Blog

Lesezeit:

3.3

Minuten

Rezension: Let’s Make Money

Lets Make Money
Der für seine “konservativen” Meinungen bekannte österreichische Journalist Andreas Unterberger hat in seiner Kolumne der “Wiener Zeitung” den Dokumentarfilm “Let’s Make Money” von Erwin Wagenhofer erwähnt.

Die Unterrichtsministerin setzt Initiativen zur Wirtschaftserziehung an den Schulen. “Bravo, endlich!” möchte man rufen – bevor man konkret erfährt, was Claudia Schmied konkret vorhat. Denn im Zentrum ihrer Kampagne stehen 50 Sondervorführungen des linksradikalen Kampffilms “Let’s make money”. [Hervohebung durch mich]

Gestern Abend war ich dann in einer Vorführung des Films im Wiener Votivkino. Hier ist eine Liste der Leute, die darin zur Sprache kommen:

  • Dr. Mark Moebius (neoliberaler Investor in der Steueroase Singapur)
  • Hermann Scheer (SPD-Parlamentarier)
  • Francis Cogolo (Baumwollproduzent in Burkina Faso)
  • Gerhard Schwarz (Leiter der Wirtschaftsredaktion der konservativen NZZ, Mitglied der neoliberalen Mont Pelerin Society, Leiter eine Hayek-Institutes)
  • John Christensen (Finanzökonom)
  • John Perkins (ehemaliger Dritten Welt-Volkswirtschaftszerstörer für die US-Regierung)
  • Ramon F. Duran (Universität Madrid)
  • Mirko Kovats (österreichischer Investor)

Dazu kommen unter anderem eine Ökonomin und ein kleiner Bub aus Indien, Baumwollpflückerinnen aus Burkina Faso die keine 50€ im Jahr verdienen, ein Obdachloser in Washington D.C., der Vize-Kanzler der Steueroase Jersey, ein deutscher Publizist in Wien und einige andere Personen, die nur Nebensätze hinzufügen und mir entfallen sind. Die Sprecherliste ist also mehr als ausgeglichen und alles andere als von irgendwelchen linksradikalen Spinnern durchzogen. Dass die Aussagen des Films trotzdem menschlich und ethisch schockierend sind, ist den Leuten zuzuschreiben, die diese Aussagen für normal halten. Und das sind Rechte.

Es kann ja auch noch immer sein, dass sich in der SPÖ die vernünftigen Kräfte gegen diejenigen durchsetzen, die alles, was nicht links ist, nicht tolerieren. – Andreas Unterberger 2007 im Datum

Andreas Unterberger, der den bösen linken SPÖlern gerne vorwirft, sie würden keine rechten Meinungen akzeptieren, diskreditiert also einen ihm nicht genehmen Dokumentarfilm als “linksradikal” um ihn in der Folge auch noch als Schwachsinn zu bezeichnen. Argumentation gibt er keine. Freilich. Er schreit “Hurra!”, wenn er wirtschaftliche Bildung in Schulen hört, aber ihm passt es nicht, wenn dann nicht nur die Theorie des freien Marktes gelehrt wird, sondern auch die realen Auswirkungen dieser Theorie.

Was ist in “Let’s Make Money” zu sehen? Regiesseur Wagenhofer (We Feed The World) geht vom Banken Werbeslogan “Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten” aus und führt den Zuseher auf einen Rundgang durch die Welt der Finanzmärkte. Er kommentiert die Geschehnisse nur selten, hat selbst keine Stimme aus dem Off. Ab und zu wandern ergänzende Informationen als Text über die schön eingefangenen Bilder.

Wagenhofer befragt seine Interviewpartner zu ihren ethischen Standards (so meint etwas Finanzguru Mark Moebius, Investoren seien nicht für Ethik zuständig), spricht über die Immobilienblase in Spanien und filmt zum Beispiel Mirko Kovats wissentlich dabei, wie er bei einem Bauprojekt in Indien mit Standortwechsel droht, wenn der Preis nicht gedrückt wird.

[ad#ad-1]Die Bildsprache ist beeindruckend. Sieht man erst Baumwollpflückende Kinder in der sengenden Hitze von Burkina Faso, schwenkt die Kamera daraufhin in den Himmel um die kreisenden Aasgeier einzufangen. Fast unwesentlich erfolgt dann ein Szenenwechseln in eine westliche Großstadt, über der statt den Geiern einige Raben kreisen. In einer anderen Szene an der spanischen Costa del Sol steht ein Umweltaktivist vor einer scheinbar unspektakulären Baustelle eines Hotels, mitten in einem der letzten Naturschutzgebiete an der bereits zu 80% verbauten Küste. Im nächsten Schnitt gibt es plötzlich eine Totale von der Szene und es wird klar, dass das (illegal gebaute) Hotel in Wahrheit einer riesigen Pyramide ähnelt. (Den Abriss des Hotels zahlen übrigens die spanischen Steuerzahler, nicht die kriminellen Unternehmer oder kurzsichtigen Investoren, die dahinter stecken.)

Wie schon in We Feed The World spannt Wagenhofer einen globalen Rahmen um seine Geschichte. Er zeigt die Goldproduktion in Ghana (wovon nur 3% in Afrika bleiben, 97% aber in den Westen wandern) und berichtet im weiteren Verlauf davon, dass die Straßenbahnen in Wien an amerikanische Investoren verkauft wurden (nur um später wieder zurückgemietet zu werden). Mal berichtet ein Ökonom von der verschleiernden Funktionsweise des Jersey-Bankengeheimnis, dann werden verdreckte indische Flüsse gefilmt. Dann erklärt ein “Economic Hitman” davon, wie er im Dienste der US-Regierung Politiker in anderen Ländern korrumpierte, nachdem ein NZZ-Wirtschaftsredakteur seine Bewunderung für die Begründer der Mont Pelerin Society zum Ausdruck bringt und ein Produzent in Afrika sich darüber beklagt, dass der Westen mit Hilfe des IWF und der Weltbank seine eigenen Produkte subventioniert und protektionistisch agiert, während er Entwicklungsländern Kapitalismus aufzwingt.

Wagenhofer tut gar nicht erst so, als hätte er für all das Antworten parat. In Wahrheit gibt er überhaupt keine. Er zeigt einfach nur die zeitweise empörenden, manchmal skurrilen, ab und zu auch mörderischen Absurditäten des internationalen Finanzmärkte. Man kann erahnen, dass seine bevorzugten Antworten Leuten wie Mark Moebius oder auch Andreas Unterberger wahrscheinlich nicht gefallen würden, aber der Regiesseur zwängt sie niemandem auf.

