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Obama und das Voodoo

Barack Obama gewann in den Vorwahlen mehr Staaten, mehr Stimmen, mehr neue Wähler, mehr Unabhängige, mehr Schwarze und – was für die Mediendemokratie der USA nicht unwesentlich ist – mehr Spendengelder. Er sprach eine ziemlich neue Wählerkonstellation an. Er gewann gegen Hillary Clinton die meisten der für die Demokraten entscheidenden Wählerschichten. Und trotzdem zweifeln manche daran, dass er der richtige Kandidat für die Demokraten ist. Komisch
Ein medialer Hype, die Fehler von Clinton und ein künstlicher Messias-Kult hätten Obama so weit gebracht, sagen diese Kommentatoren. Das will ich jetzt einmal Stück für Stück auseinandernehmen.
[ad#ad-1]Zuerst sei die Frage erlaubt: Welcher Medienhype? Die bei den Demokraten einflussreiche New York Times hat sich schon vor Monaten für Hillary Clinton ausgesprochen. CNN präsentiert sich bis heute verbissen als Clinton-TV. Es gab Debatten nach denen mehr darüber gejubelt wurde, wie toll Clinton gegrinst hat, als welche Inhalte ihre Gegner (damals noch Obama und John Edwards) vorgebracht hatte. In einer solchen Nacht müssen es geschätzte 52 “She did so well at …” gewesen. Noch heute wird dort mehr darüber spekuliert, ob Clinton die Superdeligierten noch rumkriegen kann, als anerkannt, dass Obama ihr gerade wieder einen ordentlichen Arschtritt verpasst hat.
Er wurde zum Elite-Kandidaten gespinnt. Er, der den “amerikanischen Traum” wie vielleicht kein anderer Kandidat Zeit meines Lebens verkörpert, soll die Werte der Amerikaner nicht verstehen. Darüber wurde wochenlang gesprochen.
Es wurde die Ähnlichkeit zum Namen Osama analysiert. Es wurde ein Schaden für Obama durch Aussagen seines Priesters herbeigeredet. In einigen Medien wurde darüber debattiert, ob ein Schwarzer überhaupt schon Präsident werden kann. Obama hat reagiert und eine geniale Rede über die Rolle der Hautfarbe gehalten, bei der nur Steinstatuen keine Gänsehaut bekommen können.
Was dabei schon völlig außer acht gelassen wird ist, dass jene Wähler, die über die Wählbarkeit eines Schwarzafrikaners überhaupt nachdenken, im Herbst auch in 1000 Jahren nicht demokratisch gewählt hättem – übrigens auch nicht (oder gar erst recht nicht) wenn eine Frau dort kandidiert. Und insbesondere nicht, wenn es die polarisierende Hillary Clinton ist.

Sie wäre fast eine Garantin für den Schulterschluss der Republikaner, der jetzt mit den Paralellkandidaturen von McCain und Bob Parr bzw. der unkooperativen Halung von Ron Paul doch gehörig in Frage steht.
Seit geraumer Zeit spinnen Analysten die Legende, Obama könne einfach nicht den Sack zu machen und Clinton nicht finishen. Das mag bis zu einem gewissen Grad schon für eine schlechte Optik gegen den seit Ewigkeiten feststehenden McCain sorgen. Aber es ist auch ein Unterschied, ob man gegen nullcharismatische Mormonen, strategische Vollkoffer und Kasperl-Baptisten antritt, oder ob einem die stärkste und mächtigste Frau der US-Politik gegenübersteht. Noch dazu, wenn die ihre Niederlage nicht eingesteht.
Der lange Vorwahlkampf wird sich, meine ich, am Ende gar als Vorteil herausstellen. Nicht nur, dass die Mobilisierung bei den Demokraten gigantische, nie dagewesene Ausmaße erreicht. Es geht auch um Medienökonomie: McCain (der bei den eigenen Alibi-Vorwahlen im Moment ohne echten Gegner oft 20-25% der Stimmen nicht bekommt) wird an all den Wahlabenden kaum erwähnt – Obama und Clinton halten hingegen alle zwei Wochen staatstragende Reden.
