Fad sinds, die Grünen User-Plakate

Nun steht fest, welche User-gemachten Plakate von den Grünen an ausgewählten Plätzen plakatiert werden. Per offener Internet-Wahl wurde darüber abgestimmt. Das Ergebnis ist enttäuschend.
Christoph Chorherr hat am Anfang gefragt, welche zentralen Botschaften im Grünen Wahlkampf zu finden sein sollen. Ich fand das interessant und habe mich am Feedback konstruktiv beteiligt. Was dann kam, war für mich allerdings falsch.
Ich wollte mit meinen Vorschlägen nie plakatiert werden (darum hatte ich meine Plakate eigentlich auch im Wettberwerb nicht mehr offiziell eingereicht – sie waren trotzdem dabei), sondern dass über die Erwartungen und Ziele der Grünen debattiert wird. So wie andere (1, 2, 3, …). Eine wirkliche Auseinandersetzung hat es zumindest nach außen bei den Grünen aber nicht gegeben.
Kaum war das Feedback auf Chorherrs erfreulichen Gesprächseinstieg unerwartet groß, wurde schon nicht mehr darüber gesprochen, WIE ein Wahlkampf zu führen sei, sondern nur noch was plakatiert werden soll. Es wurde der Gang in die herkömmlichen Medien gesucht, die darüber berichtetenm statt in einen Dialog mit den Teilnehmern zu treten. Die Grünen haben es sich einfach gemacht und alle (auch die wirklich nur schnell hingefetzten – wie meine) Vorschläge in eine eher unfaire, manipulierbare und schwachsinnige Online-Abstimmung gesteckt.
Herausgekommen sind (ohne jemandem zu nahe treten zu wollen) recht langweilige Plakate, die sich rein darauf beschränken, dass die Grünen nicht Rot-Schwarz sind. Inhalte sieht man darauf nicht. Damit unterscheiden sich die User- kaum von der ersten Welle der Agentur-Plakate. Schade, fad. Die Aktion hat interessant begonnen und war sicher gut gemeint, das Ergebnis ist für mich aber doch äußerst enttäuschend. Geht es jemandem anders?
Für sowas hätte man die Blogger nicht gebraucht.
Tom Schaffer | 20. August 2008
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24 Reaktionen bisher
Volle Zustimmung.
!!! | 20. August 2008 | 19:16
schließ mich deiner MEinung an
sehr inhaltslos wie Wahlplakate halt sind, da hätten die Grüne mehr draus machen können.
!!! | 20. August 2008 | 20:24
ohne jetzt polemisch zu werden… die plakate drücken einfach die langweiligkeit der grünen und ihrer spitzenkandidaten aus… ich hätte mir auch mehr erwartet, aber wem sind eigentlich die plakate von allen parteien bis jetzt in öffentlichen raum aufgefallen?… ach ja eines… die des strabag-konzerns…
!!! | 21. August 2008 | 06:45
“ohne jetzt polemisch zu werden” gilt aber nur dann als vorsatz, wenn man hinterher nicht polemisch wird lieber christian
21. August 2008 | 07:12
Schliesse mich der Meinung voll und ganz an
!!! | 21. August 2008 | 07:21
hmmm…da muss ich mir jetzt selber Gedanken machen und einen eigenen Beitrag schreiben…
!!! | 21. August 2008 | 08:01
also, mit verlaub:
1. die plakate haben ja nicht die grünen gemacht, sondern die userInnen. wenn man jetzt meint, die plakate wären fad, dann kann man das schwer den grünen in die schuhe schieben, weil die nichts anderes getan haben, als den aufruf zu starten. die „langweiligkeit der grünen“ hier im spiegel der userInnen-plakate zu sehen (wie kollege passin), finde ich schon fast wieder lustig. wenn schon, dann spiegelt sich die langweiligkeit der userInnen darin wider.