Fakt ist, und das wird auch der rechteste Marktfundamentalist nicht leugnen können, ohne als Schwachkopf dazustehen: Wenn in Spanien drei Millionen Wohnungen gebaut werden, für die nie ernsthaft geplant wird, dass überhaupt jemand einzieht, und die dort angelegten Golfplätze Wasser für 16 Millionen Menschen verbrauchen (obwohl dort niemand spielt), nur weil Wohnungen neben Golfplätzen für Spekulanten halt lukrativer sind, dann sind wir über ein erträgliches Maß an Schwachsinn längst hinweg.

Und wenn Afrikanerinnen den Kameramann anflehen, dass die Leute in Europa doch faire Preise für Baumwolle zahlen sollen (wohl nicht ahnend, dass einzelne T-Shirts aus ihrer Wolle preislich ihr Jahresgehalt übersteigen), dann kann man es nicht einfach als linksradikal abtun, das hier in die Kinos zu bringen.

Und wenn diese Afrikaner dann, wie im Film in den Raum gestellt, selbst 10 Meter hohe Mauern rund um Europa überwinden wollen, um aus diesem Elend auszubrechen, dann werden Leute wie Unterberger wieder ihr “konservatives” Gedankengut zur Schau stellen und ihre Meinung zur Zuwanderung abgeben.

Wer Kritik an diesen Missständen für links hält, ist nicht rechts, sondern unmoralisch.

Alle die nicht so dermaßen verloren sind, sollten sich Let’s Make Money ansehen. Und zwar so schnell wie möglich.

Fotocredits: Let’s Make Money

Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!
 
| 30. October 2008

29 Reaktionen bisher

    maschi sagt:

    Für Dich ist das ganze immer noch mehr ein Kampf “Gut” gegen “Böse”. Die Systemfrage lugt zwischen jedem Satz hervor. Ich verstehe das, aber meine Wahrheit ist eine etwas andere. Natürlich gibts jede Menge so Ekel wie Moebius, die es zum Teil ihrer “Marketingstrategie” machen, das Ekelhafte vor sich herzutragen. Sie bedienen damit letztlich auch wieder einen Markt an Erwartungshaltungen, wie zB jene, dass Wirtschaften und finanzieller Erfolg NUR möglich sei auf Basis von Skrupellosigkeit und Ausbeutung. Dass des einen Freud IMMER des anderen Leid sei.

    Meine Wahrheit ist aber: (wirtschaftlicher) Erfolg ist SOWOHL auf Basis von Kampf, Skrupellosigkeit, Ausbeutung möglich ALS AUCH auf Basis von Kooperation. Wenn Du einen Schritt zurücktrittst hat das eigentlich gar nichts mit “Wirtschaft” zu tun, sondern mehr damit, wie die Natur seit Jahrmilliarden Evolutionsvorsprünge “verteilt”: SOWOHL auf Basis von Kampf und Vernichtung ALS AUCH auf Basis von Kooperation und Symbiose. Die Tatsache, dass die meisten Menschen letzteres für “gut” und wünschenswert halten ist für mich ein starkes Indiz dafür, dass es uns im Zuge der Evolution sehr oft sehr stark genützt hat, kooperativ zu denken. Aber das führt jetzt zu weit…

    Es liegt letztlich an uns, wie wir weitertun wollen. Ich persönlich glaube, dass wir am weitesten kommen, wenn wir Kooperation grossschreiben und gleichzeitig den Kampf nicht abschaffen, aber zivilisieren. Die momentane Umbruchssituation der globalen Wirtschaft (die national geschlossenen Volkswirtschaften sind abgeschafft, der globale Regelungsrahmen dürftig) darf uns aber nicht dorthin führen die Systemfrage auf eine solche Art zu stellen, dass die Leute glauben, sie müssten einem europäischen Chavez nachlaufen. Das wird nicht morgen passieren, aber ich warne davor und das ist der Grund warum ich mich manchmal an Deiner Diktion doch stosse…

    Moebius – Ekel hin oder her – hat mit seiner Ablehnung der Zuständigkeit für Ethik insofern “recht” als der einzelne Wirtschaftstreibende niemals die Spielregeln setzen kann unter denen der Wettbewerb stattfindet. Wenn diese Spielregeln nicht so beschaffen sind, dass alle irgendwie damit leben können und vor allem: dass sie überhaupt mal für alle gelten, haben wir in meinen Augen eigentlich gar keinen “Markt”. Markt war historisch immer der Ort, an dem man zusammenkam, um transparent und offen unter für alle gleichen Spielregeln (der Markt”ordnung”) Handel zu treiben. Diskreditieren wir diesen Begriff nicht, er ist ein positiver – weil er eben genau für den Fortschritt gegenüber intransparenten Machenschaften weniger Mächtiger steht.

    In der Verantwortung für unsere ethischen Masstäbe sind wir primär als “politische” Menschen. Wenn wir im realen Leben Rollen unter gegebenen (und vielleicht als miserabel empfundenen) Rahmenbedingungen einnehmen, dann können wir aus dieser Position heraus die Welt zwar immer wieder ein klein bisschen “besser” machen, aber eben die Regeln nicht ändern. Und es kann nicht so sein, dass sich gerade jene Menschen, denen als “Homo politicus” vieles sehr klar ist, aus der Wirtschaft zurückziehen, weil sie sich sonst der Gefahr aussetzen, dass mit Fingern auf sie gezeigt wird, weil sie nach denselben oder ähnlichen Regeln spielen (müssen) wie jene, denen das Nachdenken über diese Regeln völlig wurscht ist.

    übrigens: ich halte es für einen skandal, dass wir in einem land leben, in dem man zwar integralrechnung lernt, aber einfachste wirtschaftliche und rechtliche zusammenhänge von menschen nicht verstanden werden – nicht zuletzt weil es in den schulen so gut wie gar keine rolle spielt. auf der basis dieses extremen unwissens breiter kreise dann als “wirtschaftsunterricht” solche filme vorzuspielen ist genauso billig wie ihn als “linksradikalen kampffilm” abzutun. und schon haben wir wieder die positionen des 19. jahrhunderts bezogen und schon diskutieren wir wieder nur über die dinge, die eigentlich nicht die wichtigen sind…

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. October 2008 | 16:38
    Thomas sagt:

    Dass das ganze eine moralische Dimension hat, und es damit um Gut und Böse geht, scheint mir schon klar, nur glaube ich, das habe ich glaub ich von Jean Ziegler gelernt, dass die meisten Verantwortlichen nicht böse sind. Sie sind einfach dumm und glauben den beschwichtigenden Dreck denn sie so von sich geben wirklich…

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. October 2008 | 19:32
    pezi sagt:

    naja, dummheit ist immer eine gute ausrede… ;)

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. October 2008 | 20:45
    dieter sagt:

    Stimme maschi zu.

    Den Film habe ich nicht gesehen. Stilistisch würde er mich interessieren. Inhaltlich hat es sowas schon hundert mal gegeben.

