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Umfrage: Kapitalismus ist Demokratie?


Weil ich gerade anderorts eine solche Debatte führe, würde mich mal die allgemeine Meinung meiner werten Leser interessieren …

Gibt es Demokratie ohne Kapitalismus?

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| 19. May 2008

24 Reaktionen bisher

    Johann sagt:

    Die Überschrift verwirrt. Bitte abändern auf etwas wie: “Gibt es Demokratie ohne Kapitalismus?”

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    !!! | 20. May 2008 | 00:43
    Pontifex Maximus sagt:

    Die Frage ist eher, gibt es Demokratie im Kapitalismus?

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    !!! | 20. May 2008 | 09:03
    Tom Schaffer sagt:

    @johann: bisserl provokation muss erlaubt sein, sonst macht keiner mit ;)
    @ponti: discuss! :D

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    20. May 2008 | 11:42
    Pontifex Maximus sagt:

    äh, so ausm Stegreif kann ich immer schwer anfangen xD

    aber ok, Lobbyisten, Think Tanks und Konzerne haben heute ja schon nen enormen Einfluss auf die Politik. Man schaue sich nur mal die EU, oder WTO und Bretton Woods Institutionen an. Da hat die Wirtschaft teilweise wesentlich mehr Einfluss und Mitspracherecht als kleinere Staaten, insbesondere 3. Weltstaaten.

    Ausserdem, wer kennt einen Politiker, der nicht nach seiner politiklaufbahn in die Privatwirtschaft gegangen ist? (ok, bei den Grünen isses anders, die machen sich bei der Wirtschaft meist net sonderlich beliebt). Aber sogut wie alle anderen Parteien haben wirtschaftliche Abstellgleise, auf die Politiker sich, nachdem sie aus der Politik ausgeschieden sind abstellen können. Das das nicht von irgendwo kommt ist klar, da muss vorher wohl gewisse Leistungen gebracht werden.

    Wer das Geld hat, hat nunmal die Macht. Und das Geld hat heutzutage nunmal die Wirtschaft, deren Interesse sind auch sogut wie nie die gleichen wie die der Bevölkerung.

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    !!! | 20. May 2008 | 12:02
    maschi sagt:

    Theoretisch ist es möglich: Solange eine freiwillige und jederzeit korrigierbare Mehrheitsentscheidung gegen zB Privateigentum an Produktionsmitteln etc etc erfolgt, sehe ich noch keinen Widerspruch.

    Ich sehe aber einen anderen Widerspruch viel stärker: nämlich jenen zu den Grund- und Menschenrechten. Ein liberal verfasster Staat (im Sinn von Grund- und Menschenrechten und damit Freiheitsräume der Bürger respektierender Staat, Freiheit der Minderheit vor der Mehrheit schützender Staat) steht sehr schnell im Widerspruch zu einer Gesellschaft, in der eine Mehrheit der Minderheit vorschreibt, dass sie sich nicht mehr selbst um ihr tägliches Auskommen kümmern darf, sondern dass alles Arbeiten, Produzieren, Wirtschaften “gesteuert” erfolgen muss. Das ist ein derart weitgehender und tiefgehender Einschnitt, dass blosse Demokratie zwar vielleicht gewahrt bleiben kann, nicht aber das, was wir heute unter Freiheitsrechten verstehen.

    Es gibt nur entweder weitgehende Freiheit (die sinnvolle Regulierungen keineswegs ausschliesst) = Kapitalismus. Oder eben die Allgegenwart der Bürokratie. Solange diese dann allgegenwärtige Bürokratie sich selbst wieder durch das Volk stutzen liesse, könnte man noch von Demokratie sprechen. Die Tendenz wird freilich aller Voraussicht eine andere sein. Insofern tendiert ein solches System vermutlich auch über kurz oder lang zur Abschaffung der Demokratie, einfach weil eine über wirtschaftliches Wohl und Wehe entscheidende Bürokratie zu mächtig wird.

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    !!! | 20. May 2008 | 12:49
    Hieronymus sagt:

    Demokratie ist _prinzipiell_ an kein bestimmtes Wirtschaftssystem gebunden. In den Schriften von Marx und Engels ist beispielsweise zu finden, dass die Demokratie “temporär” ausgesetzt werden kann, bis ein Staat den Kommunismus vollständig eingeführt hat, nach Vollendung der Transformation jedoch wieder einzuführen ist. Die “Diktatur des Proletariats” stellt dabei nur den Übergang zur klassenlosen Gesellschaft dar. Die klassenlose Gesellschaft wiederum ohne “Herrscherklasse”, dadurch geht die Herrschaft vom Volke selbst aus. Soweit die Theorie. Die praktische Umsetzung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, aber das sollte eh bestens bekannt sein.

