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Kommerz verdrängt Alternativszene in Berlin

Berlin ist eine Stadt der Gegensätze. Berlin ist aber auch eine Stadt mitten im Wandel. Auf einer Free Alternative Tour dieses Wochenende wurde mir dies noch um einiges deutlicher. All die heute noch/wieder besetzen Häusern etwa (manche legal, manche illegal – jedoch überall unter extremen Lebensbedingungen), wie der schwarze Kanal, das Köpi- sowie das RAW-Areal, werden in den nächsten Jahren zunehmend verschwinden – teilweise paradoxerweise durch Nobel-Suiten oder Unterhaltungs-Zentren ersetzt werden. Nichts soll mehr darin erinnern.
[ad#ad-1]Auch weitere Berliner Protest-Institutionen wie das Tacheles (eigentlich eine unglaublich schäbige Bude, Ruine, jedoch mit unglaublich ausgeprägtem Kreativpotenzial wie die einzelnen Ausstellungen auf den jeweiligen Künstler-Etagen klar machen) oder die Bar25 und somit die freie Nutzung des Spree-Ufers sind mehr als in Gefahr. Der Vertrag des Tacheles läuft demnächst aus und soll schlicht nicht verlängert werden. Es droht die Privatisierung, weil sich ein Investor mit protzigen Hotel-Plänen gefunden hat.
Die Bar25 muss höchstwahrscheinlich dem Projekt Media Spree weichen, einem groß angelegten Projekt zur rein kommerziellen Nutzung des Ufers durch Mega-Unternehmen, modernen Großbauten und ähnlichem. Und das inmitten zwei der ärmsten Bezirke Berlins, Kreuzberg und Friedrichshain. Und mit einem von einer homosexuellen Gruppierung besetzen Häuserkomplexes (“Schwarzer Kanal”) in der unmittelbaren Nachbarschaft. Wird natürlich geräumt. Zwar hat der Anrainer-Protest (mit mehr als 80%-Zustimmung, immerhin drohen die Mieten in den Bezirken zu steigen) erstmals einen Aufschub der fragwürdigen Zukunfts-Pläne bewirkt und es scheint unklar, ob diese auch wirklich so umgesetzt werden können. Allein jedoch die Gefahr solch blind aus kommerziellen Motiven geplanten Stadt-Entwürfe stimmt bedenklich.
Die O2-World (finanziert von einem gewissen Herrn Anschutz, Inhaber der Anschutz Entertainment Group und übrigens auch Groß-Investor beim Projekt “wirtschaftliche Nutzung des Spree-Ufers”) ist eines dieser bereits vollendeten Stadt-Projekte im negativsten Sinn. Vor der multifunktionalen Veranstaltungshalle mit 60.000 qkm verläuft übrigens die East Side Gallery, also das längste noch erhaltene Original-Stück der Berliner Mauer. Bürgermeister Wowereit erklärte sich dazu bereit, die Original-Mauer auch hier zu durchbrechen, um nämlich der Veranstaltungshalle einen direkten Wasser-Zugang zur Spree zu sichern. Interessantes Detail am Rande: Anschutz wurde mehrfach vorgeworfen, Kampagnen gegen Homosexuelle zu unterstützen und der Auffassung zu sein, Homosexuelle seien pädophil. Oftmals wird der Multi-Milliadär übrigens auch in Verbindung mit Scientology-Unterfangen genannt, hier spricht man sogar von der O2 World als einem mit Scientology-Geldern finanziertem “Event-Center”. Naja, jedenfalls ist seit längerem bekannt, dass Berlin mit einem gewissen Herrn Wowereit einen offenkundig homosexuellen Bürgermeister vorzuweisen hat…
Worauf ich eigentlich hinaus will, abgesehen von den generell mehr als fragwürdigen und ignoranten, offensichtlich rein wirtschaftlich motivierten Stadt-Entwürfen der Zukunft: Berlin ist eine unglaublich vielfältige Stadt, nicht zuletzt aufgrund den erstaunlich intensiven, noch bestehenden Protest-Bewegungen. Dazu gehören auch all die besetzten Gelände-Bauten mitten in der Stadt.
Berlin zum reinen Zentrum der europäischen Unterhaltung, der Wirtschaft und was weiß ich noch zu machen, wird so nicht funktionieren. Es gibt eindeutig prächtigere und mächtigere Städte als Berlin. Wahrscheinlich gibt’s aber keine vergleichbar gegensätzliche Stadt. Und das hat seinen ganz eigenen Charme. Man sollte diesen Vorteil nicht grundlos zugrunde richten – ist jedoch auf dem besten Weg dorthin. Nach all dem was ich hier bisher mitbekommen hat, wird Berlin in naher Zukunft nicht mal mehr ansatzweise das sein, was es heute ist. Das ist mehr als schade.
Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!Pezi ist im Moment ein Semster lang in Berlin, wo sie an der Freien Universität studiert. Mehr höchst subjektive Momentaufnahmen aus der deutschen Hauptstadt gibts auf http://pezigoesberlin.wordpress.com
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15 Reaktionen bisher
Endlich geht es dieses arbeitsscheuen Platzverschwendern an den Kragen. Hotels braucht die Wirtschaft, keine verschmierten Wände!
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!!! | 14. October 2008 | 22:41
Bin ja schon sehr auf die Stadt gespannt.