    “Die Sprecherliste ist also mehr als ausgeglichen und alles andere als von irgendwelchen linksradikalen Spinnern durchzogen.”

    Aber es ist doch gerade die einseitige Befragung von gierigen Investoren und neoliberalen Theoretikern, die bei solchen Filmen zur propagandistischen Verzerrung beiträgt.

    Kommt im Film auch ein nüchterner Mainstream-Ökonom vor? Die meisten Probleme, die diese Filme als kontroversiell darstellen, werden ja von der Wirtschaftswissenschaft nicht gelgeugnet und sind alt bekannt. Und der vernünftige Ökonom wird da durchaus Regulierung, Zölle oder dergleichen als Lösungsmöglichkeiten anbieten.

    Ein gieriger Investor/Manager mag ein Ungustl sein, der nur raffgierig an seinen Profit denkt. Ein Handel kommt aber nur dann zustande, wenn die andere Seite auch davon profitiert. Das ist ja einer der positiven Aspekte am Markt, nämlich, dass auch ein Ungustl dazu verleitet wird, was nützliches zu machen.

    Eine seriöse Dokumentation müsste zuerst marktwirtschaftliche Grundkenntnisse vermitteln um darauf aufbauend gängige Formen von Marktversagen aufzuzeigen. Häufig werden aber bei solchen Filmen unzählige Themen zusammengeworfen, die praktisch nichts miteinander zu tun haben und die jemand ohne Vorwissen nicht einordnen kann.

    Warum ist es denn problematisch, wenn Ghana sein Gold exportiert? Soll Dubai sein Öl auch nicht exportieren? Verstehe ich nicht…

    Burkina Faso? Das Land hat keinen Zugang zum Meer, kein Wasser, viel Hitze und explodierende Bevölkerungszahlen. Das Wirtschaftsystem, das Burkina Faso zu einem prosperierenden Land machen könnte, muss erst noch erfunden werden.
    Laut Wiki lebt 90% von Burkina Faso in Subsistenzwirtschaft, also wird nur für den Eigenbedarf oder den der dörflichen Gemeinschaft gewirtschaftet. Meistens bedeutet das auch, dass es kein Konzept von Grundbesitz gibt.
    Was das Land also sicher nicht hat, ist zuviel Marktwirtschaft. Soweit sind die noch gar nicht. Und der Exportwirtschaft würde es helfen, wenn die Amis die Baumwolle nicht subventionieren und keine Importzölle einheben würden.

    Aber dann wäre Erwin Wagenhofer wohl in die USA gefahren um leidende Baumwollfarmer zu Wort kommen zu lassen; aber unkommentiert, sodass man sich selbst ein Bild machen kann, versteht sich….

    Like! Thumb up 0

    !!! | 31. October 2008 | 08:08
    Michael sagt:

    Überraschenderweise :-) möchte ich jetzt auch noch ein bisschen kritisieren. Sobald jemand das Wort “neoliberal” in der pervertierten, historisch vollkommen falschen Art verwendet, wie das z.B. in diesem Trailer vorkommt, kann man schon automatisch sagen, woher der Wind weht.

    Warum so ein Film irgendwas mit Wirtschaftserziehung zu tun haben soll, ist mir vollkommen schleierhaft. Es ist nichts weiter als eine linke Polemik. Es werden allerhand Betrügereien genommen und dann impliziert, dass das was mit Marktwirtschaft zu tun hat.

    Wenn in Spanien jemand Häuser und Golfplätze ohne Bedarf baut, dann wird er viel Geld verlieren. Und wenn er das in betrügerischer Absicht gemacht hat, dann ist das eine Straftat und darauf steht (hoffentlich) Gefängnis. Wenn die spanische Justiz nicht fähig ist, Kriminelle angemessen zu verfolgen, dann ist das ein Problem – aber keines der Wirtschaft sondern eines der Politik.

    Wenn der Investor sagt, dass er nicht für die Ethik zuständig ist, dann stimmt das im Prinzip auch. Es wäre zwar schön, wenn sich jeder Mensch an einen Ethikcode haltet – wir wissen aber alle, dass das nicht passieren wird. Deswegen gibt es Gesetze. Und wenn sich ein Staat nicht an die aller grundlegendsten Normen halten kann, dann wäre es Aufgabe der Politik, (bestimmte) wirtschaftliche Beziehungen zu diesem Staat zu verbieten (wäre z.B. beim Iran eine Überlegung Wert).

    In Wirklichkeit ist es so, wie Dieter schreibt: die Abweichung von der Marktwirtschaft ist der Grund für viel Elend: die Exportsubventionen in den USA, die Landwirtschaftssubventionen in der EU, die “Hilfe” für die dritte Welt. Die Umweltverschmutzung war in bisher jedem sozialistischen Land um Welten größer wie in den westlichen Industriestaaten.

    Dass eine linke Polemik vielleicht auch mal die Frage stellt, wo wir ohne den bösen “Neoliberalismus” wären, ist natürlich zu viel verlangt. Aber dass sowas nicht auch noch in der Schule gezeigt wird, sollte man eigentlich schon erwarten können.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 31. October 2008 | 14:59
    Christian Klepej sagt:

    cool. das gedicht an sich heute zu posten, ist ja schon ein bisschen lustig. aber immer noch unter dem guten Tucholsky, das hat wirklich was. ;)

    Like! Thumb up 0

    !!! | 31. October 2008 | 17:41
    weltbeobachterin sagt:

    danke Maschi, du sprichst mir zum Großteil aus dem Herzen.
    @cc2cc Christian das ist gar nicht Tucholsky
    siehe hier.
    http://zib.orf.at/zib2/wolf/stories/318392/

    Like! Thumb up 0

    !!! | 31. October 2008 | 21:11
    cc2cc sagt:

    hab meine irrtum nach 6 minuten bemerkt… und den tom schon gebeten, es zu loeschen – erst recht, nachdem ich weiss, von wem es wirklich ist…

    Like! Thumb up 0

    !!! | 31. October 2008 | 23:21
    Tom Schaffer sagt:

    @dieter: Aber es ist doch gerade die einseitige Befragung von gierigen Investoren und neoliberalen Theoretikern, die bei solchen Filmen zur propagandistischen Verzerrung beiträgt.

    ähm nein. es ist diese befragung, die aufzeigt, wer unter anderem in unserer welt wie das große geld macht.

    Kommt im Film auch ein nüchterner Mainstream-Ökonom vor? Die meisten Probleme, die diese Filme als kontroversiell darstellen, werden ja von der Wirtschaftswissenschaft nicht gelgeugnet und sind alt bekannt.

    ja, es kommen viele leute vor, die das ganz nüchtern sehen. ich finde übrigens den trailer gar nicht gut, da wird der film viel provokanter dargestellt als er ist. seht ihn euch an.