    Die Behauptung, wie man sie immer wieder hört, ohne Kapitalismus gäbe es keine Demokratie, ist dagegen so zutreffend wie die Behauptung, ohne den Kirchenglauben gäbe es keine Moral (was natürlich völliger Humbug ist; sowas hat Helmut Kohl allerdings mal auf einer Kirchensynode über Deutschland gesagt, das nur nebenbei).

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    !!! | 20. May 2008 | 12:55
    Janette sagt:

    Ich würde bitte für eine Seminararbeit, Blogger suchen die mir einen Fragebogen ausfüllen nur 3 Seiten, Sie würden mir wirklich sehr weiterhelfen. Es geht dabei um Webblogs.
    ´
    Würde allerdings eine Kontaktadresse benötigen.

    Lg Janette

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    !!! | 20. May 2008 | 14:17
    Tom Schaffer sagt:

    wie schon anderorts gesagt, die kontaktadresse steht im impressum.

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    20. May 2008 | 14:41
    Relator sagt:

    Ohne den Kapitalismus wäre der steile Aufstieg der Menschheit wohl nicht möglich gewesen. Die “Industrielle Revolution” ist für diese das augenscheinlichste historische Beispiel.

    Leider ist es nun einmal so, dass der Mensch dazu neigt, aus Gier erfolgreiches zu missbrauchen, bishin zur Perversion.

    Meines Erachtens kann der “gute” Kapitalismus nichts für den grausigen Raubtierkapitalismus. Dies sollte man nicht außer acht lassen.

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    !!! | 20. May 2008 | 16:13
    Tom Schaffer sagt:

    ganz provokant nachgefragt: ist der “gute kapitalismus”, den wir zB in mittteleuropa großteils erleben, denn ohne den “raubtierkapitalismus” möglich? würde der kapitalismus unserer sozialen marktwirtschaften so “gut” funktionieren, würden am anderen ende der welt nicht menschen verhungern oder sklavenähnlich arbeiten? und kann man den “guten kapitalismus” (zweifelsfrei ein schönes idealbild) deshalb wirklich vom “bösen” abtrennen?

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    20. May 2008 | 16:45
    maschi sagt:

    tom: yes, we can.

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    !!! | 20. May 2008 | 17:32
    Pontifex Maximus sagt:

    bezweifle ich ehrlichgesagt, darauf baut der Kapitalismus doch auf.

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    !!! | 20. May 2008 | 19:01
    Tom Schaffer sagt:

    was ich vielleicht noch in die runde werfen möchte:

    kapitalismus vs. sozialismus – gibts denn sonst nichts?
    und macht es nicht viel mehr sinn, den bereich in der mitte weder dem einen noch dem anderen zuzuschreiben, sondern neu zu benennen? :)

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    20. May 2008 | 20:49
    maschi sagt:

    der begriff kapitalismus ist im grunde ein unsäglicher kampfbegriff, der bis 1989 eigentlich nur mehr von real existierenden kommunisten gebraucht wurde. erst seitdem der kommunismus im europäischen osten weitgehend beendet ist (und die dortigen wirtschaften sich ganz ohne ausbeutung fremder länder langsam erholen) erlebt der begriff erstaunlicherweise eine wiederbelebung.

    für den angesprochenen sinnvollen bereich in der mitte, also für das, was die menschen de facto seit der steinzeit in zunehmend verfeinerter form praktizieren existiert der bekannte begriff “marktwirtschaft”, der auch den wesentlichen punkt trifft. die sache mit dem kapital ist vergleichsweise unwichtig und zielt auf eine industriell geprägte wirtschaftsperiode ab, in der die marxsche kapitalakkumulation für das erstmalige investieren in grosse anlagen besonders bedeutsam war und aus historischen gründen von einer bestimmten bevölkerungsschicht, den stadtbürgern beherrscht wurde. heute akkumulieren wir kapital ja vorzugsweise eher dadurch, dass arbeiter, angestellte und sich selbst ausbeutende kleine selbständige ihr geld aufs sparbuch legen oder auch aktienbasierte pensionsfonds kaufen etc…

