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Muss das sein?

Der Grüne Efgani Dönmez

Der Grüne Efgani Dönmez ist seit kurzer Zeit der erste Bundesrat mit “Migrationshintergrund” und will den “Deckmantel der Liberalität” seiner Partei lüften. In Sachen Ausländer verlangt er “die Dinge beim Namen zu nennen”. Wie das aussieht, hat sich der 32-jährige wahrscheinlich bei Henryk Broder & Co. abgeschaut.

Wenn man Menschen einen Raum für ihre Gebete gibt, dann befürworte ich das. Aber: Wenn man Minarette als politisches Symbol installiert, wenn man Religion missbraucht, um im Hintergrund Politik zu machen, dann bin ich dagegen. (Interview mit derStandard.at)

Dönmez meint, er rede auch viel mit Menschen, die sagen würden: “Ihr Grünen seid eigentlich eh super, aber mit eurer Ausländerpolitik seid ihr für mich unwählbar”. Fragt sich, ob die Grünen für mich wählbar bleiben würden, wenn es zur Parteilinie würde, dass Minarette zu “politischen Symbolen” würden. Damit ist er rhetorisch an einer Schwelle, wo ich empfehlen würde, etwas weniger Broder & Co. zu lesen.

Wo bei den Grünen ein Realitätscheck notwendig ist, sollte Dönmez auch genauer erklären. Will Dönmez auf Bundesebene einen Rechtsruck bewirken, dann bitte ich um einen Parteiwechsel. Ich hätte ganz gern noch eine Partei übrig, die ich wählen möchte. In der Grünen Bundespolitik sehe ich nämlich keine naiven Linkslinkgutmenschen (um mal eine rechtsrechte Diktion aufzugreifen), sondern den Großteil der wenigen moderaten Toleranz-Felsen in der Ewiggestrigenbrandung. Gut: In der Lokalpolitik stellt sich die Situation vielleicht anders dar.

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| 9. April 2008

26 Reaktionen bisher

    Relator sagt:

    Tut mir Leid, ich verstehe deine Kritik nicht. Meines Erachtens ist das kein Rechtsruck, sondern ein “realistischer Ruck”, der wirklich lobenswert ist.

    Denn: Der Politiker hat doch nicht gesagt, dass alle Minarette als politische Symbole gebaut werden würden. Stattdessen hat er seinen Satz mit dem Wort “WENN” eingeleitet. Deshalb finde ich es überhaupt nicht tragisch, denn diese Bemerkung war inhaltlich vollkommen richtig. Religionen haben nichts in der weltlichen Politik verloren, sei es das Christentum, oder der Islam.

    In der Tat ist es doch so, dass Minarette etwa im Iran durchwegs politische Symbolkraft besitzen. Diesen Aspekt darf man nicht verweigern.

    Doch hier in Österreich wird doch kein Moslem mit einem Minarett ein politisches Zeichen setzen wollen. Jörg Haider und Co. sind selbstverständlich eine absolute Schande für ein angeblich fortgeschrittenes Land.

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    !!! | 9. April 2008 | 18:51
    Tom Schaffer sagt:

    nun, der mann spricht aber von österreich, nicht vom iran.

    und dazu sei gesagt: solange kirchtürme nicht verboten werden ist es einfach diskriminierend über ein minarettverbot nachzudenken – selbst wenn sie politische symbole wären.

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    9. April 2008 | 19:55
    Markus sagt:

    ich finde, dass du hier wirklich überreagierst. Efgani hat einen offenbar einen unkonventionellen zugang zu dem thema, den ich als erfrischend und als eine bereicherung der debatte empfinde. sonst gibt es ja nur das schwarz/weiß-denken in der integration (ausländer alle böse, ausländer alle super).

    wo hat er denn in dem interview ein minarett-verbot gefordert??? er hat gesagt, dass er für die freie religionsausübung ist aber gegen minarette als politisches symbol. genau so ist er vielleicht gegen kirchtürme als politische symbole…
    und aus pragmatischen gründen hat er sich gegen umfassende “kulturzentren” inkl. kindergarten, supermarkt und frisör ausgesprochen, weil so die migrantInnen nicht “unter die leut kommen”.

    ich hätt eher mit negativen reaktionen zu anderen aussagen gerechnet (“anatolische kameltreiber”).

