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Deutschkurs für die ÖVP

“Asylbetrug heisst Heimatflug” präsentierte unlängst die FPÖ auf ihrer ersten Plakatserie und sorgte angesichts des darin enthaltenen Rechtschreibfehlers für Erheiterung. “Deutschkurs vor Zuwanderung” fordert die ÖVP in einem ihrer Wahlargumentatorien um bereits auf der ersten Seite mit “Asylmißbrauch” ebenso in die ß/ss-Falle zu tappen. Tippfehler (“Religiosnfreiheit”) und inkonsistente Binde-/Gedankenstrichsetzung runden das auf Anfrage hier erhältliche ÖVP-Wahlkampfpapier übrigens ab.
Während sich also FPÖ und ÖVP im Wahlkampf am rechten Rand gegenseitig zu überholen versuchen und dabei verpflichtende Deutschkurse als primären Lösungsansatz sehen, zeugen just deren diesbezügliche Wahlkampfunterlagen von offensichtlichen parteiinternen Schwächen bei der Beherrschung der deutschen Sprache.
Die ÖVP fordert ein bereits in der Heimat erlangtes deutsches Sprachzertifikat für künftige Zuwanderer sowie 600 Stunden Deutschkurs und einen Orientierungskurs über österreichische Geschichte, Kultur und Werthaltungen für bereits Zugewanderte und hebt sich damit laut Eigendefinition von “rechten Hetzern und linken Leugnern” ab. Konkret von “von unkontrollierter Zuwanderung träumenden” Grünen, von “zwischen linkem Gutmenschentum und Krone-Populismus wankenden” Roten und von “aggressiv fremde Religionen herabwürdigenden” Blauen. Ein kleiner Vorgeschmack auf die zu erwartende schwarze Polemik im Wahlkampf, die in Richtung des linken Parteienspektrums primär auf unwahren, pauschalverurteilenden Platitüden beruhen dürfte.
[ad#ad-1]600 Stunden Deutschkurs sind übrigens für jene, die diesen innerhalb eines Jahres hinter sich bringen möchten, 12 Stunden pro Woche – eine erhebliche Zusatzbelastung, die aufgrund der damit verbundenen zeitlichen und finanziellen Zusatzbelastung für viele undurchführbar erscheint und damit als offensichtliche Zuwanderungsschikane die Attraktivität Österreichs mindern würde. Die Attraktivität Österreichs für den Fachkräftemangel behebende Arbeiter, für das Pensionssystem sichernde Junge, für den Innovationsstandort stärkende Wissenschafter, für die Wettbewerbsfähigkeit erhöhende Manager, für den Priestermangel lösende Geistliche oder für den gesellschaftlichen Diskurs bereichernde Künstler aus dem Ausland.
“Neustart statt Stillstand” lautet der Titel des ÖVP-Wahlkampfpapiers, “Rückschritt statt Stillstand” vermittelt hingegen dessen konservativer, protektionistischer Inhalt, der die selbsternannte “offensive Integrationspolitik” der Volkspartei angesichts der omnipräsenten Herausforderungen unserer Zeit schnell in eine argumentative Defensive drängt. Ein rein auf Deutschkursen als alleiniges Allheilmittel aufbauendes Argumentatorium stellt jedenfalls keine ganzheitliche, mutige Integrationsstrategie dar, sondern verschränkt vielmehr den Blick auf die eigentlichen Chancen und Herausforderungen einer notwendigen Zuwanderungspolitik mit Weitblick.
Gastbeitrag von Andreas Lindinger
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12 Reaktionen bisher
Deine unverständliche und verleugnende Kritik geht ins Lehre mein Linker freund, den du Hast nicht versstanden dass der Ausländer grundsätzlich schlecht ist und wir nur so tun als wolten wir gereglete Zuwanderung aber in wirklichkeit ist das Abschrekung weil wir feiern dann wie Haider und Strache daß es weniger Asylanträge und Einbürgerungen gibt. Deine ÖVP.
….
