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Warum viele Jugendliche rechts wählen

Nazis raus!
Es ist ein bisschen schockierend, was ich aus dem ländlichen Umfeld meiner Bekannten und Familie höre: Viele junge Menschen wollen bei der Wahl ihr erstes Wahl-Kreuz bei den Blauen machen. Bevor wir jetzt aber darüber nachdenken, diesen Leuten auf ewig das Wahlrecht zu entziehen (Scherz), sollten wir uns darüber Gedanken machen, wie es dazu kommt.

Was ist in den letzten Jahren passiert? Medien und Politiker haben die Jugend für sich entdeckt, aber sie wissen selten Gutes über sie zu berichten. Die Jugendlichen sind blöd (das sagt uns der PISA-Test), sie saufen viel zu viel (das sagt uns ein Blick in die Discos), sie interessieren sich für nichts (das sagt uns das alte Generationenmissverständnis), sie reden nur mehr deppert (das sagt uns ein Blick auf die Krocha) und überhaupt war früher eh alles besser.

Das ist eine Stimmung, die vielen Jugendlichen in Österreich ein Gefühl der Perspektivenlosigkeit gibt. Und ja, das klingt bereits wie ein alter Hut, aber so ist es halt. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch (und Strache behauptet , weil wir die “eigenen Leute” nicht ausbilden wollen), Lehrstellen sind Mangelware, nach dem Studium findet man so leicht auch keinen Job (zumindest nicht ohne 40 kostenlose Praktika), die Garantie irgendwann eine Pension zu bekommen will den Jungen auch niemand mehr geben (und Strache behauptet , weil die Ausländer unser Sozialsystem “missbrauchen”) und überhaupt glaubt in Europa jeder, dass in Zukunft alles nur schlechter werden kann (und Strache behauptet, die EU ist schuld daran).

Straches Antworten sind einfache Antworten auf komplizierte Probleme, denen man in der beschränkten Aufmerksamkeitsökonomie nur schwer etwas entgegen setzen kann (dazu müsste sich jeder vernünftige Mensch mit den Jugendlichen zusammensetzen und diskutieren und erklären – das können die zweieinhalb vernünftigen Parteien nicht alleine leisten). Und alle “Antworten” verbindet, dass “die Fremden” oder “das Fremde” schuld sind. Politische Bildung könnte die einfachen Antworten erschweren, aber die gibt es bei uns ja auch nicht.

Und dann funktioniert Fremdenhass wie er immer funktioniert. Es ist ein deppensicheres Konzept. Ein Strache braucht nur drei oder vier Mal beim betroffenen Wähler anbringen, dass Ausländer Probleme machen – zum Beispiel, dass sie gewalttätig sind oder den Sozialstaat ausnutzen. Und dann gehen die viele der von der Gesellschaft oft gescholtenen Jugendlichen am Wochenende in beschissene billige Discos und kippen sich was hinter die Binde (was in Wahrheit halt schon immer so war, auch wenn jetzt jeder so tut, als wäre das ganz neu).

Und wen trifft man in solchen Etablissements? Natürlich: Den ein oder anderen aggressiven Proleten. Manche davon sind Ausländer (das ist schließlich eine Gruppe, die es erwiesenermaßen noch schwerer hat, als hier geborene Jugendliche). Irgendwann kracht es dann. Und schon sieht es so aus, als hätte Strache recht. “Schau, die sind ja wirklich gewalttätig”. Dass man in einer 1-Euro-Disco auch überdurchschnittlich oft eine aufs Maul bekommen würde, wenn dort nur Österreicher wären, spielt dann keine Rolle. Ein aggressiver Ausländer, der einem Österreicher eine reinhaut, kann dessen ganzen Freundeskreis und Familie in Richtung FPÖ schubsen. In der Emotion differenziert man nicht. Mit einer blutigen Nase ist man nicht vernünftig. Vorurteile lassen sich immer bestätigen, denn keine menschliche Gruppe ist vor Idioten gefeit. Aber Vorurteile zu widerlegen ist kompliziert und schwierig.

Natürlich ist die Reaktion der Jugendlichen falsch und bringt eigentlich gar nichts, weil die Probleme nichts mit Staatsbürgerschaft und Herkunft zu tun haben, sondern mit sozialen Faktoren. Ist jemand arm und frustriert? Ist jemand schlecht gebildet und hat keine gute Zukunftsaussicht? Egal woher jemand kommt, je schlechter es ihm geht, desto eher ist er anfällig für Dummheiten. Aber die Reaktion der Jugendlichen ist verständlich. Und bisher hat sich niemand daran gemacht, mit ihnen ehrlich zu sprechen.

