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Die Entscheidung für eine Generation [US-Wahl Livechat]

Wenn heute nacht um vier Uhr die letzten Wahllokale schließen, werden rund um den Globus vermutlich Milliarden Menschen live mit dabei sein. Mit dem Ausgang der Wahl um das amerikanische Präsidentenamt entscheidet sich das politische Schicksal der Welt – vielleicht sogar für mehr als vier Jahre. Vielleicht für eine ganze Generation.
Denn wenn John McCain heute gewinnt, wird die Enttäuschung nicht nur in Europa groß sein. Zehntausende Menschen die sich für diesen Wahkampf erstmals in ihrem Leben selbst ins Zeug gelegt haben, Millionen Menschen die nach so langer Zeit wieder einmal Hoffnung in die Politik gesteckt haben, werden am Boden zerstört sein. Zeit meines Lebens konnte wahrscheinlich kein Politiker so viele Menschen mobilisieren und hinter sich scharen.
Die Faszination von Obama ist aus vielen Komponenten zusammengesetzt. Im Weißen Haus sitzt ein hervorragendes Feindbild, die Wirtschaft ist am Boden, der Neoliberalismus hat seit Jahrzehnten eine Kluft zwischen Arm und Reich geschlagen, der Klimawandel bedroht ganze Städte (nicht nur in den USA) und die Politik verrennt sich weltweit zunehmend in lächerlichen Streitereien. Die US-Regierung hat ihr Land diskreditiert, heruntergewirtschaftet, überlastet, entmachtet, entwertet und verwundbar sein lassen. Und dieser Mann mit dem mittleren Namen Hussein setzt all dem ein ganz simples Versprechen entgegen: Change.
Ja, Change ist kein Konzept, sondern ein Slogan. Aber bei so vielen Fehlentwicklungen gibt es wahrscheinlich kein Wort, das den Zeitgeist besser entsprechen würde. Obama ist ein Vereiner. Er greift die spaltenden Themen der Gesellschaft nicht an, etwa die Todesstrafe oder die Waffengesetze. Selbst ein ganz anderes Thema, das seiner Kandidatur einen emotionalen Aspekt verleiht, hat er selbst nicht hochgebracht: Rassismus.
Das Thema (mit einer fantastischen Rede im Vorwahlkampf) aufzugreifen wurde ihm von außen aufgezwungen. Von politischen Gegnern, von den Medien und auch von wissenschaftlichen Analytikern. Ob ein Schwarzer wohl wirklich Präsident wird? Werden die Leute in der Wahlkabine nicht vielleicht plötzlich bemerken, dass sie seit Monaten von einem Schwarzen begeistert werden? Wird er vielleicht erschossen? Sind die Amerikaner in der Mehrheit vielleicht rassistischer als sie zugeben (und diese Frage lässt sich durchaus aus österreichischer Erfahrung rechtfertigen)? Können wir den Menschen trauen? Hinter diesen Ungewissheiten ist genau jene Angst zu spüren, die Obama nicht zeigt und die ihn so außergewöhnlich macht.
Seine Botschaft speißt sich zwar aus den Problemen unserer Zeit, doch ist sie zutiefst positiv. Sie basiert nicht auf den mächtigen Kräften der Furcht, sondern auf dem Prinzip Hoffnung, Mut und Entschlossenheit. Und weil genau das in der heutigen Politik genau gar keine Rolle mehr spielt, ist Obama bereits der Change den er verspricht. Da kann man nicht pathetisch genug sein. Wenn er heute gewinnt, wird das ein Beispiel für die Welt setzen. Dass man wieder visionär und hoffnungsvolle Politik machen kann – mit Erfolg. Dass man sich dem Neuen öffnen muss und darf. Dass es unnötig ist, Ängste zu schüren. Und vor allem auch, dass es falsch ist, allzu ängstlich zu sein und seinen Mitmenschen zu misstrauen.
Und darum überlegen wir uns jetzt überhaupt nicht, was mit diesen Werten passiert, wenn heute der alte Kriegsveteran gewinnt.

Obamas Rede, wie wars für dich?
Fotocredits: kspidel
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20 Reaktionen bisher
Was ich pervers find ist, dass Österreich so vehement hinter Obama steht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn Österreich zwischen Obama und McCain hätte, dann würde sich Österreich für McCain entscheiden.