Sorry…
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!!! | 27. August 2008 | 10:55
Was sollen eigentlich potentielle Immigranten aus Ländern machen, in denen einfach keine Deutschkurse angeboten werden? In vielen Ländern der Welt sind lokale Goethe-Institute die einzige Möglichkeit, um Deutsch zu lernen, wenn überhaupt. Und das dort unterrichtete Deutsch ist noch dazu das “falsche”, d.h. die plötzliche Konfrontation mit der österreichischen Varietät des Deutschen könnte da schnell mal zu Verständigungsschwierigkeiten führen. Die schnippische Frage, “na, hamma leicht ka Deitsch g’lernt?” ist da dann wohl nicht weit…
Naja, das sind eben die kryptofaschistischen Tendenzen der ÖVP, die jetzt ihre Fratze offener als je zuvor zeigt.
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!!! | 27. August 2008 | 11:17
Diese Asylthema ist in Österreich sowas von verlogen – und da kann man keine Partei ausnehmen. Anstatt das einzige Vernünftige zu tun, nämlich das Recht auf Asyl abzuschaffen und dafür eine Obergrenze einzuführen, wird versucht die Anzahl Asylwerber dadurch zu beschränken, indem sie wie Tiere behandelt werden.
Das mit den Deutschkursen geht wieder genau in die Richtung. Anstatt zu sagen: zu viel Zuwanderung macht Probleme und deswegen muss es eine Obergrenze geben, werden einfach immer neue Hürden aufgestellt.
Dass es Integrationsprobleme gibt ist keine Wunder, wenn Asylbewerber dazu gezwungen werden, Jahrelang in Traiskirchen Däumchen zu drehen oder als Zeitungsverkäufer zu arbeiten. Das was Österreich macht, ist eine negative Selektion. Kein Mensch mit einer halbwegs vernünftigen Ausbildung wird jemals in Österreich um Asyl ansuchen.
Wir brauchen ein System, indem es eine fixe Obergrenze von Asylbewerberern pro Jahr gibt, deren Asylanträge aber eher lasch und vor allem sehr schnell geprüft wird (innerhalb weniger Tage).
Zusätzlich würde es eine Möglichkeit brauchen, dass Ausländer, die eine garantierte (qualifizierte) Stelle in Österreich haben sofort zu einer unbefristeten Aufenthaltsbewilligung und nach einiger Zeit die Staatsbürgerschaft erlangen können.
Das Problem, das wir mit den Parteien haben ist das, dass die Rechten sich vor allen Ausländern fürchten und die Linken denken, dass es ungerecht sei, wenn hochqualifizierte Bevorzugt werden.
Das die ÖVP jetzt offensichtlich vollkommen in den Populismus abgeglitten ist, wage ich vorherzusagen, dass die ÖVP diesmal wieder weniger Stimmen als die FPÖ erreichen wird. Ich habe bisher immer ÖVP gewählt – dieses mal wohl eher nicht.
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!!! | 28. August 2008 | 11:59
Das Recht auf Asyl abschaffen? Das ist menschenrechtswidrig und völlig inakzeptabel.
Außerdem geht es hier um Zuwanderung, nicht Asyl. Diese zwei völlig unterschiedlichen Dinge (und den dritten Themenbereich Integration) darf man nicht einfach in einen Topf werfen.
Wie gesagt: Asyl ist ein Menschenrecht – Leute die aus dversen Gründen aus ihrer Heimat flüchten mussten, haben das unumstößliche Recht hier aufgenommen zu werden. Dass es in diesem Bereich in Österreich immer mehr und immer unnötigere Hürden gibt, ist ein Resultat aus dem anderen Bereich:
Reguläre Zuwanderung ist hier durch die ausländerfeindliche Politik der letzten Jahrzehnte mittlerweile so schwer möglich, dass es anscheinend viele Menschen über den Asylweg versuchen (was zB bei Leuten aus dem Kosovo angesichts der dortigen Zustände und Geschichte jetzt auch nicht soo abwegig ist).
Da führt dann die ausländerfeindliche Zuwanderungspolitik zu einer menschenrechtswidrigen Asylpolitik – und und beides schadet Österreich, merkbar daran, dass uns Fachkräfte ausgehen. Kein Land kann jeden Bedarf selbst decken und viele Leute die hierherkommen wollen, um uns dabei zu helfen, dürfen nicht.
