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Zeigen wir mit dem Finger: Berlusconi und Emmerich sind Rassisten

Fingerzeig
Erst am Mittwoch unserer Zeit ist Obama zum US-Präsidenten gewählt worden, und schon nach wenigen Stunden sind die ersten verkappten Rassisten mit Äußerungen nach vorne getreten. Wäre ja nicht ungewöhnlich, was mich aber irritiert ist der Umgang in unseren Medien mit diesen Äußerungen.

Erst hat der ehemalige ORF-Journalist Klaus Emmerich in einer ORF-Diskussionssendung seinen rassistischen Müll abgelassen.

In der ORF Sendung sagte Emmerich: “Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen.”

Beim Standard-Interview setzte er noch einen drauf: “Eine äußerst beunruhigende Entwicklung” sehe er in Obamas Wahl. Etwa weil “die Schwarzen in ihrer politisch-zivilisatorischen Entwicklung noch nicht so weit” seien. Er wusste wohl sogar, was er da sagt, denn er setzte fort: “Wenn sie sagen, des ist eine rassistische Bemerkung: richtig, ist gar keine Frage.” (Quelle)

Wie also nennt der Print-Standard im genannten Artikel die Aussagen eines bekennenden Rassisten? “Klaus Emmerich, ORF-Journalist in Pension, fiel in der ORF-Wahlnacht mit eigenwilligen Aussagen über Schwarze und Barack Obama auf.” (Hervorh. durch ZurPolitik.com).

Der ORF hat sich hinterher distanziert und angekündigt, Emmerich nicht mehr einzuladen. Gut, aber ich frage mich, ob denn in all den Jahren in denen Emmerich beim ORF arbeitete nie jemand gemerkt hat, dass er offensichtlich nicht alle Tassen im Schrank hat? Warum wurde dieser Mann überhaupt eingeladen?

[ad#ad-1]Aber diese Äußerung war ja kein Einzelfall. Selbst am hohen politischen Parkett erlauben sich Menschen unglaubliche Ausrutscher. Silvio Berlusconi, italienischer Faschistenkoalitionär vom Dienst, meinte gegenüber Medien, er freue sich über Obamas Sieg, weil dieser “braungebrannt” sei. Wie reagieren also heimische Medien darauf? “Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich mit einem übertriebenen Lob für den künftigen US-Präsidenten Barack Obama erneut einen verbalen Fauxpas geleistet.“, “Berlusconi fiel auf dem diplomatischen Parkett schon mehrmals durch unkonventionelle Äußerungen auf.” (beides ORF.at)

Was ich mich nun frage: Warum ist es anscheinend so schick, Rassisten als “unkonventionell” oder “eigenwillig” zu bezeichnen (geschweige denn ihre Sager als “übertriebenes Lob” zu deuten)? Eine beliebte Alternativen wäre auch noch eine (völlig falsche) Verwendung der Phrase “politisch inkorrekt“.

Warum steht da nicht einfach schonungslos “rassistisch”?

Fotocredits: Tojosan

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| 6. November 2008

15 Reaktionen bisher

    @schaffertom sagt:

    Berlusconi und Emmerich: Mit dem Finger auf Rassisten zeigen http://is.gd/6wbd

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    !!! | 6. November 2008 | 20:22
    Aaron Bruckmiller sagt:

    Ganz meine Meinung. Ich hab heute auch fast einen Auszucker gekriegt – die OÖN schreiben ähnlich.

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    !!! | 6. November 2008 | 20:30
    Michael sagt:

    Also über Emmerich müssen wir nicht reden – das ist wirklich Rassismus pur.

    Aber Berlusconi: ist “jung, hübsch und auch gebräunt” wirklich Rassistisch? Es ist eine recht flapsige Äußerung, keine Frage. Aber Rassismus setzt doch schon irgendwie voraus, dass man z.B. Schwarzen unterstellt sie würden sich, außer durch Äußerlichkeiten noch irgendwie anders von z.B. Weißen unterscheiden.