2. ehrlich: ich hab in den letzten fünf jahren kein plakat gesehen, wo die mehrheit der rückmeldungen gewesen wäre: „ach wie toll, das wollte ich immer schon so sehen!“
das spielt’s einfach nicht. kleine auswahl gefällig? voilà:
http://www.demokratiezentrum.org/de/startseite/themen/demokratiedebatten/politische_bildstrategien/index.html
3. gut, bezüglich dialog lasse ich einiges gelten. aber man darf die plakat-aktion nicht isoliert sehen. im wahlkampf wird’s natürlich auch andere möglichkeiten der partizipation geben. auch solche, wo inhaltliche auseinandersetzung gefragt sein wird. dass die grünen das können haben sie ja mit http://www.neuverhandeln.at schon mal bewiesen. das problem mit solchen formen (auch unabhängig vom wahlkampf) ist immer, dass am anfang alles toll und schön klingt, aber es muss auch strukturiert und kanalisiert werden. polemisches beispiel: wenn heute 1000 leute den grünen ihre beste idee um die welt zu retten schicken, dann ist das wunderbar, bloß: was tun damit? einfach übernehmen? irgendwer muss am ende ja schließlich bestimmen, was grüne inhalte sein können und was nicht. welche demokratische legitimation haben überhaupt solche partizipativen formate? welches angebot kann man als partei machen, ohne dabei die leute zu vera****en, weil man ihnen eh nur vorgaukelt, dass man auf ihre meinung wert legt und am ende wandert alles in den papierkorb?
4. um keine missverständniss aufkommen zu lassen: ich bin sehr dafür, dass wahlkämpfe und die gesamte politische auseinandersetzung dialogischer und interaktiver werden. über das „wie“ bin ich mir aber großteils im unklaren. aber vielleicht hat jemand einen vorschlag … ?
!!! | 21. August 2008 | 13:11
Ad laurenzennser pkt 3.) neuverhandeln.at, platterwatch.at, plakataktion, etc. – das sind alles gute und lobenswerte ideen und ansätze, man muss aber einsehen dass die umsetzung immer suboptimal war. außerdem gabs hier wie dort abgesehen von kurzer anfänglicher medienpräsenz keine langfristige, präsente verankerung dieser themen/aktionen in der öffentlichkeit bzw. den medien. im endeffekt sind dies nette aktionen für ein nischenpublikum, an dem sich leider keine kritische masse beteiligt und deren umsetzung mangelhaft ist, siehe auch die berechtigte kritik von tom schaffer in diesem artikel. mich würde daher interessieren, wie die interne evaluation solcher projekte durch die grünen aussieht, falls es diese hoffentlich gibt.
um das ganze beispielhaft zu belegen, ein auszug aus dem programm von neuverhandeln.at:
“Um die Radikalisierung hinanzuhalten, wird die Subventionierung von Fußballclubs zur Gänze eingestellt. Der ORF wird überdies angewiesen, im Rahmen von Fußballübertragungen keinerlei Firmenwerbung mehr ins Bild zu setzen. Sollte dies nicht möglich sein, muß auf eine Übertragung des Spiels verzichtet werden. Dasselbe gilt sinngemäß für Autorennen, Motorradrennen und andere “unsportliche” Aktivitäten.”
!!! | 21. August 2008 | 13:48
Obwohl ich mein Leben noch nicht grün gewählt habe finde ich die Plakate durchaus ansprechend. Auch wenn ich mich eher dem konservativen Lager verbunden fühle, finde ich meine Grundstimmung für diese Wahl mit den darin enthaltenen Botschaften durchaus wiedergespiegelt.
Überhaupt gefallen mir die Grünen in letzter Zeit immer besser!
!!! | 21. August 2008 | 14:01
“Herausgekommen sind (ohne jemandem zu nahe treten zu wollen) recht langweilige Plakate, die sich rein darauf beschränken, dass die Grünen nicht Rot-Schwarz sind. Inhalte sieht man darauf nicht. Damit unterscheiden sich die User- kaum von der ersten Welle der Agentur-Plakate. Schade, fad. Die Aktion hat interessant begonnen und war sicher gut gemeint, das Ergebnis ist für mich aber doch äußerst enttäuschend.”
dito!
!!! | 21. August 2008 | 15:00
Kann mich nur anschließen. So begeistert ich über die Aktion war, so entsetzt bin ich über die Auswahl und die vergebene Chance. Überhaupt bin ich fassungslos, wie die Verantwortlichen der Grünen blind ins offene Messer laufen. Wenn das so weiter geht, werden sie nicht nur ein paar tausend Wähler an das LIF verlieren, sondern noch viel mehr.
