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Am Naschmarkt mit den Grünen

Eva Glawischnig
Die Faulheit zerrte an mir, wollte mich nicht aus dem Bett lassen. Die Kälte schrie mich an: “Bleib liegen!”. Alles sprach dagegen, an diesem Freitagnachmittag auf den Naschmarkt zu gehen, um die Grünen Spitzenkandidaten reden zu hören. In den meisten Fällen würden Kälte und Faulheit einfach gewinnen, heute stand ich auf.

Ich schnappte mir meinen Hut, schwang mich auf ein City Bike, und trat fest in die Pedale. Am Naschmarkt tat mir das Gesicht weh, vom Fahrtwind. Die Kälte spottete: “Das hast du nun davon”. “Klappe zu”, sagte ich, “ich will den Professor reden hören”.

Die Veranstaltung war so überschaubar wie Wahlevents nunmal sind. Einige hundert Menschen blieben stehen und hörten zu, was die Grünen Listenkandidaten zu sagen hatten – die meisten werden schon gewusst haben, wen sie wählen, oder gar bereits Parteimitglied sein.

Es war menschlich viel dabei. Erstwähler, die bei klaren Antirassismus-Statements am lautesten jubelten. Eine alte Frau, eine süße Oma würde ich meinen, die sich so freute, dass Eva Glawischnig mit ihr plauderte, dass sie sofort in ihre Handtasche griff und einen Zehner rauszitterte. Nur mit Hilfe von Ulrike Lunaczek gelang es der lachenden Grünen-Frontfrau, der Oma das Geld wieder zurückzugeben.

Sogar ein besoffener Mr. Niceguy war da, der mit seinen Freunden am Würstelstand zuhörte. Er rief dann und wann freundliche Kommentare Richtung Bühne. Als Ulrike Lunaczek für die Homosexuellen-Gleichstellung plädierte (“Pfui!”) und als Eva Glawischnig ihr Rede hielt (“Lüg-ner-in”, “Gib doch dein Gehalt her” – lustigerweise wollte er trotzdem mit ihr schlafen). Da lachten alle mit dem freundlichen Mann, dessen eigene Gesinnung irgendwie sehr “schwer” zu erahnen war.

Von ihm abgesehen hatte man beim Umsehen irgendwie ein gutes Gefühl. Da war ein bunt gemischtes Österreich – sein Jung und Alt von nah und fern.

Am Naschmarkt konnte man erkennen, was ich jüngst in meiner Wahlempfehlung meinte, als ich die Grünen als “progressive Bewegung” bezeichnete. Auch wenn sie mittlerweile auch eine ganz normale Partei geworden sind, sind sie immer noch mehr als das. Ihre WählerInnen und Mitglieder sind meist demographisch bürgerlich und dafür werden sie von vielen Sozialdemokraten oft verächtlich angeschaut (nicht von Otto Tausig). Dabei teilen die Grünen die sozialdemokratischen Werte von Umverteilung, Gleichberechtigung und Chancengleichheit (der Film “Freundschaft” verdeutlicht das auf lustige Weise sehr gut), auch wenn sie sie mit dem Öko-Gedanken angereichert haben.

Für mich sind die Grünen einfach die neuen Sozialdemokraten, auch wenn sie gerade erst anfangen, das auch offen zu sagen. Das trifft sich gut, weil die Alten ja gerade gar nicht mehr zu wissen scheinen, wer sie sein wollen.

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| 19. September 2008

5 Reaktionen bisher

    LAN sagt:

    Sehr schöne pathetische Einleitung, aber im Endeffekt hättest sowieso nicht daheim bleiben können weil wir uns das Treffen dort ausgemacht haben… ;-)

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    !!! | 19. September 2008 | 23:17
    Zwischenrufer sagt:

    Du hast eine gute Kamera! Schöne Bilder!

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    !!! | 20. September 2008 | 06:33
    Tom Schaffer sagt:

    hoff ich doch, bei dem preis. ;) mittlerweile hab ich sie auch einigermaßen im griff, lerne aber immer noch.

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    20. September 2008 | 12:50
    maschi sagt:

    die grünen als neue sozialdemokraten find ich ja durchaus nett. dann ist aber auch klar, dass es auch neue “bürgerliche” brauchen tätert…

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    !!! | 21. September 2008 | 01:16
    Tom Schaffer sagt:

    möglich – je nachdem was man drunter versteht – ich brauchs ja eher nicht ;)

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    21. September 2008 | 02:16

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