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Das populäre Gusenbauer-Bashing

Er wird nicht als der populäre “Volkskanzler” in die Geschichte eingehen, der er hätte sein können. Soviel kann man über Alfred Gusenbauer sagen. Zu seinem Koalitions-Verhandlungsergebnis wurde hier eh auch schon alles gesagt. Das war alles andere als optimal, auch wenn man die Schwierigkeiten einer Großen Koalition mit einem nur wenig kleineren Partner nicht ganz außer acht lassen darf. Was ich aber noch nicht behandelt habe ist, dass mir das ständige Gusenbauer-Bashing ordentlich auf den Sack geht.
PR-Gag aus allen Rohren
Sein Umfaller-Image ist mittlerweile mehr PR-Gag als Wirklichkeit. Eigentlich ist er schon länger nicht mehr umgefallen. Die Inflationsentlastung für Kleinverdiener und Pensionisten (leider nicht für Studenten und zahlreiche andere) hat er etwa gegen massive “Wir sprengen die Koalition”-Trotzreaktionen der ÖVP durchgesetzt. Auch dass eine Mindestsicherung ohne rote (oder grüne) Regierungsbeteiligung nicht denkbar gewesen wäre, sollte unumstritten sein. Für alle anderen Fehler die eine Große Koalition so mit sich bringt (keine großen Würfe), kann man Gusenbauer einfach nicht persönlich verantwortlich machen.
Trotzdem wird permanent die Mär vom Umfaller, das Lustigmachen über den Sandkastentraum durch alle Reihen (von BZÖ/FPÖ über ÖVP bis Grün) der Politik hindurch wiederholt. Das geschieht, um den anfänglichen Schwächeanfall der SPÖ bis zu den nächsten Wahlen auch nur ja nicht vergessen zu lassen. Und die nächsten Wahlen finden durchaus nicht erst zum Nationalrat 2010 statt. Wir haben vorher, sofern nichts passiert, noch Urnengänge zum EU-Parlament und in zahlreichen Ländern.
Immer nur dann, wenns schlecht ist
Wenn die ÖVP dort gewinnt, wird Gusenbauer die Schuld gegeben. Die ÖVP versuchte etwa Niederösterreich zur bundespolitischen Gnackwatschn zu verdrehen, obwohl sie selbst nicht angetreten ist. Und auch die roten Landesgranden machen sich eine Freude daraus, jede Verantwortung ihrer Fehler auf die Bundespolitik zu schieben. Ist ja doch irgendwie bequemer.
Wenn hingegn die Wien-Wahl von der SPÖ gewonnen wird, wird Gusenbauer dafür bestimmt keine Credits bekommen. Da wird den Wählern dann plötzlich wieder die Fähigkeit zu trennen attestiert werden.
Noch schrecklicher als das Spin-Drehen nach Wahlen, finde ich allerdings die Profilierungs-Strategien im Vorfeld. Da sagt sich etwa die in der SPÖ nicht gerade einflusslose Gabi Burgstaller zeitgerecht vom unpopulären Kanzler los. Wahlen 2009 machen sich nicht gut mit einem Vize-Chefposten in der Bundes-SPÖ. Den Mut selbst nach vorne zu treten hat sie aber nach wie vor nicht. Obwohl neben ihr weit und breit niemand zu sehen ist, den man als Gusenbauer-Ersatz losschicken könnte (Faymann? Fad! Buchinger? Hat gefühlsmäßig zu wenig Lobby). Kritik ist eben einfacher.
Aber auch Franz Voves, selbstverschuldeter Großkoalitionär in der Steiermark, ist auch immer für einen bösen Spruch zu haben. Der in wenigen Tagen wählende Tiroler Hannes Gschwendtner wollte schon vor Monaten klar machen: Tirol ist nicht der Bund ist nicht Gusenbauer. Die Kärntner SPÖ, so sie überhaupt neben ihren inneren Problemem sichtbar ist, zeigt sich nicht anders.
Schnauze halten
Einem populären Kanzler wäre für seinen Schmäh bezüglich der wenig arbeitetenden, österreichischen Parlamentarier auf die Schulter geklopft worden (weils ja eh jeder denkt und sagt und derartigen Schmäh führt – auch wenns natürlich nicht stimmt). Gusenbauer wird hingegen in die Magengrube geklopft.
Er darf eigentlich überhaupt nichts mehr sagen. Scherze sind tabu. Sich repräsentativ zu geben wird als PR-trächtige Arbeitsverweigerung dargstellt und außerdem werden bei jeder Veranstaltung ein paar Fotos gemacht, bei denen er ein bisserl blöd dreinschaut. Und stellt er sich dann einmal konsequent auf einen inhaltlichen Standpunkt, dann wird er von Kommentatoren dafür verhöhnt, weil er sich nicht durchsetzen kann – obwohl da viel eher ein sturer Koalitionspartner und ein rechtlich schwacher Kanzlerposten schuld ist.
Logisches Stolpern
Selbst wenn Gusenbauer sich einmal durchsetzt, wird schnell zur Tagesordnung übergegangen und das nächste Umfall-Thema gesucht (oder wieder die unrote Koalitionsvereinbahrung hervorgekramt, nur damit wir das nicht vergessen). Also vermeidet Gusenbauer es, drastisch auf Konfrontation zu gehen um nicht schlussendlich wieder als Umfaller bezeichnet zu werden.
Natürlich ist er an dieser Situation nicht ganz schuldlos. Es erscheint mir aber logisch, dass Gusenbauer sich gegen so viele Widerstände und zuweilen fast schon bösartige Attacken manchmal ordentlich patschert verhält.
Lasst den Mann aufstehen.
Fotocredits: bauernebel
Tom Schaffer | 6. June 2008
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4 Reaktionen bisher
ich frag mich, ob früher auch so oberflächlich nur mehr auf Sprüche aufgebaut wurde wie heute in Zeiten von Fellners “Österreich”
und ehrlich, Gusenbauer hat zwar hervorragende Sprachkenntnisse, aber keine wie man gute Kommunikation führt. das zeigt, seine patscherten Aussprüche. Dadurch werden seine Erfolge durch die “Sager-geile” Medien totgeschwiegen. Ist doch leichter über einen Lapsus zu berichten, als hintergründig über eine weiterbringende Arbeit des Kanzlers.
!!! | 6. June 2008 | 21:25
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