Nur ein Beispiel: Gestern hat das Liberale Forum die Spitzenkandidatin Szalay vorgestellt, eine Newcomerin, 30 Jahre alt, Mathematik studiert und in Irland ein Unternehmen gegründet. Sie hat gesehen, was Europa bieten kann und tritt für gerade für die Firmengründer ein, die enorme Probleme mit Unternehmensgründungen haben. Irgendhat hatte auch jeder präsentierte LIF-Landeskandidat seinen besonderes Reiz, jeder eine ziemlich interessante Persönlichkeit. Ich kann mich zB mit der unbekannten Szalay blendend identifizieren. Es kann doch nicht sein, dass eine Kleinpartei wie das LIF, die vor ein paar Wochen noch als tot galt, einen frischeren Wind hat als die Grünen!
Apropo Plakate: Morgen präsentiert das LIf seine erste Plakatreihe. Ich bin gespannt, ob das Liberale Forum auch hier den Grünen etwas vorraus hat. Ich werde es kritisch analysieren.
!!! | 21. August 2008 | 15:17
@LAN: ich würde wirklich gern wissen, wo du konkret die verbesserungspotenziale bei diesen aktionen siehst. wie müsste sowas gestaltet werden, damit es nicht „suboptimal“ läuft?
und bezgl. evaluation: die gibt es, bloß musst du da jemanden fragen der grünintern mehr ein- und durchblick hat als ich selbst, vielleicht die marie ringler, die weiß da jedenfalls mehr.
zum schluss noch: mit dem zitat aus neuverhandeln.at sprichst du genau ein problem an: wenn ich im internet inhalte zu freien gestaltung freigebe (wie bei neuverhandeln.at), dann muss ich damit rechnen, dass da dinge herauskommen, die mir ganz und gar nicht in den kram passen, möglicherweise sogar gegen meine grundsätze verstoßen (soll ja auch vorkommen, dass solche aktionen von anderen parteien gezielt beeinflusst bzw. lächerlich gemacht werden). das ist nun mal so, und wenn ich mich auf das medium internet einlasse, dann muss ich damit rechnen, alles andere wäre naiv. die frage lautet also: wie kann ich leuten, die sich sinnvoll und konstruktiv einbringen wollen eine chance zum mitmachen, mitreden, mitstreiten geben ohne dabei irgendwelchen freaks oder gar destruktiven kräften ausgeliefert zu sein?
ich hab für mich noch keine wirklich gute antwort gefunden.
!!! | 21. August 2008 | 16:19
@laurenz: ich denke niemand kann hier großartige verbesserungspotenziale aus der jackentasche zaubern, dazu würde das ganze eben genau analysiert und evaluiert gehören, sowohl von experten aus der politik als auch aus dem bereich web 2.0. ich sehen mich jedenfalls nicht dazu befähigt, hier entscheidendes verbesserungspotenzial zu nennen, jedoch finde ich es gut dass das dilemma der oftmaligen sehr guten und interessanten projektideen jedoch mit nur suboptimaler umsetzung angesprochen wird. es wäre interessant zu wissen, welche ressourcen (zeit und geld) in diese projekte fließen, um einen eindruck zu bekommen ob dieser aufwand bei diesem (medialen) output gerechtfertigt ist, zumal im hinblick auf mögliche wählerstimmen anscheinend primär ohnedies leute sich bei plakatwettbewerb etc. engagieren die ohnedies den grünen ideologisch nahestehen. jedenfalls bleibt so der schale beigeschmack dass jedes miese, wenig sinnvolle bzö-teuerungsvolksbegehren zumindest die gleiche mediale aufmerksamkeit erlangt wie die viel innovativeren und aufwendigeren projekte der grünen, das finde ich schade.