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    !!! | 6. November 2008 | 23:01
    Tom Schaffer sagt:

    Jetzt wo du es sagst: Gute Frage. Da wir hier nicht im Gericht sind, bin ich mal im Zweifel gegen den Angeklagten. ;) Die Idee in diesem Zusammenhang und so abwegig über die Hautfarbe zu sprechen, stinkt für mich mal ganz gewaltig nach einem latenten Rassismus.

    Was sagen die anderen?

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    6. November 2008 | 23:19
    weltbeobachterin sagt:

    ich glaube, dieses schön reden von den Aussagen Emmerichs liegt dem zu Grunde, dass man doch die eigene Zunft schonen will.

    also mir blieb da die Spucke weg.

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    !!! | 7. November 2008 | 07:36
    maschi sagt:

    Emmerich: war für mich immer schon “jenseits”. Und das konnte auch jeder hören, der es hören wollte. Ich hab Dir die paar Jahre voraus, um dafür Zeitzeuge zu sein.

    Berlusconi: macht da keine Äusserung, die man als klar “rassistisch” klassifizieren kann. Ich würde da aber auch dazu tendieren, dass es sich um eines dieser Politikersignale handeln dürfte, mit denen man Zielgruppen so bedient, dass jeder, der das möchte, sich das denken kann (und soll!), was er sich denken möchte… es ist aber auch möglich, dass es wirklich nur ein Fehlgriff war vor einem Hintergrund, den ich nicht kenne. Hat man in Italien in letzter Zeit etwa Berlusconis Solariumsbräune thematisiert, so dass er nun meinte einen dummen Scherz nach dem Motto “Solidarität der Braungebrannten” machen zu müssen? Das lässt also viele Möglichkeiten offen…

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    !!! | 7. November 2008 | 08:10
    cc2cc sagt:

    vom orf – und vom emmerich*) schon gar nicht – ist keine stellungnahme gegen rassismus zu erwarten. der berlusconi darf in seinen eigenen medien ohnehin sagen, was er will.
    dass der standard so flau formulierte hat mich auch gewundert.

    *)da gehts mir wie maschi

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    !!! | 7. November 2008 | 08:50
    Moe sagt:

    Die Aussage Berlusconis ist wohl grenzwertig, würds aber auch nicht als Rassismus sondern als die typisch rechtspopulistische Dummheit/Fahrlässigkeit/Naivität/Flapsigkeit bezeichnen, die wir ja auch hierzulande gut genug kennen.

    Die Aussage Emmerichs hingegen ist wirklich schockierend. Dass jemand derartigen Müll in einem öffentlich rechtlichen Fernsehsender abladen kann/darf, ist schon schwer zu fassen. Gut, vielleicht ist der Mann einfach nur schon ein bissl verkalkt, er hätte jedenfalls umgehend nach seinen Äußerungen aufs schärfste zurechtgewiesen werden müssen. Hab die Sendung allerdings nicht gesehen und weiß deshalb nicht, inwieweit das passiert ist.

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    !!! | 7. November 2008 | 10:57
    Raphael sagt:

    Nachdem Berlusconi folgende Aussage nach 911 gemacht hat, habe ich keinen Zweifel, dass seine “braun gebrannt” Aussage rassistischen Ursprungs ist.

    “We must be aware of the superiority of our civilisation, a system that has guaranteed well-being, respect for human rights and – in contrast with Islamic countries – respect for religious and political rights”

    Das klingt sehr nach Mölzers “Leitkultur”.

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    !!! | 28. November 2008 | 20:25
    Michael sagt:

    @Raphael:
    Rassismus hat was mit Rasse zu tun, also dass bestimmte Personengruppen unveränderlich bestimmte (nicht körperliche) Merkmale haben – z.B. dass sie faul, geizig, unzivilisiert usw. sind.