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    !!! | 10. April 2008 | 09:23
    Tom Schaffer sagt:

    möglich dass ich überreagiere, liegt dann aber daran, dass der mann sich denkbar provokant bis blöd ausdrückt. so wie es dort steht ist es für mich akzeptabel.

    es gibt halt schon genug leute mit einem derartigen “unkonventionellen zugang” – den ich keineswegs erfrischend finde. denn ich seh es absolut nicht so, dass es nur diese schwarz-weiss zugänge zum thema gibt. vielmehr haben wir einen klaren schwarz-bias im land. außerdem: wann ist ein minarett ein politisches symbol, wann nicht? wer entscheidet das? sein zugang ist prinzipiell problematisch. die kameltreiber aus anatolien tun für mich nur ihr übriges um den mann aus der wählbarkeit zu bugsieren.

    und was heißt das, er ist gegen islamische kulturzentren? auf welcher grundlage? will er sie verbieten, wenn er kann? das ist für mich ein reaktionärer zugang der sie symbole eines “problems” anpackt, anstatt die wurzeln der integrationsverhinderung. (ich bin bish heute nicht so sicher ob paralellgesellschaften wirklich ein unfassbares problem sein müssen – auch ein little italy, chinatown, die deutschen/schwedischen städte in den USA oder die leopoldstadt vor dem zweiten weltkrieg werden ja nicht als problem gesehen). da würde nicht daran gearbeitet, weshalb die integration zum teil nicht stattfindet, sondern einfach mal eine auswirkung der mangelnden integration pauschal und restriktiv verboten. damit hätte ich ein problem, denn es ist weder die liberalität die ich mir erwarte, noch ist es wirksam. wird deshalb mehr integration stattfinden, oder sich einach ein anderer hydrakopf bilden?

    und warum ist er überhaupt prinzipiell dagegen? ist denn niemand der dort hingeht integriert? simma dann schon so weit, suggerierte övp-diktion bei den grünen zu akzeptieren?

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    10. April 2008 | 12:46
    maschi sagt:

    es kann gar nicht genug leute geben, die aus einer herkunftkultur ein stück weit ausbrechen und eine aussensicht wagen. schon deshalb habe ich eigentlich sogar hochachtung vor dem mann, wenn ich das interview lese. die “anatolischen kameltreiber” sind als in pur ausländerfeindlichem jargon benutzte wendung sehr unglücklich. ich denke aber in summe, dass er eher zum ausdruck bringen wollte, dass er kulturformen dann nicht für förderungswürdig hält, wenn diese zb zu einem guten teil in frauenfeindlichen grundhaltungen bestehen sollten, weil sie in ländlicher abgeschiedenheit in einer vollkommenen überkommen form erhalten geblieben sind.

    unsere kultur gefällt dem mann besser als seine herkunftskultur, das meine ich herauszuspüren. und ja: mir auch. auch wenn ich es nicht immer so offen vor mir hertrage, weil ich meine mitmenschen nicht ständig vor den kopf stossen will…

    wir müssen wegkommen von diskussionen über nationen, sprachen und hautfarben. diese sind vollkommen uninteressant. nicht uninteressant ist aber die frage der kultur. was ist kultur, was sind interessante und schützenswerte spielarten und bei welchen dingen sollten wir uns die freiheit nehmen, sie ganz subjektiv und offen als unkultur zu bezeichnen? auch um einander die chance zu geben anhand offener diskussionen zu lernen…

    ein frauenfeindliches spagetthimonster ist für mich zb unkultur. egal ob in rom, jerusalem oder teheran…

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    !!! | 10. April 2008 | 20:36
    Tom Schaffer sagt:

    @maschi: freilich, nur all das sehe ich bei dönmez irgendwie nicht. zumindest nicht aus diesem interview, möchte ich einschränken. “aus nationen, hautfarben und sprachen ausbrechen”, wo liest man das heraus? ich freu mich ja, wenn ich mich beim nächsten interview korrigieren müsste. ;)

    andere sache: ganz interessant finde ich, dass du von der “ausländer/islamdebatte” hier fast schon im automatismus auf frauenfeindlichkeit kommst und die nicht teil “unserer” kultur sein soll. mag dich nicht damit beleidigen und ich werf dir das auch nicht vor, aber der automatismus gefällt mir gar nicht. und ob der anatolische kameltreiber unglücklich war oder beabsichtigt (der mann scheint mir klug genug um zu wissen was er sagt), fakt ist, dass dadurch dieses vorurteil reproduziert wird, dass der anatolische kameltreiber ein problem wäre. nun, das ist nicht die diktion die ich mir von einem grünen erwarte, aber mehr noch, dahinter steckt zumindest dem anschein nach eine geisteshaltung die ich nicht tolerieren kann.

