachigen Medien freudig publiziert wird.

Eine andere Broderistin (die vielleicht schon vor dem Namensgeber der Bewegung ihre diesbezüglichen Aussagen verbreitet hat) wird von Verfechtern der “Islamkritik” gerne als Musterbeispiel für Opfer des bösen Islams herangezogen. Es geht um Hirsi Ali, die leider tatsächlich seit langer Zeit unter Polizeischutz stehen muss. Eine 37-jährige, hübsche Frau, die dem Islam irgendwann in ihrem Leben entsagt hat, um daraufhin dessen Frauenbild zu kritisieren. Und dann kam der Islam und bedrohte sie. Skandal eigentlich. Aber leider ist das nur jener Teil der Wahrheit, den man allgemeinhin so hört, wenn von der gebürtigen Somalierin gesprochen wird. Dass sie aber davor für eine (der FDP ähnelnden) rechte niederländischen Partei kandidiert hat, teilweise radikale Ideen im Bezug auf die “Integration” von Muslimen hat und in einer frappierend ähnlichen Ansage wie die Grazer FPÖ-Politikerin Susanne Winter den muslimischen Propheten Mohammed als “perversen Tyrannen” bezeichnet hat, wird sehr oft verschwiegen – so übrigens auch gerade eben in einem ZiB24-Bericht zur Aufhebung ihres Personenschutzes durch die niederländische Regierung. Dort wird nur darüber gesprochen, dass sie einen islamkritischen Film mit einem ermordeten Regiesseur gemacht habe. (Ich kenne diesen Film nicht, deshalb will ich über dessen Inhalt auch nichts sagen.) Ein Grund für Todesdrohungen darf freilich auch all das was ich genannt habe nicht sein, aber im Sinne einer umfassenden Information, sollte man diese Nebensächlichkeit meiner Meinung nach doch irgendwie mal erwähnen. Die “Islamkritiker” sollten ihre Ikonen doch kennen.

 
Tom Schaffer | 15. February 2008

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7 Reaktionen bisher

    maschi sagt:

    Die VVD ist eine liberale Partei mit Schwerpunkt auf dem Wirtschaftsliberalismus, insofern eher dem rechtsliberalen Spektrum zuzuordnen und der FDP ähnelnd, richtig, und meines wissens im Europaparlament in der liberalen Fraktion, welche dort auch eher linksliberale Parteien wie die niederländische D66 umfasst. “Rechte niederländische Partei” verkürzt die Charaktersierung für mich dann unzulässig.

    Finde ich nicht schön, wie Du hier in aller Kürze über Hirsi Ali herziehst, deren Engagement in dieser Partei ja nichts Anstössiges ist… die vom islamistisch motivierten Mörder von Theo van Gogh direkt bedroht wurde, in dem Brief, den er ihm an den Körper geheftet hat, und die mehrfach ausgezeichnet wurde, ua. 2006 wegen ihres Engagements FÜR die Integration von Ausländern und gegen die Diskriminierung von Frauen – Alice Schwarzer hielt die Laudatio – wird der Sache für mich dann auch nicht wirklich gerecht.

    Ich wundere mich immer wieder, wie schwer es für mitteleuropäische Glückskinder wie uns scheinbar vorzustellen ist, was das mit Menschen macht, wenn sie direkt und glaubhaft mit dem Tod bedroht werden von Leuten, die bereits unter Beweis gestellt haben, dass sie das TODERNST meinen. Die Frau lebt seit Jahren unter ständigem Personenschutz. Ihre womöglich emotional gefärbte Meinung, dass “Mohammed ein perverser Tyrann” gewesen sei – sie ist legitim und hat aber auch schon gar nichts mit Frau Winter zu tun. Für mich dominiert im Gegenteil eindeutig eine Bewunderung für ihren Weg von einer islamisch orthodox geprägten Kindheit zur atheistischen Frauenrechtlerin… ihr genaues Zitat lautet übrigens: “Gemessen an unseren westlichen Maßstäben ist er ein perverser Mann. Ein Tyrann.“ – Worte aus dem Munde einer Frau, die in ihrer Kindheit in Somalia beschnitten wurde.

