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Über die Wirkung politischer PR – Oder: Die Objektivität anderer Kleinformate

Ich bin wieder in der Steiermark. Hier in der Nähe von Kapfenberg bekomme ich meine sonst bevorzugten Zeitungen nicht so einfach, dafür die Kleine Zeitung jeden Tag ins Elternhaus geliefert. Wer es nicht weiß: Die Kleine Zeitung stammt aus demselben Verlag wie Die Presse (Styria) hat die zweitgrößte Auflage österreichischer Kaufzeitungen und ist in der Steiermark und Kärnten sogar deutlich einflussreicher als die Krone. Zwar lese ich die Zeitung schon lieber als das Dichand’sche Kanzlerblatt, gern greif ich sie aber nicht an.
Michael Jungwirth hat in der heutigen Ausgabe folgendes geschrieben: “Wie lange spielt die ÖVP da noch mit? Wann reißt der Volkspartei als Europapartei die Geduld?” (“Wann verliert die ÖVP die Geduld?”, S. 6)
Das steht wohlgemerkt nicht in seinem Leitartikel auf Seite 8, sondern in einem Bericht zwei Seiten davor. Und genau da beutelt es mich. So etwas ist der Grund, weshalb ich mit der Kleinen nichts anfangen kann. Dieser Zusatz “der Volkspartei als Europapartei” (ganz abgesehen von der unterschwelligen, einseitigen Schuldzuweisung an die SPÖ wegen dem Regierungsdilemma, die natürlich auch nicht richtig ist).
[ad#ad-1]Ich habe vor einigen Wochen einmal dargelegt, dass sich die ÖVP tatsächlich seit geraumer Zeit auf Europa draufsetzt, es thematisch für sich vereinnahmt. Soweit könnte man diesen Zusatz also sogar gelten lassen – als Produkt politischer PR.
Aber so anscheinend unhinterfragt als Fakt dargelegt sollte das in einem seriösen Medium einfach nicht zu finden sein. Denn was macht in der Wirklichkeit die ÖVP (die – aus für mich nicht sauber argumentierbaren Gründen – schon seit langem für eine Volksabstimmung zum möglichen Türkeibeitritt steht, dann aber gegen eine Volksabstimmung bei großen, neuen Verträgen ist) zur “Europapartei”, was etwa die Grünen nicht dazu machen würde?
Es war zum Beispiel genau in jener Kleinen Zeitung, wo ich vor der Nationalratswahl 2006 kopfschüttelnd ein Interview mit dem damaligen ÖVP-Chef und ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gelesen habe. Dort meinte der nunmehrige Klubchef der ÖVP und Schatten-Fädenzieher der ÖVP (also ein Mann der in der jüngsten Vergangenheit und nahen Zukunft mit der ÖVP gleichzusetzen ist) sinngemäß (leider war es mir nicht möglich das Interview für ein genaues Zitat irgendwo zu finden), dass “die da oben in Brüssel” den kleinen Mann hier in Österreich nicht verstehen würden. Das war dann also wunderschönstes EU-Bashing direkt aus der Europapartei? Im Interview, sofern ich mich recht erinnere, wurde dieser Standpunkt übrigens nicht hinterfragt.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie man diesen Passus in der heutigen Kleinen Zeitung deuten kann, und beide sind nicht schön.
Entweder hat die politische PR Herrn Jungwirth am falschen Fuß erwischt, sodass er die Formulierung in einem unachtsamen Moment nicht genug hinterfragt hat. Das kann sein, aber für einen solchen Zufall ist mir die Linie der Kleinen Zeitung eigentlich prinzipiell zu Volkspartei-freundlich. Und ich halte die führenden Journalisten der Kleinen auch für zu intelligent und erfahren, um einen so offensichtlichen PR-Slogan nicht als solchen zu erkennen.
Blöd nur, dass daraus folgernd die zweite Möglichkeit nicht tröstlich ist: Nämlich dass die ÖVP-Affinität der zweitgrößten heimischen Zeitung sie zu einer freiwilligen Halb-Parteizeitung der Schwarzen macht. Zwar steht ohne Frage jedem Journalisten seine Meinung zu (die er eben in Kommentaren oder Leitartikeln zum Ausdruck bringen darf), und natürlich ist kein Medium vor einem gewissen Bias gefeiht, dass Zeitungen aber die Wahlslogans für die Herbstwahl schon heute als Tatsache darstellen und ihren Lesern unterjubeln, das sollte – nein – darf nicht sein.
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4 Reaktionen bisher
Dichand’sche Kanzlerblatt?!?
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!!! | 9. July 2008 | 16:38
jetzt mit erklärendem link unterlegt
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9. July 2008 | 17:18
Naja. Find ich angesichts der blauen Hetztiraden aus der Krone trotzdem ein wenig gewagt.
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!!! | 10. July 2008 | 10:16
nunja, ein bisserl provokant solls ja sein.
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10. July 2008 | 13:11
Jetzt sag doch was!