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!!! | 4. November 2008 | 17:57
dem würd ich widersprechen. aber dass die aktuell erhobenen zustimmungswerte erreicht würden, wage ich auch zu bezweifeln. liegt sicher an der mccain=bush=böse gleichung. über die innenpolitischen inhalte ist hier ja nicht so viel bekannt. aber mehrheitsfähig ist mccain in europa sicher nicht.
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4. November 2008 | 20:02
Auch wenn Österreich ziemlich konservativ ist, so glaub ich nicht, dass wir so weit wären, uns für einen McCain zu entscheiden – Stichwort Todesstrafe & Waffengesetze.
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!!! | 4. November 2008 | 20:03
McCain ist in Europa und in Österreich nicht mehrheitsfähig. Die Medien haben ein klares Bild transportiert – McCain = Bush. Die Beleibtswerte Bushs sind hingänglich bekannt.
Wer sich ansehen will, wie die einzelnen Länder der Welt wählen würde, empfehle ich:
http://www.economist.com/vote2008/index.cfm?source=most_commented
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!!! | 4. November 2008 | 20:13
gut diese umfragen sind nix wert. es gibt keine kritische auseinandersetzung und keinen wahlkampf außerhalb der usa. nur das messias gegen bush 2 bild.
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4. November 2008 | 20:52
Hallo an Alle,
Obama hätte bei uns nie die Chance gehabt überhaupt als Spitzenkandidat aufgestellt zu werden! Daher hätte er in Österreich nie eine Chance gehabt.
Bei uns gibts noch nicht mal einen schwarzen Nachrichtensprecher ;-( und keine einzige schwarze Nationalratsabgeordnete, nicht mal eine schwarze GemeinderätIn!
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!!! | 4. November 2008 | 22:54
Ich bin ganz Clemens Meinung, ein schwarzer Linker hätte in Österreich genau 0 Chance gegen einen weißen Konservativen.
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!!! | 5. November 2008 | 00:05
links und konservativ sind in europa aber doch ein bisserl anders definiert als in den usa. ein mccain ist inhaltlich in österreich ein völliges nogo.
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5. November 2008 | 00:21
bei mir funktioniert der chat nicht, ist der überlastet? meine kommentare werden ned veröffentlicht?
Tom, hab geglaubt du bist auf einer wahlparty in dem werkzeugh oder wie das heißt? oder sitzt ihr dort und machts live blog?
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!!! | 5. November 2008 | 04:14
it is done, we have won!
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5. November 2008 | 05:36
@ Tom:
Mir ist natürlich klar, dass diese Weltumfrage wenige repräsentativ ist, aber Mehrheitsfähig ist McCain wohl in den wenigsten Teilen der Welt gewesen.
Für Europa wird’s aber nun spannend werden, da Obama mehr Engagement fordern wird.
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!!! | 5. November 2008 | 07:39
Yes we can
Ich danke für den Live-Chat heute Nacht und für den Spaß den ich mit Euch hatte *gg*
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!!! | 5. November 2008 | 14:28
@Sonja; In Österreich gibt es nur ein paar tausend Schwarze. Eine davon, namens Beatrice Achaleke, wäre bei den Grünen um ein Haar auf die Liste gekommen, hat aber den Kürzeren gegenüber Alev Korun gezogen.
Bin ich eigentlich der einzige, der Obama einfach für den kompetenteren, besonneneren, fähigeren Realpolitiker hält und ihn nicht deshalb schwärmerisch für supertoll hält, weil er schwarz und fesch ist und ein guter Schauspieler obendrein ist? Obama ist ein Haider für Linke, ohne Inhalte.
Inhaltlich liege ich am nächsten bei Ralph Nader.
“Er greift die spaltenden Themen der Gesellschaft nicht an, etwa die Todesstrafe”
Er hat sich doch ausdrücklich für die Todesstrafe für Kinderschänder ausgesprochen und ein Urteil des obersten Verfassungsgerichtes, das das untersagte, ausdrücklich abgelehnt. Na da ist mir aber in Österreich ein karinthischer Landesfürst lieber, der seine abweichenden Interpretationen der Verfassung auf Ortstaferln beschränkte.
