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A Christmas Story

Die folgende Geschichte habe ich vor etwa einem halben Jahrzehnt an einem Weihnachtstag geschrieben und erlebt. Ich würde sie heute anders schreiben, aber sie ist es mir wert, dass ich sie mir jedes Jahr noch eimal durchlese.
Flüchtlingskinder im Kongo
Produzenten von Fernseh-Werbung müssen meiner Meinung nach einen ganz besonderen Dachschaden haben. Was man da so zu sehen bekommt übertrifft wohl viele Dummheiten, die man sich so vorstellen kann. Glänzende Gläser als lebensentscheidende Grundlage einer Beziehung, Klosteine und Staubwischer als Gesprächsthema Nummer 1 beim gemütlichen Zusammensein von Freunden, Fleckenzwerge die an Hemden hängen, … Die Liste ließe sich wohl ewig fortsetzen.

Zur Weihnachtszeit aber (ab Mitte Oktober), da setzen die kreativen Köpfe noch einen drauf und vereinen Volksverblödung mit einer kräftigen Portion Werteverfall. Nicht nur, dass hierzulande überall ein übergewichtiger, roter Mann eigentlich überhaupt nichts mit dem Fest zu tun haben sollte (und trotzdem in 95% aller Webungen auftritt), nein, sogar vor seinem ehrwürdigen Dasein machen die Werbestrategen keinen halt. Da wird der Weihnachtsmann von speckigen Handy-Netzbetreibern gefesselt, für Pay-TV Kanäle von halbnackten Weihnachtsfrauen abgelöst und auch sonst nicht geschont. Vielleicht ist das auch nur eine versteckte Botschaft, die besagt, dass man das dem Christkind nie antun würde, weil man es insgeheim viel lieber mag. Ich verstehe es halt nur nicht.

Werteverfall in der Werbung – eine Sache die mich nicht nur zu Weihnachten stört. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn schon der „Geiz geil ist“? Erscheint es nur mir paradox, wenn die einzigen Institutionen die zugestehen, dass im Leben Geld nicht das Wichtigste ist, Banken sind? Aber um noch einmal auf Weihnachten zurück zu kommen. Einem Fest, das viele wohl nur noch mit teuren Geschenken und Stress beim Christbaumputzen assoziieren. Heute, am 24. Dezember, ist hier etwas passiert, das mir erst wieder so richtig klar machte, was für ein Luxus das frohe Fest für uns überhaupt ist. Wir saßen gerade beim Mittagessen, es gab natürlich nicht viel, damit am Abend beim jährlichen Fondue der Hunger seinen Höhepunkt erreichen würde.

Da schmatzten wir also vor uns hin, als ich plötzlich durch das Fenster bei den Nachbarn einen schwarzen Mann an die Haustür klingeln sah. Ein afrikanischer Flüchtling, der am Weihnachtstag auf etwas offenere Herzen der Menschen zu treffen hoffte, und deshalb durch die verschneite Gegend von Tür zu Tür lief um einige Euro zu erbetteln.

Und als ich in Gedanken versunken so aus dem Fenster blickte, da sagte ich mir, wie glücklich ich mich eigentlich schätzen darf, weil ich an diesem Abend und dem nächsten Tag meine ganze Verwandschaft sehen konnte. Und weil ich das in meiner Heimat tun dürfte – aus der mich zum Glück weder Hunger, noch Armut noch Krieg vertrieben hatten. Wie dekadent unsere Gesellschaft mittlerweile war, dass sie dieses Fest so sehr vergeudete. Aber es zeigte mir auch, wie froh ich eigentlich sein musste, dass ich überhaupt über die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes nachdenken konnte – weil es mit dem ursprünglichen Gedanken nicht mehr viel gemein hatte.

Über all das dachte ich in diesen Minuten nach, als die Tür klingelte und meine Mutter sie öffnete. Vom Esstisch aus hörte ich einen Mann in gebrochenem Englisch sagen: „Merry Christmas, bitte…“

Fotocredits: UNHCR

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| 24. December 2008

3 Reaktionen bisher

    @schaffertom sagt:

    New blogpost: A Christmas Story http://is.gd/djlm (Sorry Folks, it’s in German)

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    !!! | 24. December 2008 | 16:37
    Konrad sagt:

    “Produzenten von Fernseh-Werbung müssen meiner Meinung nach einen ganz besonderen Dachschaden haben.”

    Kleine Korrektur am Rande: ein Werbefilmproduzent ist mitnichten am kreativen Prozess bei der Entstehung eines TV-Werbe-Spots beteiligt. Dies bewerkstelligt im allgemeinen die Agentur in direkte Absprache mit dem Kunden. Der Produzent kümmert sich um die Finanzierung und Organisation der, wie er Artverwandtheit des Namens anzusehen ist, Produktion des Werbespots. Klar, das ist Klugscheißerei, aber mit aus kleinen Fehlern erwachsen leider meist Größere.

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    !!! | 26. December 2008 | 18:04
    Tom Schaffer sagt:

    Ich meinte auch nicht die Berufsbezeichnung, sondern alle die am Prozess der Entstehung (also an der Produktion) irgendwie beteiligt sind. ALLES SCHWEINE! ;)

    na, thx für den hinweis. ;)

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    26. December 2008 | 18:17

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