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    12. April 2008 | 12:41
    maschi sagt:

    mmh, ich sage nicht, dass sie (die frauenfeindlichkeit oder -unterdrückung) nicht teil unserer kultur ist/war, aber ich sage sehr wohl, dass wir in diesem punkt im durchschnitt weiter sind. und der punkt ist alles andere als unwichtig. die frage, welche teile welcher kultur bewähren sich im zusammenleben der menschen besser als andere, ist ebenfalls nicht unwichtig. sie ist wichtig, denn gerade darin besteht ja auch eine chance der globalisierung: dass kulturkreise voneinander lernen. dabei ist dann auch nicht dienlich, wenn wir mit den bereichen, in denen wir selbst meinen weiter zu sein als andere verschämt hinter dem berg halten.

    dass dir ein gewisser automatismus im kontext nicht gefällt, verstehe ich. aber es geht eben immer wieder darum, darauf hinzuweisen, welche legitimen anteile eine debatte hat – die debatte um für uns nicht akzeptable unkulturbestandteile anderer kulturen ist so ein legitimer anteil dieser konkreten debatte – nicht zuletzt auch, um dahinter umso klarer sagen zu können, welche anteile dieser debatte eben nicht legitim sind…

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    !!! | 14. April 2008 | 11:04
    Tom Schaffer sagt:

    nochmal: es geht nicht darum, dass ich was dagegen habe, gegen frauenfeindlichkeit aufzutreten. unbedingt bitte! es geht darum, dass das für mich in dieser debatte und so pauschal völlig deplatziert ist. was suggeriert es denn, wenn man vom sogenannten anatolischen kameltreiber über minarette und islamische kulturzentren direkt zur frauenfeindlichkeit kommt? dass das alles ein themenkomplex wäre. und dann ist in keinem dieser punkte eine vernünftige diskussion möglich.

    der anatolische kameltreiber gehört da völlig raus, das ist rassistisch.
    minarette und islamische kulturzentren können ein problem sein, sind es aber auch nicht pauschal. und dementsprechend sollte man das auch nicht pauschal behandeln.
    und gegen frauenunterdrückung muss man ohnehin auf allen ebenen argumentieren. natürlich muss man auch mit immigranten daran arbeiten. aber wenn dieser automatismus immer wieder greift, dass frauenunterdrückung als teil einer kultur gesehen wird, tut man zu vielen unrecht.

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    14. April 2008 | 13:15
    anneliese sagt:

    Ich sehe dieses Interview auch eher positiv denn negativ. Er hat kein einziges Mal irgend etwas pauschaliert. Er hat eben nur davon gesprochen, dass eben diese anatolischen Kameltreiber (ja, übertriebene Wortwahl… aber er hat ja nur ein Beispiel genannt, ich habe auch nichts dagegen wenn jemand von ein paar konservativen Mostschädeln in der Regionalpolitik spräche, ganz im Gegenteil: generalisiert nichts, trifft sicher auf einige zu) irgendwie, weil teilweise verhetzend, vermieden gehören, und zwar: mit Dialog. Ausgezeichnet. (man komme mir jetzt bitte nicht mit einigen Fundi-Pfarrern, deren Predigten doch auch nicht “kontrolliert” werden – die Kirche hat ihren Biss bei uns schon so lange verloren, das ist einfach keine Gefahr mehr)

    Und: Er verleugnet den großen Bevölkerungsteil, der -ob jetzt nun aus Blödheit, Desinteresse, KronenZeitung, was auch immer – einfach Angst vor dem Islam hat, (und jetzt kommts) ohne wirklich rassistisch zu sein, nicht. Ja, diese Menschen gibt es. Man kann der Masse der Menschen (und das ist sie zweifellos) in diesem (eigentlich jedem) Land einfach keinen Rassismus, sondern eben nur Angst vor einer Veränderung, vor einer wachsenden Minderheit vorwerfen. Dass diese unbegründet ist: ich weiß. Und es soll natürlich auch überhaupt keine Begründung für ein Minarettverbot sein.
    Aber ich finde es sehr gut, dass dieser Mann den Mut hat, das in dieser Partei so anzusprechen, dass nicht alles so schwarz und weiß ist, wie es denn viele Menschen vereinfachend sehen wollen. Und noch einmal: er hat ja weder ein Minarettverbot gefordert, noch diese Minarette generell mit politischen Symbolen gleichgestellt.