Obama hätte sehr wohl in Österreich erfolgreich sein könnten. Unser beliebtester Kanzler war schließlich ein Jude. Die Hautfarbe wäre bei dem Charisma-Vorsprung auf die anderen Politiker kein Problem. Ein bisschen auf die Türken schimpfen und schon hätte er eine breite Mehrheit in der Tasche.
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!!! | 5. November 2008 | 17:12
bullshit. gerade das “ein bisserl auf die türken schimpfen und schon …” deutet eine völlige weigerung an, die botschaft des obama-sieges verstehen zu wollen. obama ist das genaue gegenteil von haider. nicht weil er links und haider rechts ist, sondern weil haider mit der angst spielte, während obama mit positivbotschaften punktet. ihn mit einem rechtsstaatmisachtenden rechtsdemagogen gleichzusetzen – was soll das denn werden?
das was obama erreicht hat, ist natürlich auch deshalb gut, weil er der besonnenere, fähigere, kompetentere politiker ist. ja, für den halte ich ihn auch. natürlich. aber das was das phänomen obama ausmacht ist etwas anderes. etwas das sich zwar aus seinem charisma speist, aber nicht nur sein charisma ist.
obama ist eine hirn- UND herz-entscheidung. in der politik ist sonst seit langem immer nur das eine oder das andere da gewesen (hirn ohne herz oder herz ohne hirn. meistens fehlt beides.). weil obama beides vereint, ist er so besonders. sonst wäre er nur al gore.
ich seh keinen grund, das großartig runterzureden.
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5. November 2008 | 18:16
“bullshit. gerade das “ein bisserl auf die türken schimpfen und schon …” deutet eine völlige weigerung an, die botschaft des obama-sieges verstehen zu wollen.”
Ich wollte damit eigentlich auf die Frage eingehen, ob in Österreich ein Schwarzer prinzipiell gewinnen könnte. Ich sage ja, wenn er eben statt der Todesstrafe, wie in den USA, österreichische Themen wie das Ausländerthema aufgreifen würde.
Das, was du Botschaft nennst, nenne ich eine Taktik. Wie Faymann, will Obama es in seinen Reden allen Recht machen. Genauso wie Haider attackiert er auch schon mal Banker oder das Establishment und verspricht grundlegende Veränderung mit der alles besser wird. Haider machte aber den großen Fehler, große Teile der Wählerschaft zu verunglimpfen. Er schimpfte auf “Rote”, “Schwarze”, “Linke” usw. Damit heizte er zwar wie McCain die eigene Basis an, aber Millionen von Österreichern sehen sich ja selbst als “Rote”, “Schwarze” und “Linke”, fühlten sich beleidigt und wurden zu Erzfeinden auf Ewigkeit.
Ich wollte aber eigentlich Obamas Groupies kritisieren und ihre Beweggründe, ihn zu unterstützen, also die Wirkung auf seine Fans mit der Wirkung Haiders auf die seinigen vergleichen. Und da sehe ich gewaltige Parallelen. Du sprichst fast schon mystisch vom “Phänomen Obama”. Dieses Phänomen ist eine Projektion seiner Fans und das hat eben auch damit zu tun, dass er schwarz ist, gutaussehend und eine tolle Stimme hat und praktisch nichts mit den nicht vorhandenen Inhalten. Dennis Kucinich (gegen Todesstrafe, klar progressiv) könnte genau die gleichen Reden halten wie Obama und er hätte nicht den gleichen Erfolg. Auch nicht bei europäischen Linken.
“Haider für Linke” muss ich zurücknehmen bzw. ausweiten. Schließlich hat sich auch HC Strache für Obama ausgesprochen und seine Webseite geklaut. Den Obama finden auch unsere Rechten toll.
Zum Phänomen Haider gehörte auch, dass ihm seine Anhänger Aussagen und Inhalte verziehen, die sie eigentlich ablehnten und aus dem Munde von anderen Politikern niemals akzeptiert hätten. Haider-Anhänger werfen den Grünen ständig vor, die Türkei in die EU holen zu wollen. Wenn man diesen Leuten entgegen hält, dass Haider das lange vor den Grünen forderte, wird das einfach nicht zur Kenntnis genommen. Dass Obama zwanzig Jahre lang den Predigten des paranoiden schwarzen Rassisten Jeremiah Wright lauschte, kümmert seine Fans genausowenig, wie Haiders Anhänger der Auftritt vor den Waffen-SS Veteranen juckte.
