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Josef Fritzl ist Österreich (!?!)

Ok. Dieses Blog war bis jetzt Amstetten-frei. Das war auch gut so, weil mir das Thema gehörig auf die Eier ging. Erst jetzt, wo die ganze Sache nah dran ist, dem medialen Langzeits-Aufmerksamkeitsdefizit zum Opfer zu fallen, möchte ich ein paar Gedanken dazu loswerden. Es geht darum, was zum Beispiel Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am 1. Mai vor dem Wiener Rathaus gesagt hat: Dass versucht wird, Österreich madig zu machen. Die meisten Österreicher sagen, das geht nicht, weil das sei ungerecht. Ich sage, das geht sehr wohl. Unter zumindest einem Blickwinkel.
Was mir an den “Lassen wir uns Österreich nicht madig machen”-Statements auffällt ist, dass diese vorrangig von Leuten kommen, die sich sonst höchstpatriotisch bis nah-nationalistisch (oder darüber hinaus) geben. Das finde ich außerordentlich interessant und widersprüchlich. Denn wenn bei der Schwimm-WM “wir” gewinnen (wie das Kommentator Robert Seeger nach Markus Rogans WM-Gold ins Mikro krächzte), dann wird versucht, aus den Erfolgen einzelner eine kollektive Erfahrung und Leistung zu machen (was, nur zur Klarstellung, nicht heißen soll, dass man tolle Sportler oder Künstler nicht toll finden darf – man soll sie nur nicht wegen einem staatlichen Dokument gleich mit sich selbst verbinden). Aus einem Menschen mit österreichischen Pass wird dann plötzlich ganz Österreich gemacht.
Sobald aber Fehltritte und Grausamkeiten einzelner Österreicher ans Tageslicht kommen, will man von diesem Modus operandi plötzlich nichts mehr wissen. “Wir lassen uns Österreich nicht schlecht machen”, brüllen dann Politiker ins Mikrofon, die ansonsten permanent versuchen zu punkten, indem sie sich als Vertreter für alle Österreicher hochstilisieren (aber es wäre ungerecht, Gusenbauer das jetzt allein oder gar persönlich vorzuwerfen – das will ich nicht tun).
Klarerweise ist dieses vermeintlich stattfindende Schlechtmachen des ganzen Landes purer Blödsinn. Aber ganz grundsätzlich nicht deshalb, weil das so gemein ist und natürlich 999.999 von 1.000.000 Österreichern sowas nicht machen, sondern weil nationale Konstruktionen eben schon an sich schon purer Blödsinn sind. Wieso sollte etwa Deutschland Papst aber nicht Klaus Zumwinkel sein? Warum sollte man auf Erfolge aufgrund einer Nationalität stolz sein dürfen, aber sich nicht für Dramen schämen müssen oder gar verantwortlich sein? Da hinkt die nationalistische Logik. In der negativen Umkehr wird ihre Sinnlosigkeit entlarvt. Wenig hat diesen Unsinn so deutlich gemacht, wie die Entführung von Natascha Kampusch oder das Drama von Amstetten.
Tom Schaffer | 12. May 2008
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13 Reaktionen bisher
ha, thumbs up für diesen beitrag!
klar ist das so: gewinnen tun immer WIR, aber verlieren immer DIE!
!!! | 13. May 2008 | 01:38
Fritzl ist übrigens Australien: http://asset.soup.io/asset/0067/3119_2075_390.jpeg
!!! | 13. May 2008 | 06:29
Österreich ist wie es ist. Es ändert nichts daran, Erfolge einzelner Bürger (z’B im Sport) für das Land vereinnahmen zu wollen. Genausowenig würde es etwas ändern, sich für Verbrechen einzelner Bürger kollektiv zu schämen oder gar die Verantwortung dafür zu übernehmen. Beides ist wohl gleich dumm.
Unser Kanzler (wie viele andere Politiker auch) macht sonst nichts, als halt “nah-nationalistisch” Stimmung für sich zu machen (er vermarktet sich). Er täte aber gut daran, sich zu erinnern, was er damals bei den EU-Sanktionen getan hat. Das war viel massiver und da hätten sich viele über solch klare Worte gefreut. Aus irgend einem Grund ist das damals wohl nicht gegangen…
!!! | 13. May 2008 | 12:26
die eu-sanktionen waren auch richtig.
13. May 2008 | 12:33
Habe selten so dumme Kommentare gelesen.
HG
!!! | 13. May 2008 | 18:58
und ich selten einen gut gefunden, der das so ausführlich fundiert.
13. May 2008 | 19:39
Und der Kommentar ist jetzt grammatikalisch nicht ganz korrekt. oÔ
:p
!!! | 14. May 2008 | 12:22
doch, als fortsetzung des vorhergehenden zu verstehen.
14. May 2008 | 15:42
Das schon, aber “fundiert” ist doch kein verb, oder? oÔ
“ausführlich und fundiert argumentiert” oder so würde gehen, aber wenn da fundiert alleine steht fehlt mMn etwas.
!!! | 14. May 2008 | 21:58
doch ist ein verb, siehe hier
14. May 2008 | 22:08
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