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Molterer kopiert Gusi und entzaubert so Strache

Das TV-Duell zwischen ÖVP-Chef Molterer und FPÖ-Chef Strache war die erste wirklich unterhaltsame Wahlkonfrontation. Zu den bisherigen habe ich nichts geschrieben, weil es nicht viel zu sagen gab. Strache und Haider waren fad. Faymann und Van der Bellen haben im für beide schwierigsten Duell nicht gekuschelt aber sich doch geschont. Haider gegen Molterer hatte auch keine Highlights. Beim Molto und dem Haze hats dann aber endlich geraschelt.
Nachdem sich die beiden in den ersten 20 von 50 Minuten beim “Ausländer-Thema” ordentlich eingeschenkt haben (was auch die Prioritäten der ÖVP leider entblößt), waren die Aggressionen schon recht aufgestaut. Moderatorin Thurnher lies die beiden machen bis Strache Molterer zum FPÖ-Beitritt aufgefordert hat. Der ÖVP-Chef reagierte darauf mit einem lauten Lachen. Da fiel mir auf, dass er sich zwischen der Haider- und der Strache-Debatte wohl in seiner Strategie gegen die Rechtspopulisten auf eine Kopie von Gusenbauer 2006 umgestellt hat.
[ad#ad-1]Der aktuelle Bundeskanzler grinste sich bei der letzten Nationalratswahlen gegen die aggressiven Angriffe von Strache und Westenthaler souverän durch und schärfte da sein staatsmännisches Profil. So auf die Art: “Mit den nicht ganz so hellen Kinderln muss man geduldig sein.” Das hat Molterer nun adaptiert. Während ihm gegen Haider noch einige Male das Gesicht eingeschlafen ist, lachte der den “nur Comic-lesenden” Strache diesmal spöttisch an (wenn er ihn nicht gerade mit zugekniffenen Augen zu vernichten versuchte) und trug zu meiner Erheiterung bei.
Nach dem Ausländerthema ging es – wenig überraschend – zum Sicherheitsthema. Bin gespannt, wann der Trick der rechten Landeshälfte einmal nicht mehr funktioniert, dass man einfach Ausländer und Sicherheit verknüpft.
Die beiden Kontrahenten funkelten sich an, da kam Moderatorin Thurnher mit einem kleinen Gustostückerl zurück ins Spiel. Sie sprach die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen im Alltag und Beruf an. Immer noch verdienen Frauen etwa ein Drittel weniger als Männer – für dieselbe Arbeit. Wenig überraschend konnten weder Strache noch Molterer auch nur ein Konzept nennen, um dagegen zu arbeiten. Molterer schob die Verantwortung auf die Sozialpartner ab und meinte, dass würde schon werden. Strache wollte anscheinend die unterschiedliche Bezahlung im Beruf ganz kreativ lösen: Er schlug ein Muttergeld vor. So beantwortet man eine Frage nicht, liebe Leute.
Nach nur wenigen Sätzen zur Thurnher-Frage ging es auch gleich wieder zurück zum Sicherheitsthema. So ganz genau hab ich nicht mitbekommen, wie der Schwenk innerhalb von Sekunden geschafft wurde, aber beide Kandidaten waren doch merkbar froh, da wieder rauszukommen. Lustiges Detail: Wenn ich mich recht entsinne, hat Molterer beim zweiten Aufzählen der Polizistenzahlen in Österreich plötzlich 4.000 Beamte mehr hervorgekramt (ORF-Stream).
Die letzten Minuten streifte man noch das Thema “Wie stehe ich zur EU”, ohne da auch wirkliche Themen zu behandeln. Das Gespräch flaute ab. Ich denke, dass beide bei ihrer Klientel recht gut punkten konnten. In der doch recht beträchtlichen gemeinsamen Schnittmenge gab es vielleicht eine kleine Verschiebung zugunsten der ÖVP.
Fotocredits: Neuwal
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7 Reaktionen bisher
Ich halt von Molterer als Politiker wenig, aber ich halt ihn natürlich wie viele anderen Politiker (Gusenbauer, Faymann, Zach, Heide Schmidt, HP Haselsteiner, ja sogar Haider) als intelligent.