Siehe auch Todesstrafe für Kinderschänder. Und ja, ich bin heilfroh, dass wir uns in Österreich nur mit Ortstaferln und Asylantenverschickungen auseinandersetzen müssen und nicht mit der Todesstrafe, die um das hundertfache menschenfeindlicher ist. Welcher liberal und humanistisch gesinnter Mensch kann hier ernsthaft anderer Ansicht sein?
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!!! | 5. November 2008 | 19:40
Ich teile seine Meinung zur Todesstrafe und in einem Haufen anderen Punkten nicht. Er ist halt immer noch amerikanisch sozialisiert und ich nicht.
Trotzdem ist das was du hier redest ziemlich zynisch und das zu einem Zeitpunkt in dem man ruhig mal euphorisch sein darf/kann.
Obamas positive Botschaft (Yes We Can) ist nicht nur Taktik. Ich halte sie für ehrlich. Sie passt einfach in seine Geschichte. Und wie er seine Kampagne von den Grassroots heraus geführt hat ist nicht nur Show, es ist logisch – weil er von dort kommt. In dieser Frage ist er für mich viel mehr mit Ralph Nader zu vergleichen, als mit einem Faymann oder Haider.
Er ist nicht nur ein x-beliebiger Politiker mit toller Stimme, und er ist nicht nur ein begnadeter Populist. Er ist all das und noch mehr. Und er verkörpert diese Dinge. Und dass er schwarz ist, macht ihn natürlich beeindruckender. Weil sein Weg dadurch schwieriger war als für andere.
Dass ein Kucinich oder Nader niemals diesen Erfolg haben könnten, selbst wenn sie dieselben Reden halten würden, liegt daran, dass sie eine ganz andere Geschichte haben und ganz andere Menschen sind.
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5. November 2008 | 20:01
Also, ich freu mich ja auch, dass es Obama geschafft hat, aber die völlig kritiklose Anhimmelei und Lobhudelei, die sich derzeit durch die Blogosphäre zieht, verwundert mich doch etwas.
Obama ist nicht der Messias und er wird die Welt ganz sicher nicht durch sein Rede-Talent retten.
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!!! | 5. November 2008 | 20:18
Es gibt die Zeit für Kritik und die Zeit für Freude. Niemand den ich kenne hält Obama für einen Erlöser.
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5. November 2008 | 20:20
Natürlich überlegt Obama was er sagt und achtet darauf Dinge nicht zu sagen, die viele Stimmen kosten. Es gibt nunmal Themen, die kosten Stimmen und die Todesstrafe ist in den USA ein Thema, das massiv Stimmen kostet. Das mit der europäischen Sicht zu vegleichen und zu bwerten ist problematisch. Natürlich muss er auch seine WählerInnen “bedienen”, um Stimmen zu bekommen. Und natürlich hat er auch Versprechungen gemacht, die er vielleicht nicht halten kann. Man zeige mir einen Politiker der/ die ohne Taktik agiert. Aber er hat etwas geschafft- er hat mit positiven Botschaften den Menschen Hoffnungen gegeben und eine neue Vision darüber wie es sein kann – und deshalb haben sich Menschen 4/ 5 Stunden angestellt um wählen zu dürfen. Ich finde Obama hat heute Nacht etwas Großartiges geschafft- und ich bin gespannt wie er sein Amt dann anlegen wird, wie er die Dinge angehen wird und in die Umsetzung bringt. Jetzt freu ich mich einfach. Politikromatikerin oder -verklärerin bin ich deshalb nich lange nicht….! Und Obama hätte in Österreich keine Chance gehabt, schon aufgrund der Hautfarbe nicht. Dabei bleibe ich.
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!!! | 5. November 2008 | 22:51
Ich kann nur sagen, dass wir in Kanada heilfroh sind, dass Obama gewonnen hat. Vor allem in Calgary, der “größten amerikanischen Stadt außerhalb der USA” wurde daher auch ausgiebig gefeiert (hier sind die Democrats Abroad äußerst stark vertreten).
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!!! | 6. November 2008 | 09:28
Jetzt sag doch was!