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Was, wenn das Internet endet?

Letztens saß ich auf unserer weitläufigen Terasse, die so wunderbar weitläufige Gedanken erlaubt, sah von meinem Buch hoch und ließ den Blick über die Dächer Wiens schweifen. Da kam mir einer dieser gesuchten Gedanken: Was passiert eigentlich, wenn das Internet endet? Ich meine damit nicht den Moment an dem ein gewaltiger Terroranschlag die halbe Welt für einige Tage lahmlegt, sondern jenen, wenn das Internet veraltet ist – endgültig.
Es gibt im Computerspiel The Moment of Silence diese Stelle, in dem der Held versucht ein abhörsicheres Medium zu benutzen. Da die Handlung in der Zukunft angesiedelt ist, sucht er sich einen Video-Kassettenrecorder aus, und muss dafür in einen Antiquitätenladen
[ad#ad-1]Als ich diese Szene gespielt habe, ist mir das Problem der Vergänglichkeit digitaler Medien zum ersten Mal bewusst geworden. Wenn es eines Tages keine DVD-Laufwerke mehr gibt, sind all unsere Datenträger wertlos (so sie denn bis dahin nicht längst von sich aus kaputt geworden sind). Was ist, wenn Internetserver abgeschaltet und durch etwas Neues ersetzt werden? Oder wenn Material von irgendwann veralteten Festplatten nicht mehr abrufbar ist?
Im Moment erscheint es uns unwahrscheinlich, dass das Internet wie wir es kennen eines Tages nicht mehr up to date sein könnte, aber sollte man nicht dennoch damit rechnen? Wenn dieser Zeitpunkt kommt, werden dann in jeder Stadtbibliothek Rechner stehen, auf denen die gesamten Texte des einstig so stolzen World Wide Webs archiviert sind? Oder wird mein Blog, vielleicht ein wenig anders als wenn ich meine Wort zu Buch bringen würde, in 50 Jahren einfach verschwunden sein?
Eine Antwort auf diese Frage ist auch aus Gründen der Geschichtsschreibung interessant. Der Gedanke zu all dem ist mir gekommen, als ich etwas von Ryszard Kapuscinski gelesen habe (ich fordere übrigens, dessen Schriften zum verpflichtenden Lehrplan in der Schule hinzuzufügen – Empfehlung 1, Empfehlung 2). Kapuscinskis Bücher haben mir wie nichts anderes bewusst gemacht, dass Geschichte nicht nur eine Lehre von Herrschern, Kriegen und Revolutionen ist, sondern die gesamte Menschheit in ihren Aspekten umfassen sollte (soweit das möglich ist).
Ich habe einmal als mir jemand hier im Blog anonym auf den Keks ging versucht herauszufinden, wer er ist. In weniger als 15 Minuten hatte ich dank Google einen groben Lebenslauf zusammenrecherchiert. Das ist die Neuerung am Internet, seine Gefahr (wenn man so verantwortungslos wie wir alle ist) aber auch zugleich die Chance, die es uns bietet. Mit den sozialen Medien macht es eine völlig neue Art von Geschichtsschreibung möglich machen. In 150 Jahren können Historiker zum Abgleich sozialer Realitäten peinlich genau über einzelne, ganz normale Menschen forschen.
Gibt es zur Archivierung all dieses Wissens und all dieser Erfahrungen eigentlich bereits Menschen, die sich Dinge überlegen? Oder sind diese Gedanken gar ganz obsolet, weil sich eine derartige Zentralisierung von Wissen nicht mehr ergeben wird? Sind wir da sicher?
Fotocredits: Andreas Solberg
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6 Reaktionen bisher
tja, alles ist vergänglich.
und ja es gibt Leute die sich darüber Gedanken machen Archivare und Bibliothekare. vor allem auch in derösterreichischen Nationalbibliothek. und auch anderswo Ich habe da einiges mit dem Thema Digitalisierung und Archivierung zu tun durch mein Studium. Und ja, Bibliothekare tun nicht nur Bücher verräumen und Kunden beraten,
Aber keine Angst, auch digitale Sachen (ausgewählt, also nicht jeden Blödsinn) werden immer wieder auf die neuen Medien übertragen. die österreichische Nationalbibliothek hat das vor, alle halben Jahre österreichische Websiten abzuscannen und speichern. Das hab ich unlängst in einem Artikel gelesen. Also wir stehen da erst am Anfang.
das haltbarste Material ist wohl noch immer, wenn man etwas im Stein einmeißelt und Bücher. Auch wenn sie leicht brennbar sind. aber lesen verlernt man nicht und da braucht man keine Hilfsgeräte. OK, wir können zwar nicht mehr Keilschrift lesen, weil uns das Wissen abgeht.
Ich habe es mir auch schon überlegt, einfach meine Blogeinträge auszudrucken. Wie vergänglich digitales ist, hab ich gemerkt, da ich offensichtlich Fotos gelöscht habe, die ich noch nicht ausarbeiten ließ. Pech und Dummheit.
Oft wird auch digitalisiert (einscannen, Text abbilden) um das geschriebene zu erhalten. auch so erhalten, dass wir das lesen können. alte Handschriften sind doch schwer zu entziffern.
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!!! | 19. July 2008 | 19:09
archive.org – da archiviert das WWW sich selbst. Ich gehe davon aus, dass wenn die Technologie abgelöst wird, wie es sie heute gibt – das wird unzweifelhaft irgendwann passieren – die Inhalte des Netzes, und viele der enthaltenen Daten als auch wertvolle digitalisierte Daten, die man heute aus verrotteten Büchern gar nicht mehr lesen könnte, dorthin transportieren wird.
Das Spielchen rennt ja im Kreis. Daten werden immer mehr, werden archiviert, neue Technologie kommt, mehr Speicherplatz verfügbar, Datenberge wachsen nun auch schneller (…)
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!!! | 19. July 2008 | 21:02
@weltbeobachterin. gerade diese ausgewähltheit der archivierung ist aber ein problem, wenn man a. zu eng auswählt und b. niemand weiß, ob sein zeug archiviert wird.
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19. July 2008 | 21:12
@tom: stimmt schon – aber grundsätzlich wird eh jeder eigene inhalte die ihm/ihr wertvoll erscheinen selber archivieren, was mit ziemlicher sicherheit möglich sein wird.
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!!! | 19. July 2008 | 21:15
Deshalb: Fotos ausdrucken und einkleben…
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!!! | 19. July 2008 | 22:28
@ Tom ja, das ist natürlich ein Problem, aber man kann nicht jedes 1,2,3- Test geschreibsel speichern, aber Blogs wie deiner schon und da muss ich Georg rechtgeben, ich habe einiges von mir geschriebenes ausgedruckt und archiviert. (Chronologie, eine Katalogisierung hat mich noch nicht gefreut) und zu b. wieso stellt man was im Internet, damit muss man rechnen, dass es immer auffindbar sein wird, auch wenn man es löscht also erübrigt sich das ganze.
weil du gerade in Stockholm bist, grüß mir mein geliebtes Schweden. und ein Restauranttipp in Stockholm die Eisbar. Cocktails trinken bei -18°C hat einfach Stil.
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!!! | 22. July 2008 | 09:12
Jetzt sag doch was!