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Die Lebensmittelkrise: Perversion der Verteilung

Dieses Bild zeigt in voller Größe 30.000 Bananen am Trafalgar Square in London. Und folgender Kommentar wurde bei Flickr dazu geschrieben.

Impressive collection of bananas. I wonder if they all get sold. (dpr @ flick)

Werden sie nicht, lieber dpr.

But every day, Britain throws away 220,000 loaves of bread, 1.6m bananas, 550,000 chickens, 5.1m potatoes, 660,000 eggs, 1.2m sausages and 1.3m yoghurts (The Independent, 8. Mai 2008)

Böse Briten? Vielleicht! Aber im Rest der westlichen Welt sieht es wohl nicht wirklich anders aus.

In Wien wird täglich jene Menge an Brot als Retourware vernichtet, mit der die zweitgrößte Stadt Österreichs – Graz – versorgt werden kann. (We Feed the World, öst. Dokumentarfilm, 2006)

Böse Konsumenten? Vielleicht! Aber wieso gibt es eigentlich bis 8 Uhr abends noch frisches Brot im Supermarkt das keiner mehr kaufen kann? Und wieso gibt es viele Waren nur in Familienpackungen zu kaufen, während große Bevölkerungsteile alleine oder zu zweit leben?

100.000 Menschen sterben täglich am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen. 854 Millionen Menschen waren 2007 permanent schwerstens unterernährt. (Jean Ziegler, derStandard.at)

Böser Bioethanol/Biodiesel, wie Ziegler sagt? Vielleicht! Aber hat das obenstehende, das was wir alle beeinflussen könn(t)en, nicht noch dramatischere Auswirkungen?

Kann die Wegwerfgesellschaft es sich moralisch erlauben, weiter zu existieren?

Und wieso ist es eigentlich möglich, Spekulationsgeschäfte auf Nahrungsmittel zu machen? Gleicht das nicht manchmal einem bewusst in Kauf genommenen Massenmord?

Müsste man Hedgefonds und ihre Manager nicht zur Verantwortung ziehen, die auf dem Buckel von Menschenleben Geschäfte und Profite machen? Müsste man die Verantwortlichen nicht mit einem nassen Fetzen durch Mali jagen?

Und wie viele Fragen würden euch und mir zu diesem Thema eigentlich noch einfallen, auf die es für vernünftige Menschen eigentlich nur eine einzige, ganz einfache Antwort geben würde?

Wo ist eigentlich das Problem? Um von den schwierigeren Fragen gar nicht erst sprechen zu müssen: Ist das System zu brutal und krank um die einfachen Antworten zu geben? Oder werden die Fragen einfach nur nicht gestellt?

Fotocredits: a – armcurl, b -phitar

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| 10. May 2008

2 Reaktionen bisher

    Georg sagt:

    Der Handel ist – was nichts rechtfertigen soll – durch das System fast gezwungen so unmenschlich zu agieren. Bis sich diese Wirtschaftsordnung einmal reformiert (und das wird bald beginnen, aber seine Zeit dauern) müssen die Konsumenten den Part des sozialen Gewissens übernehmen. Solange unmenschliche Beschäftigungsverhältnisse, Ausbeutung, fragwürdige Einkaufspraktiken plus alles was du hier angesprochen hast, für kaum jemanden einen Grund ist, derlei Läden zu boykottieren oder an der Schaffung einer Öffentlichkeit für sozial orientierte Konsumwirtschaft, wird das Gros so weitermachen (müssen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten), und das was notwendig ist nur in Nischen erfüllt werden.

    Die ganzen Dokumentarfilme etc. und die erschütternden Reaktionen von Politik, die Kommentare der Medien ist sowas wie Wasser zu predigen, während die, die die $-Macht haben, weiter Wein trinken, und Singles weiter Großpackungen kaufen und den Rest “halt wegwerfen” statt kleinere Abgabemengen zu fordern. Funktionieren müsste es eigentlich, schließlich kann ich das meiste Obst und Gemüse auch stückweise erwerben. Aber vielleicht fürchtet sich der Handel da nicht vor dem Wegfall etwaiger Mengenrabatte…

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    !!! | 11. May 2008 | 19:14
    Markus Haunschmid sagt:

    Tja, leider ist die Ökonomie so eng mit der Politik verwoben, dass es kaum möglich ist, letztere durch aufklärerische Appelle an die Vernunft umzustimmen. Großunternehmen, die solche Tendenzen weltweit fördern, interessieren sich für Profite. Profite sind nur durch stabile Preispolitik zu fördern. Überproduktion führt zu Krisen. Krisen führen manchmal zum Verlust der Macht durch die Politik.
    Deshalb muss das Angebot künstlich gering gehalten werden, weil sonst Preise verfallen, das ist moderne VWL.

    Als bekennender Marxist denke ich, dass die Gesellschaft durchdemokratisiert werden muss. Die indirekte Demokratie ist daran Schuld, dass die Masse der Bevölkerung keine Möglichkeiten hat, Politik effektiv mitzubestimmen, und das, man lasse sich das auf der Zunge vergehen, in Zeiten des Internets.
    Information wird per Mausklick in Sekundenschnelle von einem Ort der Welt zum anderen gesendet. Diskussionsplattformen, Volksabstimmungen per Mausklick! Warum wird dieses enorme Potential an Mitbestimmung nicht genutzt?
    Der Sicherheit wegen? Nein, herrschende Ökonomen und Politiker wollen sich ihre Macht nicht entreißen lassen.

    Das Problem der Nahrungsmittelversorgung kann nur gelöst werden, wenn sich jene, die es betrifft, dafür einsetzen, d. h. sich vernetzen und ordentlich Druck machen.
    Die weltweit ökonomische Situation ist nicht ewig tragbar.

    http://www.derfunke.de/content/view/580/75/

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    !!! | 28. May 2008 | 07:50

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