    und ad “der kapitalismus basiert darauf, dass am anderen ende der welt menschen verhungern” – so ein unsäglicher schwachsinn, sorry. natürlich verhungern menschen, und natürlich werden derzeit grausame abhängigkeiten von gewissenlosen menschen auf infame weise ausgenutzt – aber vorwiegend deshalb weil derzeit die politischen strukturen versagen und es für viele weder rechtsstaat noch soziale basisabsicherung gibt. aber daraus eine ausgerechnet der marktwirtschaft systemimmanente sache zu konstruieren ist für mich einfach absurd. oder glaubt irgendjemand hier, dass die schweiz, um nur ein xbeliebiges beispiel herauszugreifen, würde sie ihre grenzen für die nächsten 100 jahre komplett dicht machen in bitterer armut versinken würde, weil sie niemanden mehr ausbeuten kann? natürlich nicht – das preisgefüge würde sich so verändern, dass eine binnenproduktion möglich wird und es würde sich vermutlich tendentiell etwas negativ auf den wohlstand auswirken, weil eben gewisse vorteile des grossräumigeren warenaustausches nicht mehr genutzt werden können, aber am eigentlichen erfolgsprinzip der marktwirtschaft würde das nichts ändern: menschen wird vom system zugetraut und zugemutet, verantwortung für sich selbst zu übernehmen. und die schweiz würde daher auch in vollkommener abgeschiedenheit weiterhin reicher werden…

    marktwirtschaft ist eigentlich kein “system”. es ist das, was menschen ganz automatisch und geradezu angeborenerweise machen, wenn man sie mit “systemen” weitestgehend in ruhe lässt. und im übrigen glaube ich, dass wir wenn wir ein “system” brauchen, dann ein allgemeines grundeinkommen, um für unsere moderne gesellschaft das zu simulieren, was dem menschen auch in der steinzeit jederzeit möglich war: sich damit zu begnügen, die beeren von den sträuchern zu pflücken, die ihm eben so über den weg laufen. diese natürliche basisabsicherung ist im heutigen zivilisationdschungel absurderweise fast schwieriger geworden als sie jemals war… ende der durchsage für länger, sorry dass es für einen comment zu lang geworden ist…

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    !!! | 20. May 2008 | 21:42
    Tom Schaffer sagt:

    “die sache mit dem kapital ist vergleichsweise unwichtig und zielt auf eine industriell geprägte wirtschaftsperiode ab, in der die marxsche kapitalakkumulation für das erstmalige investieren in grosse anlagen besonders bedeutsam war”

    ähm, kapitalwirtschaft mach afaik rund 99% des welthandels aus? (georg, du hast da zahlen?) früher konnte man mit kapital gegenwert erstehen, heute basiert das meiste auf spekulation. der begriff kapitalismus is dementsprechend imo angebrachter denn je.

    und ja: würde die schweiz die grenzen heute total dicht machen, würde sie vermutlich innerhalb einer woche die revolution auf der straße erleben. kein laptop aus china mehr, kein auto aus mexiko, kein kapital aus den USA, keine spielkonsole aus japan, kein viehfutter aus brasilien, kein öl aus dem mittleren osten oder aus russland, kein knoblauch aus israel, keine tomaten aus südspanien. etc. etc. muss man jetzt nicht auf die kleine schweiz beschränken, dasselbe würde in Deutschland, der gesamten EU oder den USA passieren.

    von “etwas den wohlstand beeinträchtigen” zu sprechen, halte ich da doch schon für eher sehr harmlos ausgedrückt … jeglicher luxus den wir kennen wäre in isolation nicht einmal ansatzweise aufrecht zu erhalten. reicher werden schon gar nicht möglich.

    fakt ist: wir leben in einer großen globalen abhängigkeit und westliche gesellschaften profitieren SEHR davon, dass in anderen ländern leute hungern, krepieren oder sklavenartig arbeiten. eine globalisierung unseres lebensstils ist auf absehbare zeit nicht möglich. in den armen ländern gibt es zwar lokale verfehlungen, aber darauf allein lässt sich das nicht reduzieren.

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    20. May 2008 | 22:04
    Georg sagt:

    1. Anteil Devisenhandel (Handel, in dem im Grunde nur aus Geld Geld gemacht wird, ohne dass eine reale Gegenleistung dafürsteht) am Welthandel war 191 10% (der Rest war “realer Warenhandel”). 1995 machte er 95% aus, 2007 beinahe 99%. 2004-2007 steigerte sich der Devisenhandel von 1.9 auf 3.2 Billionen $ – täglich.