Und ich glaub, wenn man keine große Angst hat, sondern recht locker ins Gespräch geht, man ein geistiges Nackerpatzerl wie den Strache recht leicht auseinandernehmen kann.
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!!! | 3. September 2008 | 08:01
“Nach nur wenigen Sätzen zur Thurnher-Frage ging es auch gleich wieder zurück zum Sicherheitsthema. So ganz genau hab ich nicht mitbekommen, wie der Schwenk innerhalb von Sekunden geschafft wurde …”
lol
der Satz klingt wie in der Sportberichterstattung, hitziges Match, die Stimme des Kommentators schon heiser vor Aufregung. Vl. gab’s gerade einen Entlastungsangriff, jedenfalls eine Spielphase, die sich aus der Logik der bisherigen Partie etwas abhebt.
Dann eine ganz schnelle Aktion. “Innerhalb von Sekunden” die Spielverlagerung, heftiges Tempo, atemberaubend. Wie ist der Ball da jetzt durchgekommen?
“Eine irre Aktion! Das werden wir sicher gleich in der Zeitlupe noch einmal sehen, wie das eben gelaufen ist. D.h. sobald das aufregende Spiel eine Unterbrechung zulässt.”
super!
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!!! | 3. September 2008 | 08:01
Ich wusste gar nicht, dass Strache verzaubert war
, aber eine “Entzauberung” ist mir dennoch entgangen. Strache wirkte mit der einfachen Strategie, laufend zu fragen, warum die ÖVP das, was sie jetzt fordert, nicht schon lange gemacht hat, besser, zumal sich Molterer dann immer (fast schon abstoßend) irgendwie herauswinden musste (sein Verlegenheitslächeln konnte ich am Ende schon gar nicht mehr sehen…). Alles in allem hat meiner Meinung nach Strache seine Klientel besser befriedigt…
PS: Das alte Design gefiel mir besser und mit einem 17er Röhrenmonitor überlappt der Textbereich um ca 1 cm.
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!!! | 3. September 2008 | 09:21
Lustig wars!
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!!! | 3. September 2008 | 11:19
@kritikus:
magst mir einen screenshot schicken?
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3. September 2008 | 11:28
Auf http://www.tv1.at kann man alle Konfrontationen abrufen und AFAIK auch zur passenden Stelle gehen, ohne, dass man sich den Teil davor anschauen muss.
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!!! | 3. September 2008 | 15:45
Ich danke Kritikus für den ersten Ansatz einer objektiven Sicht auf Straches TV-Duelle.
Ständig wird nur darüber diskutiert, wie unmöglich sich der blaue Spitzenkandidat in seinen Duellen aufführe, wie viele Unwahrheiten er verbreite und welch “geistiges Nackerpatzerl” er sei.
Warum gesteht man sich als unabhängigem, interessiertem Beobachter nicht ein, dass Strache in seinen Duellen des
Öfteren wesentlich besser vorbereitet ist als sein Gegenüber?
Gegen Molterer konnte er immer wieder mit Nachweisen seiner vorgebrachten Zahlen (STANDARD-Artikel zum Thema Kriminalitätsrate, nachdem ihn Molterer vorher angeschnauzt hatte, wo er denn diese Zahlen schon wieder ausgegraben habe), sowie korrekten Richtigstellungen von Molterers Vorwürfen (Straches Position im Kaukasus-Konflikt | Strache und seine Beziehung zu Radovan Karadžić) überzeugen!
Dieses Posting soll kein Freibrief für die Art der Politik sein, welche die FPÖ zur Zeit fabriziert. Es soll aber darauf aufmerksam machen, dass es müssig ist, bei einem “Duell” (so wird es vom ORF angekündigt) einen Kandidaten von Haus aus zu belächeln und jede einzelne Aktion des Gegenüber mit naiver Freude gutzuheißen.
In der ZiB2 und in allen Zeitungen muss man hören bzw. lesen, wie “tapfer” sich Molterer geschlagen hat.
In meinen Augen war er in diesem Duell einfach schlecht – so leid es mir tut.
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!!! | 4. September 2008 | 23:26
Jetzt sag doch was!