    Eine seriöse Dokumentation müsste zuerst marktwirtschaftliche Grundkenntnisse vermitteln um darauf aufbauend gängige Formen von Marktversagen aufzuzeigen.

    aha? d.h. eine dokumentation muss nicht dokumentieren, sondern lehren? du verwechselst da was… egal wie man nun zur wirtschaft steht: das im film präsentierte sind reale probleme. die aufzuzeigen ist sein ziel, sonst nichts.

    Warum ist es denn problematisch, wenn Ghana sein Gold exportiert?

    wär es ja nicht, wenn ghana davon profitieren würde. die gewinne stecken aber korrumpierte politiker und westliche konzerne ein.

    Burkina Faso? Das Land hat keinen Zugang zum Meer, kein Wasser, viel Hitze und explodierende Bevölkerungszahlen. Das Wirtschaftsystem, das Burkina Faso zu einem prosperierenden Land machen könnte, muss erst noch erfunden werden.

    burkina faso hat die beste baumwolle der welt. fast die gesamte bevölkerung lebt davon. die wirtschaft gibt es also bereits. das problem ist, dass ein t-shirt aus dieser baumwolle hier so viel kostet, wie ein dortiger arbeiter in einem halben jahr verdient – und das problem ist, dass die westlichen länder ihre baumwolle subventionieren und zölle einheben, während sie per weltbank/iwf druck auf die drittweltländer ausüben, ihre märkte zu öffnen.

    @michael:
    Wenn in Spanien jemand Häuser und Golfplätze ohne Bedarf baut, dann wird er viel Geld verlieren. Und wenn er das in betrügerischer Absicht gemacht hat, dann ist das eine Straftat und darauf steht (hoffentlich) Gefängnis. Wenn die spanische Justiz nicht fähig ist, Kriminelle angemessen zu verfolgen, dann ist das ein Problem – aber keines der Wirtschaft sondern eines der Politik.

    nein, das ist die europäische immobilienblase. das ist legal. und das ist der internationale finanzmarkt. geld verliert dort der staat, der für die folgekosten aufkommen muss und ein paar deppen, die in einem segment spielen, das sie nicht beherrschen. der einzelne großinvestor, der den scheiss angefangen hat, hat das kapital dann längst wieder abgezogen.

    nebenbei ist das wort neoliberal längst ein kampfbegriff. es interessiert niemanden mehr, wie das vor 60 jahren mal verwendet wurde, heute beschreibt es diese auswüchse des wirtschaftssystems (was angesichts der ideologischen wurzeln dieses systems auch nicht so falsch ist, wie immer getan wird).

    da gehts nicht darum, dass man märkte prinzipiell ablehnt (tu zB ich nicht), dass man sich ein kommunistisches system herbeiwünscht (ganz sicher nicht), oder dem nächsten europäischen chavez nachrennt (sicher nicht), sondern dass man mit diesen missständen und legalen verbrechen nicht mehr leben möchte.

    man sollte sich angesichts dieser verbrechen nicht darauf beschränken, einen begriff auf eine jahrzehntealte definition zurückzuinterpretieren. wer heute neoliberal sagt, der meint nicht hayek sondern moebius.

    btw. wenn menschen die das system beherrschen sich nicht an ethische codes halten, dann ist regulierung umso unvermeidlicher. das halte ich nichtmal für links, sondern pragmatisch.

    übrigens: wir sollten nicht nur drüber nachdenken, wo wir ohne den liberalismus wären. das wissen eh alle und kriegen auch alle viel öfter zu hören. denken wir doch eher mal darüber nach, wie dieser liberalismus denn eigentlich ohne die bösen linken aussehen würde …

    ein gutes system muss sich aus beiden ideologischen und theoretischen utopien zusammensetzen (und de facto ist die idee die hinter beidem steckt ja gar nicht so verschieden). dass erfolge immer für den liberalismus beansprucht werden, bei misserfolgen aber so getan wird, als hätte der liberalismus damit nichts zu tun, empfinde ich als falschen bias.

    wenn der liberalismus teilweise seine theorie nicht durchsetzt, dann hat er denselben fehler wie der marxismus: er funkitioniert in reinform einfach nicht. ich verabscheue die theorien von friedman & co nicht. die idee ist grundsympathisch. aber ich kann nicht so tun, als würde sie auch funktionieren, nur weil ichs mir wünsche. und das tun viele leute an den schaltstellen der welt einfach.

    @maschi: ja, es ist ein kampf um gut und böse. was denn sonst? der real existierende markt funktioniert nicht und wird nie der theorie entsprechen, weil diese nicht allumfassend ist und sein kann. manchmal versagt er, weil er überreguliert ist, manchmal aber auch, weil er zu wenig reguliert ist. die kritik ist also notwendig.

    es gibt für mich keine systemfrage. die soziale marktwirtschafts-demokratie ist das einzige verteidigenswerte system, auch wenn es nie perfekt sein wird, ist es jedem reinen kapitalismus oder sozialismus vorzuziehen.

    und die weltwirtschaft funktioniert leider nicht nach dem system, das sich überall auf der welt wo es in nationen existiert als erfolgsmodell erwiesen hat. das muss geändert werden, denn es gibt keine befriedigende alternative zu einer globalisierten welt.

    Like! Thumb up 0

    1. November 2008 | 14:01
    Tom Schaffer sagt:

    hab das gedicht gelöscht, soll ich die darauf bezogenen kommentare auch wegtun?

    Like! Thumb up 0

    1. November 2008 | 14:02
    Michael sagt:

    Die Frage ist jetzt natürlich, was für ethische Codes man genau meint. Wer sich aber nicht an die grundlegendsten ethischen Standards hält, gehört nicht reguliert sondern eingesperrt. Liberalismus bedeutet ja nicht, dass es ohne Gesetze geht, bzw. dass man diese nicht einhalten muss.

    Wer Häuser baut, die niemand braucht wird durch den Markt abgestraft. Wer diese Häuser illegal baut (http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/1602245/index.do) sollte normalerweise vom Gesetz bestraft werden. Dass das nicht geschehen ist, ist ein Skandal.

    Wie Du gesagt hast, ist es eines der größten Probleme, dass die EU und die USA ihre Märkte nicht für landwirtschaftliche Produkte aus der 3. Welt öffnen. Aber genauso wie die Korruption in Ghana hat das nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Und deswegen verstehe ich nicht, dass man diesen Film zur Wirtschaftserziehung in den Schulen einsetzen will?