    Berlusconi sprach aber von der Gesellschaftsform bzw. dem politischen System. Diese kann sich ändern und bestimmte Gesellschaftsformen sind Anderen eindeutig überlegen. Z.B. hatten wir vor 1945 ein faschistisches System, im Moment sind wir Teil dessen, was man “westliche Zivilisation” nennt. Zu sagen, dass der Nationalsozialismus ein barbarisches System ist, ist wohl kaum rassistisch.

    Genauso wenig kann es rassistisch sein, wenn man die Vorzüge unseres Systems – also die Menschenrechte – hervorhebt und es mit den inakzeptablen Zielen der Islamisten und den katastrophalen Zuständen in den meisten islamisch dominierten Staaten vergleicht (speziell natürlich Saudi Arabien, woher die meisten der 911 Attentäter kamen).

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    !!! | 28. November 2008 | 23:45
    Tom Schaffer sagt:

    @Michael: Schon richtig, aber ein politisches System ist noch keine Zivilisation. Die westliche Zivilisation ist aus vielen Gründen ohne die angeblich unterlegenen Moslems nicht denkbar. Die Ursprünge der Menschenrechtsidee stammen aus Persien. (Und der islamische Despotismus ist übrigens umgekehrt in vielen Fällen ohne die westliche Zivilisation auch nicht denkbar).

    Hätte Berlusconi gesagt “Die freie Demokratie des Westens ist die beste Staatsform”, dann hätte er meiner Meinung nach recht. Aber das hat er ja nicht gesagt – und bei einem Spitzenpolitiker liegt die Vermutung nahe, dass er das absolut bewusst genau so gesagt hat (und das mit Obama hat der Vollidiot ja sogar nochmal wiederholt und noch um Naomi Campbell ergänzt).

    Es gibt Leute die man noch deutlicher rassistischem Gedankengut zuordnen kann. Man muss bei Berlusconi aber auch keine Skrupel haben, ihm genau das zu attestieren.
    Er kokkettiert unverschleiert damit

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    28. November 2008 | 23:53
    Michael sagt:

    Also ich würde das System nicht an der Religion festmachen. Z.B. haben die Türkei oder Bosnien ja auch ein – (noch?) mit Abstrichen – westliches System. Ich möchte also keinesfalls sagen, dass Moslems unterlegen sind. Dass in den meisten islamischen Staaten etwas ungute Verhältnisse herrschen ist aber leider eine Tatsache (für die ich keine wirkliche Erklärung habe).

    Das Wort Zivilisation kann natürlich viel umfassen. Aber wenn man z.B. das System in Saudi Arabien anschaut, kann man kaum nur von einem anderen politischen System sprechen, es ist eine andere Form der Gesellschaft.

    Ich will hier eigentlich nicht Berlusconi verteidigen, weil der ja in der Tat einiges recht bedenkliches gemacht hat. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, dass man auch nur dann Rassismus sagt, wenn es wirklich Rassismus ist und das Wort nicht irgendwie anfängt zu verwässern.

    Einiges schlechtes in der heutigen islamischen Welt scheint tatsächlich von Europa importiert worden zu sein. So haben z.B. Radiosender der Nationalsozialisten den Arabern, Türken und Persern den “richtigen” Antisemitismus beigebracht.

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    !!! | 29. November 2008 | 00:38
    Raphael sagt:

    Also ich halte einen Vergleich der “westlichen Zivilisation” mit “islamischen Gesellschaftsformen” für fragwürdig. Was ist die “westliche Zivilisation”? Gehört dazu auch der “Shock and Awe” Feldzug des Jahres 2003? Guantánamo? Folter? Warum hatten “islamische Gesellschaftsformen” bereits Frauen als Kanzler und Präsidenten (in Pakistan, Bangladesch, Türkei und Indonesien), Österreich aber noch nicht? Nein, ich will mit diesen Fragen keinesfalls die wahabitische Feudalherrschaft in Saudi-Arabien schön reden, gebe jedoch zu bedenken, dass diese Monarchen von der Auto fahrenden, westlichen Zivilisation mit Geld überhäuft werden.

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    !!! | 29. November 2008 | 14:05

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