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Der Dopingfall Bernhard Kohl und ORF.at

The World is on Dope
Bernhard Kohl wurde bei der Tour de France 08 sensationell Dritter. Nicht sensationell war, dass er dazu dopte. Ich erspare mir eine moralische Bewertung dieses Vorgehens, weil ich über die Hintergründe zu wenig weiß. So oder so bleibt die Leistung herausragend (auch mit Doping steckt viel Arbeit hinter einer solchen Leistung) und über die allgemeine Sauberkeit im Ausdauersport habe ich so meine Zweifel (auch wenn ich sie nicht haben möchte). Wenn nur TdF-Sieger richtig Geld verdienen, und im Spitzenradsport womöglich alle Topp-Leute unerlaubte Mittel nutzen, dann ist Doping menschlich verständlich – bleibt aber Betrug. Was mich aufregt, ist die aktuelle Berichterstattung auf ORF.at.

“Höchststrafe für CERA-Dopingsünder Bernhard Kohl, zwei Jahre Sperre und trübe Aussichten auf ein Comeback im Radsport: Der 26-Jährige wurde für seine Offenheit nicht belohnt.”

[ad#ad-1]“Frechheit!”, mag sich da mancher denken. Vielleicht sogar “Immer gegen die kleinen Österreicher”. Schon im ursprünglichen Bericht kommt Kohl überproportional oft vor – kann und darf sich rechtfertigen, stellt sich als ehrlich und reuig dar. Nur ein knapper Satz bleibt den “Richtern” vorbehalten. Weil das an Unausgewogenheit noch nicht gereicht hat, führten die Verantwortlichen bei ORF.at noch ein Interview mit Bernhard Kohl, wo dieser sein Urteil zu einer politischen Entscheidung macht. Sauberer Sport sei nur möglich, wenn er Gnade erfahre:

ORF.at: Wie werden Sie auf dieses Urteil reagieren?

Kohl: Alles ging so schnell, zu schnell. Ich muss mich erst organisieren und werde dann meinen Standpunkt, meine Meinung zur Vorgehensweise der NADA detailliert offenlegen. Fest steht schon jetzt, dass dem Sport damit enorm geschadet wurde.

Und dann kommt eine recht überraschende “Frage” des ORF-Reporters:

ORF.at: Fest steht auch, dass Ehrlichkeit unbelohnt blieb.”

Seht ihr sie auch, die aufrechten Leser, wie sie sich innerlich schreiend vor dem Bildschirm fragen: “Ja reicht es denn auf dieser Welt nicht, ehrlich zu sein? Zählt das denn gar nicht?”.

Und weil ich von A. einen kleinen Hinweis hatte, habe ich einfach mal bei Sueddeutsche.de nachgeschlagen, was die denn zu diesem Skandal-Urteil zu sagen hatten:

“Kohl hatte gehofft, durch Kooperation mit der Kommission die drohende Zwei-Jahres-Sperre reduzieren zu können. Doch da er bei der 2:40 Stunden dauernden Anhörung am Montag nicht wie angekündigt die Drahtzieher nannte, kannten die fünf Mitglieder des Gremiums keine Gnade, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

[..]

Für die Kommission war der Fall allerdings klar. «Er hat uns keine Namen genannt, wer seine Hintermänner sind, damit war das Strafmaß klar», sagte der Vorsitzende Gernot Schaar nach APA-Angaben. Mit der Nennung von Details über Doping-Praktiken hätte Kohl nach geltender Kronzeugenregelung eine Strafminderung erreichen können. Doch bei seinem Geständnis habe er nicht mehr gesagt, als durch den positiven Test ohnehin schon klar gewesen sei. Das Protokoll der Aussage Kohls soll nun an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden, die daraus vielleicht mit entsprechender Recherche Schlüsse auf Namen ziehen könnte.”

Wie ORF.at bei dieser Faktenlage zu dem Schluss kommt, dass “fest steht”, dass die “Ehrlichkeit” des Sportbetrügers “unbelohnt” geblieben sei, wird uns ein Rätsel bleiben.

Kleines Gedankenspiel: Wie wäre wohl das Medienecho hierzulande, wenn der erwischte Doping-Radler ein Deutscher, Chinese oder Amerikaner gewesen wäre?

Fotocredits: Denis Defreyne

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| 25. November 2008

17 Reaktionen bisher

    Andreas Lindinger sagt:

    Wer ist A.?

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    !!! | 25. November 2008 | 00:14
    Georg sagt:

    Vor allem stimmt es nicht so wirklich das er gestanden hat, weils im Grunde mit der A-Probe schon klar war (wie oft passierts schon, dass bei der B-Proble was anderes rauskommt?). Deren Öffnung hat er aber nicht beantragt oder sich vorher gestellt.

    Ungeachtet dem menschlichen Verständnis für Doping im Radsport oder nicht, seh ich da keine Spur von Ehrlichkeit. Im Grunde war es, wenn die Aussagen über die Anhörung stimmen, eine halbherzige Flucht nach vorn.

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    !!! | 25. November 2008 | 00:21
    Thomas sagt:

    Interessanterweise hat das Ö1 Abendjournal gestern genauso berichtet, wie die Süddeutsche Zeitung, also das ganze Interview mit Gernot Schaar gebracht. Aber die haben mMn auch eine eigenständige Redaktion.

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    !!! | 25. November 2008 | 14:06
    Philip sagt:

    Aber bitte! In einem Land, wo man als Belohnung für Drogenkonsum und Doping ORF-Co-Kommentatoren-Stellen bekommt, waren derartige Reaktionen natürlich klar. Wetten, dass der Kohl in ein paar Jahren bei Österreichrundfahrt kommentieren wird?