    Like! Thumb up 0

    !!! | 1. November 2008 | 14:59
    Tom Schaffer sagt:

    es ist eben nicht richtig, dass das nichts mit marktwirtschaft zu tun hat. es sind auswüchse des doch unbestreitbar herrschenden kapitalismus.

    schwierig in der debatte ist, zwischen realwirtschaft und wirtschaftstheorie zu unterscheiden. natürlich ist korruption kein marktwirtschaftliches konzept, aber sie ist bestandteil jeder marktwirtschaft.

    Like! Thumb up 0

    1. November 2008 | 15:49
    @schaffertom sagt:

    Helmut Grasser, der Produzent von Let’s Make Money, hat Andreas Unterberger geantwortet http://is.gd/5qAN (siehe: http://is.gd/5qAU )

    Like! Thumb up 0

    !!! | 1. November 2008 | 17:50
    dieter sagt:

    @Tom:
    Ein Dokementarfilmer schneidet stundenlange Interviews auf ein paar Sätze zusammen und entscheidet, welche Bilder er von unendlich vielen möglichen zeigt. Und damit steuert er, welcher Eindruck beim Zuseher entsteht. Üblicherweise transportiert er damit seine eigene Einstellung im Mäntelchen der Objektivität. Mir sind daher die neumodischen Dokumentationen, die Michael Moore erfunden hat, in der es eine zentrale Figur gibt, die offen zugibt, welche Meinung sie vertritt, vom Ansatz her sympathischer.

    Deine Behauptung: “burkina faso hat die beste baumwolle der welt. fast die gesamte bevölkerung lebt davon.”
    ist schlicht und einfach unzutreffend. 90% der Bevölkerung lebt vielmehr von der Hirse, dem Mais und dem Reis, den sie auf den eigenen Feldern anbauen. Abhängig ist das ganze primär vom Regenfall.

    Seit 10 Jahren wächst die Wirtschaft um etwa 6% jährlich. Das ist doch immerhin was.

    Quellen:
    https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/uv.html
    http://en.wikipedia.org/wiki/Economy_of_Burkina_Faso

    Burkina Faso hat jedenfalls kaum Kontakt zur Weltwirtschaft und der Versuch, die dortigen Verhältnisse in einen derartigen Kontext zu stellen, ist höchst irreführend. Dass das Land arm ist kann auch nicht als Anklage gegen das herrschende Wirtschaftsmodell gelten. Manche Länder sind einfach dazu verdammt, arm zu sein..

    Zu den angesprochenen Utopien: Die halte ich generell für gefährlich. Und der nunmehrige Rückschlag gegen alles, was mit Markt und Finanzwirtschaft zu tun hat, hat auch damit zu tun, dass neoliberale Utopisten während der letzten Jahrzehnte die Marktwirtschaft quasi als ihre Erfindung verkauft und alle Abweichler als Sozialisten bezeichneten. Bis vor kurzem habe ich gegen Neoliberale andiskutiert.

    Aber die Zeit ist vorbei. Jetzt besteht eher die Gefahr, dass wir in die andere Richtung überschießen.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 2. November 2008 | 14:41
    Tom Schaffer sagt:

    du verwechselst “lebt von” mit “arbeitet in”. der großteil der bevölkerung in burkina faso lebt vom verdienst der baumwollindustrie, auch wenn die meisten menschen in der hochanfälligen nahrungsmittelherstellung arbeiten.

    wirtschaftswachstum hat nichts mit wohlstand(sverteilun) zu tun. zumindest nicht automatisch und nicht direkt.

    und angesichts dessen, dass auf die finanzmarktkise hin bisher rein gar nichts passiert ist, außer dass man privaten unternehmen auf kosten der bevölkerung geld zugeschossen hat und unrettbare betriebe teilverstaatlicht hat, ist “wir laufen gefahr in die andere richtung überzuschießen” eine doch recht hysterische prognose.

    es gab noch keine einzige neue regulierung, keine einzige neue steuer. es sind schlichtweg nur verluste verstaatlicht worden.

    PS: Ob Wagenhofer den Anspruch hat, objektiv zu sein, weiß ich nicht. Bevor man ihm etwas vorwirft oder davon spricht, dass sein Ansatz unsympathisch ist, sollte man sich den Film einfach mal ansehen.

    Fakt ist: Nichts im Film ist gelogen. Aber alles ist schockierend und absurd. Rückschlüsse haben sich die Menschen prinzipiell selbst zu machen, und wirtschaftliche Bildung kann nicht durch 100 minütige Filme ersetzt werden. Das empfinde ich auch nicht als deren Aufgabe und ich sehe nicht, wo der Film das von sich behauptet.

    Like! Thumb up 0

    2. November 2008 | 20:32
    dieter sagt:

    “du verwechselst “lebt von” mit “arbeitet in”. der großteil der bevölkerung in burkina faso lebt vom verdienst der baumwollindustrie, auch wenn die meisten menschen in der hochanfälligen nahrungsmittelherstellung arbeiten.”

    Viele Kritiker der Marktwirtschaft scheinen derartig an unser System gewöhnt zu sein, dass sie sich gar nicht vorstellen können, dass ein großer Teil der Menschheit noch in einem ganz anderen System lebt.

    Bitte informiere dich über Subsistenzwirtschaft. Das bedeutet in der Tat, dass die Menschen dort ganz oder fast ausschließlich von dem leben, was sie selbst produzieren. Wenn man hört, dass X-Millionen Menschen von zwei Dollar pro Tag leben, dann bedeutet das nicht, dass diese Leute pro Tag zwei Dollar auf die Hand bekommen und damit einkaufen gehen.
    Die Zwei Dollar sind vielmehr ein Schätzwert für die Nahrungsmittel, die sie produzieren, die Lehmhütten, die sie bauen usw. Geld spielt im Alltag keine Rolle. Handel findet in der dörflichen Gemeinschaft nicht statt und mangels Straßen gibt es auch kaum Handel mit Nachbardörfern.

    In großen Teilen Afrikas gibt es keine staatliche Bürokratie, keine Grundbücher, keine Polizei, die Grundbesitz beschützen könnte usw. Die Regierungen westlichen Zuschnitts kontrollieren lediglich einige Städte, Minen usw.

    In Europa war das vor der industriellen Revolution nicht anders. Der Geschichtsunterricht ist hier total irreführend. Wir erfahren von den alten Römern, von den Medici, Karl dem Großen, Gutenberg usw. Aber am Alltag, Leben und Wohlstand der Europäer änderte sich tausende Jahre lang praktisch gar nichts. Sie lebten in abgeschiedenen Dörfen, nicht in den kleinen historischen Altstädten. Und ihr Auslangen fanden sie eben in der Subsistenzwirtschaft. Erst, als man in England den Bauern ermöglichte, Grundbesitz dauerhaft zu erwerben und auch zu vergrößern, stieg die Produktivität, wodurch viele Arbeitskräfte für die Industrie frei wurden. Wobei damals Industrie aus sehr kleinen Werkstätten mit Webstühlen und dergleichen bestand.