    2. 1960 wuren 10% der Wirtschaftsleistung vom Kapitalertrag beansprucht. Bis Anfang der 80er wuchs dieser Anteil nicht, er stieg zwar im Wert, aber nur linear, wie das BSP. Es ist aber nur der “Anfang der Kurve”, da das Wachstum durch den Zinseszinseffekt exponential steigen musste, bloß wirkte sich das bis dahin noch nicht so stark aus. Die Kurve verläuft aber so, dass mittlerweile der Kapitalertrag fast die komplette Wirtschaftsleistung beansprucht, und wenn die Daten in Tobias Plettenbachers “Neues Geld, Neue Welt”-Buch stimmen, dann schneidet die Wachstumskurve des Kapitalertrags jene der Wirtschaftsleistung (gemessen eben am BSP) irgendwann in den 2010er Jahren. Das dürfte zu einem Systemkollaps führen, wie es ihn (“Schwarzer Freitag”) im Schnitt etwa alle 60 Jahre gibt.

    Kapitalismus bedingt stetiges Wachstum, der Leitzins muss auch über ~3% gehalten werden, sonst geht die Wirtschaft hops (Liquiditätsfalle, bei weniger als 3% verleiht kaum noch jemand). Dieses sich immer beschleunigende Wachstum (was eigentlich keine natürliche Entwicklung darstellen kann) zeigt sich auch darin, dass das, was heute 1% Wirtschaftswachstum ist, im Jahre 1959 12% Wachstum gewesen wären.

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    !!! | 20. May 2008 | 22:28
    maschi sagt:

    also ok, einer geht noch.

    finanzwirtschaft meinst du, tom. hier gibts auch aus meiner sicht grobe probleme mit der abkopplung von der realwirtschaft, da rennst du offene türen ein, also besser rechtzeitig bremsen :) . das ist im grunde eine art spielcasino für superreiche – und wiederum: auch pensionsfonds.

    nun bin ich nicht unbedingt dafür, spielcasinos zu verbieten, aber wir sollten jedenfalls mal darauf achten, dass die nicht spielsüchtigen nicht geschädigt werden. das ist heute wohl nicht ausreichend gesichert.

    und die schweiz macht bekanntlich nichts, was die bürger nicht selbst wollen. schon deshalb würde der von mir antizipierte fall nicht in der revolution enden können… aber mir gehts ja um was anderes: marktwirtschaft ist bittschön eben kein nullsummenspiel. es wird NICHT automatisch einer ärmer, weil ein anderer reicher wird. sondern wir werden insgesamt reicher, weil wir schritt für schritt unsere verborgenen fähigkeiten entfalten.

    das heisst nicht, dass ad infinitum immer mehr produziert wird – das ist ein trugbild des begriffs “wirtschaftswachstum” – vielmehr besteht das in reichen gesellschaften noch stattfindende wachstum einerseits darin, dass mehr oder neue rein geistige leistungen erbracht werden und dass die notwendige güterproduktion mit immer weniger arbeitsaufwand stattfindet.

    die verteilungsfrage wird sich dann komplett neu stellen, weil wir heute die früchte immer noch ausschliesslich anhand des arbeitsbeitrags verteilen – wobei aber dumerweise arbeit für güterproduktion langfristig nahezu obsolet werden wird – siehe oben meine anmerkung zum allgemeinen grundeinkommen. auch das stellt aber nicht die “marktwirtschaft” als solche in frage. wir müssen eben “nur” unsere politischen und gesellschaftlichen instrumentarien anpassen.

    und ja: wir profitieren derzeit davon, dass in anderen ländern leute sklavenartig arbeiten. aber wir dürfen ob unseres (richtigen und wichtigen) entsetzens nicht den intellektuellen fehler machen, daraus zu schliessen, dass es ohne diesen menschenunwürdigen profit nicht ebenfalls aufwärts ginge. global gesehen würde es mit anständigeren arbeitsverhältnissen dann vermutlich sogar noch schneller aufwärts gehen, denn es würden mehr menschen umso schneller auf eigenen beinen stehen und eigene entscheidungen treffen können. und diese würden dann nicht nur besser wirtschaften können, sondern ua. auch den pool jener vergrössern, die durch herausragende leistungen unsere gesellschaften uu auch um lichtjahre voranbringen können…