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    !!! | 25. November 2008 | 17:19
    Pontifex Maximus sagt:

    Sogar die UBahnzeitungen und Bilderbücher wie die Österreich haben da kompetenter berichtet…

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    !!! | 25. November 2008 | 18:16
    groana sagt:

    Es ist wirklich ein Wahnsinn, was sich dieser Mensch erlaubt!!!

    Ich kann in auf der einen Seite schon verstehen, dass er zu EPO gegriffen hat (das heißt nicht das ich es gut finde). Meiner Meinung hat man im Radsport ohne Doping sowieso keine Chance.
    Er hätte die Möglichkeite gehabt, wirklich etwas für den Sport zu tun, den er ja soooo liebt. Sogar kurz vor der Anhörung bekräftigte er noch, die Hintermänner zu nennen.

    Und jetzt stellt er sich als das OPFER des Ganzen hin !!! Unglaublich !!!

    So, ich werd jetzt noch schnell eine Bank überfallen und dann auch sagen, dass ich nur ein armes Opfer bin weil die Bankmanager meine ganze Kohle verzockt haben…..

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    !!! | 25. November 2008 | 18:37
    jossy sagt:

    derStandard: “Singen? Nicht genügend!”
    Kurier: “Bernhard Kohl hat nicht ausgepackt”
    Presse: “Kohl: Nicht ausgepackt, für zwei Jahre gesperrt”
    Salzburger Nachrichten: “Dopingsünder Kohl schwieg ‘Höchststrafe ist angemessen’”

    Nur sport.ORF.at schreibt:

    “‘Kein Interesse an Aufklärung’: Harte Kritik von Kohl an NADA-Urteil”

    Woher diese unterschiedliche Beurteilung?
    Ist es möglich, dass der zuständige Redakteur hier nicht objektiv urteilt?

    “Das Gespräch führte Michael Fruhmann, ORF.at”

    Wieso lässt man hier einen “Insider” berichten?

    http://www.team-volksbank.com/de/media/index.php
    http://www.myimg.de/?img=xingfuhrmannkontakted72df.gif

    und Postings auf:

    http://derstandard.at/?url=/?id=1220460952924
    http://derstandard.at/?url=/?id=1220460908667

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    !!! | 25. November 2008 | 19:19
    weltbeobachterin sagt:

    ich finde das auch immer wieder faszinierend, dieser Sportidiotismus verzeih mir patriotismus des ORF.

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    !!! | 25. November 2008 | 19:27
    @schaffertom sagt:

    New Blogpost: Dopingfall Bernhard Kohl und ORF.at (inklusive interessante Userkommentare) http://is.gd/8ZvR

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    !!! | 25. November 2008 | 20:29
    @schaffertom sagt:

    Neuer Blogpost: Der Dopingfall Bernhard Kohl und ORF.at (inklusive interessanter Userkommentare) http://is.gd/8ZvR

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    !!! | 25. November 2008 | 20:30
    cc2cc sagt:

    was kann man von einem sender, der zwangsgebuehren fuer das anhoeren und sehen (und lesen) seiner(des orfs) meinung verlangt, schon erwarten? wobei: zwischen sport- und oe1-redaktion sind schon leichte unterschiede erkennbar *gg* … das “scheiss internet” ist eben fuer mehr als live streams alter nachrichten gut.

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    !!! | 26. November 2008 | 02:49
    Tom Schaffer sagt:

    diese polemik kann man stecken lassen: orf.at ist nicht von orf-gebühren finanziert und hat mit dem fernsehsender und den radios nicht direkt was zu tun. das sind eigenständige redaktionen.

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    26. November 2008 | 03:00
    cc2cc sagt:

    tom, ich weiss deine meinung zu schaetzen, aber soviel blauaeugigkeit muss nicht sein.

    “Meinungsfreiheit beinhaltet das Recht zu lügen, historische Fakten zu verdrehen, zu fälschen und krauses Zeug von sich zu geben: es beinhaltet ebenso das Recht auf üble Nachrede und Verleumdung.”

    das gilt auch fuer den orf.

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    !!! | 26. November 2008 | 03:12
    Tom Schaffer sagt:

    Was genau willst du mir damit sagen? Es kann sein, dass es die ein oder ander Querfinanzierung gibt (die dann allerdings illegal wäre). Es gibt da mangelnde Transparenz. Prinzipiell ist es allerdings afaik so, dass ORF.on ein Tochterunternehmen des ORF ist, das gesetzlich geregelt ausdrücklich nicht von Gebühren finanziert werden darf. Und die Redaktionen sind sogar ganz sicher eigenständig. Armin Wolf oder Rainer Pariasek schreiben nicht für ORF.at ;)

    Blauäuigig bin ich da sicher nicht (wie soll man sich überhaupt in dem Bereich so viel Blauäugigkeit aufrecht erhalten als Journalist, Medienfreak, Blogger und immer noch inskribierter Kommunikationswissenschafts-Student? ;) ). Und die aktuelle Wut unserer internetaffinen Gruppe auf den ORF verstehe ich auch gut genug.

    Aber die von dir so genannten “Zwangsgebühren” in Zusammenhang mit offensichtlichen journalistischen Mängeln der ORF.at Sportredaktion in Verbindung zu bringen ist imo schlichtweg nicht angebracht und unnötig polemisch. Damit kommt man zu weit vom Problem selbst ab, das an sich schon mehr Aufmerksamkeit verdienen würde.

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    26. November 2008 | 04:12
    cc2cc sagt:

    Polemik ist eine grundlage jeder parlamentarischen demokratie. moege sie uns noch eine zeitlang erhalten bleiben. Apologie ist nicht so meines ;)

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    !!! | 26. November 2008 | 04:29

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