    Zuvor hatte ein Dorf einige Gemeinschaftsfelder, die in der Dreifelderwirtschaft bearbeitet wurden. Jedes Jahr wurde ausgelost, welche Familie welchen Streifen des Feldes bewirtschaften durfte. Für die Benutzung von Weiden gab es ähnliche Lösungen. (Ein derartiges System wäre in Afrika schon mal ein Fortschritt um der Bodenerosion beizukommen)

    “und angesichts dessen, dass auf die finanzmarktkise hin bisher rein gar nichts passiert ist, außer dass man privaten unternehmen auf kosten der bevölkerung geld zugeschossen hat und unrettbare betriebe teilverstaatlicht hat, ist “wir laufen gefahr in die andere richtung überzuschießen” eine doch recht hysterische prognose.”
    Genau das halte ich für problematisch.

    Noch mehr Sorgen macht mir die pauschale Verunglimpfung sämtlicher Derivate als Zockerei. Das ging ja schon los, als die Nahrungsmittelpreise und das Öl stiegen. Da wurden die Warenterminbörsen für Preissteigerungen beschuldigt, anstatt das Prinzip von Angebot und Nachfrage zu erkennen. Gusenbauer erklärte am 1. Mai, er wolle Spekulation auf Nahrungsmittel verbieten.
    Der nunmehrige Nobelpreisträger Paul Krugman von der NY-Times, der in der sozialdemokratischen, skandinavischen Ecke anzusiedeln ist, hält das für groben Unfug. Warenterminbörsen sind wichtig. Sie existieren seit über hundert Jahren und bieten Unternehmen an, sich gegen ruinöse Preisschwankungen abzusichern.

    Die Nahrungsmittelpreise könnte man dadurch senken, indem man die Förderung ineffizienter Kleinbetriebe aufgibt und die EU-Importzölle senkt. Hier ist mehr Marktwirtschaft die Lösung, nicht Interventionismus.

    Im Kreditwesen braucht es hingegen mehr Regularien, die aber beim Konsumenten ansetzen sollten. Ich sehe ständig Werbung für idiotische Konsumkredite von modernen Kredithaien, die offenbar auf finanzielle Analphabeten ausgerichtet sind. Dem muss ein Riegel vorgeschrieben werden.

    Weiters könnte man den Banken verbieten, selbst Finanzberatung anzubieten. Finanzberatung sollte von Unabhängigen gemacht werden, die selbst keine Produkte verkaufen und nicht von Provisionen abhängig sind.

    Zu Wagenhofer: Ich werfe ihm nichts vor. Er vertritt vermutlich andere Ansichten als ich. Ich wünschte ich hätte sein Talent, um meine Sichtweise zu vermitteln.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 3. November 2008 | 10:26
    Tom Schaffer sagt:

    du hältst kritik bereits für eine totale opposition. wie ich bereits im ausgangsposting angemerkt habe, wäre tatsächlich im fall von zuständen wie in burkina faso mehr marktwirtschaft ein teil der lösung (abbau von subventionen und zöllen – auf beiden seiten). und es ist mir klar, dass man das weltweiten finanzsystem nicht vollkommen revolutionieren muss. aber man muss es sehr wohl merkbar neu gestalten.

    auch spekulationen/termingeschäfte müssen neu/besser/überhaupt einmal reguliert werden. nur weil etwas für gute dinge verwendet werden kann, darf man den gefährlichen nonsense daraus nicht akzeptieren. die finanzmarktkrise ist verursacht durch eine geplatzte blase, die entstand weil sich auf kurz- mittelfristige gewinne fixierte investoren lukrative märkte gesucht haben (und das war schon auch in nahrumgsmittel-, öl- und immobilienkrise ein wichtiger aspekt).

    solange das auf maximierung bedachte weltweitekapital sich ungebremst einen markt nach dem anderen zum ausquetschen sucht (und dabei durch den wettbewerbsdruck auf ethik verzichten muss – teilweise sogar will), werden wir von einer blase in die nächste hüpfen. solange die besonders skrupellosen dadurch sogar verdienen statt auf der straße zu landen (und aufgrund von auf “privatssphäre” bedachten steueroasen noch nichtmal klar wird, wer das ist), wird die gerechtigkeitsfrage brisanter werden. unter anderem müssen endlich auch einmal die richtigen verlierer geschaffen werden. dass ich verliere, weil stinkreiche arschlöcher sich verkalkuliert und dabei sogar noch gewonnen haben, ist inakzeptabel.

    nicht, dass sich das weltkapital gar nicht vermehren dürfen soll. aber die art, wie es das tun kann, muss neu gestaltet werden. teilweise auch mit instrumentarien des marktes. teilweise mit regularien.

    Like! Thumb up 0

    3. November 2008 | 15:31
    dieter sagt:

    “auch spekulationen/termingeschäfte müssen neu/besser/überhaupt einmal reguliert werden.”
    Wie konkret?

    “(und das war schon auch in nahrumgsmittel-, öl- und immobilienkrise ein wichtiger aspekt).”
    Das wurde zwar von allen Medien unisono behauptet ohne aber Belege zu bringen. Unter anderem wurden die Spekulanten auch für gestiegene Reis-Preise verantwortlich gemacht. Dabei gibt es gar keine Warentermin-Börsen an denen Reis gehandelt wird.

    Und die Öl-Spekulanten haben tendentiell auf niedrigere, nicht höhere Preise gesetzt; nicht, dass es einen Unterschied gemacht hätte:

    Hier Paul Krugmans Kommentar zum Thema: Speculative nonsense, once again

    Die Preissteigerungen beim Öl lassen sich ganz einfach erklären. Das Fördermaximum wurde erreicht. Die steigende Nachfrage konnte nicht mehr bedient werden, also schnellten die Preise in die Höhe. Die Konsumenten reagierten mit Sparsamkeit beim Ölverbrauch. Schon im Juni, noch vor dem Ausbruch der aktuellen Finanzkrise, fuhren die Amerikaner weniger km: Have we passed “Peak Travel?”.
    Und durch diesen Nachfragerückgang sind die Preise nun wieder gesunken.

    Spekulanten haben damit nichts zu tun. Aber vermutlich ist der Glaube, dass böse Spekulanten die Preise kontrollieren angenehmer, als der Gedanke daran, dass überhaupt niemand die Preise kontrolliert.

    Zur Finanzmarktkrise: Du verlierst, weil das Geld den Amerikanern für den Bau von Häusern und Konsum gegeben wurde. Die haben gewonnen. Die Banker haben freilich gewaltige Provisionen kassiert. Aber speziell die Investitionen in Immobilien galten als solche mit hoher Sicherheit, aber geringer Rendite. Daher waren sie auch bei europäischen Banken, Stadtverwaltungen und dergleichen so beliebt.

