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G-Punkte


Christoph Chorherr hat in seinem Blog dazu aufgerufen, einige Ideen für den Wahlkampf der Grünen zu posten. Trotz der Bemühung um Unabhängigkeit als Politblogger, man freut sich ja, gefragt zu werden. Deshalb habe ich (wie Helge, Heinz, Laurenz, Martin, Max Kossatz, Jana Herwig, Michael Schuster) mir Gedanken gemacht, und eine kleine Plakatserie entworfen.

Ausrichtung

Dass es hier um die Grünen geht, passt meiner politischen Orientierung bekanntermaßen ganz gut, soll aber keine Rolle spielen. Ich möchte diesen Beitrag nutzen um einige paar Anmerkungen loslassen, die ganz generell damit zu tun haben, wie ich mir (Plakat-)Wahlkämpfe ethisch aber auch taktisch vorstellen würde, wenn ich selbst in der Politik wäre. Das hier soll keine Wahlwerbung sein.

Wären die Grünen “meine” Partei, dann würde ich meinen Wahlkampf jedenfalls ungefähr folgendermaßen anlegen (ist natürlich etwas spontan und schnell entstanden). Ich würde mir erwarten, dass man den Menschen etwas Intelligenz zutraut und ihnen eine Mischung aus provokanten, humoristischen und populistischen Themen vorsetzt.

Zum Einen, weil mich das nervt, dass man sich anscheinend in der Politik oft kaum noch etwas zu sagen traut, das irgendjemandem nicht gefallen könnte. Zum Anderen aber auch, weil das die Arten von Reizen sind, die beim Agendasetting helfen.

Provokation ist gut, weil man dann in die Situation kommt, Dinge erklären zu müssen. Das BZÖ wollte 2006 300.000 Ausländer abschieben. Das war zwar eine echt plumpe Provokation, aber es hat seinen Weg in die politische und mediale Diskussion gefunden. Westenthaler wurde danach gefragt.

Eine Prise Humor finde ich gut, weil die Menschen in Österreich sowieso vieles lächerlich finden. Warum sie nicht auch auf eine möglichst intelligente Art zum Lachen bringen, wenn sie schon täglich durch ein Meer an Wahlplakaten waten müssen?

Und warum ein gewisser Populismus auch für eine seriöse Partei nicht nachteilhaft und verzichtbar ist, muss man ja eh nicht erklären.

Themenbereiche und Ästhetik

[ad#ad-1]Meine Problembereiche wären Energie, Umweltschutz, Toleranz und Datenschutz. Eventuell könnte man wahlweise noch Antikorruption und ein Arbeitsmarkt-Thema aufnehmen. Meine gewählten Bereiche sind Mobilisierungsthemen in denen die Grünen ein Standing haben und versuchen können ihre Klientel auszureizen. Durch das momentane Tief von SPÖ und ÖVP, könnte (bzw. sollte) man natürlich auch einen Angriff auf deren Wählerschichten starten.

Ich wäre dafür, dass Plakate mit Bildern aus Creative Commons-Lizenz geschmückt sind, und die auch dezent so ausgewiesen werden. Ein Zeichen an eine affine Gruppe, das den Rest der Welt nicht weiter stört (aber vielleicht unterschwellig auch ein Sub-Thema: das der freien Wissensgesellschaft). Außerdem könnte man mit Motiven von talentierten Photographen auch daran arbeiten, dass Wahlplakate nicht unbedingt vollkommen landschaftsvernichtend aussehen müssen.

Die Plakate

Der prinzipielle Idee ist, ein kontroverses Thema in den Raum zu stellen und dann danach zu fragen, wann denn quasi endlich der Punkt erreicht ist, an dem der Wähler einen Politikwechsel Richtung Grüne unterstützen will.


Hier im ersten Bild ist der Populismus versteckt. Die Grüne Bewegung hat ihre Ansätze im Kampf gegen die Atomkraft. In einer Zeit, in der diese Energieform zwar in Österreich kaum Befürworter findet, aber eine internationale Renaissance feiert, kann man der Bevölkerung ruhig noch einmal in Erinnerung rufen, wer zum Beispiel in einer Regierung auf europäischer Ebene am Sichersten gegen AKWs eintreten würde. Anti-Atomkraft ist in Österreich eine sichere Sache. Bringts nichts, schadets nichts. (Fotocredit)


Umweltschutz (nicht zu verwechseln mit Klimaschutz) ist ebenfalls ein Thema, bei dem die Grünen ganz vorne sind. Das Plakat ist vielleicht inhaltlich das schwächere meiner Serie, aber ich fand das Foto beim Stöbern ganz lustig. (Fotocredit)


Mit Platterwatch haben die Grünen sich einmal mehr klar als Datenschützer-Partei etabliert. Darauf muss man fast aufbauen. Datenschutz ist an sich vielleicht nicht der ganz große Wahlkampfbringer, aber die Grünen könnten sich so bemühen den Fokus darauf zu lenken (und davon schlussendlich nur profitieren). Es steckt sicher genug Zündstoff drinnnen. (Fotocredits)