Die Fehler von Clinton halfen Obama zwar, aber sie hat gar keine Großen gemacht. Das schlimmste war die Lüge über eine Bosnien-Reise. Das aber war nichts, was die Schwierigkeit eines amoksprechenden Pfarrers hätte. Sie griff in die Trickkiste des politischen Establishments und war richtig “dirty”. Sie holte gar höchstpopulistische Tankstellen-Vorschläge aus der Tasche. Und Obamas gewann weiter mit seiner positiven “Yes, we can”-Change-Nachricht.
Dass Clintons Fehler ins Feld geführt werden, ist interessant. “Ihr” Lager (im weitesten Sinn) wird ja nicht müde zu betonen, dass sie so viel erfahrener sei. Ein Argument mit dem man übrigens gleich eine Erbmonarchie einführen könnte, aber noch wichtiger: Angeblich drastische Fehler und überlegene Erfahrung – wie passt das eigentlich zusammen?
Das letzte Clinton-Argument ist, dass Hillary die sogenannten Swing States gewinnen wird. Ob sie dort bei den großen Wahlen besser abschneidet oder nicht, ist zum jetztigen Zeitpunkt bestenfalls höchstspekulativ, eher aber völlig unvorhersehbar. Was dort passiert hängt vom weiteren Vorgehen von Obama ab.
Von seinen Schwerpunkten und von seinem Running Mate zum Beispiel. Mit einem John Edwards (wäre mir lieber) oder einer Hillary Clinton (ist wahrscheinlich besser für die PR) im Schlepptau würde er schnell jene Wählerschichten hinter sich scharen, bei der er aktuell noch Probleme hat. Was im Mai prognostiziert wird, spielt im Herbst keine große Rolle mehr.
Das beste Beispiel dafür ist Obama selbst In den meisten Staaten war er bis zum 5. Februar völlig unbekannt. Die meisten davon hat er seither gewonnen. Und die nicht allzu zahlreichen groß gefeierten Momente Clintons waren in Wahrheit manchmal sogar Niederlagen – wie in Texas.
Obama ist ein junger Kandidat, der quasi aus dem Nichts kam. Und demnächst wird er dank einem offenen Auswahlverfahrens der Kandidat der Demokratischen Partei sein. Er ist kein Erlöser (hat auch nie so getan), aber sicher der größte Hoffnungsträger für die, die nach einer dringend notwendigen Kurskorrektur lechzen.
Trotzdem wird oft so getan, als wäre sein bisher sensationeller Erfolg einer Art Voodoo-Magie, einer Manie oder einer Laune des Schicksals geschuldet – jedenfalls Dingen für die er gar nicht viel kann. Man hört aus diesen Kreisen viel zu selten die weniger mysteriöse Erklärung, dass dieser sensationelle Erfolg auf der richtigen Message und auf knüppelharter Arbeit basiert.
Obama hat gewonnen. Clinton konnte ihn nicht schlagen, McCain wird es nicht leichter haben. Er ist deshalb der beste Kandidat. Meine Bitte: Lasst den Voodoo-Glauben endlich sein.

Fotocredits: radiospike photography | jurvetson | jmtimages
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14 Reaktionen bisher
Einen riesengroßen Fehler den Du vergessen hast hat Clinton schon gemacht:
Sie hat Obama massiv unterschätzt, und war der Meinung, dass mit dem Super-Tuesday alles gelaufen ist. Für die Zeit danach war weder Geld noch Strategie vorhanden. Wenn ich mich richtig erinnere war sie nach dem Super-Tuesday noch leicht vor Obama, und genau in der Zeit, in der Clinton vollkommen orientierungs- und mehr oder weniger “geldlos” war, hat Obama zum überrunden angesetzt und hält seither den Abstand.
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!!! | 16. May 2008 | 08:11
Bin ich der einzige den die Bilder stören?
Ein Bild oben von mir aus, aber mehr ist mMn zuviel, is keine Zeitschrift.
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!!! | 16. May 2008 | 12:28
ich finde. ohne bilder sind so lange texte unmotivierende wüsten.