    hätten wir sechs milliarden hochgebildete und selbständig agierende menschen, dann würden wir – plakativ ausgedrückt – alle fünf jahre einen einstein erleben und nicht bestenfalls alle 100. es ist ein grober fehler, den menschen als ein objekt zu sehen, das von irgendjemand “erhalten” werden muss. ebenso wie es ein grober fehler ist, heute exponentiell wachsende kurven ad infinitum weiterzuziehen und zu sagen: das geht sich nicht aus. jo, richtig, und daher wird eben sicher anders kommen. so, wie wir es uns heut noch nicht vorstellen können. menschen tendieren dazu, sich ganz von selbst zu erhalten, sobald man sie lässt…

    und wenn dir die schweiz zu klein ist, dann mach halt europa gedanklich zu. die die langfristig den grössten schaden davontragen würden, wären unter garantie nicht in europa. sondern es sind jene 90% der weltbevölkerung denen die uno prognostiziert bis zum ende des 21. jahrhunderts noch wohlhabender zu sein als alle europäer heute.

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    !!! | 20. May 2008 | 22:47
    Tom Schaffer sagt:

    versteh mich nicht falsch, ich bin nicht gegen die (soziale) marktwirtschaft, aber du siehst hier einen verdammt optimistischen automatismus hin zu einer besseren welt. ich denke, dass die aktuellen ziemlich unregulierten auswüchse der globalen marktwirtschaft beeindruckend zeigen, dass der markt allein das eben nicht alles regelt.

    @schweiz und EU – das hatte ich bereits beantwortet ;)
    und welche weltbevölkerung soll das sein?

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    21. May 2008 | 02:31
    maschi sagt:

    ich denke nicht, dass ich dich falsch verstehe… ad “unregulierte auswüchse”: der markt allein kann diese nicht verhindern, insbesondere nicht in einer phase extremen übergangs und extremer verwerfungen, wie wir sie derzeit erleben. vollkommen richtig. wenn du meine comments liest, ich vertrete keinen market-only standpunkt. aber ich verwerfe den markt auch nicht als konzept – und ich wehre mich ein wenig gegen das intellektuell schick gewordene schlechtreden. das ist 1. topfen und 2. auch gefährlich. wir kennen nichts, das bessere ergebnisse hervorgebracht hätte als rechtsstaatliche, demokratische marktwirtschaften mit ordentlichem sozialem netz. das interessante ist ja, dass diese aussage von der market-bashing fraktion gar nicht bestritten wird, wenn man ordentlich nachhakt. wir kennen nämlich alle nichts besseres. und dann frage ich mich nur immer: warum machen sie den “kapitalismus” verantwortlich – und begnügen sich nicht damit, die fehlenden rahmenbedingungen einzufordern. die antwort ist wohl, dass da viele darunter sind, die es aufgrund ihrer persönlichen biographie nicht verwinden können einen satz zu sagen wie “Demokratie, Rechtsstaat, Marktwirtschaft und Soziales Netz gehören untrennbar zusammen und sind eine einzige atemberaubende Erfolgsstory.” Da sagt man lieber: “Kapitalismus ist der letzte Scheiss” – in der hoffnung, dass man am Ende doch noch recht behält. Dabei ist es sowas von obvious, dass 1. von oben geplante Wirtschaften Leute arm machen und 2. in den heutigen “Turbokapitalismus”-Zonen sich einfach die Geschichte wiederholt, die wir bei uns aus dem 19. Jh kennen. Hält es irgendjemand für wahrscheinlich, dass das anders laufen wird als bei uns? Natürlich werden auch dort über kurz oder lang soziale Bewegungen entstehen und stärker werden…

    Ach ja, an dieser Stelle kommt dann das grüne Argument: aber das geht sich bitteschön auf einem Planeten nicht aus. Tja, dann werden wir in manchen Bereichen den Gürtel etwas enger schnallen müssen. Wer wird das regeln? In erster Linie der Markt, indem er die Preise genau so setzt, dass es sich gerade eben ausgeht. In zweiter Linie brauchen wir eine Basisabsicherung für alle, damit es kein existenzbedrohendes Problem ist, sondern eine meisterbare Herausforderung, sich dem Markt auch auszusetzen. Ich fürchte, 1. wird stattfinden und 2. wieder nicht. Wir haben keine Marktkrise, wir haben eine Politikkrise. Der Markt tut einfach das, was er immer tat und voraussichtlich immer tun wird.