was mich übrigens auch interessiert hätte: was wären mögliche rechtliche folgen gewesen, hätten sich beim plakatwettbewerb auf geschützten bildern beruhende entwürfe durchgesetzt, beispielsweise das verunstaltete faymann-wahlplakat oder die twitter-offline-meldung (wal)? ich glaube nicht dass die spö ersteres recht lustig gefunden hätte, abgesehen davon dass ein solches vorpirschen in punkto negative campaigning (verunstaltete plakate anderer parteien als eigene wahlplakate gab es meines wissens noch nirgends offiziell, höchstens von irgendwelchen jugendvorfeldorganisationen) möglicherweise negativ auf das image der grünen abgefärbt hätte. wurde soetwas im vorhinein überlegt? ähnliches gilt übrigens für die in einigen plakatentwürfen verwendeten creative commons grafiken – wie hätte hier die rechtslage ausgeschaut?
!!! | 21. August 2008 | 16:39
@laurenz:
die ganze aktion begann als blog-brainstorming und endete in einer bezahlten abstimmung als derstandard.at-werbung. das ganze projekt ist von einem dialog mit engagierten wählern in mikromedien zu einem monolog eben dieser wähler in massenmedien geworden, wo einfach irgendwelche leute im vorbeigehen ein uninspieriertes unfaires voting abhalten durften (dass die spannenderen vorschläge durch genau das natürlich im eimer gelandet sind, erwähne ich mal).
suboptimal ist für das kein ausdruck, das ganze ist einfach etwas völlig anderes geworden, als es am anfang war. zuerst hat christoph chorherr gefragt “hey leute, was sagt ihr dazu, was schlagt ihr vor?”. und ich dachte “cool, da investier ich doch mal ein bisserl zeit rein”. und als ich ihm dann eine antwort gegeben hatte, war das nächste was ich gesehen hatte ein interview für die zib
das hat mich besucherzahlenmäßig gefreut, war aber nicht das, was ich mir erwartet hätte.
PS: du sagtest, solche dinge müssen kanalisiert werden. stimmt sicher. nur genau das ist nicht passiert. die grünen haben eben nicht aktiv mitgewirkt an der aktion, sondern ein internetvoting entscheiden lassen.
21. August 2008 | 16:44
@LAN: es stimmt sicher, begrenzte ressourcen sind wie so oft auch hier ein problem. möglicherweise müsste man für solche dinge eigens beschäftigte leute haben, die das betreuen und begleiten, damit langfristig was draus werden kann. ob die grünen dafür geld locker machen (wollen), das ist sicher auch im hinblick auf die zukunft die frage …
bezüglich rechtlicher fragen: es gibt den fall, dass eines der sieger-plakate ein logo verwendet (den ein- bzw. ausschaltknopf), das so auf apple-computern und in ähnlicher form von der oekostrom ag verwendet wird. dieses plakat wird wohl nicht gefeatured werden – eben aus rechtlichen gründen. überhaupt müssen aber rechtliche fragen jetzt mal mit den urhebern geklärt werden.
@Tom Schaffer: was wäre die alternative gewesen? nicht darüber abstimmen? die entscheidung darüber, welche plakate verwendet werden, im grünen bundesvorstand oder in der wahlkampfleitung treffen? ich denke, gerade ein aktives mitwirken der grünen hätte ihnen (zurecht, meine ich) den vorwurf eingebracht, die community zuerst anzurufen und dann selbst zu entscheiden, welche inhalte ausgewählt werden.
trotz allem nochmal die frage: wie hätte man die ernüchterung über die aktion verhindern können? geht’s nur um die entscheidungsfindung oder wäre überhaupt eine andere art der plattform sinnvoll gewesen?
!!! | 21. August 2008 | 20:47
@laurenz: ausgangspunkt war glaube ich eine persönliche diskussion zwischen chorherr und einem web 2.0 experten, danach hat man das ganze richtigerweise ins internet verlagert aber hinsichtlich ergebnis/umsetzung leider ein striktes korsett verpasst. einreichen und abstimmen, das wars, ein wirklicher dialog bzw. diskussion über wahlkampf, themen, etc. kam leider dabei zu kurz obwohl gerade zum thema wahlkampf im web 2.0 sicherlich sehr interessante ideen gekommen wären, man muss ja nur in die usa sehen um zu erkennen was diesbezüglich noch viel mehr an partizipation möglich ist, wenngleich mir natürlich klar ist dass man dies nie 1:1 auf österreich übertragen kann. aber man hätte bspw ähnlich wie barcamp/politcamp ein wahlcamp machen können wo plakate, ideen, etc. diskutiert werden hätten können, hätte sicherlich für die grünen interessante ideen von politikinteressierten web 2.0 experten gebracht und für die web 2.0 leute interessante einblicke in die politik, v.a. wenn wirklich hochkarätige vertreter der partei dabei wären. eine abstimmung kann dann natürlich noch als nettes abschlussfeature zur bestimmung von siegern stehen, aber ich denke eine solche persönliche einbindung hätte einen deutlichen mehrwert gebracht.