    Häuserblasen gab es auch schon immer. In Deutschland beispielsweise in den 80ern. Durch die internationale Verstrickung der Finanzmärkte wird Risiko zwar besser verteilt, aber unbekannte, systemische Risiken ebenso.
    Von der Politik, also eben jenen, die regulierend eingreifen hätten müssen, wurde das ganze noch angetrieben. Sowohl Clinton, als auch Bush wollten den Hauseigentum fördern. Bush sprach von der “ownership society”. Und Greenspan senkte die Zinsen um das alles anzukurbeln.

    Das Problem an spekulativen Blasen ist, dass Regulierer, Politiker und Konsumenten genauso dran glauben. Das ist halt der menschliche Herdentrieb.

    In der Dotcom-Blase hatten wir ja das gleiche Phänomen. Auch da tönten auch alle europäischen Politiker von der “new economy” und davon, dass man mehr Risikokapital brauche um sie zu fördern.

    Hinterher sind alle klüger. In zehn Jahren wird es wieder eine spekulative Blase in einem ganz anderen Sektor geben und einzelne Skeptiker, wie Paul Krugman, der beide Blasen frühzeitig erkannte, werden ungehört bleiben. Die Geschichte wiederholt sich.

    Was die Spekulanten, Investmentbanken und Hedgefonds angeht, so werden die nun ganz von selber wieder zusammenschrumpfen, weil sich so viele Leute die Finger verbrannt haben.

    Dass “stinkreiche Arschlöcher” trotzdem reichlich kompensiert werden, auch wenn sie Mist bauen, ist ein generelles Problem, das alle Aktiengesellschaften betrifft. Die Vorstände verwalten theoretisch nur als Angestellte das Unternehmen für die Aktionäre, können aber defacto wie ein Alleinunternehmer handeln, sich die Bezüge erhöhen und das ohne mit dem Privatvermögen haften zu müssen. Das könnte man gesetzlich ändern.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 3. November 2008 | 18:45
    Michael sagt:

    Dass es im Kapitalismus Korruption gibt ist allerdings wahr. Aber in jedem anderen System genauso – bzw. sogar noch viel mehr. Deswegen bin ich der Auffassung, dass Politik und Wirtschaft möglichst stark getrennt werden sollen, damit zumindest die Möglichkeiten für Korruption verringert werden.

    Leider führen die jetzigen Aktionen, also die Bankenbeteiligungen der Regierungen genau in die falsche Richtung. Es ist ein Skandal, dass Ackermann zum Rücktritt aufgefordert wird, weil er nicht will, dass die Deutsche Bank Geld vom Staat annimmt. Ich bin mir nicht klar darüber, was sich die Politik davon erhofft: will sie ihren Einflussbereich ausdehnen oder fühlt sie sich durch Ackermann in ihrem Aktionismus gestört?

    Dass die Wirtschaft einen zyklischen Verlauf hat ist unvermeidbar – Rezessionen und Blasen wird es immer geben, die kann man nicht einfach wegregulieren. Dass diese Rezession (vermutlich) besonders schlimm wird ist zu einem beträchtlichen Teil die Schuld der Politik, die nicht nur einfach zugeschaut hat, sondern aktiv daran beteiligt war. Die Zinsen waren viel zu niedrig, Banken wurden z.T. mit Gesetzen dazu gedrängt, die Richtlinien zur Kreditvergabe zu lockern.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 3. November 2008 | 22:11
    Tom Schaffer sagt:

    dass es korruption gibt ist kein rein politisches problem. korruption ist auch in der wirtschaft selbst ein thema. und zum beispiel genau weil es diese dinge gibt, kann die theorie vom markt nicht richtig funktionieren. ein system muss sich gegen fehler seiner einzelteile weitestmöglich absichern.

    freier markt funktioniert nur unter der prämisse, dass sich die einzelnen akteure an seine vorausgesetzten prinzipien halten. ich halte das für nicht mit der menschlichen natur vereinbar (die ich wiederum nicht für so homogen halte, dass sie in einer einzelnen theorie ihren meister finden kann). jede seilschaft widerspricht diesen prinzipien. jede irrationale entscheidung vernichtet die theorie.

    nicht zuletzt richtet sich der markt zu sehr am finanziellen. alles was nicht in geld zu messen ist, ist ohne intervention von staat und gemeinwesen gefährdet. und sei es nur eine ethik, die es nicht erlaubt sich zu bereichern, wenn menschen dabei vor die hunde gehen.

    Like! Thumb up 0

    3. November 2008 | 23:15
    dieter sagt:

    “Banken wurden z.T. mit Gesetzen dazu gedrängt, die Richtlinien zur Kreditvergabe zu lockern”
    Na haben die Banken aber auch gewaltig lobbyiert.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 4. November 2008 | 16:35
    Christian Klepej sagt:

    @kommentare zum gedicht löschen:

    naja. dadurch, dass “das gedicht” als meinem posting (v. 31.10.) vorangestelltes nicht mehr aufscheint, ist mein hinweis auf die autorenschaft natürlich sinnentleert. ein späteres posting desselben kollegen (cc2cc) “erst recht, nachdem ich weiss, von wem es wirklich ist” macht mir aber den diskussionsverlauf erinnerns- und damit erhaltenswert. weil es so ein schönes licht auf kastldenken wirft.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 5. November 2008 | 08:31
    pezi sagt:

    ich find vor allem wagenhofers bildgestaltung großartig – überraschenderweise haben gestern viele das kino frühzeitig verlassen…

    Like! Thumb up 0

    !!! | 22. November 2008 | 10:21
    Georg sagt:

    @Gedicht:

    Ich finds ja lustig, was hier (und auch in anderen Blogs, es hat eine gute Runde gemacht) passiert ist.

    Solange gedacht wurde, es sei von Tucholsky, war es in Ordnung, gut und visionär. Aber hat sich der Text des Gedichtes verändert, weil wir nun den wahren Autoren kennen?

    Hat er nicht, aber unsere Deutung bzw. die “gute” Assoziation des Gedichtes hat es, weil wir jetzt wissen woher der eigentliche Autor wirklich kommt und wann er es geschrieben hat. Würde man, vom zeitlichen Kontext abgesehen, diesen Umstand ignorieren (wie es also jedem gehen würde, der das Gedicht zum ersten mal liest und nirgendwo eine Autorenangabe findet) – es würde wohl noch hier stehen. “Hey, ich hab da ein interessantes Gedicht gefunden”.