    Ich sehe aktuell eine gefahr, dass eine neue emotionalisierte antikapitalismus bewegung entsteht, die das kind mit dem bade ausschüttet. und optimistisch bin ich also nur, wenn ich in diesem punkt falsch liegen sollte…

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    !!! | 21. May 2008 | 08:22
    Georg sagt:

    “wir kennen nichts, das bessere ergebnisse hervorgebracht hätte als rechtsstaatliche, demokratische marktwirtschaften mit ordentlichem sozialem netz.”

    agree. vorweg: Ich habe sehr viel auszusetzen am derzeitigen Wirtschaftssystem und den Folgen (!), sehe aber insgesamt die Nötigkeit es zu modifizieren, nicht es von Grund auf zu ersetzen – schon gar nicht mit Planwirtschaft oder dergleichem.

    Es wird allerdings wichtig, dass der Staat in manchen Dingen wieder mehr mitsprechen kann. So wie es jetzt aussieht, und das nicht nur in den Billiglohnländern dieser Welt, unterwandert die globale Konzernwirtschaft die sozialen Netze teilweise massiv. Den allgemeinen Frust, der steigende Anzahl von working poor, Scheinselbständigkeit, zunehmend prekäre Beschäftigungsverhäötnisse etc. hierzulande gäbe es sonst nicht, oder in diesem Ausmaß. Ganz zu schweigen davon, dass Unternehmen mal eben tausende Arbeitsplätze (an die das Schicksal ganzer Regionen gekoppelt ist) verschieben, weil an dem Standort zwar Gewinn gemacht wird, bloß nicht genug (BMW, Nokia). Die Wirtschaft derzeit ist sich ihrer sozialen Verantwortung kaum mehr bewusst, und die Gesetze erlauben es auch noch, unverantwortlich vorzugehen.

    Und ja, in diesem Sinne gibt es die Politikkrise als auch die MarktkriseAm Markt wie er derzeit funktioniert muss irgendwas fehlerhaft sein, denn sonst könnte es nicht sein, dass er sich alle 60-80 Jahre heissläuft, in einer Mordskrise abkühlt um dann wieder von vorne heisslaufen zu können.

    Du nimmst ihn meiner Ansicht nach zu sehr aus der Verantwortung, wenn du sagst “er tut eh nur das was er immer tut, und er wird schon die Preise genau richtig setzen, nein es gibt keine Krise und den Rest machen die sozialen Bewegungen”. Ich glaube zum einen nicht, dass die Angebot-und-Nachfrage Preisregulierung sich automatisch am Wohl des Planeten ausrichten wird, weil es genausowenig die Einführung neuer Produkte tut. Würden nicht knallharte Wirtschaftsinteressen davorstehen, hätten wir vermutlich schon heute mehrheitlich Hybridwägen auf der Strasse, statt das nur ein paar LOHAS damit rumfahren. Zum zweiten finde ich es falsch, dass jede nicht vorhandene oder schlecht gesetzte Rahmenbedingung von Seiten “des Marktes” (nicht von allen Teilnehmern, oft aber von den großen) sofort in dem Sinne zur Kostensenkung genutzt wird, der zu Lasten der Mitarbeiter geht (Vollzeit > Teilzeit, Scheinselbständigkeit, etc.). Das soll dann gehen bis die Leute auf die Straße gehen und der Staat die Zügel anzieht?

    Klar sollten Regeln in dieser Hinsicht effizienter sein, mir will aber nicht in den Kopf, warum Leute von der Wirtschaft zunehmend als Ressource behandelt werden, die man möglichst effizient ausquetschen will oder warum nicht gerade schlecht verdienede Manager bei Sparmaßnamen oft genug als erste Maßnahme Mitarbeiter feuern lassen (bzw. feuern und zu schlechteren Bedingungen wieder einstellen), weil eine Reform an anderer Stelle zu hürdenvoll erscheint.

    Ich könnte das noch ewig fortsetzen. Sicher brocken uns jene Politiker einiges ein, die dauernd mehr Wirtschaft und weniger Staat fordern (und in dem Sinne Tafelsilber für einmalig schönere Zahlen verhökern), ich sehe aber nicht ein, warum die Wirtschaft sowas immer bis an die Limits ausnutzen muss, bis sie – wiederum vom Staat – neue Grenzen gesteckt bekommt. Da erinnert mich deine Argumentation ein wenig an David Dadge, der es im Bereich der Medien ähnlich hält. Er will eine vom Staat unabhängige Berichterstattung, die soweit gehen darf wie sie will, und wenns kracht soll die jeweilige Regierung aber für sie die Grenze zwischen Kritik und Beleidigung setzen. Die Sache mit der Verantwortung lässt sich hier leichter klären und umsetzen, aber nur weil der Markt insgesamt komplexer ist, darf das mMn nicht heissen, dass er deswegen von jeder Verantwortung – auch bei mangelhaften Gesetzen – entbunden wird, sonst hat das mit “sozialer Marktwirtschaft” nichts mehr am Hut.