!!! | 21. August 2008 | 21:31
@laurenz: eine alternative wäre tatsächlich gewesen, grüne entscheidungsträger heranzuziehen, sich mit den ideen auseinanderzusetzen und dann vielleicht eine davon umzusetzen. aber das wäre nur eine möglichkeit. ich behaupte ja nicht, dass mir selbst die beste einfallen würde – ich fand nur die tatsächlich umgesetzte einfach sher enttäuschend und schlussendlich sinnlos.
nochmal das problem: das hier startete als dialogsversprechen und wurde dann ein einbahnstraßenkommunikationsartiger plakatwettbewerb. dass ist wie der “schick uns den wahlkampfklingeton”-blödsinn. dafür brauche ich kein crowdsourcing und keine blogs.
21. August 2008 | 22:47
Vom kurzfristigen Marketing/PR-Aspekt gesehen eine gute Aktion der Grünen. Hohes Involvement von Bloggern (immerhin auch Meinungsbildner) im Netz erreicht, (virale Verbreitung erreicht???), mediale Berichte Online und Offline und einmal mehr den angenehmen Beigeschmack, als Partei neuen Kommunikationsformen, einer Interaktivität aufgeschlossen zu sein. Auf den ersten Blick zumindest.
Denn, wie Tom schon beschreibt, wandelte sich die Kommunikation von einem interessanten Dialog in eher gewöhnliche Einbahnstraßenkommunikation. Nicht im vornhinein geplant, so glaube ich. Für jene, die unter dem Gesichtspunkt eines Dialoges mitmachten/mitmachen wollten dürfte es hier dann schon ein gewisses Enttäuschungspotenzial geben. Ob der langfristige Nutzen einer Art von Think-Tank, wirklicher Kommunikation zwischen der Partei und interessierten Bloggern/Webusern nicht langfristig und auf selber Augenhöhe besser gwesen wäre? Wahrscheinlich ja. Aber Wahlkampf hamma und da zählen kurzfristige Erfolge etwas mehr wie langfristige Dialoge deren Früchte man erst später wirklich ernten kann.
!!! | 21. August 2008 | 23:25
@LAN: diesen vorschlag finde ich zum beispiel fein. sowas könnte ich mir sofort vorstellen. allerdings ist dieser wahlkampf davon geprägt, dass er sehr kurzfristig auf die beine gestellt werden muss, was zeit und raum für solche diskussionen einengt. vielleicht wäre so eine aktion aber außerhalb von wahlkampfzeiten sowieso sinnvoller, weil man dann mehr ans grundsätzliche herangehen kann.
@Mig + Tom Schaffer: ich seh schon, es ist ein bissl der gusenbauer-effekt. zuviel versprochen, was nicht zu halten war? vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die grünen vom echo auf den chorherrschen aufruf ein bissl überfordert waren, und nicht gewusst haben, was sie damit genau tun sollen. ich denke, man hat mit der verlagerung auf derstandard.at (was ja genau einer der schritte war, die den dialog erschwert haben) versucht, das ganze möglichst unbeeinflusst von der grünen wahlkampfsteuerung zu präsentieren. damit es nicht heißt, die grünen suchen am ende eh selbst aus, was kommt und was nicht. die grünen haben sich aus der entscheidung also ziemlich zurückgezogen, das war ihre volle absicht. keinen einfluss nehmen, sondern die userInnen entscheiden lassen, so der hehre vorsatz. diesen schritt sollte man nicht unterschätzen, immerhin bedeutet er, dass ein teil der wahlkampagne von der partei relativ ungesteuert bestimmt wird.