Ein Plakat mit Geschichte – ist es doch ein Icon das meines Wissens nach dem Tod von Seibane Wague entstanden ist. Hier ginge es mir besonders um einen Kontrast zu den rechtspopulistischen Parteien. Ein Plakat bei dem sich der Durchschnittsösterreicher an der Bushaltestelle womöglich ein wenig unwohl fühlen könnte, und das ihn eventuell zum Nachdenken bringt, ob er sein Kreuzerl bei einer Anti-Ausländerpartei machen will. (Fotocredit)


Hier ein wenig Humor, der die Blödheit von Diskriminuerung zuspitzt. Der Titel ist allgemein gewählt und nicht extra auf Homosexuellenfeindlichkeit zugeschnitten. Man muss nicht künstlich verengen, was breit gefächert ist. Ob gegen Frauen, Ausländer oder sexuelle Minderheiten – man kann Diskriminierung ruhig an sich für dumm erklären und so auch einen klaren Kontrast zur restlichen Parteienlandschaft zeigen. Homosexualität ist deshalb ein gutes Thema für die Grünen, weil das eines ist, das sie bisher von allen anderen Parteien trennt. Die Rot-Schwarze-Regierung hat es ja beispielsweise verabsäumt, wenigstens eine Homosexuellen-Partnerschaft zu ermöglichen. (Fotocredit)

Ich möchte nicht überheblich wie der selbsternannte große Intellektuelle klingen, aber man merkt vielleicht, dass hinter all dem der Wunsch nach einer gewissen intellektuellen Auseinandersetzung auch im Wahlkampf steckt – was für sich allein leider im realen Wettkampf möglicherweise nicht funktionieren könnte, worauf man aber keinesfalls verzichten sollte. Es sollte Schluss damit sein, dass inhaltsleere (“Wer wenn nicht er?”, “Mehr Fairness braucht das Land”), dumme (“Wien darf nicht Sinabelkirchen werden”) oder völlig abstrakte und beliebig füllbare (“Energiewende) Plakatslogans schon den ganzen Inhalt eines Wahlkampfes ausmachen.

Ich halte es bei allen Parteien für möglich, das Niveau deutlich anzuheben – selbst bei den Grauslichen. Vielleicht fragen ja einfach auch die anderen nach meinen Ideen. ;)

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| 10. July 2008

8 Reaktionen bisher

    weltbeobachterin sagt:

    mir gefallen die Plakate gut, Kompliment! Besser als alle langweiligen die ich gesehen haben.
    aber ob die Leute Humor verstehen? Das ist der Punkt. Ironie muss man, ja sorgsam verwenden weil viele Leute das missverstehen.

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    !!! | 10. July 2008 | 08:26
    Franz Josef Stangl sagt:

    Liebe Kreative und Bemühte, finde etliche Entwürfe sehr ansprechend und gelungen. DOCH, und DAS ist mein Anliegen und das täglich Gehörte…MindestrentnerInnen ist es wurscht ob Benzin teuer oder billig ist, viele können sich weder Auto noch Benzin leisten, sie atmen auch gerne reine und saubere Luft,doch, so sagen sie mir, davon könnten sie nicht leben. Ebenso wenig wird sie interessieren wo der G-Punkt ist, denn damit können sie die Miete, die explodierenden Energie-und Lebensmittelkosten nicht ausgleichen. Auch neue Fahrradwege sind gewünscht und interessant, für jene die noch auf ein Radl kraxeln können, lieber wäre den alten Menschen es gäbe mehr ULF und die alten Schrottkisten für die man beim einsteigen eine Bergführerprüfung braucht, würden endlich im Straßenbahnmuseum landen. Wir Grüne werden einen Großteil unserer alten Mitmenschen niemals ausreichend ansprechen wenn wir nicht auch für diese Nachbeteiligten energisch unsere Kreativität einbringen.

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    !!! | 10. July 2008 | 11:07
    Tom Schaffer sagt:

    Moment, ich bin nicht “wir Grüne”, mir war gestern Abend nur danach eine Plakatserie zu entwerfen. ;)

    Aber du hast schon recht, ich hab ältere Mitmenschen in meinem “Konzept” schon etwas außer acht gelassen.

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    10. July 2008 | 13:10
    Jana sagt:

    Finde die Idee G-Punkt großartig – denn jeder hat doch so einen Punkt, der ihn gewaltig nervt. Mir geht der Benzinpreis am A*** vorbei weil ich kein Auto habe und keins haben will, beim Thema Rassismus bin ich gleich auf 180 und fassunglos was es alles gibt. You gotta scratch people’s itch!

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    !!! | 10. July 2008 | 17:25
    haftgrund sagt:

    Finde die Plakate mit dem G-Punkt überaus witzig und treffend. Und keine Plakatserie wird es schaffen, alle “Nachbeteiligten”, wie es F.J. Stangl formuliert, zu erfassen. Erinnert mich an die Methode, bei einem guten Vorschlag mit “und was ist mit …” zu kontern.

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    !!! | 21. July 2008 | 09:59
    LAN sagt:

    Die SPÖ startet ihre erste Plakataktion, Hut ab vor der geballten sozialdemokratischen Wahlkampfpower:
    http://orf.at/080731-27909/wahl_spoe_plakat_popup_b_a.jpg
    http://orf.at/080731-27909/27910txt_story.html

    Wer braucht da noch Hilfe aus der Internetcommunity wenn er selbst so lässige Sprüche (Genug gestritten) und Webadressen (das-ist-faymann.at) machen kann…

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    !!! | 31. July 2008 | 14:29

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