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    !!! | 14. April 2008 | 16:20
    Tom Schaffer sagt:

    diese behauptung, dass die grünen ohne diesen mann völlig weltfremd dastehen, kommt ja jetzt öfter. kann mir eigentlich irgendjemand auch nur einen grünen spitzenpolitiker nennen, der das thema integration zu rosarot sieht?

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    14. April 2008 | 16:54
    Helge sagt:

    Manual Trackback (automatisch will das scheint’s nicht funktionieren): http://www.helge.at/2008/04/broderismuskeule-im-sack-lassen/

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    !!! | 14. April 2008 | 21:30
    anneliese sagt:

    Ich habe keinesfalls behauptet, dass die Grünen, geschweige denn einer ihrer Spitzenpolitiker, ohne ihn weltfremd dastehen würden… Ich habe auch von Schwarz und Weiß geschrieben, und nicht von rosarot!
    Mir ging es hier vor allem darum, ob man denn die Masse an Menschen, von der ich schreibe, die sich (unbegründet) vor Minaretten fürchten, pauschal als Rassisten betrachtet.
    Und das, man möge mich berichtigen, habe ich bei ihm herausgelesen, dass er das nicht so sieht… was mich wiederum freut. Ich sage damit nicht, dass andere Grün-Politiker so eine Schwarz-Weiß-Sicht hätten (wobei es die sicher auch gibt, aber eben nicht bei den Spitzen), ich sage damit nur, dass sich sehr viele Menschen genau das von dieser Partei denken, und diese damit sehr, sehr viele potentielle Wähler verliert.
    Und da versucht Herr Dönmez gegenzusteuern.

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    !!! | 15. April 2008 | 13:29
    johannes rauch sagt:

    wo soll hier ein “rechtsruck” sein? die aussage über die “kameltreiber” ist vollkommen daneben, die minarett-aussage zugespitzt (teile ich so nicht), aber ansonsten werden dinge beim namen genannt, die fakt sind. bei uns in vorarlberg (zweithöchster migrantInnenanteil nach wien) wird begonnen, jetzt genau darüber zu diskutieren: warum dürfen buben aber nicht mädchen zum sprachunterricht? wie ist das mit der religionsfreiheit auf der einen, aber manch (importierten) predigern auf der anderen seite, die zwar die verfassungsmässig verankerte religionsfreiheit für sich beanspruchen, unter ihrem schutzmantel aber den islam über die verfassung stellen?
    die grünen sollten sich dieser debatte nicht reflexartig entziehen.

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    !!! | 15. April 2008 | 15:36
    Tom Schaffer sagt:

    nein, sollten sie nicht. auf keinen fall. ich find es immer lustig, wenn jemand der eine gewisse art und weise kritisiert, wie eine debatte angegangen wird, sofort so dargestellt wird, als würde er gar keine debatte zulassen.

    und einen rechtsruck hab ich nicht geortet, sondern in frage gestellt. die minarett- und kameltreiberaussage wären, wenn die grünen sich dahin bewegen, definitiv ein rechtsruck.

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    15. April 2008 | 19:22
    maschi sagt:

    ok, ich versuche zusammenzufassen: die von dir erwähnten aussagen (“kameltreiber” et al.) sind nicht oder sehr schlecht geeignet, eine derartige debatte, wie sie hier u.a. von johannes rauch eingefordert wird, sinnvoll zu beginnen oder gar zu führen – stimme dir zu.

    gut ist, dass es anscheinend konsens gibt, dass diese debatte geführt werden muss. die art und weise der wortwahl wird gerade in einer solchen debatte immer sehr heikel und schwierig sein. nur allzuleicht kann etwas “daneben” gehen… weil es reflexartig assoziiert wird.

    und genau das scheint mir hier auch passiert zu sein. ich greife dazu nochmal den am meisten und auch von mir kritisierten ausdruck heraus: “kameltreiber aus anatolien”. der satz lautete:

    “Welche Imame unterrichten an den Schulen? Haben die eine theologische oder
    pädagogische Ausbildung, oder sind das irgendwelche Kameltreiber aus Anatolien,
    die sich zu Imamen ernennen? Wenn ja, dann gehören sie kurzfristig
    ausgetauscht. Aber dann haben wir auch andere Diskussionen: Ob zum Beispiel
    das Kreuz in den Schulklassen weg muss oder nicht.”