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    !!! | 21. May 2008 | 11:04
    maschi sagt:

    Georg, nur ein paar Sätze, leider nicht mehr Zeit im Moment: das Problem mit den sozialen Netzen hängt damit zusammen, wie diese genau geknüpft sind. Momentan sind sie vielfach so geknüpft, dass sie der Abschaffung sinnentleerter Arbeit, einem eigentlich positiven und im 21. Jh vor der Haustüre der entwickelten Staaten stehenden Ziel, massiv im Wege stehen. Manche drücken das auch so krass aus, dass sie sagen “Hohe Arbeitslosigkeit kann ein Zeichen der Stärke und Fortschrittlichkeit einer Volkswirtschaft sein.”. Diese auf den ersten Blick zynische Aussage ist ganz und gar nicht zynisch gemeint – aber sie steht eben im Widerspruch zur herrschenden Lehre, die davon ausgeht, dass eine starke Wirtschaft Vollbeschäftigung erzielen sollte.

    Es kann aber eben im Grunde – wenn man den diesbezüglichen Knopf im Hirn mal loswird – kein sinnvolles Ziel sein, soviel wie möglich zu arbeiten und ständig nach neuen Betätigungsfeldern zu suchen. Dieses “Problem” ist aber kein Problem der Marktwirtschaft oder des Kapitalismus, denn diese reduzieren Arbeit ja eben beständig wo immer es effizientere Alternativen gibt. Und der Witz ist: das ist ja bei genauerer Betrachtung auch wirklich gut so, der Markt tut das einzige, was er kann und tun soll, nämlich Produkte mit immer kleiner werdendem Ressourcenaufwand (und dazu gehört eben auch Arbeit!) zur Verfügung zu stellen.

    Tja, würde nicht im Spezialfall des Arbeitsmarkts eine Besonderheit bestehen: hier wird nicht irgendeine Ressource eingespart, sondern genau jene “Ressource”, an die wir auch die Aufteilung der “Bezugsberechtigung” für die so kosteneffizient hergestellten Produkte knüpfen… dumme Sache. Und genau hier beisst sich die Katze in den Schwanz: da wir immer effizienter werden, aber gleichzeitig ein Verteilungsproblem bekommen, wenn zuviele Menschen weniger arbeiten, müssen wir uns immer neue Betätigungsfelder suchen, und zwar auch dann, wenn diese uns – wären wir nicht dem systembedingten Zwang ausgesetzt – relativ sinnentleert erscheinen würden.

    Der Schlüssel liegt in der Beschäftigung mit der Frage, wie in Zukunft der durch den blossen Kapitaleinsatz erwirtschaftete Erfolg der Gesellschaft verteilt werden kann. In der vollbeschäftigten Vergangenheit war es ausreichend zu sagen, wir sorgen dafür, dass die “arbeitenden Menschen” der Produktivitätssteigerung entsprechende Lohnerhöhungen bekommen. Heute stossen wir hier an die Grenzen. Denn es ist langsam aber sicher an der Zeit über das Ende des Zwangs zur Arbeit und seine Konsequenzen nachzudenken. Eine im Grunde positive Sache, aber auch eine schrecklich schwierige Herausforderung. Sie rüttelt an den seit Jahrtausenden bestehenden Grundfesten unseres Zusammenlebens…

    Das Problem liegt jedenfalls viel mehr im Kopf als im “Markt” oder sonstwo.

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    !!! | 21. May 2008 | 13:32
    Tom Schaffer sagt:

    wo aber kann eine markbasierende antwort auf diese frage gegeben werden? der markt basiert ja genau auf dem prinzip, dass leistug entlohnt wird (egal ob die leistung nun arbeit oder ein produkt ist). wenn nun keine leistung erbracht wird (weil sie nicht notwendig ist), bleibt dann nicht schlussendlich nur die staatliche umverteilung?

    und viel interessanter: wer entscheidet, wer arbeiten muss, und wer nicht?