Es ist höchste Zeit. Wir sind alle in der Pflicht.

Fotocredits: Bresel (klicken empfohlen)

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| 26. September 2008

14 Reaktionen bisher

    der tolle mensch sagt:

    guter beitrag, ist leider viel zu oft so. hab mich vorhin wieder mit meinem kleinen bruder (16 – erstwähler) rumärgern müssen, weil er meinte er wähle blau weil die seien gegen die ausländer. na suppa, sehr gscheit -.-

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    !!! | 26. September 2008 | 21:29
    Philip sagt:

    Tja, da wächst wieder was nach.

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    !!! | 26. September 2008 | 21:48
    Tom Schaffer sagt:

    heute in der kleinen zeitung gelesen: anscheinend wurde kürzlich die klubchefin der grazer grünen von jugendlichen mädchen attackiert, nachdem sie einem ausländer helfen wollte, der in der straßenbahn von den jugendlichen angegriffen wurde.

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    26. September 2008 | 22:00
    dieter sagt:

    Ausländerfeindlichkeit kommt von unten und nicht von oben. Strache braucht den Xenophoben nicht einzureden, dass sie Ausländer nicht mögen sollen, sondern er braucht lediglich das Wählerpotential, das sich dadurch ergibt, anzusprechen.

    Das erkennt man auch leicht daran, dass die meisten konkreten Vorwürfe, die man so auf der Straße hört, nicht in irgendwelchen Parteizentralen erfunden wurden, sondern regional und ad hoc entstehen.

    Sehr lesenswert und amüsant zu diesem Thema ist Florian Klenks Bericht über seinen Spaziergang mit Hannes Missethon durchs Ghetto.
    Herr Missethon schaut dem Volk aufs Maul

    Meine Prognose ist, dass solange kein Assimilierungsprozess abgeschlossen ist, nachdem keiner mehr beurteilen kann, wer denn nun eigentlich zu den Einheimischen und wer zu den Zuagrasten gehört, es Animositäten und damit Wählerpotential für rechts geben wird. Es wählt ja schließlich auch niemand die FPÖ wegen den Tschechen, die vor hundert Jahren nach Wien kamen.

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    !!! | 26. September 2008 | 22:22
    Mig sagt:

    Tja, da kann man es nur mit Philip halten und einstimmen: Es wächst wieder etwas (grausliches) nach. Doch Dummheit ist keine Entschuldigung und jene, die rechtsradikal wählen, werden nichts konstruktives daraus ernten … nur schade, dass auch alle anderen die negativen Auswirkungen mittragen werden müssen. Dies ist (leider) die Schattenseite der Demokratie – etwas besseres als ebendiese Form der staatlichen Machtausübung haben wir jedoch noch nicht entwickelt.

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    !!! | 26. September 2008 | 23:08
    weltbeobachterin sagt:

    was du schreibst, da ist sehr viel dran.

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    !!! | 27. September 2008 | 08:37
    Tom Schaffer sagt:

    @dieter du hast natürlich im großen und ganzen recht, ausländerfeindlichkeit entsteht auch ohne politische hetzer. aber sie braucht auch immer eine antriebsfeder von oben, um dann wirklich eine massenerscheinung zu werden. nur mit einem salonfähigen führer kann sie sich breit offen zeigen und dadurch das klima erzeugen, das eine spirale zu noch mehr hass lostritt.

    mit drei parlamentsparteien, die dieses umstände momentan antreiben, befinden wir uns an einem sehr gefährlichen punkt.

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    27. September 2008 | 12:06
    etu sagt:

    Jugendlichen darf man wegen ihrer Absicht, eine von den beiden rechtslastigen Parteien zu wählen, keine Dummheit zuschreiben. Teenager sind das “Barometer” unserer Gesellschaft. Sie spüren gesellschaftliche Spannungen und bekommen (im wahrsten Sinne) die Prügel ab. Doch sie sind hilflos! Denn: Wer von uns Erwachsenen weiss wirklich, was die Grundsicherung ist oder wer beweist schon im Alltag Zivilcourage? Oberflächlichkeit regiert die Welt der Political Correctness! Nach dem Motto: “Sei brav und artig, aber lass dir nie anmerken, was du wirklich denkst.” Unkritische Staatsbürger werden nicht als solche geboren! Tipp am Rande: Suchen Sie nicht das gute, aufklärende Gespräch mit ihrer Tochter/ihrem Sohn, sondern leben Sie es vor, eine Meinung zu haben und dazu zu stehen – möglichst nicht im Korsett des Schwarz-Weiss Denkens. Und alles wird gut .. leider nicht mehr bis zur Wahl.