    das problem an dem ausdruck ist ja, dass von rechten ganz gerne zb “alle türken” pauschal verunglimpft werden, eben zB indem man sie alle als “anatolische kameltreiber” hinstellt. genau das, die pauschale verunglimpfung eines fremden volks passiert hier aber überhaupt nicht. sondern es wird die frage nach der ausbildung von imamen aufgeworfen – und die bezugnahme auf anatolien erfolgt vermutlich schlicht deshalb, weil eben dort lebende menschen oftmals einfache berufe ausüben, im vergleich zu den türkischen städtern relativ wenig bildung haben und in folge uu auch eine auffassung vom islam vertreten, von der ebendiese gebildeten türken oftmals meinen, dass sie eigentlich in keiner weise mehr zeitgemäss wäre. und: viele der nach europa gewanderten türken stammen eben aus genau solchen gegenden… die “türkische parallelgesellschaft” in europa ist also kein abbild der türkischen “gesellschaft”.

    zudem verbindet er dann diese plakativ formulierte forderung nach einer gewissen kontrolle des bildungsniveaus für europäische religionslehrer einer hierzulande anerkannten religionsgemeinschaft mit einem hinweis darauf, dass er sich auch einen rückzug der religion oder zumindest religiöser symbolik aus der staatlichen bildung vorstellen kann. ein altes lif thema – ich find das gut und erhoffe mir somit vielleicht sogar eine stärkung liberaler momente bei den grünen. ich hör solche urliberalen forderungen (wie die forderung die säkuarisierung weiterhin ernstzunehmen) bei den grünen nämlich ehrlich gsagt verdammt selten.

    wenn dönmez sich allerdings so oder so ähnlich wie ich jetzt ausgedrückt hätte, dann würden wir hier nicht über ihn diskutieren. diese medienlogik, der wir uns alle nicht entziehen können – die muss ein politiker auch zu einem gewissen grad begreifen und beherrschen – sonst ist er von vornherein fehl am platz – und überlässt auch das ganze feld schlagzeilenträchtiger aussagen wesentlich zwielichtigeren gestalten…

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    !!! | 16. April 2008 | 00:01
    Tom Schaffer sagt:

    und die bezugnahme auf anatolien erfolgt vermutlich schlicht deshalb, weil eben dort lebende menschen oftmals einfache berufe ausüben, im vergleich zu den türkischen städtern relativ wenig bildung haben und in folge uu auch eine auffassung vom islam vertreten, von der ebendiese gebildeten türken oftmals meinen, dass sie eigentlich in keiner weise mehr zeitgemäss wäre.

    was ein pauschal- und vorurteil ist. das kann man drehen und wenden wie man will. ;)

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    16. April 2008 | 02:01
    Helge sagt:

    @Tom: Das das ein Pauschalurteil ist, ist klar – ist auch klar als solches definiert: Maschi schließt nicht aus, dass in Anatolien (gemeint: das ländliche Anatolien) auch Universitätsprofessoren, Philosphen oder Historiker leben. Er spricht pauschal vom Durchschnittsbewohner.

    Dass es ein Vorurteil ist, mag sein. Ich kann dir jedenfalls bestätigen (meine Eltern haben 7 Jahre in Ankara gelebt, ich war entsprechend oft dort), dass ich keinen Türken getroffen habe, der dieser Meinung widersprechen würde – im Gegenteil. Die Mitarbeiter der österreichischen Botschaft bestätigten ebenfalls, dass die überwiegende Mehrheit der Visa-Antragsteller nicht aus dem Hinterland stammt, sondern einen sehr ungebildeten Eindruck macht.

    Man kann das ruhig beim Namen nennen: Landeier. (“Kameltreiber” ist mir persönlich zu heftig.) Das mag arrogant sein, aber rassistisch ist es nicht.

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    !!! | 16. April 2008 | 18:42
    Helge sagt:

    Sollte heißen: ..nicht NUR aus dem Hinterland stammt, sondern AUCH einen sehr ungebildeten Eindruck macht.

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    !!! | 16. April 2008 | 18:43
    Tom Schaffer sagt:

    mir passt es ehrlich gesagt gar nicht, dass versucht wird sowas zu relativieren. die aussage ist für mich eindeutig untragbar. die hintergründe und herleitungen sind mir schon alle klar – es ist dennoch falsch.

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    16. April 2008 | 19:36
    Georg sagt:

    Ja, er hat sich blöd, möglicherweise sehr blöd ausgedrückt.