vielleicht lag aber darin gerade der fehler. das so aus der hand zu geben. denn damit ist klar, dass die entscheidungsfindung redzuiert werden muss auf ja/nein bzw. gutes plakat/schlechtes plakat. wenn man das beim nächsten mal gescheiter machen will, wäre vielleicht ein format besser, wo man die zügel eher in der hand behält, aber die kommunikation nicht auf binäre entscheidungen reduziert.
soweit ich weiß, gibt es im wahlkampf überlegungen über die eine oder andere form der partizipativen online-aktion. z. b. das wahlprogramm als wiki online stellen und von userInnen verändern, umschreiben lassen. ob das kommt, ist aber noch nicht fix, vorerst mal eine idee.
!!! | 22. August 2008 | 08:42
für alle politikwissenschaft-freaks noch eine ergänzung: es ist nicht unbedingt dasselbe dilemma, aber auch nicht ganz unähnlich:
http://www.uned.es/dcpa/old_Doctorado_1999_2004/Torreblanca/Cursodoc2004/tercerasesion/Dahl1994PSQ.pdf
!!! | 22. August 2008 | 08:45
es ist weniger ein “zuviel versprochen” als ein “was ganz anderes erwartet”.
“keinen einfluss nehmen, sondern die userInnen entscheiden lassen, so der hehre vorsatz. diesen schritt sollte man nicht unterschätzen, immerhin bedeutet er, dass ein teil der wahlkampagne von der partei relativ ungesteuert bestimmt wird”
mag wenns so ist eine nett gemeinte idee gewesen sein, ist wenn man sich das aber überlegt doch ziemlicher unsinn. eine partei sollte imo doch steuern, wofür sie besonders im wahlkampf steht.
ps: der gang auf derstandard.at hat den dialog nicht erschwert sondern abgetötet. danach hat er schlichtweg nicht mehr stattgefunden.
22. August 2008 | 09:11
@Tom: wenn aber die eigentliche idee ist, dass in eine wahlkampagne auch ideen von außerhalb der partei eingebunden werden, dann ist das mit der steuerung nicht so einfach. wenn ich die leute ernst nehme, muss ich bis zu einem gewissen grad kontrolle abgeben, d. h. ein gewisses maß an fremdbestimmung meiner kampagne akzeptieren. und dieses maß war ziemlich hoch bei der aktion. aber wie eben gesagt: vielleicht bestand genau darin der fehler.
!!! | 22. August 2008 | 13:17
Ja, darin bestand sicherlich ein Fehler. Ein Diskussionsprozess mit den engagierten Plakatgestaltern wäre hier wahrscheinlich zielführender, konstruktiver und weniger riskant gewesen als eine reine Abstimmung. Es spricht wohl für sich, dass ich nach der Einreichung meines Plakatentwurfs samt kurzer Antwortmail von Chorherr nichts Persönliches mehr von den Grünen gehört habe, der Rest lief über die altbekannten Medienkanäle. Wenn ich diese Nichtkommunikation mit den regelmäßigen, begeisternden, persönlich wirkenden E-Mails aus dem Obama-Verteiler vergleiche, dann wird schnell klar in welche Richtung es gehen könnte.
P.S.: Leider kann ich am Montag nicht beim Abschlussfest der Aktion im MQ sein – wäre gerne dabei gewesen, bin aber leider in OÖ. Hoffe aber, dass der eine oder andere Plakatgestalter die Chance nützt, dort direkt mit den Initiatoren in Kontakt zu treten.
!!! | 22. August 2008 | 13:41
@laurenz. ja ich halte das auch für einen fehler. aber das ist schon der zweite. der erste hat viel früher eingesetzt.
ich hatte auf diese fragen vom CC reagiert: “Ich bin sicher, die Grünwähler haben mindestens so gute Ideen wie wir Grünfunktionäre. Wofür soll diese Partei im Wahlkampf stehen? Wofür wollt ihr sie wählen?”
um die gings aber nach dem ersten posting nie mehr …
22. August 2008 | 16:56
Jetzt sag doch was!