    imo ist es deutlich interessanter, die arbeit auf mehr menschen zu verteilen und gleichzeitig besser zu entlohnen – zumindest da wo es möglich ist. jetzt ist aber gerade von verfechtern des marktes die regulierung von arbeitszeiten und löhnen als das ultimative böse der wirtschaftspolitik gebrandmarkt worden. und ohne den staatlichen eingriff sehen wir aber das genaue gegenteil passieren: mehr arbeitslosigkeit, längere arbeitszeiten und reallohnverluste.

    hier versagt der markt an sich so wie es für mich aussieht völlig.

    und worauf ich mit der ausgangsfrage ging: die antworten auf diese art von fragen sind auffallend selten aus der kapitalismustheorie zu ziehen (die antworten auf andere fragen hingegen sehr wohl). das ist angesichts der gängigen annahme, der kapitalismus sei das einzige erfolgsrezept der menschheit, durchaus bemerkenswert. ich halte das für einen gewissen ideologischen bias. denn auch wenn der realsozialismus nie das war, was seine anhänger gerne darin gesehen hätten, so hat unser teil der welt wahrscheinlich kaum weniger von sozialisitschen ideen profitiert, als von kapitalistischen.

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    21. May 2008 | 13:53
    maschi sagt:

    habe ich suggeriert, dass die antwort auf diese frage der markt geben wird? nein, wird er nicht. ich plädiere nur dafür, endlich vom markt-bashing abzurücken und ihn ständig dafür zu prügeln, dass er “seine sache” (effizienz und effektivität zu sichern und zu steigern) zwar ganz gut kann, aber eben nicht mehr. diese prügelei wird uns nicht weiterbringen, aber allenfalls den geprügelten irgendwann so grün und blau geschlagen haben, dass er auch das was er als gesunder mal konnte, dann nicht mehr zu leisten imstande sein wird…

    wer entscheidet, wer arbeiten muss und wer nicht? der einzelne mensch. in meiner idealwelt arbeitet nur, wer arbeiten möchte und auch nur das, was er möchte. wir sind aber noch nicht ganz dort. vorher müssen wir so gut werden, dass arbeit für die sicherung des blossen, bescheidenen lebens de facto obsolet geworden ist.

    wenn die westliche welt das verstanden haben wird – und vom zwang zur arbeit abzurücken beginnen wird, wird es übrigens eine zeitlang noch stärker danach aussehen, dass wir hier uns nur auf kosten der weniger entwickelten gesellschaften einen lenz machen… tja, man wird nicht alles gleichzeitig haben können…

    und ad deinem letzten absatz: gefällt mir. ich denke schon lange, kapitalismus und kommunismus werden eines gar nicht allzufernen tages eine art hochzeit feiern, wenn man so will. wesentlich erscheint mir aber, dass wir “einfach so” umverteilen und nicht mit arbeit verknüpfen. denn sonst drücken wir der wirtschaft wieder unnötige ressourcen aufs aug und wundern uns dann, wenn die preise für diese ins bodenlose fallen… geben wir den leuten aber einfach so eine basissicherung, dann werden die preise für die unangenehmsten arbeiten ganz von selbst steigen…

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    !!! | 21. May 2008 | 14:15
    Georg sagt:

    Die Sache mit “der Markt versucht beständig die Effizienz zu erhöhen” mag grundsätzlich stimmen. Aber eben nicht immer, und heute teilweise weniger denn je. Dieselbe Arbeitsleistung die einst einen Vollzeitjob brauchte wird heute – weil es möglich und billiger ist – zB. über Teilzeit erledigt. Oder de Grenzen des Zumutbaren werden für den Einzelnen einfach soweit gedehnt wie möglich (siehe Wallraff im Callcenter und in der Brötchenfabrik) wie möglich. Ich will gar nicht wissen, bei wievielen Discounter-Zulieferern das ähnlich aussieht. Das ist meiner Ansicht nach eine sehr unfaire Methode, die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken, blöd nur, dass sowas heute immer öfter gemacht wird. Klar, der MKonkurrenz- und Gewinndruck ist da, aber statt das der Markt hier Verantwortung übernimmt und sagt “hier ist die Grenze, hier fängt die Ausbeutung an” spielt er das Spielchen mit, bis der Staat einschreitet. Im Zeitalter neoliberaler Politik, die beständig weniger Staat und mehr Privat will, halte ich dieses Wegweisen der eigenen Verantwortung (wo doch “Eigenverantwortung” eines der Lieblingswörter dieser Strömung ist) für heuchlerisch.

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    !!! | 21. May 2008 | 15:00

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