Und das wiederum dritte Thema ist Integration. Die funktioniert eigentlich großteils ganz gut. Jeder der leugnet, das der größte Teil der zugezogenen Ausländer hier im Rahmen mit Gesetzen und harmonischer Koexistenz mit der Kultur lebt, muss blind sein. Die Zahl der Ausländer, die hierherkommen um nur ja nichts mit Österreichern zu tun zu haben, ist jedenfalls eine äußerst kleine Minderheit.
Problematisch ist es im wesentlichen nur, wenn es sowas wie eine Gettobildung gibt – logischerweise passiert das hauptsächlich in größeren Städten. Und das ist vorrangig ein soziales Problem – wenn Ausländer keine guten Jobs bekommen, dann werden sie in billigere Viertel ziehen müssen. Da haben wir in Österreich einerseits ein Problem mit Diskriminierung – es ist erwiesen, dass ein ausländischer Name die Jobsuche schwieriger macht – aber auch mit lebenslangen Bildungswegen. Ausländer die hierherkommen und schlechter gebildet sind, müssten (ebenso wie Österreicher) mehr Chancen bekommenm, sinnvoll weitergebildet und ausgebildet zu werden.
Das übersehen alle Leute die von selbst zu bezahlenden, verpflichtenden Deutschkursen schon im Ausland, von integrationsunwilligen Ausländern, von angeblichem Asylbetrug oder vom Kulturaufeinanderprallen schwadronieren, halt alles allzu gern, während sie frech glauben, sie hätten irgend ein Recht zu definieren was jeder einzelne Österreicher als seine Heimat bezeichnet.
Und nochmal: Bitte hört endlich auf, Asyl, Integration und Zuwanderung zu einem einzigen verkürzten Politikbereich zu machen. Das ist nicht nur falsch und führt wohl zwangsläufig zu Menschenrechtsverletzungen, es bringt auch niemanden weiter. Man muss diese Dinge zuerst isoliert betrachten, bevor man sie wieder zusammensetzen kann – übrigens auch mit andern Gebieten wie Armutsbekämpfung und Bildung.
Aber das wird mir jetzt zu lang.
PS: Das Grüne Zuwanderungskonzept bevorzugt sehr wohl qualifizierte Arbeitskräfte – was mir instinktiv gar nicht so gut gefällt, aber insgesamt immer noch bei weitem das menschlichste Konzept ist. Und da die SPÖ ohnehin großteils mit ÖVP/BZÖ/FPÖ mitgestimmt hat, würds mich schon interessieren, welchen signifikanten Linken du in Österreich vorwirfst gegen qualifizierte Zuwanderung zu sein. ^^
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28. August 2008 | 12:43
Wenn ich sage, dass man das Recht auf Asyl abschaffen soll, meine ich nicht, dass es nicht mehr möglich sein soll, Asylanträge zu stellen. Nur dass es eine fixe Obergrenze pro Jahr geben soll, die Anträge innerhalb dieser fixen Anzahl aber rasch abgearbeitet werden soll, innerhalb weniger Tage (ohne Einspruchsmöglichkeit usw.).
Es stimmt zwar, dass nach Artikel 14 der Menschenrechte jeder Anrecht auf Asyl hat, aber das bedeutet nicht, dass jeder Anrecht auf Asyl in Österreich hat. Wenn Österreich einen “angemessenen Anteil” (wie auch immer man das messen könnte) an Flüchtlingen aufnehmen würde, dann wäre das bestimmt nicht gegen die Menschenrechte.
Niemand kann mir erzählen, dass die jetzige Situation auch nur irgendwas menschliches hat. Aber wenn man es von der praktischen Seite betrachtet, dann MUSS es eine Begrenzung geben. Und wenn diese Begrenzung auf eine ehrliche Art erfolgen würde, also durch eine echte Obergrenze, anstatt dass es praktisch verunmöglicht wird, einen Asylantrag zu stellen und wenn er dann mal gestellt wurde, dann müssen die Asylsuchenden jahrelang in Ungewissheit Herumsitzen (oder Zeitungen verkaufen – diese Ausnahme wurde angeblich von der Krone durchgesetzt, weiß aber nicht, ob das stimmt), dann denke ich, dass wir auf der eindeutig menschlicheren Seite wären. Ich denke einfach, dass Menschen durch diese jahrelange Ungewissheit und Gängelung zermürbt werden.