    Weitere Zitate von Ihr – aus Wikipedia: “Ich will keine Märtyrerin werden – und doch will ich weitermachen. [...] Nein, ich werde mich überhaupt nicht anpassen. Hinter verschlossenen Türen sagen die Menschen: Ja, der Islamismus ist gefährlich, aber gegen den Rest ist nichts einzuwenden. Ich sage: Der Islam in Reinform ist lebensgefährlich. [...] Was unsere Freiheit bedroht, ist nicht zuletzt die untergeordnete Stellung der Frauen im Islam. Wenn man diese Stellung verbessert, wird innerhalb des Islam ein Umbruch stattfinden. Es sind die Frauen, die die Kinder gebären und erziehen. Darum wende ich mich an Frauen und Mädchen. Sie sind der Schlüssel für Veränderungen.“

    Du tust Deiner mir nachvollziehbaren Kritik am “Broderismus” hier nichts Gutes, finde ich. Möchte auch auf Misik verweisen, der sich unlängst in für mich ausgezeichneter Weise damit auseinandergesetzt hat, wo Religionskritik endet und wann Verhetzung anfängt. Und einer seiner wesentlichen Punkte seiner Analyse war auch, dass es einen Unterschied machen kann, WER eine Aussage tätigt.

    !!! | 15. February 2008 | 15:15
    Früdö sagt:

    Ich hab den Beitrag zwar nicht gesehen, aber nach deiner Beschreibung spielt sich Broder offenbar mit den plumpesten türkischen Stereotypen – Halbmondfahne, Kebab, Fes. Dabei wird der Fes in der Türkei schon seit über 90 Jahren nicht mehr getragen (wurde mit der Gründung der modernen Türkei von Kemal Atatürk verboten), und das Kebab in der mitteleuropäischen Fastfood-Form ist in der Türkei selbst ziemlich unbekannt. Würde man Broders Stilmittel auf z.B. Antizionisten/Antisemiten ummünzen, dann würde da wohl ein Neturai-Karta-Anhänger mit Israelfahne schwingend Hasstiraden gegen das Judentum an sich ausstoßen. Ähnlich pervertiert-gegensätzlich-absurd erscheint mir das ganze zumindest.

    !!! | 15. February 2008 | 15:22
    Helge sagt:

    Hab’s mir auf Polylog angesehen (), ein wirklich selten dämlicher Beitrag. Sehr intellektuell, dieser Broder.

    Wo er aber recht hat, ist, dass man Erdogan (dessen Namen man ohne G ausspricht, kann das Broder mal wer sagen?) bei der Gelegenheit durchaus fragen kann, wie’s mit den Minderheitsrechten in der Türkei aussieht, wenn er sich – sein gutes Recht – um die der Türken in Deutschland sorgt.

    !!! | 15. February 2008 | 17:10
    Helge sagt:

    So, hier der Inhalt der Klammer: http://www.polylog.tv/videothek/videocast/11741/

    !!! | 15. February 2008 | 17:11
    Tom Schaffer sagt:

    klar kann man das fragen. allerdings hibts wohl kaum einen dämlicheren zusammenhang. was will uns broder damit sagen?

    15. February 2008 | 17:29
    Tom Schaffer sagt:

    @maschi: ich denke mit fdp-ähnlicher rechter partei ist eine rechtsliberale partei schon ganz gut charakterisiert. da wird nichts unter den tisch gekehrt. mit welchen parteien die im europaparlament liiert sind, tut doch hier nichts zur sache.

    auch dass hirsi ali mehr legitimität als susanne susane besitzt, über den islam zu reden, ist unbestritten (das heißt allerdings überhaupt nichts). es ändert aber nichts daran, dass es im wesentlichen dieselben ausbrüche sind, die sie da zeigt. der islam ist in seiner reinform gefährlich… bla bla … mohammed war ein böser tyran … bla bla … und außerdem hat er sich an kleinen kindern vergriffen … bla bla … der linke multikulturalismus ist scheisse … bla bla …

    grundsätzlich spielts zwar eine rolle, wer etwas sagt, aber bei solchen parolenartigen dummheiten macht der unterschied das kraut auch nicht fett.

    ich werde nie verstehen, was leute sich davon erhoffen, wenn sie sowas ablassen. dass das nicht dialogfördernd sondern gesellschaftsspaltend, und damit niemals einem sozialen fortschritt dienlich sondern höchstkontraproduktiv ist, kann ja selbst der größte dork nicht übersehen. wer ein echtes interesse an einem freien zusammenleben hat, kritisiert die sache und provoziert nicht auch noch die, die prinzipiell an seiner seite stehen oder offen dafür sind, dorthin zu wechseln. hirsi, broder & co tragen zu einer verbesserung der lage nicht das geringste bei.

    was all diese broderisten nie verstehen werden ist, dass satire, kritik und dumme, plumpe provokation nicht dasselbe sind.

    15. February 2008 | 17:39
    Helge sagt:
    !!! | 15. February 2008 | 18:19

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