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20. October 2008 | 15:16
Berlin befindet sich nach wie vor in einem Ausnahmezustand – Auch wenn die Mauer vor fast 20 Jahren gefallen ist, die Auswirkungen spürt man heute noch. Nur dieser Ausnahmezustand wird nicht bis in alle Ewigkeit anhalten – Einzigartige Projekte wie das von dir erwähnte Tacheles, die sich in (aus Immobilienmaklersicht) absoluten Traumlagen befinden, werden sich nicht wehren können gegen die Macht des Kapitals und nach und nach verschwinden. Auch wenn es Wiederstand gibt – Der Senat hat oft genug bewiesen, dass letztendlich über alles drübergefahren wird wenn nur die Kasse stimmt.
Ich bin selber erst seit zwei Jahren in Berlin – kann also nicht behaupten, dass ich die Stadt besonders lange kenne – Trotzdem hat sich in diesen zwei Jahren schon so unglaublich viel verändert … Ich denke mal nur an den U-Bahnhof Alexanderplatz, der damals noch viele einzigartige inhabergeführte Lädchen beinhaltete, mittlerweile aber umgebaut wurde und seitdem McDonalds, DunkinDonuts und sonstige Kettenfilialen beherbergt. Kein Spur von Originalität mehr.
So wird das weitergehen, bis Berlin aussieht wie jede andere Stadt dieser Größenordnung auch: Ein Stadtkern, der für die materiell Wohlhabenden reserviert ist und der aussieht wie in jeder anderen Stadt auch. Die ganze kreative Masse, welche den Flair dieser Stadt ausmacht wird es sicht nicht mehr leisten können, in den inneren Bezirken zu leben und abwandern. Schöne Aussichten
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!!! | 24. October 2008 | 17:11
schöner kommentar, danke, das triffts nochmals auf den punkt!
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!!! | 25. October 2008 | 13:51
Von wo hast du das eigentlich mit den Hotel-Plänen auf dem Gelände vom Tacheles?
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!!! | 26. October 2008 | 20:31
das hab ich ihm gespräch mit einem berliner erfahren, hab dafür aber leider auch keinen weiteren nachweis im internet gefunden…
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!!! | 26. October 2008 | 23:07
oki, naja, klingt keinesfalls unrealistisch, dass investoren die brachfläche ins auge gefasst haben, trotzdem denke ich, falls der ende 2008 auslaufende vertrag wirklich nicht erneuert würde (das tacheles also nur mehr 2 monate bestehen würde), dann hätte sich schon massiver protest geregt …
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!!! | 27. October 2008 | 09:04
das stimmt wahrscheinlich ja… =)
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!!! | 27. October 2008 | 10:58
Und du hattest recht
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Tacheles-MItte;art270,2661796
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!!! | 20. November 2008 | 14:23
gut, dass ich es mir vor einigen tagen noch ansehen konnte. ist wirklich ein toller komplex, so wie er noch ist. dass eine stadt wie berlin es sich leistet, so etwas zu zerstören, ist ein irrsinn in jeder hinsicht, abgesehen vom kurzfristigen abcashen vielleicht.
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20. November 2008 | 16:13
Wie gesagt… Im Berlin der steets leeren Kassen werden Entscheidungen scheinbar ausschließlich nach Rentabilität gefällt, völlig egal ob einzigartige Projekte dabei zerstört werden oder nicht (Siehe auch das Beispiel des Durchbruchs der East-Side-Gallery im Artikel). Ok – aber wo wird das nicht gemacht?
Ich empfinde das Tacheles, diese Bruchbude und Brachfläche in bester Lage, jedenfalls keineswegs als Schandfleck, sondern als etwas, das Berlin einzigartig macht – Deshalb ists auch bei mir Pflichtprogramm wenn ich Freunde auf Besuch da habe …
Ein Glas-Stahl-Beton-Gähn-Hotel-Komplex dagegen würde sich wohl weniger dazu eignen, Besuchern das Besondere an Berlin zu vermitteln – Nämlich dass es (vor allem in der Alternativ- und Clubkultur) hier nicht drauf ankommt, wie “schick” etwas ist, sondern was man daraus macht.
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!!! | 21. November 2008 | 01:28
die ersten teile des tacheles wurden bereits geräumt(rodin-ausstellung im obersten stock), der rest soll demnächst folgen, wie ich gestern unter anderem einem gespräch zwischen einem galerie-besitzer und einem besucher entnehmen konnte – sehr schade…
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!!! | 11. January 2009 | 21:39
mehr als.
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11. January 2009 | 23:45
Moe kann aus irgendeinem technischen Grund leider nicht mehr antworten, Bis das geklärt ist weiße ich auf den Artikel hin, den er mir per Mail geschickt hat: Künstler wollen Tacheles selbst kaufen
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15. January 2009 | 22:22
Das Ende der Geschichte.
Es gibt nur ein lösung gegen die wiederaufstandung des Totalitärismus. Numero vier: Bolsjewisme, Fascismus, Nazismus, und jetzt Darwinistisches Total-Kapitalismus Egoismus mit fantastischer freiermarkt-prinzipe: survival of the schmutzigste.
Jeder Afrikaner ohne schul unterricht weist es aber hier glauben wir allen das es jetzt normal ist. (Wo haben wir das auch gesehen)
Und die lösung ist ?
Wir machen ja gar nichts: Total Nihilismus.
Da ist nichts los, alles ist wie es ist und wie es sein must, was kann mann da gegen machen. Problem ? Kein problem ! und weg ist das problem.
Na toll! Wir sind jetzt da, hier und heute.
ERRATA:
(Damit komt dieser tekst weg zu fallen, (zu erfallen))
(Es ist möglich das es einigen fäler gibt in Spellung und Gramatik der deutsche Sprache.)
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!!! | 27. January 2009 | 00:14
Jetzt sag doch was!