Es gab in den letzten Jahren mal einen Versuchsbalon, ob man nicht versucht gezielt ausländische “Talente” anzuwerben. Während die FPÖ/BZÖ das Abendland in Gefahr sahen, haben glaub ich die Grünen gesagt, dass das nicht sein kann, wegen Gerechtigkeit und weil diese Kräfte dann in den Ursprungsländern fehlen würde. Hab jetzt aber keinen Link dazu.
Dass ich da verschiedenes durcheinander gebracht habe hast Du natürlich recht. Das ändert aber nichts daran, dass versucht wird, die Zuwanderung im Asyl- UND Zuwanderungsbereich nicht durch nachvollziehbare und gerechte Regelungen zu begrenzen, sondern durch Gängelung. Und dadurch führt Österreich implizit eine negative Selektion durch, die dann zu Integrationsproblemen führen kann.
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!!! | 28. August 2008 | 17:51
Michael, die Einführung einer Obergrenze ist menschenrechtswidrig, weil sie sich gegen die Verpflichtung auf eine Prüfung jedes einzelnen Falles stellt. Außerdem zeigt die Geschichte, dass Kontingentierungen, egal ob bei Flüchtlingen oder anderen Immigranten, überhaupt nichts bringen, und eher noch einen negativen Effekt haben. Ein krasses Beispiel etwa ist das britische “White Paper” von 1939, das die jüdische Einwanderung im britischen Mandatsgebiet Palästina auf 75000 Personen für die Jahre 1940 bis 1944 beschränkt hat. Dass ein vielfaches an Juden in der Zeit dann tatsächlich immigriert sind, konnte das White Paper nicht verhindern, die teilweise durchgeführten Abschiebungen in Anhaltelager auf Zypern haben lediglich zu diversen “Racheaktionen” von jüdischer Seite geführt.
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!!! | 29. August 2008 | 06:02
“Das übersehen alle Leute die von selbst zu bezahlenden, verpflichtenden Deutschkursen schon im Ausland, von integrationsunwilligen Ausländern, von angeblichem Asylbetrug oder vom Kulturaufeinanderprallen schwadronieren, halt alles allzu gern, während sie frech glauben, sie hätten irgend ein Recht zu definieren was jeder einzelne Österreicher als seine Heimat bezeichnet.”
lieber Tom Schaffer, was meint das genau? also vor allem das “während sie frech glauben, sie hätten irgend ein Recht zu definieren was jeder einzelne Österreicher als seine Heimat bezeichnet.“
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!!! | 29. August 2008 | 10:07
ist eigentlich recht einfach. wer mir erzählt, wer oder was mir als österreichischer staatsbürger als heimat gilt, is ein würsti. heimat hat nämlich mit nationalität nix zu tun.
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29. August 2008 | 12:08
Ich wüßte nicht, was es an dem ÖVP-Papier zu kritisieren gibt. Die Österreichische Volkspartei ist eine christlichsoziale Partei und als solche ohnehin Werten wie Nächstenliebe verpflichtet. Für “Menschen”, die dies jedoch mißbrauchen, muß freilich aber auch gelten: NULL TOLERANZ!
Man sollte daher dankbar sein, daß die ÖVP Österreich von der Bedrohung des linkslinken Multikulti-Traums endlich befreit!
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!!! | 31. August 2008 | 01:36
es hat in österreich seit über 20 jahren keine linke regierung gegeben – und die wenigen linksdominierten jahre davor waren auch nicht grade ultraliberal was ausländerpolitik anging. jene probleme die es heute gibt, sind also auf dem mist rechter politik gewachsen. von welchem angeblich vorherrschenden “linken multikultitraum” fantasieren leute wie du also eigentlich?
im übrigen is mir jetzt der sprung vom verpflichtenden deutschkurs im ausland zum fantasierten multikultitraum-angstzustand auch ein bisschen schleierhaft.
man könnte meinen, dein schwachsinn ist reflex.
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31. August 2008 | 03:04
@Frade:
Also die “Verpflichtung gegenüber Werten wie Nächstenliebe” ist ja die Krönung des Pharisäertums …
Lesen Sie mal das Neue Testament und vor allem die Samariter-Episode und schauen Sie, wie viel ÖVP-Positionen da drin vorkommen!
Aber man ist ja “ohnehin Werten wie Nächstenliebe verpflichtet”. *schüttel*
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!!! | 9. September 2008 | 12:41
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