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Unser Kanzler Dichand

“Die Monarchie ist zwar längst Geschichte, gegen die Krone kann man in Österreich aber immer noch nicht regieren“, habe ich im Winter 2006/07 in einem kleinen Essay geschrieben und begründet (und ein andermal als Gastautor hier gestreift). Der Satz gilt immer noch. Die SPÖ hat ihn nun zum obersten Prinzip ihrer Politik erklärt. In zwei beispiellosen Aktionen hat man sich dem Dichand-Clan zu Füßen geworfen.
Verzweifelt
Zuerst hat man den eigenen Bundeskanzler systematisch abzubauen begonnen, indem man ihn den aalglatten, faden Krone-Liebling Werner Faymann zur Seite stellte. Das war angesichts der eigenen Krise schon eine eher hilflos wirkende Verzweiflungstat, aber man konnte sie als interessierter politischer Beobachter noch verstehen, nachvollziehen, sachlich verkraften.
Jetzt aber geht die Partei für mein Verständnis zu weit. Es ist nicht nur, dass man sich in der Linie zu EU-Sachfragen gefährlich nah an die Rechtspopulisten Haider-Strache-Westenthaler annähert, indem man nur für gesamteuropäische Entscheidungen (neue Verträge, neue Mitgliedsaufnahmen) eine nationale Volksabstimmung unterstützen würde (und sich damit realpolitisch eh in eine unerfüllbare, ziemlich unangenehme Scheisse reinreitet).
Verwerflich
Es geht auch darum, wie der Krone-Kanzler und sein Krone-Parteichef das gemacht haben, was quasi der Start eines Herbst-Wahlkampfes sein dürfte. Sie sind nicht etwa vor das Parlament getreten oder haben eine allgemeine Pressekonferenz einberufen. Sie haben es (zuerst) nicht auf ihrer Homepage bekannt gegeben oder in einer Pressemeldung versandt. Nein, in einem Brief an den “sehr geehrten Herausgeber” der Krone wurde der politische Schwenk bekannt gegeben.
Das neue Faymann-Gusenbauer-Bures-Trio hat sich für den Boulevard erniedrigt, wie man es in entwickelten Demokratien eigentlich für undenkbar halten sollte. Mit heruntergelassenen Hosen bettelt man um die Liebe eines alten Mannes, der – so könnte man sarkastisch meinen- sein publizistisches Lebenswerk der Bekämpfung alles Bösen gewidmet hat (das sind anscheinend Ausländer, Studenten, “Multikultis”, die EU und die Restintelligenz großer Teile der österreichischen Bevölkerung).
Vertan
“Im Endeffekt wäre eine rot geführte Regierung mit Sicherheit gut für das Land“, habe ich in meiner schwarz-blau-orangen Verzweiflung im September 2006 prognostiziert. Das kann man in dieser Pauschalität mittlerweile anscheinend getrost vergessen.
Mit der Einsetzung von Faymann hat für den unglücklichen Gusenbauer der Abstieg als Kanzler begonnen. Der Anfang vom Ende einer Regierungsführung, die so viel sein hätte können, und so wenig wurde. Aber nicht für einen Parteigenossen oder eine -genossin macht der eigentlich kluge Alfred Platz, sondern für Hans Dichand. Dass dessen Krone das Land mitregiert, das haben wir schon immer gewusst (hier brennt sie übrigens). In dieser Deutlichkeit klargemacht wurde es uns Zeit meines Lebens allerdings noch nie.
Die SPÖ ist für mich auf lange Sicht unwählbar geworden. Dass man in der Sache unrecht hat, ist dafür nur ein kleiner Grund.
PS: Eine unfreiwillig satirische Glanz-Darbietung auf die Realität der österreichischen veröffentlichten Meinung, bringt Hans Dichand selbst in seinem Blog zu einem anderen Thema.
“Inzwischen hat sich ein Mann [...] zu dieser Problematik zu Wort gemeldet. Im Nachrichtenmagazin „profil“ habe ich über seine Gedanken gelesen. Was er sagte, halte ich für so wichtig und so richtig, dass ich es hier an die Öffentlichkeit weitergeben will.”
Dichand sagt damit quasi: Schaut her, da steht etwas in Österreichs bestem Nachrichtenmagazin, ich schreib es in mein Blog, damit es Österreich auch mitbekommt. So schmerzhaft und so wahr zugleich.
Tom Schaffer | 27. June 2008
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2 Reaktionen bisher
faymann und dichand – beziehungspflege in reinkultur…
!!! | 27. June 2008 | 11:58
hm, ich habe mir nicht gedacht, dass es so offensichtlich machen, dass sie dem Alten von der Muthgasse in den Allerwertesten kriechen. dass Faymann der Schlüssel für die Versöhnung zwischen SPÖ und Krone ist war offensichtlich. Staatstragend kann man diese Partei nicht sehen.
!!! | 27. June 2008 | 14:36
Jetzt sag doch was!