    Nein, es ist nicht unmöglich den Kontext trotzdem rauszulesen. Darum ist es mMn zwar ein sehr dummer Begriff, aber nicht pauschalisierend, weil er es (im Gesamtsinn des Interviews) zumindest für mein Verständnis im Bezug hält.

    Das Ost-West-Gefälle in der Türkei, speziell im Stadt-Land-Bezug dürfte ein recht großes sein. Bildung und religiöse Aufklärung spielen Hand in Hand. Nichts anderes wollte er mMn sagen, und auch ob des “anatolischen Kameltreibers” ist das klar.

    Und ja, die (Religions-)Freiheitsdebatte mit allen ihren Facetten muss geführt werden. Dazu war auch Dönmez’ Anstoß gut, vielleicht auch weil der “anatolische Kameltreiber” eine sehr provokante Formulierung ist (ich hätts anders formuliert und finde es auch als Zuspitzung nicht mehr in Ordnung). Wenn freilich jetzt hauptsächlich über diesen Begriff und etwaige Pauschalisierungen etc. diskutiert und alles andere verdrängt wird, wars natürlich nicht hilfreich.

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    !!! | 17. April 2008 | 15:17
    Martin sagt:

    “… etwas weniger Broder & Co. zu lesen.”
    Tja, ich würde im Gegenteil bei Broder etwas lesen. Henryk Broder hat die Geisteshaltung, der dieser Beitrag entspringt, in seinem Buch “Hurra wir kapitulieren” beschrieben, und zwar am Beispiel von Necla Kelek. Sie hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Probleme unter türkischen Migranten nicht nur in den Fehlern der Mehrheitsbevölkerung sondern auch in gewissen Einstellungen jener Menschen selbst ihren Ursprung haben. Dafür wurde sie von deutschstämmigen “Migrationsexperten” scharf kritisiert, was von einer gewissen Arroganz zeugt.

    Des weiteren möchte ich festhalten, dass jeder Mensch das Recht hat, seinen eigenen Kulturkreis kritisch zu beäugen. Nicht nur ein Österreicher darf das, sondern auch ein Türke.

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    !!! | 3. September 2009 | 18:48
    Tom Schaffer sagt:

    Dönmez ist ein Österreicher, kein Türke.

    Hier kapituliert niemand. Ich wehre mich nur auf sinnvolle Art und Weise und gegen die richtigen Leute.

    Broder und seine knuddlingen Jungen meinen überall Feinde zu sehen.

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    3. September 2009 | 19:28
    Martin sagt:

    Er ist gebürtiger Türke, aber mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Ausserdem war er als Sozialpädagoge im Bereich der Flüchtlingsbetreuung tätig. Ich würde also schon sagen, dass er jemand ist, der was von dem Thema versteht.

    Ich finde es schon irgendwie bedenklich, dass ihm hier irgendeine Nähe zu den Rechten nachgesagt, gar ein “Parteiwechsel” nahegelegt wird. Und das nur, weil er eben nicht aufs Maul gefallen ist, und gern Klartext redet, was ich ihm eigentlich sehr hoch anrechne. In gewissen Grünen und linksliberalen Kreisen scheint so eine Offenheit offenbar unerwünscht zu sein. Ich schreibe es nur ungern, aber in Anbetracht dieser Haltung muss man schon fast zugeben, dass die Rechten mit ihren Postulat des “Linksfaschismus” vielleicht doch nicht so unrecht haben.

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    !!! | 4. September 2009 | 16:57
    Tom Schaffer sagt:

    gähn Kritik an Dönmez ist also “Linksfaschismus” und “unerwünschte Offenheit”? Da macht die Unterhaltung ja gleich doppelt Spaß.

    Ich hab in diesem Blog schon im Detail ausgeführt, warum Dönmez mit seinen Aussagen falsch liegt (1,2). Gegen einen der “nicht auf den Mund gefallen ist” hätte ich bei den Grünen rein gar nichts – aber in den gefährlichen Blödsinn muss man damit nicht gleich abdriften.

    Warum muss für Leute wie dich einer der “nicht auf den Mund gefallen ist” eigentlich immer irgendwas sagen, was Ausländer deppert angoscht? Nur von “Kameltreibern aus Anatolien” zu sprechen, ist doch ebensowenig eine Leistung wie die fragwürdige Meinung zu übernehmen, Minarette wären politische Symbole in einem Kulturkampf (was nämlich entgegen broderistischen Unsinns kein absoluter Fakt ist) .

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    4. September 2009 | 20:43

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