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    !!! | 27. September 2008 | 13:23
    Katha sagt:

    Ich befürchte ebenfalls eine erstarkte Rechte. Jedoch bei den bayerischen Landtagswahlen morgen.

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    !!! | 27. September 2008 | 16:47
    Tom Schaffer sagt:

    ich dachte die csu verliert stark

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    27. September 2008 | 19:10
    Katha sagt:

    ja die csu wird starl verlieren. doch es gibt ja noch de republikaner und die npd, beide weit rechts von der csu. es ist eigentlich sicher, dass sie nicht in den landtag einziehen werden, stellen aber dennoch für genau die art von jugendlichen, die du in deinem artikel beschrieben hast, eine alternative zur csu dar – leider.

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    !!! | 28. September 2008 | 11:28
    Ladana sagt:

    Ich sitze hier mit Blick auf den Brunnenmarkt und war auch nah an der Versuchung mich orange zu färben. Es ist kein Ausländerproblem, es ist ein Integrationsproblem, und zwar eines das schnell gelöst werden muss. Meine Lebensgefährtin kommt aus Griechenland, geht anscheinend hier als Ausländerin durch und darf sich über zwei Blocks in völlig unverständlicher, aber vom Klang her nicht schöner Sprache, nachschreien lassen. Ein Beispiel von vielen. Die Lösung muss ganzheitlich bildungspolitisch, mit mehr Polizeipräsenz auf der Strasse und mehr Aufklärung erfolgen. Rot-Schwarz hat einen Teil der Probleme verursacht, weil sie die Leute nur als Wirtschaftseinheiten gesehen hat. Ja, Haider ist nationalistisch, aber das ist die Grundidee unserer Integration auch. In einem System der Wertvorstellungen Gemeinsamkeiten finden, und Problembereiche – wie eben ausgediente religiöse Konzepte – auflösen. Was wird überbleiben – ein System unserer westlichen bzw. gar österreichischen Werte. Ist das nun rassistisch, oder Selbstzweck?

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    !!! | 30. September 2008 | 06:10
    Merlot46 sagt:

    Wie sagte schon der verstorbene Altbundeskanzler Sinowatz: “Es ist alles sehr kompliziert!”. Politiker, die nur einfache Antworten auf komplizierte und komplexe Zusammenhänge geben, werden bei Wahlkampfveranstaltungen zwar regen Zulauf finden, weil sie meistens auch die Instrumente der Mobilisierung kennen. Im Tagesgeschäft der Politik werden sie jedoch kläglich scheitern. So geschehen in den Regierungsjahren 1999 bis 2006, wo es die Freiheitlichen beinahe zerriss. Jedermann, der sich damals für Politik interessierte, konnte sehen, wie reihenweise die Minister der FPÖ/später BZÖ-Fraktion scheiterten. Warum wohl? Siehe oben.

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    !!! | 30. September 2008 | 09:12
    Gurgelhals sagt:

    Das Problem ist mannigfaltig, ich werd mal kurz versuchen darzulegen welche Spannungspunkte Wähler mM. derzeit zur FPÖ, oder einfach zur Nichtwahl, treiben können.

    - Faymanns Ausgrenzungspolitik (Keine Koalition mit FPÖ)

    - Faymanns Hetze gegen die FPÖ (Keine Ehrenämter für FPÖ Mitglieder)

    - Der Muzicant/Graf Fall -> Muzicant betreibt seit Jahren seine Seite http://www.kellernazisinderfpoe.at – er genießt daher sehr wenig Mitleid bei mir.

    - Gutmenschengesülze von Faymann (Politische Bildung verstärken, Mauthausenbesuche intensivieren) Dabei sollte man doch eigentlich wissen dass unter Antifaschismus, nicht nur der Nationalsozialismus, sondern auch zB der Stalinismus fällt. Für Faymann ist Antifaschismus aber nur der Kampf gegen Rechts.

    - Verzerrtes Medienbild -> Rechts wird mit Rechtsextrem in einem Zug genannt, die Wähler rechter Parteien werden als “dumm” bezeichnet.

    - Ausländerproblematik ist (vorallem in den Städten) real, obwohl die Strache FPÖ sie hetzerisch propagiert. Schärfere Asylgesetze und schnellere Abschubmöglichkeiten straffällig gewordener Asylnehmer müssen her.

    - Konservative Gedanken (Viele wollen einfach keine Moschee vor ihrem Haus sehen, nicht weil sie die Menschen verachten, sondern weil sie ihre Kultur so wie sie es gewohnt sind, wahren wollen).

    Soweit von mir

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    !!! | 1. June 2009 | 12:15

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