    Ich hätts stehen gelassen, mit einem Verweis auf die ursprünglich vermutete Urheberschaft und auf die Entdeckung des eigentlichen Schreibers ;)

    Like! Thumb up 0

    !!! | 22. November 2008 | 15:02
    maschi sagt:

    @Georg: Punktlandung. Nur, dass ich es nicht unbedingt nur “lustig” finde. Es sollte uns anregen, nachzudenken. Genau das passiert nämlich ganz oft: wir sind nicht in der Lage über die jeweilige Sachfrage zu denken, zu sprechen, sondern führen emotionale Lager-Kämpfe und unterscheiden messerscharf zwischen (politischem) “Freund” und (politischem) “Feind”. Allerdings eben nicht anhand der Sachargumente in der Sachfrage, sondern plump anhand der (vermeintlichen?) Lagerzugehörigkeiten.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 22. November 2008 | 15:21
    Tom Schaffer sagt:

    Ich stimme zwar zu, gebe aber zu bedenken, dass der Kontext sehr wohl auch den Inhalt bestimmt. Worte bedeutet mit anderem ideologischen Hintergrund oft auch andere Dinge. Und eine Zitation ist natürlich wohl eine Ehrerbietung, die man einem ideologisch Nahestehenden eher gönnt, als einem “Feind”.

    Das Gedicht an sich fand ich nicht bedenklich, nur schlecht weil gedanklich etwas naiv.

    Like! Thumb up 0

    22. November 2008 | 16:11
    Raphae1 sagt:

    @Dieter: Du schreibst: “Ein gieriger Investor/Manager mag ein Ungustl sein, der nur raffgierig an seinen Profit denkt. Ein Handel kommt aber nur dann zustande, wenn die andere Seite auch davon profitiert.” Ja, allerdings sind die Ausgangsbedingungen der Handelspartner selten gleich. Ein Land wie Burkina Faso, für das Baumwolle und Gold die einzig nennenswerten Exportprodukte sind, welches gleichzeitig aber zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, hat keinerlei Möglichkeit zu verhandeln. Burkina Faso muss verkaufen. Es ist nicht in der Lage über dem Weltmarktpreis anzubieten und wenn dieser wegen US Amerikanischer Subventionspolitik nur reicht um den Pflückerinnen 50 Cent/Tag zu zahlen, dann kann man hier eigentlich nicht mehr von “Profit” reden.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 28. November 2008 | 19:34
    Raphae1 sagt:

    Michael schrieb: “Wenn in Spanien jemand Häuser und Golfplätze ohne Bedarf baut, dann wird er viel Geld verlieren.”

    Interessanterweise ist genau das aber jahrelang nicht passiert. Im Gegenteil: Die Immobilienfonds, die diese Projekte finanziert haben, sind viele Jahre lang sehr erfolgreich gewesen. Viele haben mit ihrer sog. 3. Pensionssäule genau solche Bauprojekte unterstützt. Einer dieser Immobilieninvestoren wird im Film gefragt, warum seine Geldanlagen so profitabel sind. Seine Antwort ist verblüffend einfach: “Wir haben den Preis angehoben.”

    Das Resultat dieser Blase können wir heute in den Börsen verfolgen. Jene – wie Hedge-Fond Investor John Paulson – die auf platzende Kredite spekuliert haben, konnten sogar am Börsencrash noch kräftig verdienen, während viele tausend andere ihren Arbeitsplatz verlieren. Aber wie konnte diese Blase überhaupt entstehen? Warum haben so viele Menschen solche Immobilienfonds finanziell unterstützt?

    Like! Thumb up 0

    !!! | 28. November 2008 | 19:49
    sicklikejosef sagt:

    Warum ich “Let’s make money” für einen schlechten Film halte, obwohl Unterberger der größte Trottel von Welt ist

    Ich versteh die Begeisterung für Wagenhofers Film sehr gut, und ich kann nachvollziehen, dass man unendlich dankbar dafür ist, dass man auf populäre Weise gezeigt bekommt, was man analytisch schon weiß.
    Aber…
    Das Problem mit Wagenhofers Film beginnt, wenn der Film zu Ende ist. Man steht auf, geht mit seinen Freunden ins Kaffeehaus, trinkt seinen Cafe Latte und empört sich mit den anderen darüber, wie schlecht die Welt ist, wie böse der Kapitalismus und dann geht man schlafen und überlegt sich, wie man seinen nächsten Urlaub finanziert.
    Die Empörung über das Schlechte in der Welt ist einfach ebenso verlogen und korrupt wie der Hitman, der Schwellenländer in die Kreditabhängigkeit treibt. Und genau diese eigene Verlogenheit und Korruption ist es, die das System so blendend funktionieren lässt. Nach Wagenhofers Film hätte ich gerne eine Umfrage unter den Zuschauern gemacht, welche persönliche Konsequenz sie ziehen würden. Mehr Fairtradeprodukte kaufen?
    Es wären auf jeden Fall Antworten gewesen, die einen persönlichen und individuellen Zugang gewählt hätten, in Zusammenhang mit Konsum, Lifestyle.
    Auf jeden Fall würde den wenigsten einfallen, die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei anzustreben. Wenn man wie ich die KPÖ gut kennt, würde man das sicherlich auch nicht wollen, aber die meisten kennen die KPÖ nicht, also warum ziehen sie es überhaupt nicht in Erwägung?
    Weil Wagenhofers Film die wirklich schmerzliche Wahrheit, wie alle linke Kultur, einfach außen vor lässt: Jeder Zuschauer ist bereits Teil des Systems von Unterdrückung und Ausbeutung, dass er oder sie sich das niemals eingestehen würde. Wagenhofers Erfolg deutet ja bereits an, dass sich selbst aus der massivsten Kritik am System noch blendend im selben systematischen Zusammenhang Gewinn erwirtschaften lässt.
    Der intellektuelle Ausgang sich politisch dort zu engagieren wo die deutlichste Abgrenzung zum Bestehenden gemacht werden kann, kann einfach nicht gemacht werden. Und zwar nicht deshalb, weil die KPÖ keine ernsthafte politische Alternative wäre, denn das wissen die meisten ja gar nicht, sondern weil dieses Eingeständnis der eigenen Verstricktheit das Selbstbild der schönen Seele allzu sehr stören würde.
    Wen man aus Wagenhofers Film raus kommt, ist man halt empört und schimpft auf den Kapitalismus, aber real bleibt das völlig folgenlos. Empörung ersetzt tatsächliche Politik nicht. Und mein Beispiel mit der KPÖ will eigentlich nur sagen, dass reale Politik gegen solche Zustände ebenso schmutzig, mörderisch und menschenverachtend sein wird, wie das was man bekämpft.
    Das stört die geschichtslose linke Träumerei von einer besseren Welt so nachhaltig, dass man lieber gar nichts macht. Und hier endet auch Wagenhofers Film.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 31. December 2008 | 11:08

Jetzt sag doch was!

Registrierte UserInnen surfen hier ohne Werbung!