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16. May 2008 | 14:36
Mich unterbrechen Bilder immer im Lesefluss.
Naja, is wohl Ansichtssache.
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!!! | 16. May 2008 | 17:20
Die Bilder sind schon ok. Nur im konkreten Fall vermitteln sie eine Art Werbeeinschaltungs Feeling. Wobei: im konkreten Fall auch wieder ok…
Alles höchst subjektiv. Und das ist gut so.
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!!! | 16. May 2008 | 23:41
Ein schöner Artikel, der genau das aussagt, um das sich die CNN-Redner immer herumstehlen.
Interessant ist aber auch, wie das Management von Clinton agiert: Als sie noch in Führung war, war es für sie kein Problem, dass Florida und Michigan quasi “Beauty-Contests” waren, die Hillary in Florida bei einer der ältesten Bevölkerung und in Michigan ohne einen Obama als Gegner locker gewann.
Jetzt, wo sie faktisch nicht mehr aufholen kann, verlangen diese Berater eine Änderung der Spielregeln. Und gestehen damit ein, dass ihnen anscheinend jedes Mittel recht ist. Und was macht Obama? Er lässt die Berater reden, geht darauf gar nicht ein, geschweige dass er böse Worte gegenüber Clinton anstimmt, um zu provozieren, und gewinnt sogar in wahren Clinton-States wie West Virginia, wo er nicht einmal groß Wahlkampf betrieb, ca. 30% der Stimmen.
Die Behauptung, er müsse diese Swing states gewinnen, um Sieger im Endkampf gegen McCain zu sein, ist auch irgendwie problematisch: Sie geht davon aus, dass die, die in den Vorwahlen eindeutig demokratisch gestimmt waren (sonst hätten sie ja gar nicht oder bei den Republikanern mitgewählt), ihre politische Einstellung dahingehend ändern würden, dass sie republikanisch wählen würden. Nun ja: Wenn man sich nun nach den jeweiligen Exit polls die jeweiligen Wählergruppen von Obama und Clinton anschaut, so scharrt Obama anscheinend die treueren Demokraten unter sich, während unter Hillary viele Swinger sind.
Und wen sollte man eher vergrämen? Treue Wähler, die durch ihr Engagement für Obama ihn quasi von 0 auf ca. 1850 (Delegierte
) gebracht haben, oder Wähler, die womöglich nur bei der Vorwahl Clinton gewählt haben und eigentlich für McCain oder Parr sind und dann trotz Clintons Kandidatur für die Roten stimmen?
Aso, und zum Meta-Thema hier: Ich finde die Bilder gut gewählt, das Mittelbild trennt gut den Bereich über Obama von dem über Clinton. Vielleicht wäre aber ein Bild von ihr in der Mitte besser gewesen, dann sieht es noch objektiver aus. Das obere und untere Bild trennen gut Header von Text und Text von Comments. In meinen Augen sind die Bilder gut platziert, an anderen Stellen würden sie mehr stören.
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!!! | 17. May 2008 | 00:15
Ich bin Studentin der BWL und wir machen eine Seminararbeit zum Thema Webblogs sie würden mir sehr weiterhelfen, wenn Sie meinen Fragebogen ausfüllen könnten.
Ich bräuchte allerdings Ihre Kontaktadresse
Lg
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!!! | 17. May 2008 | 08:30
ich helfe gerne, die adresse steht im impressum
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17. May 2008 | 11:32
“Und Obamas gewann weiter mit seiner positiven “Yes, we can”-Change-Nachricht.”
Also: Clintons Vorschläge in Bezug auf die Benzinpreise kamen ja nun erst gegen Ende des Wahlkampfes. Zudem: Mir ist eine, von dir genannte, populistische Rhetorik allemal lieber als wohlfeil formulierte Worthülsen à la “change”, “yes, we can” etc. pp.
Wo ist die Programmatik? Bitte, wo?
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!!! | 19. May 2008 | 12:30
da wo sie bei allen kandidaten ist. findet man natürlich nicht in den wahlkampfreden oder der europäischen berichterstattung, sondern eher in interviews, tv-debatten oder diversen artikeln die er publiziert hat.
obama hat zum beispiel einen universal health care plan (da gabs einst ja sogar die debatte, ob clinton den nicht bei ihm abgeschaut hätte), vertritt eine institutionalistische, dialogorientierte und multilaterale aussenpolitik auf basis eines gewissen soft power-approach. er verspricht eine rücknahme einiger bush-politiken im bereich lobbyismus der öl- und nuklearindustrie (und im bereich der überwachung der privatssphäre) und er hat ein proramm zur halbierung der armut innerhalb von 10 jahren (ich glaube ein ähnliches wie edwards).
mehr ist von einer clinton oder einem mccain auch nicht bekannt.
aber eben genau die unkenntnis dieser positionen ist ja der grund, warum obama (lustigerweise vielmehr in europäischen medien) als hype-erscheinung interpretiert wird. ich frage: was soll der mann machen? sein charisma verstecken? aufhören tole reden zu halten? so funktioniert das in den usa aber nunmal. die medien spielen eine große rolle, und die haben nunmal ein aufmerksamkeitsdefizit gegenüber allem, was komplizierter zu erklären ist als eine eieruhr.
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19. May 2008 | 12:51
@Gordi: Die einzelnen Positionen der Kandidaten konnte man relativ gut in den TV-Debatten auf CNN nachvollziehen.
Übrigens, meiner Vermutung nach hat der Anfangshype, also der Beginn dieser “Obamamanie” damit begonnen, dass er sich als der eloquenteste der Kandidaten bei den CNN-YouTube Debates dargestellt hat. Clinton kam damals ganz schön ins rumerklären, als sie auf ihre Position zum Irak-Krieg 2003 gefragt wurde. Und das ist in einer Mediendemokratie nie gut. Gerade die kritischeren Stimmen in den USA (und dazu gehören viele der “Jungwähler” unter 35) haben sich nach dem Irak-Krieg und Michael Moores “Fahrenheit 911″ gefragt: Wieso haben prominente Demokraten so wenig gegen den Krieg gesagt.
Allerdings: Von Obama hab ich 2006 zum ersten Mal mehr gehört, bei den Interseptions war er ja einer der Hauptfiguren bei CNN damals, und meinte dann so zu einer US-Austauschschülerin im Studentenheim: Clinton als Präsident und Obama als Vize wäre sicher eine gute Mischung, worauf sie bereits meinte: “Nein, nicht noch eine Clinton, nicht mehr immer der Wechsel zwischen zwei ‘Dynastien’.” Also erste Entwicklungen gab es wohl für Europäer unbemerkt bereits damals anscheinend schon.
Gut, wir werden heute abend (oder eher gesagt heute nacht) ja sehen, ob Obama wie von einigen vermutet sich nun von “we will change” zu “we change” umschwenken wird, sprich sich zum Sieger der Vorwahlen erklären wird. Und vor allem, was Clinton dann machen wird.
Aso, und “Yes we can” stammt von Clinton
Muss man gut unterscheiden, “We will change” ist Obama, “Yes we can” (win the white house) ist Clinton
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!!! | 20. May 2008 | 12:35
“yes we can” ist obama pur. clinton hat nach einer der vergangenen vorwahlen in billiger anspielung “yes we will” in den saal gebrüllt.
siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=jjXyqcx-mYY
übrigens macht eine wechsel von “we can/will change” zu “we change” keinen echten sinn, bevor er nicht präsident ist. (und selbst dann nicht, weil es nicht “I can” sondern betont “WE can” heißt)
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20. May 2008 | 16:51
Aso, ok, hast auch recht, hab ich heute Nacht bei Obamas Rede auch gemerkt. Mein Fehler.
Ansonsten haben sie ja beide kein Trademark darauf, oder? Mach ich mich jetzt strafbar, wenn ich “Yes we can” oder “We will change” sage?
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!!! | 21. May 2008 | 19:19
nicht strafbar, aber lächerlich
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22. May 2008 | 02:08
Jetzt sag doch was!